Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1917)
- Date
- 1917-03-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2693025-2693036--09832-2705092- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4. - Herrschsüchtige Priester mitreden dürfen! Dort trübt kein Haß'und kein Meid die ewige Harmonie, kein Torque-' mada, keine Inquisition!" „Könnten die Menschen nicht auch ihre Erde in ein Himmelreich roandeln?" Er kehrte zu den früheren Gedanken zurück: „Wie könnte eine Verbindung aller freien Geister zu Stande kommen? Wer wird sie erwecken? wer verbinden?" „Wer?" — Und warum sollte ich nicht einer der- Ersten sein,'mich diesem Unternehmen zu weihen? Auf dem SchlÄhtfelde, für die - Einheit des Vaterlandes konnte ich mein Leben tausendmal aufs Spiel setzen, — und wo es gilt, für Menschenliebe und Gewissensfreiheit zu. kämpfen, sollte ich müßig fein? Wäre ein Kampf gegen Bosheit und Tyrannei nicht glorreicher als jener gegen die Mauren?" ©a erinnerte er sich der ersten Einführung der Inquisition in Sevilla. Die angesehendsten Männer der Stadt beriefen eine Versamnrlung und beschlossen, öffentlich die Inquisition zu bekämpfen. Aber bevor sic vermocht hatten, über den Plan einig zu werden, wurden sic, einer nach dem andern, sestgenommcn, und in unterirdische Gefängnisse geworfen! Und was war ihr Ende? Sie waren die Ersten, welche dem Blutgerichte zum Opfer fielen. Man hatte.sic gepeinigt, gefoltert und zuletzt, verbrannt! Miguel erbebte, und ein kalter Schauer überlief ihn. „Gegen eine solche Macht gilt es zu kämpfon! Werde ich wohl ein anderes Ende nehmen?" Und die Gestalt Claras stieg vor ihm auf, wie sic ihn anflehte, auf der Hut zu fein, da die Inquisition überall ihre Horcher hat. Er, hatte ihr versprochen, vorsichtig zu sein; sollte er fein Wort brechen?" „Aber soll ich denn dem Niedergänge des Vaterlanbcs müßig zusehen und die Hände in den Schoß legen, während Taufende von Unglücklichen verzweifeln?" — wehrte er sich gegen den früheren Gedanken. — „Konnte ich meinen Mut nur im Kampfe gegen die unschuldigen Mauren zeigen?" In Miguels Gemüt tobte ein wilder Sturm; rasender Zorn verzerrte sein Gesicht, und er sah aus, als wollte er sich auf einen nahen, unsichtbaren Gegner stürzen. Das Pferd wieherte laut ans, als erriete. es die Gedanken seines Herrn und jagte im raschen" Trabe davon. Miguel riß heftig die Zügel an sich, und brachte das Pferd zum Stehen. Er zürnte, daß es ihn in seinen GÄrmken gestört hatte. „Das ist ein weittragender und ernster Gedanke," dachte er Wetter, während bas Pferd ruhig und lautlos dahin schritt, „aber er will gut überlegt sein und heischt Vorsicht und Besonnenheit. Ich muß darüber mit' meinem Meister Don Fcreira sprechen. Ohne seinen Rat werde ich nichts unternehmen. Ich dachte ohnehin, ihn zu besuchen. Sett zwei Jahren habe ich ihn nicht gesehen und sehne mich schon längst nach ihn; er erwartet mich auch gewiß mit Spannung." Das Pferd machte Halt, und Miguel erblickte sich vor seiner Haustürc. Er sprang aus dem Sattel und pfiff. Ein Diener erschien, Miguel warf ihm die Zügel zu und trat ein. Die nächsten Wochen lebten die Brauleutc ihrer jungen Liebe. Sie führten unendüche Gespräche über die ernsten Fragen des Glaubens und des öffenllichcn Lebens, denn Miguel war mit ganzer Seele bemüht, seine Ansichten in Claras Gemüt zu verpflanzen und fühlte sich beglückt zu sehen, daß sie bald nrit ihm in allen Stücken eines Sinnes sein wird. Eines Tages, als er in seine. Wohnung zurück kehrte, erwartete ihn ein Eilbote aus Cordova, der ihm einen Brief von seinem Lehrer übcrbrachte. Dieser schrieb Folgendes: „Lieber Miguel! Ich habe gehört, daß Du glücklich; vom Kriege nach Toledo znrückgekehrt bist und Dich wohl befindest. Es ist mein lebhafter Wunsch, Dich zu sehen,, — auch habe ich eine dringende Angelegenheit zu Dir. Mache Dich also rasch auf den Weg zu Deinem Lehrer, der Dich sehnsüchtig erwartet. Monso de Fcreira." Noch' an demselben Tage nahm Miguel für einige Zett Urlaub, verabschiedete sich von Clara, und am nächsten Mprgen in aller Frühe ,var er auf dem Wege «ach EoÄöva. .. '. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. $ , Es war ein klarer und kühler Morgen. Die ersten Strahlen der ausgehenden Sonne tauchteil den östlichen Rand des azurblauen Himmels ingoldene Farben. - In der Seele Miguels tauchten alte, halbverblaßte Erinnerungen auf. Da. stand vor ihm die Gestalt seines Lehrers und Erziehers De Fcreira; er sah das blasse verklärte Antlitz, die hohe gedankenvolle Stirn, die längliche Adlernase und die tiefen schwarzen Atlgcn, aus denen leuchtende Blicke schoßen, das freundlich heitere Lächeln, welches tun seine Lippen schivcbte und dem vom silberweißen Bart umrahmten Gesichte den Ausdruck herzgewinnenden Wohlwollens und innerer Seelenruhe verlieh. Mit tvclchcr Wonne vcrtvciltc Miguels geistiges Auge bei dieser geliebten Gestalt! Herrliche Zeiten waren cs, die er in Gesellschaft seines Meisters verlebt hatte. So oft er bei ihm ivar, kam es ihm vor, als tauchte er in einen erfrischenden Quell, der ihni inneres- Labsal gewährte und neues Leben in seine Seele träufelte. Es ist ein eigentümliches Ding uni die Freundschaft ztvischen dem Alter und der emporblühcnden Jugend. Diese bedeutet das Leben mit seinen rastlosen Mühen, und jenes die Sttllc und Ruhe nach dem Sturme. Und wie erquickerü» war cs für Miguel, so oft er voni Gewühl -es Lebens dort draußen hcimkehrte in der bc- .fänsttgenden Nähe des Alten äuszuruhcn und hier sein kochendes Blut zu kühlen. Hier' umfing ihm die Atmosphäre hellerer Seelenruhe und harmonischen Friedens. - Und an die Gestalt des geliebten Lehrers knüpften sich Miguels . früheste. Erinnerungen, in ihrer Begleitung tauchten andere Schatten in seinem Gedächtnisse auf, die einen süßen Schmerz in seiner Seele wachriefen. Da fesselt ihn eine verblichene Gestalt) ein Schatten den etwas wie ein leichter Schleier verbirgt, der aber die unsicheren Umrisse eines lieblichen, schönen Antlitzes durchblicken läßt, worin ein gütiges, seelenvolles Augenpaar leuchtet. Miguel wars als fühlte er noch heute die kosercke Berührung von einem paar samtweicher Arme, die sich zu ihm ausstrecktcn, und den wonnigen Kuß auf seinen Lippen... ihm schmilzt das Herz bei dieser Erinnerung... das ivar seine Mutter. .Sie starb als er vier Jahre alt tvar und außer jenem Schatten blieb keine Erinnerung an sic in seiner Seele zurück. Auch ihres Todes' erinnerte er sich nicht, mehr, aber als er lange Zell nachher nach der Mutter verlangte, sagte man' ihm, sie wäre in den Himmel gegangen. Dann erzählte ihm der Vater, daß er bald eine neue Mutter bekommen werde, worüber sich das Kind sehr freute. Später kam eine fremde Frau ins Hans, die man ihm als die neue Mutter vorstellte. Sie nahm ihn in die Arme und ivollte ihn ki'tsscii,. craber riß sich los, stürzte zum Vater hin und sagte: „gieb mir meine frühere Mutter wieder, ich mag diese neue Mutter nicht! — Der Vater verwies ihn streng ..Da tauchte die Gestalt des Vaters vor ihm aus. Er war ein schlanker, hagerer Mann mit länglichem, gebräuntem Gesichte, glühenden Augen und einem kleinen schtvarzcn Bart. Miguel erinnerte sich seiner in der Parade-Uniform eines hohen Offiziers, mit einem goldenen Ehrcndcgcn an der Seite. Er pflegte den größten Teil des Jahres bei Hofe zuzubringen, wo er ein hohes Amt bekleidete, und so oft er nach Sevilla für kurze Zeit zu seiner Famllic zurückkchrtc, brachte er ihm die schönsten Geschenke mit. . Sein Vater war wortkarg und nachdcnkcnd und vereinte in sich Heldenmut und Weisheit in schönster Harmonie. Icke freie Stunde, die ihm der Dienst übrig ließ, verbrachte er bei den Büchern und mied jedes Trinkgelage und Spiel und jede müßige Unterhaltung. Der Vater pflegte ihn selten zu liebkosen, aber er wußte wie sehr sein Herz an ihm hing. Er selbst hegte eine unendliche Liebe zu seinem Vater verbunden mit tiefer Verehrung. Als er sechs Jahre alt war,' bekam er ein Schwesterchen, und dann brachte ihn der Vater »ach Cordova ins Haus seines Lehrers, da er selbst, wie er erklärte, dem Sohne keine angemessene Erziehung geben könne, weil er so selten zu Hause sei. Und Miguel erinnert sich, wie er und sein Vater im Hause des Lehrers freudig empfangen wurden, wie liebevoll ihn der Alte beivillkominnct hatte. Er nahm ihn auf den Schoß und küßte und liebkoste ihn so herzlich. Und als der Barer sich verabschiedete, um nach Hause zu reisen, tröstete ihn De Fcreira und versicherte, es ihm an nichts fehlen zu . lassen, ihn zrr hegen und zu. pflegen wie ein eigenes Kind. Und hat er ihn nicht wie einen eigenen Sohn beharrdelt?. F. SAINT-DEN IS, WÖSSS*, ALLE REPARATUREN In UHREN Gold Imd Sllberwaren, Brillen und Zwicker. Nr. 11. Sr Kaffee Itulilaml S Kaiserstrasse 56 Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige DM»- Unterbaltnngsrnnsik'1 «9i —■=■ Gesangs* Einlagen.;"a,n an ' Schüler und Meister hatten sich gleich liebgewonncn. Anfangs bedruckte Miguel die Einsamkeit in De Fereiras Hause, denn dieser war unvermählt geblieben und bei ihm lebte nur noch eine alte Dienstfrau. Bald aber gewöhnte sich der Knabe daran und empfand das Alleinsein nicht schwer) denn De Fereiera ivar ihm nicht nur Lehrer, sondern auch Freund und Gespiele. (Fortsetzung folgt.) Wocheu-Saleuder Samstag, den 17. März (— -23. Adar). Sabbat-Anfang i» Frankfurt a. M. 6.Uhr. Sabbat-Altsgang in Frankfurt a. M. 7 >Uhr '20 Mn., in Berlin 6 Uhr 55 Min. Wochenabschmtt: Wajakheil Pekndei. — Die Spenden für die Stiftshütte. Die Stiftshüttc. Die Priestergewänder. Parschas Pvroh. Rausch-Chaudesch benschen (Ranjch-Chandesch Nissan: Samstag, 24.' März). f Ans dem Prvphctenwort des Sabbats (Ezechiel Kap. 36, Vers 24—28): Ich werde euch ans den Böllern 'nehmen, aus allen Ländern versammeln und heimbringcn in euer Land. Und reines Wasser sprenge ich aus..euch, und ihr werdet rein werden; von'allen eliren Unlautcrheiten und allen euren Greueln werde ich euch reinigen. Ich gebe bann ein neues Herz nnd einen neuen Geist in euer Inneres, und ich entferne das Herz von Stein aus eurem Fleische und gebe euch ein fühlend Herz. Und meinen Geist gebe ich .in euch nnd bewirke,' daß ihr in meinen Gesetzen wandelt und meine Rechtsordnungen hütet und ausführt. Ihr werdet friedlich wohnen, in dem Lande, das ich euer» Vätern gegeben habe; ihr werdet mir zum Volke, und Ich werde euch Gott sein. Wochengottesdienst in Frankfurt a. M. Morgens: 6 Uhr 30 Mn. in den meisten Synagogen (Bockcnheim, Unterlindau 7 Uhr, Hanptsynagoge Köirigsteinerstraßs: 7 Mhr). ■ Abends: 6 Uhr in den meisten Synagogen (Hauptsynagogc 4 Uhr, Königstcinerstraße 7 Uhr). Bereius-Kaleuder. Z c n t r a l v c r c i n - i s r. Gemeindemitglicdcr Samstag, 8>/i Uhr, Restaurant Stadtgarten, Eschenhcimertor: Generalversammlung, anschließend Bortrag „Der jüd. Religionsunterricht in den Schule» FrcniksurtS" (Lehrer I. B. Levy). Zionistische Jugend g r u p p c. Donnerstag, 8V2 Uhr, Steinernes Hans, Branbachstr.: Vortrag von Schwester Judith über christliche Dichter und Denker und ihre Beziehungen zur jüd.» Geschichte nnd Literatur. Berc-in zur Pfleg e jüd. Wissens. Montag, 8Vs Uhr, Blcichstr. 70: „Das Handtverk bei den Inden''. Frankfurter FamMeuuachrichte». B a r m i z w 0 §. Bernhard Hcidingsfeld, Waldschmidtstraße 76; Lcop. Stern, Stiftstr. 18, Synagoge Friedb. Anlage. — Haus Grvedel, Scheffelstr. 25, Synagoge Börneplatz. — Ernst Wertheimer, Obcrlindau 55, Synagoge Unterlindau. Gestorben. Toni Hetz, geb. Stern, 48 I., Gagernsttaße 36. — Siegst. Bloch, 21 I., Waldschmidtstr, 111, i. F. Auswärtige Familieuuachrichte«. 'Geboren. Mn.Sohn Max Piiikus (Treitel), Dresden. — Eugen Crohn (Dornski), Stettin.. Verlob te. Erna ' Sußmann mit Mor. Gotthils, Kattowitz. 1 Gestorben. Feldarzt Dr. Adolf Jankelvwitz, 46I., Gera, i. F. — Babette Israel, geb. Peinganam, 78 I., Sontheim-Heilbronn. — Rechtsanw. Otto Steinthal, tz5J., Mannheim. — Jacob May, 19 I., Höchst i. O.., i. F. — Benno Bacr, 25 I., Seligenstadt, i. F. — Helene Brunner, geb. Nachmann, Landau. — Sara Frankfurter, geb. Scheye 90 I., Berlin. — Dr. Julius Löwenthal. 55 I., Nordhausen. — Johanna Baß, geb. Arens. 47 I., Danzig. — Felix Cassel,' 36 I., Berlins i. F. — Dr. Hermann Oltendorf, Berlin. — Justizrat Hermann Levisohn, 67 I/, Berlin. — Samuel Tauber, 76 I., Kreuzburg. — Leo Katz, 59 I., Karlshorst, — Louis Aronsohn, 59 I., Soldau. — Sani tätsrat Dr. Alexander Fricde'berg, 55 I., Berlin. — Hedwig Salomvir, geb. Kirschbaum, 36 I., Köln.— Rosa Löb, geb Marx, 78 I., St. Ingbert. — Salo Schmnckler, 60 I., Köln. — Max- Oftwald, 64 I,,- Elberfeld. - Spende«. Es .gingen bei der Nationalfondskommission (I. Heimann, Zeit 19) ein: , Spendenb nch) H. B. z. Andenken an ihren geliebten Gatten 20 M: