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Neue jüdische Presse · 1917-03-16 · Heft 11 (16.3.1917) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Saite 3. Nr. 11 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Cs gibt «Ws Sicheres als die draWe! Krikgsanlrillk. ' Der GesunSheitszuständ. Den Nachrichten der.palästinensischen Presse zufolge scheinen die Krankheiten, die in den Städten Palästinas schon bald zwei Jahre Witten, noch immer nicht zur Ruhe gekommen zu sein. Zum Flecktyphus ist der Bauchtyphus hinzugekommen. Die soeben eiiigetrofsenen 8 Nummern des „Hachernth" (vom 30. Dezember bis 10. Januar) enthalten sieben Nachrufe. Zu den neuen Opfert! gehören unter anderen der 40jährige David Schlesinger, der Leiter des Waisenhauses in Jerusalem, der 43jährigc Leib Weber, einer der Führer der Jeschibah ,^)hel Mosche" in Jerusalem, die Gärtnerin Esther Harari, M. Reumann, einer der ältesten Kolonisten in Rischon le-Zion, der Schwiegervater des Schriftstellers I. Grasowsky. Der Krieg und die J«den. Frankfurt a. M. Redakteur L. B e n a r i o und Bankier Oskar Oppenheimer Erhielten das Verdicustkreuz sür Krie gshil fe, Feld-Unterarzt P aul L oeb und Dr. Hans Herxtzeimer das Eiserne Kreuz. München. Die Oberärzte Dr Fe i ixW a ss erm an n- Münchcn und Dr. Benno Grünfelder -Hof erhielten den Militär-Sanitätsorden 2. Kl. Augsburg. Leurn nt 'ßaul Rosenbusch erhielt . das Eis erne Kreuz 1. Kl. Nürnberg. Obeiarzt Dr. Hugo Löw, Vizefeldwebel Willy Schottländer, Leutnant August Mainzer und Feldwebelleutnmit ischulhöfcr erhielten das Eiserne Kreuz. ' Fürth. Kurt Königsberger. Leutnant bei einer Fliegerabteilung, Inhaber des'Eisernen Kreuzes, erhielt den M i l i t ä r v e r d i e n st o r d e uz 4. K l.-m. S ch w. und Oberstabsarzt Dr. M. L. Meyer-Nürnberg, Inhaber der meining. Verdienstmedaille, den Militärverdicnsko r d e n 4. K l. . . f Spangenberg Oberar,t Dr. Karl Israel erhielt das E i s e r n e K r e u z 1. K l. Düsseldorf Paul Man es erhielt das Eiserne Breslau. Unteroffizier John Erätzer, Dizefeldw. Äolzboeck und Unteroffizier Alfred W a chs n e r erhielten das <Li s e r n e K r e u z. Assessor Dr. Ern ch R o s e n t h a l und Rechtsanwalt Samuel Nothmann wurden zu Leutnants befördert. Wien. Bloch's „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in ilj.rcr letzten Nummer folgende Ausz eich n ungen an 1 Offizierskreuz des Franz Josef-Ordens/ 3 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 5 Militärverdienstkrenze 3. Klasse, 6 silberne Signum laudis, 32 bronzene Signuni laudis, 1 goldenes Derdienstkreuz mit der Krone, 22 goldene Berdienstkreuze. 5 silberne Berdienstkreuze mit der Krone, 2 silberne Berdienstkreuze, 5 silberne Tapferkeitsmedaillcn 1 Kl., 51 silberne Tapferkeitsntedaillen 2 Kl., 32 brozenc Tapferkeitsmedaillen, 1 belobende Anerkennung, 3 Eiserne Kreuze, 4 deutsche Kriegerverdienstnredaillen, zusammen 175 Auszeichnungen; hievon 57 an 'Offiziere und Kadetten des Soldatenstandes, 18 an Militärärzte und Militärbeamte, 80 an Mannschaftspersoncn. Trieft. Hier dielten jüngst die zwölf Feldrabbiner der Jsonzo-Armee unter Vorsitz von Dr. Tauber eine Beratung ab, die u. a. der Mazzothbeschaffung für die jüdischen Soldaten ini Felde galt. Personalien «. kleine Mitteilungen. Berlin. Hermann Abrab am, der bekannte Begründer vieler Berliner Wohlsahrtseinrichtungen feierte am 11. März den 70. Geburtstag. .Die Jüd. Lesehalle und Bibliothek — Oranienburgerstr. 58 — zählt 9412 Bände und hat 79 Zeitschriften ausliegen. Die Besucherzahl im vergangenen Jahre bezifferte sich auf 11,100. Berlin. Frau Gertrud Masse. Bendlerstraße, die seit dem Jahre 1909 alljährlich 50,000 Mark in hochherziger Weise der Stadtgcmeiiidc für die Zwecke der Vcrtcilüng von Atilch als erstes Frühstück an bedürftige Genteindeschulkinder gespendet hat, hat auch in diesem Jahre wiederum den Betrag von 50,000 Mark für diesen wohltätigen Zweck 'dem Magistrat überwiesen. Hamburg. Das Israel Vorschuß-Institut blickte im vorigen Jahre ans ein hniidertjährigcs Bestehen zurück. Aus diesem Anlaß ist eine im Aufträge seiner Verwaltung von Syndikus Dr. R. M. Nathan bearbeitete Festschrift herausgegeben worden. Die'Schrift enthält eine Geschichte des Vorschuß-Instituts, eine Statistik der Darlehen und Uebersicksi über das Vermögen des Instituts in den Jahren 1816 bis 1915, statistische Untersuchungen über die Tätigkeit des Instituts in den Jahren 1906 bis 1915, Verzeichnisse der Geschenke, Vermächtnisse, Stiftungen, Vorsitzenden und Mitglieder der Verwaltung, eine Schilderung der Feier des 25jährigen Bestehens des Instituts, seine Statuten und Vordrucke, ein Verzeichnis der Borschuß-Anstalten und -Stiftungen in Hamburg. München. Frau Overraobiner Rosa Werner erhielt, das Ludwigkreuz. B°yreulü. Fabrikbesitzer Si gm. Meyer wurde zum Handelsrichter ernannt. * Warschau, 1. März Gestern verstarb hier im 58. - Lebensjahr der Raw D. Ber Kupjetz. * Warschau, 4. März. Die alte, wohl bekannte Lomzer Jeschibah, aus derbedeutende Rabbiner und- Gelehrten hervorgegangen sind, erläßt im „Jüdischen Wort" einen Aufruf, der auf, ihre materielle Notlage hinweist und alle, denen der Fortbestand' der Jeschibah am Herzen .liegt, zu Geldspenden auffordcrt. * WarschM,4 März. Die Z abl d er Ch ed arim Mach einer Matistik befinden sich in'Warschau 366 Chedärim, die von 13,172 Kindern im si liier Vvn6 bis 18 Jahren besucht werden. Diese Chedärim verteilen sich -!auf 250 eiiiklassige, 60-zweiklassige, 54 drei- und vicrklassige und endlich, je eine sechs- und siebenklassige. - Warschau, 1 Mä>z. Das Rabbmat hat beschlossen, den Genuß von Hülsenfrüchteu für den kommenden Pcssach zu gestatten. < Prag Die Beriügung der hiesigen Behörden gegen die galizischen Flüchtlinge ist endlich wieder aufgehoben w o r d e n. Zürich Rabbiner Mosche Seiw Rom. sehr angesehen infolge seines bedeutenden jüdischen Wissens, seiner Liebestätigkeit und seiner Milde, ist verschieden. Paris. Folgende Ste-befa»e meldet di-Prrffe: Lu eien L a z a r d , Professor an der Talmud-Thora, eiir Sohn des verstorbenen Rabbiners Felix Lazard; Madame Engen S s e, geb. Pollonais, die Gattin des Vizepräsidenten der „Alliance isr. universelle"; Madame Iojcph Bing, die Gattin des bekannten Graveurs Bing; Eduard Petit. Generalinspektor des Primarschnluntcrrichts (früher hieß der Verstorbene Moise Klein). London. Ende Feb.uar Im Alter von 53 Jahren ist in London der bekannte jüdische Wohltäter und Leiter der jüdischen Gemeinde Ch. Jessel gestorben. Der Verschiedene ist als ausgezeichneter Advokat weit und breit bekannt gewesen und genoß großes Ansehen. Neapel Hier tagte das n.uaeqründete Komitee „Pro Causa Ebraica", welches die Bevölkerung Neapels zur Arbeit für die GteichLercchtiguiig der Juden aller Länder heranziehen will. Es wurde in dieser Sitzung mitgeteilt, daß demnächst ein Kongreß nach Rom berufen werden soll, um die Vorschläge der israclitschen Gemeinden und bekannter italienischer Persönlichkeiten zur Sprache zu bringen. Prof. Graziani und Professor Momigliano schilderten die Lage der Ostjnden. Es wurde eine Tagesordnung angenommen, in der vom Jriedcnsschlnsse die vollständige Gleichberechtigung aller Juden verlangt wird. Der Verlauf der Sitzung und der anschließenden Diskussion zeigte, daß unter den Israeliten Neapels die größte Gleichgültigkeit für die Interessen des Judentums herrscht. NewUork. Wie aus Hyvnpoot berichtet wird, starb dort Ende Jamiar Boris Wahl, ein Nachkomme von Saul Wahl, des polnischen Königs, der einen Tag regiert hatte. New-Uork. Der bekannte jüdisch-,ussi-che SchriitneUer und Journalist Leon 4. r o h k y ist init seiner Familie in Ncwyork angckommen. Trotzky befand sich beinr Kriegsausbruch in Paris als politischer Flüchtling, mußte aber bald darauf auf Bemühen des russischen Botschafters Frankreich verlassen und begab sich nach Spanien. Aber bald, und zwar ans demselben Grunde wurde er and)! von dort ausgewiesen. Montreal Hier wurde unlnng-r 'eine jüd Volksuniversität, die erste iir ganz Amerika eröffnet. Die Erösfnungslektionen hält Dr. Salomon Weinberg. In der Universität sind Kurse für jüdische Geschichte und Literatur, moderne Sprachen, Philosophie, naturwissenschaftliche Physiologie und andere Wissenschaften eingerichtet. ' („Lodzer Volksblatt/si ■ Toronto lConadat. anlangs Februar. Nach einer kürzlich vorgcuommeuen Volkszählung hat die Stadt 460,526 Einwohner, darunter 30,590 Inden. Cafe Kaisergaeten am Opernplatz Erstklassiges Familien-Cafö Jeden Nachmittag Ton 4 bis 7 Uhr and Abend von _ _ 8V» Uhr ab _ BL-iinsti e-p-BLonzer*. *** Frankfurter Berichte. Gemütliche Zusammenkunst verwundeter jüd. Soldaten. Die Zion. Jngendgruppe veranstaltet jeden Donnerstag nachmittag von 3—6 Uhr im Kaffee Hauptwache, 1. Stock, eine gemütliche Zusammenkunft in hiesigen Lazaretten befindlicher jüdischer Soldaten. Die Zion. Jugendgrnppe stellt Tee und Zigaretten. Verein „Tif-relh Bachurim' Der Vortrag des Herrn Wilhelm Rosen über „Die Frankfurter Judengasse" war sehr gut besucht. Redner führte aus: 1241 ist die erste bekannte Jahreszahl; sie erzählt von der Vertreibung der Juden aus Frankfurt. Nach erfolgter Nückberufung dachte wie auch frühernicinand daran, ihre allgemeine Stellung zu verschlechtern. Dem Einfluß der Kirche war es zuzuschrciben, daß mit Ausgang des Mittelalters überall ans die Juden ein Druck ausgeübt Imirde, daß inan sie zwang, sich in eigenen Straßen von der christlichen Bevölkerung abzusondern. Endlich mußte sich nach langem Zögern auch der Frankfurter Rat dem Befehl fügen und 1460 eine Judcngasse einführen. Sie zählte 1462 11 Häuser. Die Einwohnerschaft vermehrte sich, sodaß die Häuser geteilt. Hinterhäuser und Stockwerke gebaut werden mußten. So entstanden mit der Zeit die entsetzlichen Zustände der Ucberfüllung mit all ihren hygienischen und sanitären Misslichkeiten. 1612 war der Fettmilchanfftand, 1614 wurden die Juden vertrieben, 1616 wieder eingeführt. Ter 30jährige Krieg hintcrließ auch in der Judcngasse seine Spuren. Bis ini Jahre 1709 die Häuscrzahl iuid Einwohnerzahl stieg. Am 14. Januar 1711 brach, jener große Brand aus,' der die ganze Gasseeinäscherte^ 1721 brannte abermals ein Teil der Gasse nieder, wobei die „Helfer" das brennende Viertel weidlich ausplünderten. Nach dem lange. verzögerten Wiederaufbau der Gasse begaim eine friedlichere Periode ihrer Geschichte, die bis zur Beschießung der Stadt durch die Franzosen dauerte. Erst die französische Revolution brachte hie Freiheit. 7. Februar 1811 erfolgte gegen Zahlung von 440,000 Gulden die bürgerliche Gleichstellung der Juden, die allmählich vollständig ausgeführt Purimfeier im Moutesiore. ' Purimfeier im Moutefiöre. | : Am, 8. März fand im volkgesüllten Saaledes Montesiore-BereinS eine Pnrimfeicr statt. Biele Damen und Herrn trugen zum Wohlgelingen des Festes Lei: Frl. Battenberg, Herr Ziegelstein, Herr Sieb ermann, Frl. Scheuer u. a. m. Zn markanten -orten sprach Herr Rabb. Dr. H o r o v i tz - über die Bedeutung des PnrimfestcS, als Fest der Fröhlichkeit, das als Aeutzerung des unverwüstlichen Optimismus des jüd. Volkes zu betrachten ist, das trotz aller Verfolgungen seine frohe Zuversicht und seine gesunde Lebensfreude nicht cingebüßt hat, dank seinem Gottesvertrauen für eine bessere Zukunft und dank seinem unerschütterlichen Glauben ait den Sieg des Guten. Edlen. Die kurze Ansprache wurde nnt allseitigem starken Beifall ausgenommen. Den Höhepunkt des geselligen Teils bildeten der Gesangsvortrag des Frl. Bloch und die Rezitationen der Frau Else Nathan. Stürmischer Beifall belohnte sie. Gleichfalls sehr beifällig wurde der kunstvolle Bortrag jiddischer und deutscher Volkslieder des Frl. Philippsb o r n ausgenommen. Mit einer kurzen Schlußrede des Herrn Singer endete dieser schöne und genußreiche Mend. ' K- 0. IE. T. Rodehaii, Harrenschneider Frankfurt a. Main, Friedt-nsstrasae No. 1 Telephon: Römer 3650. feinste mass-scbneiderek. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. I 4'fiiullßtnn. Die Geschwister. Erzählung aus dem' fünfzehnten Jahrhundert von Ben-Avigdor. (Fortsetzung.) In Gedanken versunken kehrten sie heim. Als Miguel sich empfahl, ermahnte ihn Clara flehend: „Ser auf Deiner Hut. denn die Inquisition hat ihre Spione überall, und ein unachtbares Wörtchen könnte Dich verderben." „Sei ruhig. Ich weiß mich zuhüten. Meiner sollen sie nicht habhaft werden." 6. Die Liebenden hatten sich empfohlen, und Miguel ritt nach seiner Wohnung. Die Unterredung hatte ihm eine schwere Last vom Herzen genommen. Clara war ihm' nun doppelt teuer. Er ritt langsam durch die menschenleeren Hintergäßchen dahin. Ein leichter Windhauch blies und wehte ihm Erfrischung zu. Er erhob seine Augen zum Himmel und blickte zum Mond empor, der sein sanftes, melancholisches Licht aus die Ebene ergoß und weiche, selige Träume von Liebe und Hoffnung in seinem Gemüt erregte. „Wer weiß", dachte er, „wie viele reine Herzen in diesem Lande schlagen, die nur vom Staub und Vorurteile bedeckt sind, den ein Hauch der Wahrheft wegfegen könnte. Wer weiß'? Der göttliche Funke, der in die Menschenbrnst gesenkt ward, erlischt nicht, auch wenn ganze Haufen von Asche ihn bedecken. Er glimmt und glimmt, bis er endlich aufflackert - und zur hellleuchtenden, wärmenden Flamme wird. Keine Macht kann das Menschengefühl in der Brust völlig ersticken." „Und wenn sich. nur Männer fänden," dachte er weiter, „die aufrichtig zu sprechen wagten. Man müßte jenen Funken mit anfachen, und bald würde er zur hellen Lohe iverden." Das Wiehern des Pferdes störte ihn aus aus seinen Gedanken. Er blickte ringsumher. Die Schatten der Häuser lagerten sich dunkel ans die Straßen. Hier und da glänzten in den Fenstern einsame, verstreute „Diese vereinzelten Lichter", fuhr ihm ein Gedanke durch den Kopf, „können jedes für sich die Dunkelheit nicht zerstreuen. Wie hell würden sie die Straßen erleuchten, wenn man sie in eine Flamme vereinte!" „Würden nicht ebenso", folgerte er weiter, „die zusammenhanglosen, denkenden Männer, die jetzt von einander keine Kenntnis haben, zu einer Partei vereinigt, eine unüberwindliche Macht bilden, welche es wagen könnte, den Kamps gegen die blutige Tyrannei der Inquisition aufzunehmcn und den Feind zu Boden zu strecken." * ' Miguel erhob seine Augen zum Himmel. Der Mond blickte sanft und friedlich hernieder, die Sterne glänzenden wie Tausende unschuldiger Kinderaugen. „Dort oben", dachte er, „herrscht ewiger Friede und unendliche Liebe. Dort waltet Gott allein, ohnedaß

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