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Neue jüdische Presse · 1917-03-16 · Heft 11 (16.3.1917) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 . . .. Frankfurter ZftaRitisches FamikieMart. Nr. 11. gegenüber dem tteneral-Anzeiger Vornehmes Farn11ien-Kaffee Nachmittags n. Abends Konzert. "BW Verfechtung ihrer Interessen und Rechte Sorge zu tragen. Di^ zu tun, ist notwendig, und zwar je schneller, umso besser. Denn es handelt-sich hier um den Beginn' einer Entwicklung, die, weiter fortgeschritten, zu einer großen Gefahr für das polnische Judentum werden kann — und dies muß verhütet werden. * Dieustbesreiurrg und Urlaub an den PcffaM-Fetertageu. AuS dem Büro der„Freien Vereinigung für die Interessen des orth. Judentums, E. V." wird uns geschrieben: Durch Verfügung vom 3. März (Nr. 1247-2-17 C la) hat das Kriegsministerium den in Betracht kommenden Stellen nachfolgende Wünsche betr. diejüdischen Pessachseiertage mit dem Anhcimstellcn' mitgcteilt, ihnen zu entsprechen, soweit es angängig ist und sich mit den dienstlichen Interessen vereinbaren läßt. 1. Für die in den heimatlichen Garnisonen oder an festen Standorten in den Etappen befindlichen Mannschaften Heimatsurlaub oder Urlaub nach der nächsten jüdischen Gemeinde; wo dies aus dienstlichen Gründen unmöglich, Dienstbcfreinng an den. 4 Hauptseiertagen (7., &, 13., 14. April und deren Vorabenden), ferner für die in den Garnisonen Verbleibenden an den beiden ersten Vorabenden (6. und 7. April abends) Stadturlaub bis 12 Uhr nachts zur Dülnahme am Gottesdienst und der häuslichen Andacht 2. Für die Mannschaften an der Front, soweit cs die Kriegslage gestattet, zum m i n d e st e n die Möglichkeit, die beiden Wende,Freitag, dcu 6. und Samstag, den 7. April eine gemeinsame gottesdienstliche Feier gruppenweise zu begehen, soweit nicht weitergehende Erleichterungen für sie möglich Die Kommandobehörben werden darauf hingewieftn, daß strenggläubige jüdische Mannschaften von einem mit Räsen verbundenen Urlaub pur dann Gebrauch machen können, wenn ihnen die Möglichkeit gewährt wird, die Reise selbst vor Beginn und nach Ende des Feiertags bezw. Sabbats znrnckznlegen. 3. Soweit jüdische Mannschaften der Feldarmee ohnedies Heimatnrlcmb erhalten sollen, dessen möglichste Erteilung am Osterfeste. Mazzosversand iu's Feld. Durchs Verfügung vom 26. Januar (2232. L 17. b 2) hat das Kriegsministerium bekanntgegeben, daß jüdische Heeresangehörige zum bevorstehenden Osterfeste Mazzos erhalten können. Diese Verfügung ist vielfach mißverstanden worden. Sie sollte nicht besagen, daß den jüdischen Mannschaften durch die Heeresverwaltung Mazzos statt Brot geliefert werden. Vielmehr sind die Bedingungen der Mazzoslieferung bei der „Freien Vereinigung für die Interessen des orth. Judentums, E. V."'in Frankfurt a. M., der das Kriegsministerium die nötigen Mehlmengen gegen Bezahlung zur Verfügung stellte, zu erftagen; von da aus erfolgt auch die Sendung der Mazzos. Denjenigen Mannschaften, die mit Mazzos versorgt sind, wird dann auf Antrag das Brotgeld für di« Zeit dom 7.—14. April ausbezahll. Aus aller Welt. d ■ Derafches Reich. Zur Zuckerdersorgang auf Vessach. Die Versorgung mit Zucker ans Peffach findet in der Weise statt, daß an den einzelnen.Orten Kleinhändler von feiten der Vorstände mit dem Vertriebe betraut werden. Ans vielfachen Wunsch ist nun angeordnet worden, daß diejenigen Haushaltungen, die aus besonderen religiösen Gründen den Wünsch haben, ihren Zucker nicht von dem Kleinhändler am Orte, sondern von einem der zugelassenen Großhändler zu beziehen, hierzu das Recht haben sotten, wenn sie dem Kommunalverband entsprechende Mitteilung zugehen lassen und dem Großhändler ihre Zuckerkarten direkt einsenden. . Pole«. * Warschau, 6. März Vom „Liberalismus" der Polen. Die jüdischen Ratsmänner reichten im Stadtrat zwei Interpellationen' ein, denen folgender Sachverhalt zu Grunde liegt: Den jüdischen Reservistcnstauen, deren Atänner auf Rußlands Seite kämpfen, hat der Magistrat die gesetzliche Kriegsnnterstützung entzogen, weil „sie keine Zivuakten Nachweisen könnend. In der ersten Interpellation, von Farbstein, Seidernann, -Eisenberg, Zoznanski und Davidsohn unterschrieben. wird aus die schlimme Lage dieser etwa Ml» Frauen uubr Familien hingewiesen -und über ihre harte Behandlung ge-: Kagt.'''Sie'besitzen, wird weiter gesagt^ eine „religiöse Hei-: ratsntknnde" und auch Zcugirissc der Gemeindeverwaltung,! und das allein dürft maßgebend sein. Wir ersuchen deshalb dringend, die Kriegsunterstützung den jüdischen Reservistenfrauen zukommen zu lassen, wenn sie nur religiöse Zeugnisse über ihre Trauung Nachweisen können." , Auch die andere Interpellation, die Berenson, Eiger, Muttermilch, Natauson .n. a. unterzeichnet. haben, ist in diesem Sinne gghalten. Das „liberale" Bersahren der Polen in jüdischen Angelegenheiten gibt sich hier erneut kund, sodaß sich sogar die extremsten Assimilatorcn verpflichtet fühlten, dagegen Verwahrung einzulegen. Doch scheuen sich die Polen nicht, weiter von der Gleichberechtigung der Juden und dergleichen schönen 'Dingen mehr zu reden. ... Za ven Gemeiuvewahlen Die Gemeindcwahlen, die in einiger Zeit stattsinden werden, haben.hier naturgemäß großes Interesse wachgcruftn. Die jüdische Welt Warschaus ist sich dessen bewußt, daß die Reorganisierung der jüdischest Gemeinde in Warschau, der größten Polens, von einschneidenden Folgen für die Entwicklung des jüdischen Lebens in Gesamtpolen fein wird. Die Nationaljudcn und ein großer Teil der Chassidim haben erkannt, daß der allmäck>tigen Herrschaft der ärgsten Assimilation — Nathänson-Dickskin —, die innerlich morsch und verfault' ist, ein Ende gesetzt werden muß; und daß ferner der Wunsch der jüdischen Massen, nicht der Vorteil einzelner assimilatorischer „Juden" ausschlaggebend sein muß, will man das Gemeindewescn auf gesunden Boden 'stellen. Um die jüdische Bevölkerung über die Bedeutung der Geineindewahleir aufzuklären, hielten die-' Zionisten, Orthodoxen und die Volksgruppe öffentliche Wahlmcctings ab, die den Auftakt zur eigentlichen Propaganda dar- Die „Agudath Hoortodoxim" plant ftrner eine Konferenz von Rabbinern und Gemcindcvcrtrctcrn (Dosors) der Provinz. In den Versammlungen, die vom 12. bis znin 14. März dauern werden, soll die Taktik der Orthodoxen bei den Wahlen in ganz Polen scstgelegt werden. Im Anschluß an die Konferenz wird ein großes Wahlmeetiiig in Anwesenheit der Delegierten der Provinz stattsinden. (Vgl. hierzu den dieswöchentlichcn Leitartikel. D. Red.) ' Aufhebung der Sonntagsruhe. Der Polizeipräsident hat eine Bekanntmachung erlassen, in der gesagt wird, daß die Verkaufsorte von nun ab auch am Sonntag bis 5 Uhr nachmittags offen bleiben dürfen. (Diese Maßnahme ist jedenfalls auf das Wohlwollen der deutschen Behörde zurnckzuführcn. D. Red.) ' Die Antwort des StaatsrateS auf die Adresse der jüdische» Gemeinde. Die hiesige jüdische Gemeinde hat auf ihre Begrüßung an den Staatsrat folgende Antwort erhalten: „Der Provisorische Staatsrat hat, synipathisierend mit dem Prinzip der Toleranz und Gleichberechtigung aller Bürger Polens, mit lebhastcnder Zufriedenheit die Bercitwilligkeit'der jüdischen Gemeinde, zu einer regen Mitarbeit für den Wohlstand und die Zukunft des Vaterlandes anfge- ' nvmmen." Krvnenmarsch'all N i e m o j e w s k i. Rußland. Petersburg, 5.' März Gegen die „deutsche und jüdische Gewaltherrschaft". Ende Februar (alten.Stils) wird in Petersburg, wie „Rußkaja Wjedomoste" meldet, eine Zusammenkunft der Monarchisten stattsinden. Die Erlaubnis dazu hat das Jnnernministerium schon erteilt. Auf der Tagesordnung steht u. 'a, auch folgender Punkt: Die ^Beseitigung des deutschen und jüdischen Einflusses auf dem 'Gebiete der Kunst und Wissenschaft, auf die Regierungs- und gesellschaftliche Tätigkeit, auf Handel und Industrie und namentlich aus die Finanzwirtschaft. Großbritannien. JahreSkousereuz der English Zionist Federation. Die Jahrcs-Konftrenz der English' Zionist Federation wurde am 9. Februar in London abgehalten. Der Besuch war ungewöhnlich! gut; 70 Delegierte waren erschienen. Als Präsident der 'Federation eröftnete I o s e p h Cowe n den Delegiertentag und gedachte zunächst des verstorbenen Vizepräsidenten Herrn S. Rubenstein. au l Goodman ergriff sodann das Wort. Er schilderte die Lage der Zionistischen Organisation in England, als Herr Cowen vor vier Jahren das Amt sbcs Präsidenten übernahm, den Aufschwung der zionistischen Tätigkeit seit dieser Zeit und die jetzige Lage der Federation, wo Herr Cowen von seinem Amt zurückzutreten wünscht. Für die Zionisten des East-End sprach! Rev. F. K. Goldbloom, der die Versammlung und den Präsidenten davon verständigte, daß Herr Cowen von den Zionisten des East-End ins Goldene Buch eingetragen sei, und daß in Palästina ein Kolonistenhaus errichtet werden soll, das den Namen Joses Cowens tragen wird. Cowen dankte, beantragte die Wahl von Professor Dr. Chaim Weizmann zum Präsidenten und erstattete den Tätigkeitsbericht' Bei der Nachmittagssitzung wurden eine Reihe von Resolutionen wegen Anerkennung jüdischer Rechte diskutiert und die politischen Aussichten des Zionismus erörtert. Zu diesem Thema sprach Dr. W e i z m a n n. Es wurde beschlossen, Schritte einzuleiten, um ein Zusammenarbeiten mit dem Order of Ancient Mac- , cabeans zu ermöglichen. Ferner wurde beschlossen, ein Komitee zu gründen, das' die Repräsentanz aller-jüdischen Elemente . in England darstellen solle, di. e än de r.P a l ü st t'TT c>- , 9fr6eit'vntVrefficrt fi’ttb". ' -; ’ '! Rev. I. K. G o ld bst o am,'erstattete de» Jüdisch:,, Nationalfonds-Bericht, wonach, -iür.-Jahre 1916 Lstr..L87, gegenüber Lstr. 286 im Vorjahre .gesnnunclt worden sind. Die Wahlen ergaben: Präsident Dr. Weizmann: Vize-Präsident Rev. I. K. Goldblovm für London, S. I. Cohen für die Provinzen; Sekretär Herr P a nl Goodman, Btitglicder des Exekutiv-Komitces für London : Fron Paul Goodman, die 'Herren I s räcl Cohen, Joseph Cowen, L. Eise», B. Grad, I. .Hvdcß, P. Horwitch, L. Keßler , L. Pilich o w s k y und Leon Simon: sür die Provinzen Rabbiner Dr. Salis Daiches, Rev. I. I. Raffalovich, Rev. M. H. Legal, Dr. S. Brodctzty, Dr. M. Umanskh, die Herren Bertram R. Benas, H. Rvskin, H. Sacher, I. M. Siefs und Fräulein Helena Wrisberg. Colvcn teilte dev Konferenz mit, daß der Federcitioiv für Zwecke der Organisation eine anonyinc Spende von Lstr. 506 zur Verfügung gestellt worden ist, und daß außerdem Lstr. 250 fiir die gleichen! Zwecke gesammelt worden seien. Nah um Sokolow sprach zu», Schluß im Raine» de? Engeren Aktions-Komitees. London, im Februar. Sasonow und die Inden Rußlands. Entgegen den Verrnutnngen, der russische Botschafter Sasonow würde die jüdische Lage in Rußland' irgendwie beeinflussen, schreiben die jüdisch-englischen Blätter, daß Sasonow, ft, er auch für Erleichterungen der Judenlagc, ebenso wenig wie der frühere Botschafter Beukciidorsf eine Besserung herbcisühren könnte, so lange die russische Reaktion obwalte. > Das Londoner Central-HilfS-Comitv. Das Londoner Jüdische Zcntral-Hilfs-Komitee, das zusammen mit dein Hilfs-Fonds für die Jüdischen Kriegsopfer in Rußland arbeitet, erließ einen neuen Ausruf an die jüdische Bevölkerung, in dem es seine Arbeit in der.verflossenen Zeit und die neuen Aufgaben skizziert. Es heißt ii, dem Aufruf u. a.: „Auf Grund eines früheren Appells des Hilfskomitees war ein Betrag von Lstr. 200,000 aufgebracht worden, derbem Baron Günzburg und dem Exekutiv-Komitee des Petrograder Jüdischen Hilfskomitees zur Verfügung gestellt worden ist. Eine genaue Statistik über die Anzahl von Flüchtlingen, denen das Komitee Hilft bringen konnte, ist noch nicht veröffentlicht, die Anzahl von Städten, in denen das Komitee seine Tätigkeit ausübtc, beträgt 3-18. .Während der Evakuierungen der jüdischen Bevölkerung von Polen sind 30 Sondcrzug-Transporte, 12 Krankenhäuser, 45 Ambulanzen, 122 Speisezentralen und 40 Kinderheime organisiert worden. Nachdem der erste Strom der Flüchtlinge so provisorisch versorgt worden'war, wurde die Hilfstätigkeit syste-, malisch organisiert, und man begann danach zu streben, die Flüchtlinge in den Stand tzu setzen, sich selbst zu unterhalten. Cs wurden Marken ausgegeben, Ivofür sich die Flüchtlinge Lebensmittel in den verschiedenen Geschäften kaufen konnten, Arbcitsbüros wurden in 34 Stödten geschaffen. Durch Vermittlung von Banken sind Hilss-Darlehen in größerem Stile gegeben worden. Das Petrograder-Komitec hat von der Regierung die Mitteilung bekommen, daß die Negierung ihre Zuschüsse zum Hilfsipcrk um 50»/» reduzieren wird. Das Komitee / rechnet also per Eiche 1916 mit. einem Defizit von ungefähr sechs .Mllionen Rubel, und wendet sich daher' mit einem dringenden Hilferuf an die britischen Juden. Ne,«: Fonds sind, dringend nötig: 1) um den Ausfall der Regierungs-Zuschüsse. zu decken, 2) zur Beschaffung von Kleidern, ' 3) zur Neugründung von Arbeits-Büros, 4) um Darlehen fiir die Flüchtlinge zu geivähren, damit ihnen auf Basis der Selbst-Hilfe Unterstützung zuteil werden kann. ' 5) Um Altersheime und Waiseichäuser zu gründen. Das Petrograder Hllss-Komitee wird seine Tätigkeit auch auf die unbesetzten Teile Ruinäniens ausdehnen. Und damit wachsen seine Isilsgaben. Es bedarf der Hilfe aller Juden des Btttischen Reiches, Amerikas und Rußlands, um seine Arbeit ftrtsetzen zu können." Amerika. New-Aork, 5. Januar. Konferenz der rumänischen'Juden. Am 31. Dezember tagte in Philadelphia eine Konferenz der rumänischen Juden in Amerika unter Beteiligung pon 280 Delegierten. ES wurde ein allgemeiner „Verband der rumänischen Inden in den Vereinigten Staaten und Kanada" begründet. Hinsichtlich der Ziele der neuen Organisation herrschten ztvei Ansichiten! Die erste ging dahin, daß die Gründung des Verbandes nur zur Befteiung der Juden in Rimiänien dienen sollte. Die andere Richtung forderte aber eine Ausdehnung der Tätigkeit auch auf die in Amerika lebenden rumämschen Juden. Die letztere siegte. Palästina. Eintritt Ser Regenzeit. Nachdem cs bis Ende Dezember 1916 kaum geregnet hatte, ging der. erste größere Regen unter Gewitterbcgleitung am '26.. Dezember in .xiner Menge von 37.2 mm nieder. In der Nacht auf den 28. Dezember fiel in Jaffa ein Platzregen von 99.5 mm. Auch! landeinwärts haben in den letzten Tagen erst größere Regen eingesetzt, sodaß mit der Bestellung der. Ackerbauftlder endlich nach langem Warten begonnen werden kann. In Jaffa sind bis 15. 1. 187.2 Millimeter Regen niedergegangen, bas macht ca. 35°/o der Regenmenge eines Durchfchnittsjahres aus. Auf dem Lande ist bisher etwas weniger Regen gefallen.

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