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Neue jüdische Presse · 1917-03-02 · Heft 9 (2.3.1917) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 9 (2.3.1917)
Date
1917-03-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 9 Seite 4. F. SA INT-DENi 8. «nnasr.*; ALLE REPARATUREN ln UHREN Cold und Silberwaren, Brillen nnd Zwicker. Frl. Pappe „heim ergänztediesen Antrag dahin, daß der Jüd. Fr.-Bein Flugblatt herauZgeben möge, daZ von jüdischen Schriftgelehrtcn verschiedenster Richtung entworfen, Aufklärung über die jüd Sexnell- Ethik verbreiten möge. Dieser Antrag wu de einstimmig angenommen und Frl. Pappenheim beauftragt, eine aus Männern und Frauen bestehende Kommission zu bilden für -die.Herausgabe dieses Flugblattes. . Sodann brachte Frau Nassauer die -Begründung einS Antrages von Frl. Pappenheim, der in seiner Ausführung einen unbeschreiblichen Segen und eine gedechliche Entwicklung, der jüdischen BevMcrung bringen wird. Der Antrag lautet: „Der Jüd. Fr.-Bwolle die Schaffung einer Kasse zur Förderung der Frühe he anstreben." Die praktischen Wege hierzu "sind schön eingeleitet, indem der. Jüd. Fr.-B. sich in Verbindung mit einer Versicherungsgesellschaft setzen wird, die es jeder Familie ermöglichen soll, für Heranwachsende Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechtes durch einen zu vereinbarenden Versicherungsbeitrag noch einer entsprechenden Zeit ein kleines Kapital als Beihilfe zur Begründung in die Hand zu bekommen. Das Wichtigste der Bundeshestrebung nach dieser Richtung ist, daß der Bund Wege suchen will, eine Erhöhung dieser Summen zu ermöglichen für solche Brautpaare, die bereit wären, Gesundheitsatteste vorzulegen. . Es wird <nidj: dadurch das ungesunde Vorgehen, daß. Brautleute ihre erste Hallseinrichtung in Abzahlungsgeschäften kaufen, verhindert, sodaß für reell denkende Menschen dadurch eine Erleichterung der Heiratsmöglichfeit eintritt. Die jungen Leute sollen ohne Schulden ihre Häus- - lichkeit beginnen, und es wäre somit auch ein kleiner Teil dazu beigetragen, dem Rückgang der jüdischen Chen zu begegne». Es ist ja schion von altersher jüdische Sitte, durch Aussteueruugskassen jüdischen Mädchen die Ehe zu erleichtern; aber nur eine ganz kleine «luzochl von Bräuten wird von diesen Stiftungen bedacht, deren Annahme eine Wohltat bedeutet, zu der sich nicht jede gerne versteht. Der von uns vorgeschlagene Weg der Versicherung ist eine sozialpolitische .Einrichtung, die jedem Versicherten da» Recht gibt, für ihre eingezahlte Summe die ihr zustchende Versicherungssumme als ihr gutes Recht in Empfang zu nahmen. ' . . Nachdem alle Anträge, über welche Sie nun pon Iran Höxter weiterS hören werden, durMesprochen waren, hörte man in der Disblssion noch viele kluge Frauen durchdacht und kraftvoll sprachen, sodaß dieses—«wgeseh'cn von > allem anderen, was man bei dieser Tagung lernen konnte — ein geistiger Genuß war, denn Unwillkürlich regte sich in einem das Solidaritätsgefühl der grau für ihr Geschlecht, die sich freut, Paß sie solch' tüchtige Schwestern hat. Es wurde sodann zur Wahl des 1. Vorsitzenden geschritten. Frl. Pappenheim glaubte, aus rein sachlichen Gründen die Wahl niederlegen zu müssen; sie wurde aber als die Seele dom Ganzen durch! einstimmige Wahl -dringend gebeten, den ersten Vorsitz zu behalten. Wenn ich auch tneißv daß es nicht im Sinne unserer verehrten . guten Vorsitzenden'ist, daß ich hier aus der Schule schwatze, so 'muß ich es' hier doch laut bekennen: sie war bei der Tagung von der Verehrung und Liebe von allen -Frauen umgeben, daß wir Frankfnrterimren (obwohl wir ja gar kein Verdienst dckbei haben) doch stolz waren auf unsere Führeri» und' Leiterin, von der so viel geistige und seelische Größe ausging, die sich, über die' ganze Versammlung verbreitete. Aus aller Weltvesterreich-U««ar». AriegSwaifeufürsorge. 30 jüdische Kriegswaisen wurden von Lentberg nach Erensdorf (Schles.) überführt, wo sich eine größere Erziehungsanstalt des Landeszentralkomitees für ' jüdische Kr ie g S Waisen fürs or ge in Galizien befindet, in der bereits 120 Kinder untergebracht sind. Außer dieser Anstalt unterMt das genannte Komitee 2' Waisenhäuser in Lemberg,' ein Waisenhaus und ein ' Kinderheim in Przemysl, je ein Waisenhaus in Sambor und Jaworow. Insgesamt werden in diesen Waisenhäusern 474 Kriegswaisen erzogen. Außerdem! bekommen ständige monatliche Unterstützungen 2381 Waisen, die in Familien aufgerwmmcn wurden. , Im Januar hat das Komitee 400 Anzüge, 300 Kleider, 500 Hemden, 500 andere Wäschestücke, 800 Paar- Socken und 1000 Paar Schuhe verteilt. Das Komitee wirkt nur im Gebiete des Obcrlandesgerichts Lemberg. Pole«. «erschau. Jüdische KriegShilfe. Eine Zusammenkunft der Vertreter jüdischer Kriegs- Hilfskomitees in Polen beschloß die Bildung eines Zentralkomitee und Absendung einer Abordnung nach! Amerika, , damit u. a. die amerikanischen Gelder direkt an das zu bildende Zentralkomftee gehen. Ferner soll eine Kommission sich! an die Behörden mit dem Gesuch wenden, der aus . Brest, Pinsk und anderen Städten evakuierten jüdischen Bevölkerung die Freizügigkeit in ganz Polen zu gewähren. Sollten die Behörden darauf bestehen, die oben genannte jüdische ' x Charakter der Internierten weiter zu be- Fraickfurter Israelitisches Familienblatt. halten, so soll vorgeschlagen werden, die Evakuierten ihrem Wunsche gemäß nach, anderen Orten zu bringen. R«tzla«r. Ae Unterstützung -er jüdikcheu KriegSopker. Aus den Berichten, welche auf der „Generalversammlung der jüdischen Spender in Petrograd zugunsten der Mischen Kriegsopfer" erstattet wurden, ist zu entnehmen, daß die jüdischen Hilfskomitees bisher 238,000 jüdische Flüchtlinge registriert haben. Für diese wurde,: 26 Millionen Rubel verausgabt, woran die Regierung sich! mit 12 Milt., das Komitee der Großfürstin Tatjana mit einer AÜllion beteiligten, während die übrigen 13 Millionen Spenden der jüdischen Bevölkerung' Rußlands, Englands, Amerikas und Südafrikas barstellen. Der Krieg »«d die Jude«. Frnnkfurt a. M. Offizier - Stellvertreter E r n st Du.lken, Fellnerstr. 5, ist zum Leutnant befördert worden. > . ' Wie». Bwch's „Oesterr Wochenschrift" verzeichnet in ihrer letzten Nunrmer folgeiwe Auszeichnungen von Juden: 6 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 6 Militärverdienstkreuze 3. Klasse, 29 silberne Signum laudis, 16 goldene Verdienstkreuze mit der Krone, 18 goldene .Verdienstkreuze, 19 silberne Berdienstkrenze mit der Krone, 1. silbernes Verdienstkreuz, 7 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Klasse, 44 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Klasse, 69 bronzene Tapferkeitsmedaillen, 6 . eiserne Verdienstkreuze mit der Krone, 1 eisernes Verdienstkreuz, 2 belobende Anerkennungen,? zusammen 295Auszeichinungen; hiervon 125 ait Offiziere ruck» Kadetten des Soldatenstandes, 50 an Militärärzte und Militärbeamte, 121 an Maniischaftspersonen. Lemdera Die Bemühungen, die Staatsunterstübung den jüdisch-getrauten Frauen jüdischer Solde ten in Galizien zu sichern, sind von Erfolg begleitet gewesen. Es wird in Kürze mit der .Auszählung -begonnen werdend Personalien u. kleine Mitteilungen Bonn. Bankier LoutS David wurde an Stelle seines verstorbenen Bruders Moritz David ^uin Vorsitzenden des Vorstandes der indische» Gemeinde gewählt. München. Distriktsrabbiner Dr. Cohn- Burgpreppack, Rabbinersgattin Mathilde Meyer-Rcgensburg und Krankenpflegerin Herta Ma n n h e i m c r ans Heidingsfeld wurden mit dem Ludwigs kreuz ausgezeichnet. München. Der Jüdische Turn - und Svort- Verein eröffnet am Montag, den 5. März d. I. eine Zöglings-Abteilung, ivelchx an jedem Atontag Nachmittag zwischen 6 und' 8 Uhr ft, der Simultanschule a» der Klenzestraße turnen wird. Anmeldungen werden dortselbst oder schriftlich an die Bereinsadresse: Tattcnbachstraße 8, I., (München) entgegengenommen! ' Posen. Aut 3. März er. feiert der Kaufmann Jacob Roth st ein, früher in Krotoschin, seit 4 Jahren in Posen wohnhaft, mit seiner Ehefrau Auguste, geb. Daniel, das Fest der silbernen Hochzeit und gleichzeitig auch das 25jährige Geschästsjubiläuin. Herr Rvthenstein, der als frommer und wohltätiger Mann bekannt ist, hat es verstanden, aus kleineren Verhältnissen -durch seinen' unermüdlichen Fleiß, Solidität und Tüchtigkeit sein Geschäft zu einem der größten der Provinz - emporznbringen, wozu auch! viel sein ältester Sohn, der sein Nachfolger tverden. soll, beigctragcn Hirt. Prag. Dr. A nold Rosenbacher, seit 1889 träsident der Israelitischen Kultus'gemeinde-Repräsentanz, andesadvokat usw., ist — 77 Jahre alt — verschieden. Lemberg D m hiestgen Tageblatt zufolge hat B a r u ch Lindenbaum--BorySlaW 2hs Millionen Kronen für jüdische Waisen gestiftet. Petersburg I" Jekaterinoslaw verschied — 55 Jahre alt — der. Fabeldichter nnd Bellctristiker Ch'ajim Tschemerlinski, bekamit Unter dem Pseudonym „Rabbi Mordechäile". .Florenz Jnnenieur Eduard Philivpson, Präsident der israelitischen Gemeinde, ist verschieden. Tanger. Großrabbiner Mordchoi Bengio ist verschieden. Der Sultan und bie Gesandten von Frankreich und von England hüben sich, an der Beerdigung be- NewBork Die „Ritter von Zion" hielten in Minneapolis ihre 20. Jahresversammlung ab. Der Orgmiikatw». gehören 76 Vereine mit 4200 Mitglieber an. 30,000 Dollars.sind im Berichtsjahre für die PalästinaBkotstands-Aktion beigcstenert worden, '7090 Doll, für das allgemeine Hilfswerk und 6820 Dollars für den Jüdischen Nationalsonds. Die JahrSversmnmlnng beschloß, den Namen der Organisation in „Vereinigte zionistische Vereine des Mittelivestens .(Federated Zionist Socictics of jhe Middle-West)" umzuändern. Die Wahlen! ergaben folgendes Resultat: Ehrenpräsident Richter In lian W. Ma ck, Präsident M a x S h u lin a n. Bize-Präsident S a w G i nsb n r g, Prof. H. M. K a lle n, Rabbi I. S. Shcinseld. Rabbi C. D. Matt, Richter Hugo Pam, Schatzmeister B. Hör wich, Vorsitzender des Exekutiv-Komitees Leon. Zolotkoff, Sekretär Prof. S. A. Hoffmann. ' . Rem Port J a c » " Sch I f f bat anläßlich seines 70. Geburtstages u. a. folgende Schenkuugen gemacht: Pensions-Fond für Rabbiner 100,000 Dollars, Amerikanisches Rotes Kreuz 100,000 Dollars, New-Porkcr Universität 50,000 DoNars, Amerikanischj-Jüdisches Theologisches Seminar. 100,000 Dollars, Montefiorc HeimUnd Hospital 100,000 Dollars, Henry Street Siedcluug 25,000. Dollars. Frankfurter Berichte. Wilhelm Taubert In unserer Stadt lebt seit einiger Zeit der bekannte Wiener jüdische' Künstler, dessen Fähigkeiten , und Qualitäten noch, nicht gebührend gekannt und geschätzt sind: Herr Wilhelm Taubert. ^Die meisten Werke des Künstlers betreffen jüdische Themata, nnd -zwar malt er-sie ebensowohl ans der reichen Schatzkammer nnserer Geschichte wie ans den vielseitigen Inhalten unserer üdischen Gegenwart. Von' seinen historischen Bildern eien hier zwei genannt, beide in innerem Zusammenhang . miteinander stehend. Das eine versucht sich an der größten Gestalt unserer Vergangenheit, der größte» der Mensche»-' geschichte schlechthin, av „Moses". Cs ist bezeichnend für die jüdische .Art' Tauberts, daß er aus den unzähligen Möglichkeiten, die eine Darstellung dieser gewaltigen Gestalt bietet, gerade diese Seite seiner Erscheimmg herausirgriffen und im Bilde besonders betont hat, die eine einer spezifischst-jüdischen ist: seine Bescheidenheit, seine Demut, seine Dottergebenheit. Nicht den Heros Moses, nicht die' gigantische selbstherrliche Persönlichkeit sucht der . Künstler zu zeichnen, wie cs die meisten nichtjüdischen - Künstler getan haben, sonder» den frommen Diener seines Gottes, den demütigen Vollstrecker des göttlichen Willens. Da- -andere historische Bild, auf das wir hier hinivcisen möchten, eine .Steinzcichnnng „Berg Sinai", sucht, demgegenüber die Mächtigkeit und ewige Größe der Vorgänge, in deren Mittelpunkt Moses stand, wiederzngeben. Mitten in eitler Natur voller Aufruhr nnd Vulkan- - artiger Erregitiig steht der Berg,- um den die Blitze kreisen und die Elemente toben. -Nur der Gipset ruht in einem Meer .von Licht uild Berkläruitg, und über - ihm schweben die göttlichen Gesetzestafeln. Beide Bilder zeugen von einer ausgesprochenen Begabung Tauberts, die man auch in seinen anderen Werken, die Gestalten nnd Erscheiuniigen ailZ der jüdischen Gegenwart scsthaltcn ivollen, )vahrninimt. Wir neniien da vor allein den „Thoraschrciber", der die Eigenart und geistige Konzcntrierthcit dieses Typus in intensiver Weise wicdergibt und die „Flüchtlinge", die das ganze namenlose Elend des östlichen jüdischen Wanderer offenbare». All diese Bilder zeigen, daß Taubert eiir Künstler vonwahrhafter Begabung ist, der noch 'manches zu geben hat, n,td darum gewiß Förderung und Anerkennung seines ' Schaffens verdient. Berel« zur Pflege jüdischeu WiffenS „Tifereth-BaLurim." Der Verein hat auch! tvährend des Krieges eine Reihe von Veranstaltnilgcn getroffen, n. a! Borträge aus' jüdischer Geschichte und Literatur, nnd die Abhaltung von Schiurn», die sehr grit besucht waren. Die Vereinsleitung steht mit ihren Mitglieder»! nnd - Freiuiden im Felde i» sortwährendcm schriftlichen Verkehr. Es wurden, abgesehen von Eßimd Rauchtvarcn, die Psalnien init deutscher. Uebersctzung und auf den Feiertagen Machsornn an alle Mitglieder im Feld.geschickt. Die Vorträge mit anschließender Aussprache sollen auch dieses Jahr wieder eingeführt werden. Der erste Vortrag findet Montag. 5. Akärz, abends 87» Uhr, Blcichstraße 70 (Lokal des Verein Montifior) statt. Purtmfeier des «iontesiore. Am 8. März, ftbeiW 9 Uhr,'xeraustaltet der Mvnhifivrc- Verein duc gesellige Pnrimfcier, zu deren, erfolgreich-,. Gelingen mehrere auserlesene Kräfte ihr Bestes bieten. Da ein großer Andrang voranszusehen ist, so empfiehlt es sich-, rechtzeitig zu erscheinen. Die Veranstaltung findet im Vercinslokal, Bleichstraße 70, statt. „VICTORIA“ Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Han«« Tel. 2QP2. iz GutleiltStraSSe 18. Han»a Tel 2002. Spezialität: Kragen, Manschetten nnd Hemden. s Mißfon. 11 Di?Gefchwister. Erzählung ans dem fünfzehnten Jahrhundert von B c n--A v i g d o r. (Fortsetzung^ „Du hast recht, Miguel!" Miguels Gesicht erheitertesich, cr sah sie liebevoll an nnd rief: 7,Jch wußte es, das; cs mir gelingen wird. Dein reines Herz von dem verderblichen Vorurteile und falschen Anschauungen, die Erziehung und Um-- gcbung darin gestreut, zu läutern, und ich hoffe, daß wir bald eines Siimes sein Iverdcn." „Laß uns immer eines Sinnes sei», Miguel!"; — rief Clara. „Aber sage mir" — nahm Clara bald wieder auf — „hat dieses Volk denn nicht schwer gesündigt,-,, indem es unseren Heiland zu Tode gemartert hat?"

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