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Neue jüdische Presse · 1917-03-02 · Heft 9 (2.3.1917) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 9 (2.3.1917)
Date
1917-03-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 Frankfurter Israelitisches Familienblair. I L. V. Rodeliaii, Herrenschneider | Frankfurt a. Main, Friedensstrasae No. 1 I Telephon: Römer 8650. I FEISTSTE MASN^CHJFinEBEI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. > phäsentanz, jede zwei Delegierte, entsenden dürfen, ili gleicher Weise, wie die Repräsentanz in dein Senat der Vereinigten Staaten geordnet ist." Dadurch wird die Total-Mitgliederzahl des Kongresses ein wenig vermindert werden, da nur 45 derartige Organisationen bestehen. In diesem Falle werden also diese Organisationen 90 Delegierte entsenden dürfen und alle Stimmberechtigten zusammen 270. Es wird also insgesamt 360 Delegierte geben. Die Nachmittagssitzung war dem Bericht gewidmet, den die „Kommission zur Wahl von Mitglieder!'. in die verschiedenen Kommissionen" ansgearbeitet hatte. Es sollten nach dem Vorschlag des Berichtes Koinmissionen für die Lage der Juden in- Rußland, Rumänien, Galizien, Polen, Litauen, Palästina, Balkan-Staaten und Saloniki ernannt werden. Außerdem wurde die Bildung folgander Kommissionen empfohlen: für Hilfe zum Wiederaufbau, für internationalen Verkehr (Korrespondenz) und eine besondere Komnrission, um gegebenen Falles Lücken im AdministrationZkoiniiee auözufüllen oder dies zu erweitern. - Die Debatte war wieder sehr lebhaft, als die Diskussion über die für die Lage der Juden in (Rußland und Palästina einzusetzenden Kommissionen begann. Die einen schlugen vor, daß die Konnnissivu für die Judenfrage in Rußland nicht ihre eigenen Vorschläge dem Kongreß vorznlegen hätte, sondern sich darauf beschränken solle, die Wünsche der verschiedenen Parteien innerhalb der russischen Judenhcit vorzutragen. Die anderen behaupteten, daß der amerikanisch-jüdische Kongreß als Sprachrohr der Judcicheit der ganzen Welt zu betrachten und deshalb berechtigt sei, seine eigenen Vorschläge zu machen. Es wurde endlich beschlossen, daß die Kommission die Wünsche der verschiedenen Parteien berichten und.zu gleicher Zeit auch ihre eigenen Vorschläge vorlegen soll. Die Not in Palästina. Wir haben oft genug aus das unbeschreibliche Elend hingewiesen, in welches unsere Glaubensbrüder in Palästina durch oen 'Krieg versetzt wurden. Aber auch die regste Phantasie konnte sich kein so grauenhaftes Bild ausmalen, wie es leider die traurige Wirklichkeit iwrt bietet. Nach- , stehender, uns durch das hohe K. u. K. Ministerium 'des Aeußcrn zugegangener Brief möge dies dartun: Ans einem Briefe aus Jerusalem, vom 20. 12. 1917. Ich ergreife die Gelegenheit, Ihnen ein Bild von . den hiesigen Verhältnissen zn geben. Vor Kriegsbcgiiin zählte unsere Heilige Stadt etwa 5 0,00 0 oder noch mehr indische Seelen, jetzt infolge .von Ausweisungen, unvergleichlich mehr aber infolge von sib. sterben, in den allermeisten Fällen buchstäblich vor Hunger oder. Unterernährung, zählt die jüdische Bevölkerung, wie wir es im Weizensyndikat genau festgestellt haben, etwa 24,0 00 Seelen, nicht mehr. . Das Hauptunglück ist die Misere mit dem Papiergeld. Alle Welt, die fiir uns offen ist, schickt doch Geld, was kommt aber dabei cherans) wenn wir bloß -10"'o des Geldes erhalten. Und dabei die furchtbare unerhörte Teuerung aller Lebensmittel! Ein hiesiger Jude, wie ich es bin, der noch Herz hat, must angesichts dieser Umstände verzweifeln und verzagen. Blost von den von nnsercr Hilfskoinmisiio» 'hauptsächlich bedachten Mitgliedern der Gemeinden Kossow, Bukowina und Wiznitz, die infolge des Rnssenciusalls gar kein« Unterstützung von ihre» Landsleuten bekommen, sind im Laufe der KricgSzeit nbndcstens 80 bis 40«.» Hunger?, aber wörtlich Hungers gestorben. Und wäre nicht unsere Unterstützung gewesen, so seien Sie sicher dessen, dast diese drei Gemeinden heute fast teil, einziges Mitglied mehr zählen würden. Sie ivären alle elendlich zugrunde gegangen. «- Wie aus Vorstehendem deutlich genug hervorgcht, tut rasche und ausgiebige Hilfe dringend not. Außerdem stellen jetzt die nahenden Pessachfeiertage weitere gcivaltigc Ansorderimgeu an unsere Hilfsaktion, um bei dieser ungeheueren Teuerung die brennende Frage 'der Mazzoth-Bcschaffuug auch nur ° einigermaßen befriedigend lösen zu können. Wir wenden uns daher - an alle hochherzigen Bl'cnschenfreunde, ^diesen Hungernden und Notleidenden in ihrem schrecklichen Elend rasch und ausgiebig zu helfen. Das Präsidium der „Hilfskommission 1915 für Palästina", Wien, IV, Frankeubergggsse 14. | Spenden:'Bankhaus S. M. Rothschild, Wien I., Renngasse 3, oder Redaktion der „Reuen Freien Presse" mit dem Vermerk „Palästina-Aktion des 1. u. k. Ministeriums des Aeußern" oder „Kriegsspitalshilfe für Palästina" zu .Für Ungarn: Magyar Altnlanos Hitelbank, Budapest: fiir Deutschland: Deutsch: Bank, Berlin, Postscheck- Konto Nr. 1000 (auf Konto „Hilfskommisiion 1915 für Palästina" oder „Kricgsspitalshitfe für Palästina"). >Reb Mordchai'lv.I I 1862-19>7. I Wieder hat der Tod eine große Lücke in unserer Dichterwelt gerissen, wieder haben wir einen herben Verlust zu betrauern. Reb Mordchai'le (Chaiini TschemerinSkit iftam 27. ^Januar in Jekaterinoslmv einer laugen, tückischen Krankheit erlegen. Scharfsinn, satyrische Begabung und tiefer Verstand, das waren Die hervorstechendsten Eigenschaften Reb Mordchai'les. Man nannte ihn den „jüdischen Kri'low"*), und seine jiddischen Fabeln, die sich auch weist an die Krytow'schen anlehnen, zeugen von feiner dichterischer Kunst und eigenartigem Stil. In der llebersctzungskunst hat Reb Mordchai'le vielleicht Unübertroffenes geleistet. Seine Sprache ist fein geschlissen und wohl durchdacht. Bedeutend sind die Arbeiten des Verstorbenen auf wissenschaftlichem Gebiete. Er veröffentlichte zahlreiche geistvolle Abhandlungen über jiddische Philologie in den hebräischen Wochenschriften, n. a. „Haschilauach". Auch als Publizist betätigte sich Reb Mordchai'le. Er redigierte zeitweise die jüdische Tageszeitung das „Jüdische Volk" in Kiew und .arbeitete ständig an der Tageszeitung der „Fraind" mit. Dank seines heiteren humorvollen Gemüts hat 'ich Reb Mordchai'le einer großen Popularität erfreut und war als Tröster das Volkes beliebt. Sein Tod wird deshalb in der jüdischen.Welt schwer eiiipfnnden werden. Ben-Jephune. Brief aus Amerika. Der M i s r a ch i hak die Absicht, ein Lehre rj e »i i - n a r zu gründen. Es gibt in Amerika Hunderte ^almudthora-Tcliulen und tausend: Lehrer fiir die Unterweisung im Hebräischen und in jüdischer Religion, — jedoch die ivenigsten dieser Lehrer haben eine geschulte Ausbildung und eine pädagogische Erziehung genossen. Die Gründung eines Seminars könnte zum weittragendsten Segen für die Erhaltung und für die Förderung des überlieferten Judentums werde». Hoffentlich scheitert die Verwirklich., -rg — wie leider so häufig in der gesetzestrcueil Judenheit — nicht an bev Geldfrage. Ans Chicago .gingen als erste Spende 1000 Dollars ein. — In Kürze wird die erste von. jüdischem Geistegetragene englische Ucbersetzung der gesamten Bibel erscheinen. Denn Rabbi Leicr's Uebcrsetzung unterscheidet sich nur wenig von der offiziellen, im-christlichen Sinne übersetzten King Pames-Bibel. Der Hanptherausgeber der neuen Bibel ist Professor M a x M argolies. — Der fruchtbare und beliebte Hebräische und jüdische Schriftsteller Moses Seifert beaing seinen 70 Geburtstag. Seifert kennt den Listjuden und liebt ihn. und er hat in seinen Romanen und Erzählungen stets eine erzieherische Tendenz int Auge. Bericht über die 5. T">mirg des Jüd. Frauenbundes. Erstattet von Frau Lina Kandc r. Es wurde mir der ehrenvolle Auftrag von unserem Verein Weiblicher Fürsorge, als Delegierte der 5. Tagung des Jüdischen Frauenbundes beizuwohne». und ich will versuchen, einen Bericht über einzelne Hauptpunkte der Tagung zu geben. Die Tagung fand am 28. Januar statt. Frau H e n r. Map anS Berlin eröffnete die Sitzung, gab den"Geschäftsbericht und entwarf -einen kurzen Rückblick auf .die Entstehung des Jüdischen Franenbnndes. 1901 mit 82 angeschlosscnen Vereinen gegründet, besitzt der Jüd. Fr.-Bhente 10 Ortsgruppen — in Hamburg, Magdeburg. Breslau, Karlsruhe, München, 'Nürnberg, Ttutp, Elberfeld und Frankfurt — und 215 jüdische angeschlossene Vereine mit 44,000 Mitglieder. Der Jüd. Fr.-B. ist somit über ganz Deutschland verbreitet, 'und die Arbeit, die er leistet, die Anregungen, die er bringt, tverdc» dadurch in die weitesten Kreise getragen. *) Berühmter russischer Fabeldichter. Red. I T_ fPftö m ai« Erianae- Naehf. «-*■ Kalserhofstr. 14 Waschen, Fänben und Faponnianen allen Art Hannen- und DamenhOte. . Abholung und Lieferung "frei ins Haus. — I Seite 3. ££ Kaffee Knhland Kaiserstrasse 56 Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige SfST Uuterlialtnngsnmsik Es waren rund 80 Delegierte, die 100 stimmen vertraten, aus allen Teilen Deutschlands anwesend, aus Rord und Süd, aus großen und kleinen Städten, ja sogar auch aus ganz kleinen jüdischen Gemeinden. Es war ein erhebender Anblick, so viel kluge, starke Frauen vereinr zu sehen, die alle durchdrungen waren von dem Geist der jüdischen Gemeinsamkeit und dem .einen In-- teresse, fiir, die allgemeine soziale jüdische Arbeit zu wirken. Frl. S i d. Werner hielt die Begrüßnngrrede, die warm und feierlich auf die Znhörerinnen wirkte. Sie sagte, daß die Kriegszeit trotz ihrer seelischen und wirtschaftlichen Rot für die Frau eine Zeit des Aufstiegs bedeute,'daß dadurchauch die Bahn für die Mitarbeit der Frau frei werde. Sie führte ferner folgendes aus: „Bundesarbeit läßt sich: nicht als etwas Abgeschlossenes Larstellen, unter das der Rechenmeister sein Fazit setzen kann: Bnndesarbeit gleicht Quellen und Bächen, die im Zickzack durch Windungen über Hemmungen leise, kaum sichtbar dahinrieseln, belebend und fördernd den Boden iruchtbar machend für die zarten Pflanzen sozialer Arbeit. Wenn wir jüdische Frauen unserem Vaterlande in schwerer ' . Zeit die Treue gehalten haben auf jedem Posten, auf dem wir standen, in der Groß- und Kleinarbeit, als . sozial reife Menschen, die über ihre eigene Kraft hinausgewachsen sind, so ist das ein Ergebnis der Erzidhnngsarbeit des Indischen Frauenbundes. Der Jüd. Fr.-B. hat nicht nur bewirkt, daß unsere Leistungen als Zusamniensassung der jüd schon Frauenvereine gewachsen -sind, er hat uns in unseren Gesinnungen .gefestigt, er hat unser Urteil gereiftunseren Einfluß nach außen-erhöht. Wir stehen überall da, wo wir fiihrend oder mitarbeitend am öffentlichen Leben teilnahmen, als bewußte, aufrechte Jüdinnen da." Dann gab Frau Dr. Frankl den K a s s e n b e r i ch t, sprach von dem dornenvoflen Pfad der Kassenfnhrerin, was ich, da ich mich dieses Amt. habe, besonders mitfühlen konnte. Hierauf gaben die verschiedenen Delegierte ihre Berichte. Die Delegierte der Berliner 'Ortsgrnvpe, Frau W r o n s k y , berichtete von Gründung von Heimen fiir Heimarbeiterinnen, von der Erweiterung eines Mädchen-- llnbs, in welchem auf die Keimtnis der jüdischen Geschichte und Literatur besonders Wert gelegt wurde: sie sprach, auch von der Notwendigkeit und intensiverer Arbeit fiir Jugendpflege. Frau Ollendors'aus Breslau berichtete von der sehr regen Tätigkeit ihrer Ortsgruppe. Als Kriegsarbeit nahm sic sich sehr lebhaft der Flüchtlinge an, die bei Ausbruch des Krieges noch in den schlesischen Bädern weilten, ferner richtet sie Näbstuben für arbeitslose Frauen ein, gründet als bleibende Arbeit ein Kleinkinderheim, in welchem arine. schntzbedürftige Kinder ausgenommen, auch andere Kinder von ihrer Geburt bis zum schulpflichtigen Lllier versorgt werden sollen. Außerdem hat die Ortsgruppe in Breslau noch ein- Jugendheim und eine Juqendlesehallc für größere Kinder und eine» Mndcheiiklnb.' Die Elberfeldcr Ortsgriivve. welche durch F-rau Norden vertreten war, beschäftigte sich hauptsächlich mit Ernährnnasfragcn. gab ein rituelles Kochbuch heraus, beschaffte Kochkisten, veranstaltete Kleidersammlnngen und richtete Näbstuben ein. - Für die Frankfurter Ortsgruppe brachte Frau Höxter einen sehr outen Bericht, über welchen sie Ihnen nachher selbst Näheres sagen wird, ebenso über das Referat von Frau F-o r ch>b e i »re r . das in .»einer sachlichen und erschövfenden Ansführuna mit viel Beifall anaehört wurde. Frau Krämer aus München berichtet von ihrer Ortsgruppe, die .den gcilizi'ck:» FlüchOin-ien besondere Hilfe ael-istet bat. Die wnblrcken Flückftlinae wurden in eii'er Näbjmbe ausaebildet und konnten »ichi dann selbst erbalten. An Taglöhnen wurden bisher 250,000 Mark, ans gezahlt. Es wurde sodann der Ber'ainmlung ein Satzunas- Eniwurs für ein Orts^rupve» -Statut v»r--e'e-'i. Es wurde entaeaen der Frankfurter Ülii'icht beschlossen, daß. dem Vorstaird estrer OrtUnrupve nickt inebr wie 10—15 Mitglieder airgcbören därfteii linier sh>m>rkiur<-er Statut ging dabin, daß die Mitaliederzabl bisher 18 Berioneil betrug, vo» denen 1: Vertreterinnen von gnge-'cklus>encn Ve-einen und -’K (SiiTJcOicrio«rii sein sollien. Die Ortsgruvve Hamburg wollte einen der Zahl nackt! ganz beschränkten Vorstand, wäbre»id »vir. die -O-rtsarunve Frankfurt. d«n Standpunkt vertraten, .daß eine arösierc Anzahl von Personen im Bor'"ta"d der Propaganda unserer Älrbeit günstiger »ei Diese Ilnsfa'suug fand da"n anck» bei den meisten DisKr'ionsrednern ein volles Verständnis. Ilm dem Vundesbeickluß! treu zu bleibeir, un»"rer 8l»fia>>>i>,a von der Jlrbe't ni-bt untreu xn werde».-mü'sen wir unsere lokale Verfassung ändern <s-'s wurde bestimmt, daß jede Ortsarnvve sich ibrc G:>-chästsordiiung »elbst geben sollte und e-nc» großen Arl'eitggus'chnil zu schgssen habe, beides natürlich: erst »gch einbsrusener Generalversammlung. Nach lV>t"tthtbWr Mittagsvau'c wu>de die 'Arbeitstagung fortoe'ctzt. Mau ickriti zur Vcrle'nna der Ant'-äge., Ich wei'de Ihnen teure Abend von zwei Anträgen ber'chwn, während Frau H ö r t e r über die anderen 'Anträge' sprechen wird. Frau Paula N a s s a n e r begründete den Antrag der Ortsgruppe Frankfurt. d:r folgendermaßen lautet: „Der Indische Frauenbund möge die Sittlichtei'sfiage betreffende 'nichtige Flugblätter an »eine migeschlosieneir Vereine senden und dadurch zur Er'oeiterung von. Kennt-- nissen in dieser bedeutsamen Frage beitragen."

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