Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1917)
- Date
- 1917-02-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8. . - <SS dürfte wohl düsterste Mas fein, daß, in Zürich: ein Jude durch Volks Wahl zu diesem .Amt berufen, wurde. — : •; In der Mg »d as Jisroel-Jugeud gruppe fand eine Chamifchvh-Usorb'Schwat-Feier statt. In der einige Tage später abgel)älteneu Generalversammlung wurden M. Lc.iter (Vors.), Jakob Emgelard, PiukuS Engelard, Abr. Eiß, E. M Heiselbeck, M. Vogelmann und. M. Wolf als Vorstand gewählt, und es wurde "beschlossen, den Talmud Lurchzulernen. New-Aork. Jacob H. Schiff, der bekannte Philanthrop, feierte am 10. Januar den 70..G eb urts tag. Frankfurter Berichte. Frau Löerrahbluer Jsaacsoh» s. A Eine hervorragende Frau, eine Jüdinvon altem Schrot, selten in ihrer Seclengröße und ihren Geistesgaben ist heimgegangen. Frau Oberrabbiner Amalie Jsaacsohn ist nicht mehr. . Geboren 1834 zu Mannheim als zweite Tochter, des rühmlichst bekannten Ultonaer Gaon Rabbi Jokew E t t l i n g e r s. Ai, dessen erstes Rabbinat in Mannhenn war, wurde sie 1858 mit dem bekannten Rotterdamer Oberrabb. Dr. I. Jsaacsohn s. A. vermählt. Ihre Che war Zunächst sehr glücklich. Doch allzubald, nach sechszehnjähriger Ehe, wurde die Verewigte schwer geprüft: binnen Wenigen Tagen wukden von ihren sieben Kindern sechs im Alter von 3 bis 15 Jahren dahingerafft. Elf Jahre darauf starb mich ihr Gatte in iarem damaligen Dom-zil Hamburg, wo er als Prediger honoris, causa wirkte. Alsdann, nach! 0 Jahren, übersiedelte die Dahingegangene nach Frankfurt mit ihrem einzigen, von ihr unendlich geliebten Sohne, der nunmehr ihr alleiniger Trost inr Leben war. Hier lebte sie still , und schlicht mit ihrem Sohne, der sich! in grenzenloser Liebe und Bewunderung für seine große Mutter ihr ganz widmete. Bor vierzehn Tagen beging sie ihren 83. Geburtstag. Klug und von großer geistiger Regsamkeit, zeichnete sich die Verblichene durch eine außerordentliche Charakter- und Willensstärke, gepaart mit ungewöhnlich hohem Optimismus und unerschütterlichem Gottvertrauen aus. . Selbst die großen Prüfungen, von denen sic betroffen wurde, vermochten sie nicht in ihrem Gottvertrauen zu erschüttern, vielmehr trugen sie. zu ihrer Läuterung und Verinnerlichung bei. Ihre Frömmigkeit bestand nicht bloß in peinlicher Beobachtung der rituelles .Gebote, sondern in Herzensreinheit und echjtjüdischen äugenden, wie Bescheidenheit, Schlichtheit, Wahrheitsliebe und WisseiSdurst. Und da sie so war, wurde sie von jedem, der'sie kannte, geliebt und hochgeschätzt. Ihre Familie hing an Mr mit besonders inniger Liebe, irne auch, ihre Anhänglichkeit an der Familie unermeßlich war. Auch besah die Dahingeschiedene jüdisches Wissen und las die whora und Tehillim in der Ursprache. Eine große Schar. von Verehrern gab ihr das letzte Geleite. An ihrer Bahre entwarf ihr Neffe, Rabbiner'Dr. Jakob HoroWitz in meisterlichjer Weise ein lebendiges Bild von dieser bedeutenden Path Israel Er, günckhte dabei rühmlichst des bewundernswerten JuDbua em und der großen Hingabe des ausgezeichneten Sohnes an seine Mutter. Auch Rabbiner Dr. -Nobel hielt darauf eine treffliche Trauerrede. -n. ' Kommission für jüdische Kriegshinterbliebenen und Kriegsbeschädigte. Es scheint in Iveiteren jüdischest Kreisen noch nicht hinreichend bekannt zu sein, daß sich bereits" im November. 1815 eine Kommission für jüdische Kriegshinterbliebene Und .Kriegsbeschädigte gebildet hat. Sie arbeitet unter deni Komitee der vereinigten jüdischen Wohlfahrtspflege 1814/17, Abteilung Familienfürsvrge. In engster Zusammenarbeit mit dem städtischen Fürsorgeamt fiir Kriegshinterbliebene und Kriegsbeschädigte werden zunächst von dieser Stelle sämtliche Reiitencuisprüche geprüft und verfolgt.. Wie diejenigen Mittel, die für diese Fürsorgearbeit in reichstem Maße gesanimelt und verwendet werden, sucht die Kommission auch! fiir ihre Arbeit imtzbar zu' machen, 'fei ' & buv$‘ Anträge für die Nationalstiftung, für unentgeltliche Berufsausbildung oder für Kriegspatentschaften^ __ Jh 76 Fällen ist es, dem Ausschuß gelungen, die Familienfiirsorge in .den Häusern zu übernehmen, in denen der Ernährer ein Opfer des Krieges geworden ist. Jeder Rat, jede Auskunft wird. den Zurückgebliebenen unter Wahrung der strengsten Diskretion erteilt; wo es angängig ist, wird her Versuch gemacht, neue Existenzen .zu gründe». Eine Berussberatiiirg für Frauen und erwachsene Kruder steht' mit der Arbeit im engsten Zusammenhang. ' ' Keine jüdische Familie, deren Ernährer gefallen oder schwer verwundet ist, sollte esverabsäumen, sich an das städt. Fürsorge-Amt und an die Kommission fiir Mische Kriegshinterbliebenen und Kriegsbeschädigte zu wenden. Sprechstunden. bei der Vorsitzenden, Frau Martha Schlesinger, Brentcmostr. 6, Erdg., Donnerstag von 2—3ty» Uhr. Vortrag. Auf Veranlassung devAgudas Jtsroel Ju genduud Mädchengruppe sowie des Verein zur Pflege jüdischen Wissens „Nachlaß ZwÜ", spricht am.28. Febr., 8 Uhr abends) im Saale der Suppenanstalt, Theobaldstraße 5, Rabbiner Dr. I. Unna-Mannheim über „Geistige Strömungen vor dem.Weltkricge" G.pstc — Damen und Herren'— sind zu dieser Veranstaltung willkommen. . ' Drarckfurter Israelitisches Familievblatt. Die Geschwister. Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von Ben--Avigdor. Zuweilen aber verdüsterten sich Claras Züge, »ich ihre Blicke verrieten Angst. Sie las im Gesichte ihreä Geliebten und fand darin einen Schatten von Trauer,' der über seine hohe Stirn dahmglitt, wobei seine Augen Zornesblitzc schossen. Das machte Clara'stutzen und erregte in ihr tausend unangenehme Gedanken. Mit sehnsuchtsvoller Spannung erwartete sic, ihn allein zu sprechen. Inzwischen sprangen die Offiziere von den Pferden und nahmen dankend das Geschenk entgegen, das ihnen die Bürgerdeputation überreichte. Darauf umringten sie mitsamt den übrigen Soldaten die gedeckten Tische und tranken auf dik Gesundheit des Königs, der Königin, des Volkes und des Vaterlandes; dann taten sie sich an den aufgestellten Speisen gütlich und stimmten zuletzt Gesänge an. - Nach Verlaus einer Stunde ivar der Platz menschenleer. ' 4. " Der Festabend war da. Die Hallen und Säle im Palaste des Marquis de Henriquez strahlten von Pracht und Glanz, Herrlichkeit und Licht. .Die Wände schmückten große Bilder, kunstvolle Schnitzereien und kostbare Gewebe. Der gothische Geschmack, in dem die Wände wie die hochgewölbten Decken, dir Säulenecken, auf denen sich diese stützten, nick» die sich nach oben hin zuspitzenden Fenster ,aufgeführt waren, steigerten den erhebenden Eindruck des Ganzen. Die' Blumenbeete und Rosenblüten verbreiteten' einen tvürzigen Dust durch die westen Gemächer, und die blinkenden Kristallcüchter, die von den Decken niederhingen und an Wänden und Säulen angebracht waren, tauchten das Innere in. ein Meer von Licht. Eine große Anzahl Damen und Herren, die höchsten Würdenträger des Reiches,^ alle Granden mit (ihren Frauen und Töchtern füllten den Tanzsaal und die anstoßenden Gemächer. Goldgestickte Uniformen, Orden und Ehrenzeichen, an denen Edelsteine blitzten, die prächtigen, in allen Farben des Regenbogens schimmernden Toiletten der Damen blendeten das Auge. Die Offiziere des letzten Krieges waren die Helden des Tages, dcmi ihnen galt das heutige Fest. Stolz schritten sie einher, und heiteres Selbstbewtzßtsern strahlte aus ihren Zügen. Aller Augen' waren aus sie gerichtet, und die feurigen Blicke. der schönen Spanierinnen galten besonders dem' jungen ruhmgekrönten Helden -Don Miguel San-Salvador. Seine herrliche Gestalt, seine Jugend und Schönheit wie idas von Tapferkeit und unerschrockenem Mute strahlende Antlitz, seine Stimme, die Anmut seiner Bewegungen nahmen die. Siyne gefangen, und der Heldenruhm, der seinen Namen umgab, verlieh ihm ' einen besonderen Zauber. Er aber hatte kein Auge für jaH die stummen Huldigungen; sein ganzes Fühlen und Denken gehörte heute einer Einzigen, der Königin des Festes,- deren Schönheit die aller ihrer Genossinen - überstrahlte,' der (Erwählten seines Herzens, Donna Clara. Eben saß er bei ihr und konnte sich an ihren Zügen nicht satt.sehen. Aber auch sie wendete keinen Blick von ihm. Jeder Strahl seiner Äugen, jedes Wort, das von seinen Lippen kaum, schien Ströme vtzn Wonne in ihr-Herz zu gießen. Das Gewand, das sie anhatte, erhöhte Donna Claras Schönheit. Das purpurne Obergewand war in der Mitte von einem blauen,, silbergesticktem Gürtel zusammengehalten, deren Goldschloß ein edler Saphir zierte. Die perlenbesetzten Aermel weiteten sich nach unten und ließen runde, weihe Arme von weichen Formen blicken. Der weiße Hals blickte aus der weiten Spitzenkrause hervor, und von dieser sielen lange Fransen bis auf die Brüst. Ein zartes Gewebe bleckte das - reiche, prächtige Haar, das über die Schultern bis zum Gürtel Herabwallte. IDie Füße staken ick. seidnen ■ Schuhen, an denen kostbare Steine funkelten. , Und wie sie so dasaß, zwischen Blumen und Rosensträuchern, .war - sie selber wie eine farbenprächtige- Blume anzuschauen. Don Miguel erzählte ihr von den Abenteuern im Kriege,, seinen kühnen Daten auf dem Schlachtfelde, schilderte die Gefahren; die. jeden Augenblick über seinem Haupte schwebten, wie . er oft dem Tode ins Auge sah, als der Feind von den Mauern herab einen Regen von Pfeilen und Wurfgeschossen über die Reihen der j Seite 5. Belagerten ergoß, und Schwefel und Feuer ringsum Tod und Verderben säetcn. Inzwischen erschollen die Klänge der Musik. Die Paare tanzten den spanischen Nationaltanz. Clara mit Miguel tanzten in den ersten Reihen und zogen aller Angen auf sich. Das Klatschen der Hände, das Stampfen der Füße an den Boden und die Töne der Musik erfüllten den Saal und übertönten das Gespräch welches Clara und Miguel im Flüsterton»: führten. „In der Tckt, Miguel, Wunder hast Tn in. der letzten Schlacht verrichtet," sagte- Clara, indem sie ihren Kopf leicht zu ihm hinneigte. >,Die ältesten Heerführer sind des Lobes, voll über Deine Bestürmung' der Festung..." „Nicht nur die Festung von Grqnada habe ich diesüial.erobert," slüstcrte Miguel lächelnd, indem das Paar blitzschnell an einer tanzenden Reihe vorübersanste. „Was für eine sonst?" fragte Clara schelmisch. „Dein Herz, Liebste!" Claras Gesicht bedeckte eine liebliche Röte, sie schlug die Augen nieder und antwortete: „Diese Festung war längst Dein!" „Aber erst jetzt Hat sie sich vor mir aufgetan!" „Da Hast Du recht!" » „Und ich fand darin kostbare, unermeßliche Schätze." „Den Preis für den Reichtum, den Du selber bringst." „Den Siegcskranz muß ich zu Deinen Füßen legen," sagte Miguel nach kurzem Schweigen, „denn Deine Liebe war mein Schutzengel; sie begleitete mich in allen Gefahren und hob meinen sinkenden Mut. Ich focht nicht nur für die Ehre des Vaterlandes, sondern auch für Dich. Ich wollte dieses Herzens würdig sein..." * Die Musik rauschte, die Tanzenden wirbelten im Kreise daher, und die Lust stieg immer höher. „Ich kann Dir nicht sagen, Clara, wie glücklich ich bin, es ist eine unendliche Wonne, diese zarte Hand so zu umschlingen/' und dabei druckte er ihre Handsanft in der seinigen. „Diese Hand ist Dein aus ewig," flüsterte Clara berauscht. „Und ich werde sie. mein Leben lang festhalten!" Die Musik verstummte, und der Tanz war zu Ende. Jeder führte seine Tänzerin auf ihren Platz zurück, und . Diener begannen, Erfrischungen herumzureichen. Auf ein gegebenes Zeichen erhoben sich die Versammelten und begaben sich paarweise in. den Speisofaal, wo ihrer ein königliches Mahl' harrte. Die Gerichte verbreiteten einen würzigen Dust, der feurige Spanierwein perlte in den Bechern, die Sänger reihten sich in Chöre und stimmten Loblieder aus dieZetden Spaniens an. Dann leerte der Marquis de Henriquez sein Glas auf die Gesuiü»tzeit des Königs, der Königin und der Feldherren. Im Nameck des Heeres wurde der Trinkspruch erwidert, und man trank auf die Gesundheit der Bürgerschaft und des Bürgermeisters. Zuletzt ergriff ein Geistlicher das Wort, mm den Sieg über die Ungläubigen zu feiern, und er erging sich in den wärmsten Worten über das Auto-da-se in Toledo, das eben für die Neuchristen errichtet worden war. Das Auto-da-fe gab Anlaß zu den lebhaftesten Unterhaltungen unter den - Gästen. ' Mehrere Offiziere erzählten ihren Damen lachend, wie die Menge frohlockte und die bei lebendigem Leibe gebratenen Ketzer auf dem Schefterhaufen ächzten und stöhnten. Die Erzähler spotteten und lachten dabei von Herzen. Auch Clara bat Miguel, ihr etwas vom Auto-da-se zu erzählen; aber zn ihrem Staunen bemerkte sie, daß sich seine Züge Plötzlich verdüstert hatten und sein Auge traurig dreinblickte. - „Ein anderes Mal", stotterte er, „ich will Dir jetzt nicht die Stimmung verderben". „Es soll mir gar nicht die Stimmung verderben, die Schilderung einer Ketzerverbrennung zu vernehmen," versetzte Clara etwas betroffen. „Hältst Du mich etwa für eine schlichte Katholikin? Ich erwarte ja schon mit Spannung das Auto-da-se, das in einer Woche bei uns stattfinden soll." »Ich Zweifle, Clara, ob Dir der Geruch verbrannter Menschen wohltun wird," rief Miguel, und in seiner Stimme bebten die Töne namenlosen Wehs, „Menschen, die doch Fleisch und Blut sind, wie wir, und deren einziges Verbrechen es ist, in einer anderen Religion geboren zn sein als wir."" „Ist der Ketzer denn auch ein Mensch?"" fragte Clara höchlichst erstaunt. . „Ich ftlge Dir ja, Clara, daß ich Dich heute um keinen Preis verstimmen möchte. Dieser Abend ist der Freude - und der Liebe gewidmet, wozu soll ich Dein