Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1917)
- Date
- 1917-02-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit 6. Str. 8. heiteres Gemüt durch düstere BMer trüben, und.-iesen wolkenlosen Himmel -burch--ie -traurigen Schatten von Mcnschcnhaß, Mord und Bluttaten.werdüstücw:7: /?" „Jetzt begreife : ich", antwortete , Clara gedankenvoll,. „weshalb Du zuweilen so traurig ' bist. Das Treiben der Geistlichkeit und der Inquisition. . . „Ich bitte Dich, Clara, laß das heute," flehte Miguel. -„Ein anderesmal sprechen wir "ausführlich darüber, und darin,sollst Du erfahren, weshalb der Kummer . ztUveilcn.,rin meinem Herzen nagt. 'Ich hoffe, daß cs mir gelingen-wird. Dich eines Besseren zu belehren und Deine Ansichten über religiöse Unduldsamkeit undüber die Herrschaft der Priester in unserem Baterlande zu Nach Schluß des Mahles verließen die Gäste den Speisesaal. Die Weiteren unterhielten sich über den Krieg und. die Staatsangelegenheiten, und das, junge Volk ticfim. seine Tänze« -und «Spiele witLey. auf. -« Ani dritten Tage war .Miguel beim Marquis de Henriquez zum Mittagsttsch geladen. 'Darauf unter- . nahm er in. Begleitung seiner Braut einen Spazierrttt außerhalb der Stadt. Clara ritt einen flinken Schimmel, dessen 'Zügel und Sattel von tausend Silberpunkten glitzerten. Ein langer, weiter Schleier verbarg ihr schönes-Antlitz undumhüllte den.ganzen Körper. In der eincm Hand hielt-sie die Zügel und in der' ander«! bewegte-sie eine Reitpeitsche mit goldenem-Griff. Miguel sgsi .auf einem' rabenschwarzen, feurigen Roß, dessen -wildes Schnauben und ungeduldiges Stampfen er nur mit Muhe bändigen konnte. Beide trugen leichte Winter- - Leider; auf Miguels Haupt' wiegte sich ein prächtiger ' Federbusch, und an seiner Seite erglänzte -der goldene D^en. Die Lust war klar und durchsichtig; ein zarter Reif bedeckte die' Felder, und es wehte ein erfrischendkühler 'Windhauch. „Ist denn der Ketzerauch ein Mensch? fragtest Dü mich an jenem Abend, Liebste", — begann Miguel, indem er sich zu seiner Begleiterin wandte — „diese Frage hat mir Schmerz gemacht. Aber ich . beschuldige Dich keineswegs. Haß und Verachtung zu jedem Bekenner edler anderen Religion hast Du mit der Muttermilch eingesogen; seit Deiner zartesten Kindheit hast Du die böse Lust eingoatmct, welche die Atmosphäre unseres Vaterlandes verpestet, diese Lust, die geschwängert lst mit giftigem, unversöhnlichem Haß zu jedem anders Denkenden. Deine Lehrer und Erzieher, Deine Gespielen, Deine ganze Umgebung haben in Dirden..Abscheu zu jedem Nichtkatholiken großgczogen, und Deine Begriffe und Anschauungen sind lediglich iic Frucht Deiner Erziehung. Diese Begriffe und Anschauungen sind aber leider das Gemeingut fast aller. Spanier, und auch ich dächte heute nicht viel bester, auch ich würde mich an dem Anblicke des. Mordens und Blutvergießens un Namen der Religion ergötzen, wenn ich nicht zufälligerweise eine andere Erziehung genossen hätte, wenn Meine Jugend nicht unter der Leitung eines weisen und edlen Lehrers verflossen wäre, der mir andere Grund- .sätze eingepflanzi hat. Dieser öffnete mir die Augen und lehrte mich anders denken und fühlen. Er lehrte mich alle Menschen gleich lieben, und nicht nur die Menschen allein, auch alle Lebewesen lehrte er mich mit Wohlwollen umfassen." . , Clara horchte aufmerksam.. Seine, Worte kamen ihr befremdend vor, sie' erschienen ihr wie Heiligenschöndüng; auch fühlte sic sich dadurch wie verletzt' und beschämt. Aber trotzdem, ergötzte sich ihr Ohr dabei. Miguels sanfte, süße Stimme, mit der er dfe Worte sprach, verlieh diesen einen unendlichen Reiz, und-drangen in ihre Seele wie Zaubcrklängc. Eine Weile schwiegen beide. - . „Soll sie ihren Geliebten für einen Abtrünnigen halten^" flog ihr ein Gedanke durch den Kopf — „sollte er dem Glauben untreu geworden.sein? Das war unglaublich." ' ,>Jst auch der Ketzer ein Mensch?" — sprach - Miguel weiter — „darf auch er Menschenrecht beanspruchen? — Als ob nicht der Mensch da war, bevor noch alle' die vcrfchickenartigen Religionen vorhanden gewesen! Der Aiensch ist Mensch ohne Rücksicht auf das, was er glaubt!" ' „Wie Lrnnft Du so sprechen, Miguel!" — rief Clara erschrocken. — „Es ist entsetzlich! Sollte der Geist der Ketzerei auch in Dich gefahren sein?..." Sie blickte ihn durchdringend an, und ihre Augen verrieten einen fürchterlichen Zweifel. . „Sei beruhigt, Liebste," — sprach Miguel sanft. — „Ich bin ein rechtgläubiger Christ, aber mein christlicher Glaube drängt mich nicht, mich und meines-, glichen allein für Menschen, zu halten und Alle, denen Frankfurter Israelitisches Familienblatt. .dieser GkirLe nicht zu. Teil geworden, auszuschließcn. Nicht.: der-Mensch ist-für/die-Religionsondern die Religion ist für den Menschen geschaffen. Die Religion ist eines der lebhaftesten Bedürfnisse :des geistigen und stttlichen Lebens. der Menschheit, deshalb steht uns das Recht nicht zu/ einest Menschen, deshalb zu hasten, weil er dieses Bedürfnis anders befriedigt, als wir." /.„Aber cs ist -ja..'bekannt, daß die Ketzer ynd Ungläubigen gar keine unsterbliche Seelehaben, und wie die./ Tiere des Waldes - dahinlebcn" : — wehrte sich Clara. ■ : ' . „Bekannt?" — versetzte Miguel .mit leichtem Sport — „die . Priester - behaupten cs zwar, aber ich . -denke, anders; die Seele ist die geistige . Kraft des Menschen, die sein Denken und Fühlen, sein freies, selbstbestimmies Wollen bewirkt; deshalb ist sie. das Erbgut jedes Menschen, weil-er Mensch und nicht Tier äst." „Wie schön klingen seine Worte!" -«-.-.dachte Clara »Welch ein weiser Sinn sprichtdaraus! — Aber warum verursachen sic ihr doch so Herren Schmerz? Er erschüttert ja-die Grundfesten ihrcs-Glaubens und zerstört das ganze Gebäude-ihrer Anschauungen!" Claras Blut kochte; in ihrer-Brüst tobte ein heftiger - Kampf, der Kampfder anerzogenen Vorurteile, mit dem erwachenden selbständigen Denken. Und Miguel fuhr fort: s „Wie können wir uns anmaßen von anderen zu fordern, daß sie dasselbe glauben, was wir glauben? Können wir sie dazu zwingen? Der Glaube kann ja nicht durch Zwang in ein menschliches.Herzgetrieben werden. .. Und wenn' das Herz nicht glaubt, was hilft da äußerer Zwang?" . - - - . - Er hat recht, seine Ausführungen . sind untviderleglich — dachte Clara, — Aber laut wollte sie 'es ihm jedoch nicht eingcstchcn. Eine .unbestimmte Scham- .hieltsic davon, zurück. --- . \ - „Aber die Juden"- —.'- fuhr- Miguel fort — „dürfen überhaupt nicht als lhigläubige angesehen tverden, denn sie haben eine reine -Religion, obgleich -diese von der unseren verschieden ist; sie haben.dieselbe Moral wie wir, und ihre. Religion, verbietet ihnen jede unredliche Handlung/' „Ich. Hübe aber gehört" — wandte Clara ein. — „daß die Religion. der Juden viele Unwahrheiten und! Bosheiten enthält; auch erlaubt' sie ihnen den Meineid und den Wucher mit Andersgläubigen." „Ich glaube wohl, daß Du es gehört hast, aber dann hat' man Dich falsch unterrichtet; mir ist zwar die, jüdische Religion in ihren Einzelheiten unbekannt, aber Mein weiser Lehrer hat mich überzeugt, haß sic vposl ist von edlen Grundsätzen' und' erhabenen Lehren, auch sind viele ihrer ' Lehren die Grundsätze unserer Religion geworden. Die heiligen Schriften der Juden -sind auch unser Heiligtum. Und ist: unsere Religion denn anfccrci als die älteste Tochter -derjüdischen? Und wäre die Mutter verwerflich und... schlecht, -' wie könnte denn die Tochter heilig und edel sein?"- . (Fortsetzung folgt.) BörfrShttrrgsuacht. . Sv Und und sttlle atmet rings die Nacht! Ein leises Wehfn umspielet jeden Baum, Und unter seinem sanften Kuß erwacht Knospe.-um Knospe aus dem langen Traum. Alles ringsum von neuem Leben schwillt, Daß säfteschwer sich jedes Zweiglein neigt. Und aüs dem Grund, in dem's von Keimen quillt, Bon Lenz und Friede uns . der Odem steigt. - Willi Eilbott. Literarische Rotize«. Jeschn ruil. Monatsschrift für LehU:- uub Leben im Judentum. Herausgeber: Dr. I. Wöhlgemuth. Berlin, - Inhalt: Erziehnngsfragen -in Ost und West. Probleme der Pentateuchiexegese (D. Hoffmann). — Ein Beitrag zu: „Charles Dickens und die Juden" (A. Blau). — Talmudischps (S.- Kaatz). — Eine . E«gese R. Judaha-Chastibs im Lichte des Codex-Hammnrabi (I. Neubauer). — Professor Kittels Obergutachtcn. Das Lied vom wackeren Weib (E. Biberfeld). — Die Inden-' frage (H.' Levh). — Bücherbesprechnng. Ans dem ersten Auffatz sei hier folgende. Stelle wiedergegeben: ' ' „Aber im eigenen Lager: da kann nian bald die eigentümlichsten Behauptungen als religiös verbindliche Normen verkünden hören, bald mancherlei Freiheiten, die unter dem Schütze der Meinung einer -vereinzelt dastehenden Größe - ausgesprochen werden, als allgemeingülttge Anschauung des Judentums hingestellt' sehen, .lieber die Forderungen traditioneller Gläubigkeit zu entscheiden, ist. ein änßprst schwieriges Unterfaygen, -zu dem nur eine gründlich^ Kenntnis unserer gewaltigen dreitansendjährigen Literatur legitimiert. Wer daher für sein Urteil Allgemeingültigleit beanspruchen will, wer gar auf Grund dessen den änderen aus der Reihe der guten Inden auszuschließen sich anschickt, der hat sich , vorher zu «orientieren, -ob mich wirtlich sein Urteil dem Gesamtbewußtsein des Historischzen Judeirtnms entspricht." Die toten Seelen von Nikolaus Gogol. 220 Seiten. 7. Slnflage. Volksausgabe. Münchzen, Georg . Müller. - Gogol (gebaut 1ß09, gestorben 1852), hak mit, seinen bcrührnten. „Totpn.Seelen" eine beißende Satyre über das \ ‘ Rußland,' wie es wirklich Zu seiner Zeit aussay und sicherlich .heute, noch, anssieht, geschrieben. Die Jagd nach mühelosem Besitz wird als das' Grundstreben der russischen Gesellschaft geschildert, durch welches Streben das, russische Bolkin seiner Gesundung gehindert wird. Der Leser gewinnt tiefe Einblicke in den russischen Staat, und chic schöne, von 'Johannes von Gnenthrr besorgte Aus- ' gäbe ist deshalb rin' Verdienst des bekannten Münchener .Verlegers. . ' . Im Verlag der Palästinakommissiön der Poale-Zion in Amerika (89 Delaucey Str.) erschienen folgende neue. Schriften in Mischer Sprache: „Das ABC des Poale- Zionismns" von I. Sar; „Der Palästtna-Ärbeiterfond" . von I. Ben Zivi; „Der Nationalfond, toas er beöeittet und was er geschaffen hat/' öon Ben Gorion und „Die / Grundlagen des Poale-Ziönismus". ' Ostjübische Erzähler. Ausgcwählt und aus dem Jiddischen übersetzt von. Alexander Eliasbcrg. 230 Seite,;. .3 Mbildungen. Mk. 1.20, Weimar, Gustav Kiepenheuer Verlag. Es sind alles Bekannte, - die uns .in dein 34, «Band der Kiepenheuerschen Liebhaber-Bibliothek vorgeführt werden: Perez, Schplem Alejchem und Scholem Asch. Doch hier soll auch die gebildete nichtsndische Welt mit diesen jüdischen Dichtem vgn Eigenart und mit der OstMenheitdie sic. schildern, bekannt gemacht. werden. Unter diesem. GesichtZwinrel betrachtet, muß. die erste .Erzählung — Perez „Der Diamant" — als recht'unangebracht in dieser Auswahl bezeichnet werden, denn hier tritt Perez nicht als Schilderen' -ans, sondern als 'Prediger gegen das-.traditionelle Erbe seines Volkes, gegen das vertrauensvolle-Glauben; er ist hier ..ganz Wvrtsprecher für die Haskalah, für das - mit Unrecht so genannte Äufklärungsftcdentum. Auch Perez „Die drei .Geschenke" .trägt das spöttische Gesicht des. Zweiflers. ... - In den anderen Erzählungen gewinnt der Leset Verständnis für eine ihm bisher fremde West. Und was 'ihn hier so sehr ' anspricht, das' ist eben die schlichte, selbst in.den. schwersten Lebenslagen aus Gytt- - vertrauen sich' begründende Denkweise dieser Menschen, eine Schlichtheit und -Einfachheit, die -bei "der.- Berührung mit der... komplizierten westeuropäischen Kultur leider dieser unterliegt. - Es sind Perlen der Weltliteratur unter den Dichtwerken eines Perez, eines Schjolem Alejchciit und eines Asch. Bei erstcrem nick» bei letzteren, ist es nur schade, daß sie nicht immer nur Schildere! sind. k- Bo« der jüdische« Presse. Die hcbräischx Zeitung „Hazefirah" in Warschau hat, wie wir schon meldeten, ihr Erscheinen wieder begonnen und zwar zunächst als Wochenblatt.- - Das jiddische Blatt .Warschauer Ta ge bl." hat sein «Erscheinen.eingestellt. Statt dessen begann am 1. Februar eine orthodoxe Tageszeitung „D as Jüd ische .ffifltf zu erscheinen; Die pädagogische jiddische Wochenschrift „Schule und E.r ziehnn g" ist schon..jn zwei Nunnnern erschienen, die einen ziemlich / guten Eindruck Hintersassen. -In Warschau erscheint seit dem 16. Februar, eine jiddische Wochenschrift „Das Jüdische Volk" unter Beteiligung namhafter jüdischer Schriftsteller; | Offenbseher IDruckluft-Anlage I I Offanbach a. ft Telrfon 123. (Anachlnas mitFranHiu t). I I -'ewShrteete TapDlShPatnlDUna (100,000 qm jährlich)! ■ sowie unübertroffene Bettfadernrelolguno mitteisil; Druckluft und Wasserdampf. . Woche»-Saleitder.- Samstag, 24; Febmar (--- 2. Ädar).. Sabbat-Anfang in' Frankfurt a. M. 5 Uhr 25 Min.. Sabbat- Ausgang in Frankfurt ä. AL 6 Uhr 45 Min,, in Berlin . 6 Uhr 16 -Mn. WochenÄ'schmtt: Terumoh. — Die Hebe für die Sttfthittte. Die "heilige'Lade,' der Tisch «nsw. -/-. „ . Wochengottesdienste in Frankfurt a. M. Morgens: Uhr in den meisten Synagögen (Bockenheim, Unterlindan 7 Uhr, Hauptsynagoge Königsteinerstr. 7V- Uhr). Abends: 5 Uhr 80 Min. in den meisten Synagogen (Hanptsyimgoge 4 Uhr, Königsteinerstr..7 Uhr). .... BereiVs-Kaleftder. - .Indische Franenvereinigung E.-B.- , Dienstag, abends 8Vs Uhr, Seilerstr. 22: Die. Willensbildnng in Haus', Schicke und Leben flir das. Leben in der Geineinschjaft (Oberlehrerin Weinstein). '