Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7. freudig. „Alle Mädchen der Stadt werden Sie beneiden .. .Aber ich habe es längst gewußt," fügte sie leise hinzu. - „Wirklich, Maria? Ich glaube es. kaum!" sagte Clara im Ton scherzhafter Ueberraschung. „Woher konntest Du es ahnen?" . ( „Ist er denn nicht ivert, gelieb! zu werden? Eiir herrliche/ Jüngling, strahlend von Schönheit, Glanz und Ruhm und dazu von vornehmer 'Herkunft.. O, Ihre Blicke unv Bewegungen, wenn Sie sich in seiner Nähe befanden, ließen mich erraien, was in Ihrem Herzen SSjging." „Aber," fügte sie hinzu, „auch er ist nicht wenige beneidenswert, einen Schatz wie Sie gefunden zu haben, Signora-! Alles vereint, Schönheit, Anmut, Milde, Klugheit, Reichtum, edle Herkunft.." V „Still doch. Du Schmeichlerin," unterbrach sic Clara rasch. . „Das ist ja nicht einmal 'ein kleiner »Teil, aller Ihrer Vorzüge, Signora," sagte Maria, „die edelsten Söhne Toledos betteln ja-um Ihre-Gunst." „Ich verachte sie alle," rief Clara stolz, ,^>enu keinen schmückt das, was ich an einem Manne am höchsten schätze, ein reines Herz und ein edler-Sinn. Es ist. ein. Haufen vowSchmeichlern und falschen Schwätzern. Darum sind mir die Komplimente, mit denen sie mich überschütten, in der Seele zuwider. Wie verschieden von ihnen allen ist Miguel!" fuhr sie begeistert fort, „sein Herz ist ganz seiner edlen Erscheinung entsprechend geartet Ihm ist jede 'Lüge fremd; nie, vernahm ich aus seinem Munde ein falsches Wort; er ist gerade und spricht, wie . er denkt. ' Und wie er mich liebt! — wie seine eigene Seele, mehr noch, er wäre jeden Augenblick bereit, mir sein Leben zu opfern!" . „Das ist ja gar kein Wunder, Signora. Ich möchte den sehen, der Ihrem Zauber widerstände." „Willst Du mir auch Complimentc machen?" sagte Clara, indem sie ihr Haupt verneinend schüttelte. . . / „Möge Gott, euren Bund segnen!" „Noch ist kein. Bund geschlossen," versetzte Clara hastig, „noch habe ich ihm meine Hand nicht zugesagt!" „So? aber warum, Signora?" fragte Mariä Enttäuscht, „finden Sie ihn iiicht würdig genug?" . „Ach, tvie kommst Du nur darauf? Ich habe Dir ja gesagt, daß.ich seine Liebe erwidere. Aber-." . „Was für ein ,Aber?" : „Ich habe ihm meine Liebe noch nicht gestanden und meine Hand nicht versprochen, denn das hängt . vom Ausgange des Krieges ab." ' „Vom Ausgange des Krieges? Ich verstehe kein Wort, Signora!" „Erst wenn er sich im Kriege auszeichnei und als Sieger heimkchrt, wird er meine Hand als Preis empfangen. Ich will die Gattin eines hochgeachteten Mannes sein, den der König und die Königin ehren und dessen Ruhm weithin bekannt ist; nur eineni Manne, der Großes für sein Vaterland getan, will ich angehören, dessen Ruhm auch mich umstrahlen.soll, damit ich vor meinen Freundinnen, den Frauen berühmter Feldherren, nicht zu erröten brauche." . „Das werden Sic gar nicht brauchen," bemerkte Maria, „alle Welt wird Sie beneiden, Signora, denn er ist, ja der Herrlichste von allen!" - ' j,Hat er es.sogar Dir auch schon angetan?" neckte Clara. „Aber noch eins steht im Wege. Du weißt, daß der Marquis de Murcia um meine Hand angehalten hat, und mein Vater hat eingewilligt, denn'er soll ein großer Mann sein, dieser Marquis, sagt mein Vater. Aber ich. kann ihn .nicht ausstehen, obwohl ich.weiß, daß der Vater ihn dem Hauptmann San-Salvädor vorzieht, weil letzterer nicht'von einer so hohen Familie abstammt. Hat er sich.aber Kriegsruhm erworben und darf sich neben den großen Feldhcrrn unseres Vaterlandes stellen, dann wird mein Vater nichts gegen unsere Verbindung haben." - „Aber weshalb sind sie so bekümmert, und was war das sür ein Träum, der Sie heute nacht ßi Erschreckt hat?" ' . „Siehst Du, Maria, es sind schon zwei Jahre her, seit ich den'-Hauptmann nicht gesehen« habe, und ich sehne Mich sehr nach ihm, während er ans demSchlachtfeldc. weilt und . jeden Augenblick dem Tode. ausgesctzt ist. , wie kann ich da ruhig bleiben oder immer fröhlich sein? Ich habe schon lange keine Nachricht von ihm gehabt,- und lyir ist sehr bange zu Mute. Aber höre, was mir letzte Nacht träumte. Es war in einer seier- '' sich geschmückten Kirche, drinnen tvar es voll von festlichgekleideten Gästen, und ich stand an der Seite Miguels vor, dem Altäre,, des Priesters harrend, der Dmseren; Bund einsegnen sollte. Plötzlich stürmten viele Frmckfurter Israelitisches Familienblatt. fremde Menschen in die Kirche, rissen uns auseinander, und laut weinend zogen sie meinen Bräutigam mit sich. Bald verließ Miguel mit seinen Begleitern die Kirche; und verschwaich, — da erwachte ich. Seitdem ist mir so schwer ums Herz, und ich finde keine Ruhe." „Träume sind Schäume," tröstete sie Maria, „bald wird, er voiwDchlachtfelde heimkehren,.und Sjß werden mit ihm glücklich, sein." „Was höre ich für einen , wilden Lärm auf der Straße?" rief Clara plötzlich und erhob sich vom Boden. „Ich will Nachsehen," sagte Maria und eilte hinaus. Nach einer-kurzen Weile kehrte sie wieder. „Eine frohe Botschaft, Signora! Eben ist der Marquis vom Rathaus gekommen und erzählt, daß unsere Truppen gesiegt haben; bald ist Granada genominen. „Dank dem Heiland!" jubelte Clara. „Sind Sie neugierig, wer in dieser Schlacht die Palme errungen hat?" . „Wer? so sprich schnell!" „Don Miguel San-Salvadvr!" antwortete Maria gedehnt. „Maria, Du spottest!" rief Clara erbleichenü und sprang von ihrem Sitze auf. »Ich spotten? Kommen Sie und überzeugen Sie sich selber!" Ueberströmende Freude erhellte Claras Züge und ihre Augen erglänzten lebhaft. - Sie lenkte ihre Schritte nach dem Palaste. - 3. Es war im Jahre 1492. . Toledo begeht eben ein rauschendes Fest. Alle Häu-' ser sind geschmückt, von den Spitzen der Türme und Paläste wehen die Fahnen des geeinigien Spaniens. Auf den mit bunten Teppichen behangencn Balkonen stehett Jungfrauen im festtäglichen' Staate und wie. zu einer Feier geschmückt.. Alle Weinhäuser sind mit Zechenden gefüllt, die sich an den edlen Weinen Spaniens gütlich tun. lleberall wird gesungen und gejubelt, die spanischen Volkslieder erschallen unaufhörlich. An allen ansehnlichen Gassen sind Triumphbogen errichtet, die in buntem Blumenschmuck prangen. An allen Straßenecken erheben sich Tribünen, von Venen herab Geistliche An- - sprachen an das Volk halten. Granada ist erobert! , Der " langwierig? Krieg, der' die Blüte der spanischen Jugend zum Opfer gefordert und die Schätze des Landes erschöpft hat, ist'zu Ende; Granada, die letzte feste Burg der' maurischen Herrschaft in Spanien, hat. dem siegreichen Eroberer seine Thore aufgeian, der es fast ohne Schwertstreich genommen. Boabdil ist verbannt und der Alhambra, einst der Sitz der Chalifen, wird von Ferdinand und Jsabella bewohnt. Die neunhundertjährige Herrschaft der Mauren in Spanien ist sür immer vernichtet. Und nun erwarten die Bewohner von Toledo das siegreiche Heer, das eben vom Schlachtfclde heimkehrt. Gleichzeitig legen'Zimmerleute die letzte Hand andas Gerüst für . ein Auto-da-fe, durch welches eine Woche das Siegesfest verherrlicht werden soll. Biele Opfer sind schon dafür ausersehen, die man aus. den unterirdischen Räumen der Inquisition schleppen wird, um sie angesichts des versammelten Volkes unter den Klängen heiliger Gesänge zu. verbrennen. Um das. kaum vollendete Gerüste hat sich eine zahlreiche Menge versammelt, die sich an dem Prachtwerke nicht satt sehen kann; sic scheint schon im Voraus den Wohlgeruch der verbrannten Opfer, zu schlürfen und sich an dem Duft gerösteten Mcnschcnslcifches zu > Bald ist. der Bau zu Ende. Ein Priester segnet den Altar, besprengt ihn mit Weihtvasser uiw stellt ein Crucifix darauf.. Dann besteigt er eine Tribüne und ergreift das Wort: „Dem Herrn gesegnet sei der Tag, in dem es uns gegönnt tvar, in Toledo einen heiligen Altar zu errichten, dessen Feuer die Ungläubigen verzehre, bis sie vom Erdboden verschwinden. Heute ist uns Gottes Hilfe offenbart geworden, und unser Feind ist vernichtet. Wie sollen 'wir Ihm nun am besten danken, wenn nicht dadurch, daß tvir diejenigen, die seinen Sohn verleugnen, ausrotten? Aber die Verruchtheit der Scheinchristen ist weit ärger als die offenkundige Bosheit der Juden und . Mauren! Diese verdammen nur ihre eigenen unreinen Seelen zur Hölle, da sie ihrem falschen Glauben anhängen, jene aber verunreinigen uns, unsere Söhne und Töchter, und betrügen uns unaufhörlich. Laßt uns also zuerst sie, die Unreinen, durch das heilige Feuer läutern, auf. daß unser Land gesäubert wirdj undauch ihre Seelen, der ewigen Verdammnis entgehen. Dieser Altar ward zuerst in Santa-Fe errichtet; und dafür -gab uns Gott den Sieg über Granada, — und so wird uns der Heiland immer den Sieg verleihen, solange wir Seinem Bunde treu bleiben. Aus also. Bruder, laßt uns das Fest mit gebührender Weihe begehen, zum Gedeihen . imd zur Freude der heiligen Mutter Kirche!" „Es lebe der Priester! Es lebe die Inquisition!" jubelte das Volk. ' Inzwischen erschollen die Trompeteir untz das Geläute der Glocken zum Zeichen, daß das Heer sich den Stadtmauern nähert. Die Tolcdanische Bürgerschaft hatte eine Deputation der vornehmsten Bürger unter der Anführu/rg des Marquis de Hentiquez zur Bcgrüßimg des heimkehrenden Heeres entsandt, in deren Gefolge sich ein Sängerchor und eine Musikkapelle befanden. Auch die Geistlichkeit hatte sich eingefunden, Kreuze und Heiligenbilder tragend. Aus dem Alfonso-Platz ging es lebhaft zu. Gegenüber dem Palaste des Marquis waren in laugen Reihen Tische aneinander gestellt, die unter der Last von allerlei Speise und Trank schier zusammenbrachen. Daran sollten die heinigekehrten Krieger sich erquicken. Zu beiden Seiten des Platzes waren berittene Wachleute ausgestellt, um die Ordnung zu erhalten. Gegenüber konnte man den Balkon des Palastes erblicken, von dem bunte kostbare Teppiche herunterhinggen; außerdem schmückten ihn Fahnen und prächtige Blumenkränze. Am herrlichsten aber strahlte Donna Clara, die heute ihren schönsten "Schmuck angelegt hatte und.mit pochendem Herzen erwartungsvoll dastand. Der ' Geliebte ihres Herzens, Don Miguel San-Salvador, hatte -sich in der Belagerung von Granada einen ruhmreichen Feldherrnnamen erworben,' der König hatte ihn zum Obersten erhoben und zum Anführer einiger Regimenter gemacht und zum besonderen Zeichen seiner Gunst ihm einen goldenen Degen geschenkt. Don Miguels Name, wird von ihrem Vater, dem Marquis, mit großer Achtung genannt, und dieser wird gewiß den Bund segnen., noch eine Weile und sie wird den sehnsuchtsvoll Erwarteten sehen», bald wird er in Begleitung des commandierenden Feldhcrrn vorbcireiien.. Wie unendlich lang erscheinen ihr diese Augenblicks.. Hat er sich im Laufe der Zeit verändert? Wie mag er wohl aussehen? .. Aber noch eine kleine Weile, und schon ist er da., gewiß Hit er sich sehr nach ihr gesehnt und wird sich sehr freuen, sie wiederzusehen! Und Donna Claras Gedanken eilten voraus, und sie sieht im Geist das Fest, welches'morgen abends im Pa- . laste ihres Vaters zu Ehren der Offiziere stattfinden nnrd. Er wird unter den. Gästen fein.. -wie wird es ihn beglücken, aus ihrem Munde alles zu vernehmen, zu hören, welch ein Preis ihn erwartet. Clara wandte sich um und erblickte Maria, die hinter ihr stand. „Maria" rief sie mit bebender Stimme, „ich kann ' Dir nicht beschreiben, was in mir jetzt vorgeht. 'Mein Herz hämmert fast hörbar" und sie tagte die Hand ans, Herz, wie um dessen Pochen zu beschwichtigen, „ich bin ganz außer mir vor Freude und Erregung." Indessen erschollen die Trompeten immer lauter: Von den Türmen erdröhnten die Glocken, Musikllänge ertönten, und Trommelgewirbel wurde vernehmbar. Jubellaute, Gesang und Klang vcrschwammen mit dem Wiehern, der Pserde und dem Getöse der sich heranmälzenden Menge zu einem einzigen wildbrausendcn Tosen, das die Lust erschütterte. ' Die Truppen waren in die Stadt eingezogen. Scharenweise ritten die Soldaten auf ihren Pferden einher. Ein Wald von Fahnen wehte in der Luft, und zahllose; prächtige Federbüsche wiegten sich auf den kupfernen Helmen der Krieger. Panzer und Schilder, Lanzen und gezückte Schwerter blinken im Sonnenlichte. Unter der Menge erhob sich ein tausendstimmiger Jubelrnf: „Vivat, Vivat! Es lebe das Heer! Es lebe der König! Es lebe, die Königin!" * Die '.Truppen nahmen Aufstellung gegenüber der Kirche San-Christo di Santa-Luz. Die Geistlichkeit ging ihnen, entgegen mit Crucisixen in den Händen, und darauf begannen die Truppen über den Platz zu' marschieren. Ein Regen von Veilchen. und Rosen ergoß sich , über die Borbeireitendenvon den Balkonen und Fenstern herab. Clara ließ ihre Blicke suchend über die Köpfe der Menge schweifen und da — an Der Spitze ritt Det Feldherr Finzi de Leon und hinter ihm auf einem raben- - schwarzen Renner, Don Miguel, gehüllt in einem kurzen Purpurmantel, Ehrenzeichen auf der Brust, auf dem , Haupte einen federbuschgeschmückten Helm und an seiner Seite blinkte der goldene Degen. Zwei hohe Offiziere ritten zu seinen beiden Seiten. Clara verweilte mitihrem Micke aus ihm und eine imeickliche Freude machte '