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Neue jüdische Presse · 1917-02-16 · Heft 7 (16.2.1917) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 7 (16.2.1917)
Date
1917-02-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seit 6. Frankfurter ZfraetttiWes FgmWeMatz- Nr. 7. ihr baä. Herz schwellen und verklärte ihr Angesicht. .'Miguel erschien ihr jetzt doppelt so schön. Von allen Seiten ertönte der Ruf. Es lebe Finzi'de Leon! Es lebe Miguel San-Salvador! Claras Herz war voll. Zn diesem Momente ver-i spürte sie ordeullich Lust, ihn in die Arme zu schließen, ans Herz zu pressen und glühende Küsse auf sein sonnengebräuntes Antlitz zu drücken. Die Truppen postierten-sich gegenüber dem Palaste des Bürgermeisters, und Don Miguel blickte empor. Ihre Micke begegneten sich, — und die Gesichter beider begoß eine glühende Röte. Sie nickten einander zu, und Clara tvarf ihm ein Bouquet zu, welches er mit einer leichten Verbeugung auffing. Freudetrunken blickttn sic unaufhörlich auf einander. Zuwellen wendete Clara das Gesicht nach Maria, die von freudigem Stolze strahlte. (Fortsetzung folgt.) Die polulsche Jüdin.*) Es ist nicht anders: Tritt dir ein weltbewegendes Gefühl, eine sormschaffenoc, alle Adern unseres Lebens' durchsausende Leidenschaft in irgendeiner Gestalt in den Kreis deiner Alltagstellnahmslosigkeit, dann wachst 5u auf wie aus einem bllderlosen Schlaf, staunst ob dieser gewaltigen Macht, die sich vor dir aufbäumt und fühlst erstwas cs bedeutet, Mensch zu sein.; Eine sehr breite Straße — Tausende Menschen, Hunderte Wagen füllen ihren Raum. ' Keiner fteht den andern an. Vorwärts! Nur vortoärts! Es gilt, Brot, Ansehen, tausend Nichtigkeiten zu erjagen. ... Heisere . Kutscherruse, Rädcrknirschcn, fliegende. - Grußworte und darüber das unbestftnmtc Gesumme unzähliger Leute, die. aus den Steinen der Häuser ..zu .* kommvt scheinen. Ich gehe einem Geschäft nach, das mir Brot für . die nächsten Tage bringen soll. . . Meine Augen sehen vor sich eine Ziffernreihc — an den lebendigsten Dingen eile ich gesichtslos vorbei. Alle meine Gehirnkämmern sind verriegelt — ich lasse keinen Weltgedqnken ein, er körmte ja meine müh- . sam. -gesammelten kaufmännischen Kenntnisse hinans- . . In ineincm Ohr höre ich nur die rechnende Stimme niemes Geschästsfrcurrdes. Sätze springen aus meinem Mrmd auf die Straße — ich mache Proben, wie ich, dorrlsp'rechcn werde/ wo cs ums Brot gilt. Niemand - kümmert sich unr mein Selbstgespräch, alles ist selbst /bis an den Rand voll Sorge. Da bleibt auf einmal jemand vor mir stehen,Worte - fallen in mein Herz, ein Weib hat mich angesprochcn. - Ich schaue cs verständnislos an. Es wiederholt: - . „Ich bittt Sie, guter-Herr, wo ist Allgemeines Spital?" Ihr. Kleid ist armselig, aus seinen Falten weht der Geruch der Judcngasse, in der das Elend jedes Haustor kennt. f „Kommen Sie, ich werde Sic bis zum Allgemeinen Spital begleiten." ' Auf dem Wege erzählte mir das Weib ihre Geschichte. In irgendeinem Winkel einer Stadt in Galizien lebt sie mit ihrem Mann und fünf Kindern. Der Mann und zwei der ältesten Kinder sind als Hilfsarbeiter in einer Petroleumgrube beschäftigt, was diese verdienen, reicht gerade für Maisbrei, Kartoffeln iuü> den täglichen Hering. Für das feuchte Loch, das sic im Judenvicrtcl bewohnen, muß. die Frau das zerfallene Haus rein halten und dem Hausbesitzer, einem Trödler, die Magd abgcben. ..... Die drei kleinen Kinder streichen tagsüber, die Obhut, der schwer arbeitenden Mutter entbehrend, durch die Gassen. Eines Tages wird das jüngste, ein drei Jahre altes-Mädchen, der Liebling der Familie, von einem tollen Hund gebissen. Was kümmert es die Behörde, baß ein aynes Jüdcnloeib halb irrsinnig wird, weil mau ihr sein Kind, nimmt? Das Gesetz befiehlt: ins Pasteur- Institut nach Wien. Woch^ uni Woche verrinnt, cs *) Wir entnehmen vorstehende Erzählung dem Buche: Alfons Petz old: „Sil, der Wanderer", Band II der Rhembornbücher, Reust L Jtta, Konstanz, Preis geb. Mark 1.50. Ein gedankenreiches nnd reifes -Buch des österreichischen Schriftstellers, das eine größere Anzahl türzcrer, gehaltvoller nnd packender Erzählungen umfaßt. kommt keine Nächricht, wie cs dem Kinde geht, alle brieflichen Anftagen sind vergebens. Die große Stadt, -die das Kind verschlungen, bleibt stumm aus die Rufe emer angstvoll harrenden Mutterscele. Irgendein Kanzlist dort denkt sich: Ach was,, ein Judenweib. Da setzt sich in der Mutter ein Gedanke fest: sie nruß nach Wien Au ihrem Hude, und die sagt es ihrem Mätznr. Der lacht trübe auf: .„Eine arme Jüdin und Wien! Warum willst nicht gleich nach Paris?" Sic aber läßt nicht mehr los, verkauft ihr Federbett dem Trödler, spart sich vom ' Munde den Bissen Brot, sie ivriß die Ihrigen so zu begeistern für ihren Plan, daß diese beschließen, keinen Hering mehr täglich zu essen, man streicht an dem zuletzt gesausten zu jeder Mahlzeit das'Brot und die Kartoffeln hin und -her, so hat man eine ganze Woche den Geschmack von Hering im Munde, ohne einen zu essen, das kann man sich merken! Endlich ist soviel Geld znsammengeraifl', als für die Eisenbahnkarte nach Brünn notwendig ist, den Rest des Weges geht die'Mutter zu Fuß. Sie ist mit ihrem. Erzählen fertig. Wir stehen Vox dem Tore des riesigen Spitals. Mit überhastigen Worten bedankt sich das Weib und verschwindet in der Welle der Menschen, die in der gewaltigen Toreinfahrt auf- und abflutet. Ich stehe im lärmenden Wirbel der Straße. Eine Schallwelle überbäumt die andere, im engen Gedränge scheuert sich Mensch an Mensch, man stößt mich hin und , her, ich achte es nicht. Irgendwo ist mir die festliche Freude aufgesprungen. Ich weiß wieder, daß es wert ist zu leben, das Judenweib hat mir gezeigt, wieviel Liebe, wieviel, Kraft die Straße füllt. Literarische Chronik. ' A«S.dem Werke:.Der Wabrbeitogehalt der Religio« , von Kucken. Wie sich im menschlichen Kreise die Kraft der Liebe bemistt nachder Größe des 'Opfers, dassie aufzubringen vermag, so gibt es auch keine, echte Bewegung zur Wahrheit ohne ein Entsagen und Verzichte», ohne ein innewohnendes Opfer. ' ' Wenn die Religion dahin. wirkt, in dem Euizelncn das Ganze, in dem Kleinen das Große, im Menschlichen das Göttliche sehen und erleben zu lassen, so. wirkt sie damit zur Veredelung, "ja .Heiligung des Lebens bis in die unscheinbarsten Züge hinein. Indem die Religion zusaininenfaßt und als Ganzes zur Wirkling bringt, was an edlerer Art nnd Erhöhen der Kraft in unserem Leben steckt, vollzieht sic eine Verklärung dieses Lebens, ohne sein Dunkel zu leugnen, zeigt sie das Göttlstl-e in unmittelbarster Nähe, ohne den Durchschiiittsstaiid' -fälschlich zu idealisieren. Geschichte in aüszcichnend menschlichem und geistigem Sinne entsteht nie durch! die bloße Folge der Zeiten, sondern 'mir dadurch, daß, das Vergangene festgehalten, erlebt, auf sein Wesen und in einen Inneren Zusammenhang gebracht wird: das aber kann pur von einem zeittiberlegenen Standort geschehen, das bezeugt das Wirke» einer zcitüberlegcnen Ordnung. Zwischen uns und der Wirklichkeit steht iinmcrfort das Gespenst unseres, eigenen Gedankens, unserer eigenen Reflexion, und droht auch die-Welt in Schatten zu verwandeln; statt der Dinge sehen-wir nur den Schleier, mit dem dem wir sic umkleiden, und'wir vertauschen nur einen Schleier mit dem anderen,- wenn wir sie selbst zu enthüllen glauben. -/'/ Wo der Mensch ganz in das Verhältnis zur menschlichen Umgebung ausgcht, wo ihn die Sorge um seine Stellung in Rebcncinandcr und Nacheinander alles übrige vergessen läßt, da muß erimmer mehr an in-, ncrc.Selbständigkeit, an seelische Tiefe, an geistiger Größe verlieren, da wird er unvermeidlich ein bloßes Oberflächennnd Schabloneiiwcsen. da muß schließlich alles eigene Leben, alle wahrhaftige Gegenwart verschwinden. ' . - " : Literarische Notire«. Aus dcm Buch der Bücher. Feld-Bibel, licrausgcgebe» vom Verband der deutschen Juden. 146 Seiten. Taschenformat in Leinenband. Das Büchlein bedarf keiner cmpfchlcndcu Worte. Man kann nur den Wunsch anssprechen, daß recht viele jüdische Soldaten .es in die Hand bekomnieii. Denn für die.nieistcn ist unsere Bibel ein Buch von dessen Inhalt sie nur einen reckst verschvvminenen Begriff haben. 'Greifen sie jetzt in ihren Mnsestniiven zu dem Buch her Bücher, sv werden sie sich hineinlcsc», es Feinten nud liebe» lernen nnd Segen daraus empfangen. Allerhand Humor von Ludwig Anzengruber. 120 ©eiten. 60 Psg. Feldausgabc. Leipzig, Breitkopf & Härtel.' Eine sehr nette Gäbe für nnsere Tapferen im Feldes Für die Eibtönigkeit - draußen ist ein guter Lesestoff eine Notwendigkeit. Die Seele wird erfrischt nnd damit auch der Körper. I Oflfenbaeber Braebloft-Anlage! I Himbach a. ■. Telefon 128. (Anschluss mitFrankfoitl I I -wfihrfawte T«BnlehP»lnl"nn» (100.000 qm jahrlicl I U» unübertroffene Battf*darnralnlguna mittnlo-l Drnr.klnft und WnsRArdampf. Woche«-Sale«der. Samstag, den 17. Februar (= 25. Schwat).' Tabbat- Anjang-in Frankfurt a. M. 5 Uhr 11 Min. Sabbat- Aüsgang in Frankfurt 6 Uhr 35 Min., in Berlin 6 Uhr 03 Min. . Wochetzabschnitt: M i s ch p v t i m. — Rechte und Pflichten des Dienstherrn, des Sklaven, der Magd. Vergehen gegen Person und. 'Eigentum. Verantwortung für - Schaden. Pflichten gegen den Feinds Vorschriften für das 7. Jahr usw. Moses besteigt den Berg zu vierzigtägigem Aufenthalt. Parschas .S che ko lim. Donnerstag, 22. .Februar, Freitag, 23. Februar: Bausch C hau de sch Ad ar. Wochengottesdienste in Frankfurt a. M. Biorgens: 63/* Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindan 7>° Uhr, Hauptsyimgoge König- . steinerstr. 7»/s Uhr). Abends: 5»/i Uhr in den meisten Synagogen (Hauptsynagogc .4 Uhr, Königsteuierstr. 7 Uhr). > Bereius-Saleuder. Jüdische Frauen» vereinig um g: Sonntag, 18. Februar pünktl., Kurs des .Herrn D. I. Breuer: „Gesetzeslehre und Prophetenwort", Hörsaal Fricdberger Anlage 5. Dienstag 20. Februar: Geselliges Zusammensein. Ber'ein Mon tefiore. Freitag, 16. Februars 83/i Uhr abends: Geselliges Bei-' sammensein. Dienstag, 20. Februar, 9 Uhr: Französischer und englischer Sprachkursus.. ... nvtnmtitt AamMeAAachrichle«. Barmizwv hs. Artur Auschet, Bergweg 29; Alfred Siegel, Tiergarten' 54, Synagoge Börneplay. Gestorben. Samson Haas, 68 I., Wolfsgangstraßc 121. — Johanna Oppenheimer geb. Heil, 64 I., Oberlindau 54. —.Betty Hahn geb. Orb, 95 I., Blumenstraße 11. — Friedericke Joseph, 62 I., Köriicrstr -12. —- Fanny Seligmann geb. , Flörsheim, 90 I.,' Rechueigraben-- straße 20. — Theodor Beckhardt, Inhaber der Firma W. Fuhrländer Nchf., 62 I., Trutz 32. —Meier Wallenstein, 80 I. — Frida Baumgarten geb. Schapiro, 58 I. Auswärtige KamMev»achrichre«. Geboren. Ein Sohn Julius Bluhm (Mayer)- Cöln. — Walter Löwe" (Lehmann), Berlin. ' . Eine Tochter-Louis'Cohn (Rynarzowski), Halbxrstadt. Verlobte. Erna Oberinski, Charlottenburg mit Albert S. Lastmann,' Leipzig. — Trude Mautner, Schöneberg mit Hans Wolfs, Pankow. — Lilly Gran, Allenstciii mit Willy Mendelsohn, Grandenz. — Else Magnus. Berlin-Lankwitz mit Martin Margoninski, Essen. «Gestorben. Maier Frank, 67 I., Würzburg.- Leopold Hirsch.61 I., Stuttgart. — Klara Würzburger geb. Kirchheinicr, 80 I., Heilbroirn. — Rosalie Hauowitz, 85 I., Homburg. — Max Lipschitz, 77 I., Charlottenburg. — Joseph Tomke, 89 I., Berlin. —Eduard Neumann, 52 I., Dresden.. — Ludwig Cohn, 70 I., Reichen-. bach i. Schl. — Hanncheii Blnmenthal geb. Hirschfeld, Nürnberg. — Philipp Stern. Mannheim, i. F. — Max Levin, Breslau, i. F.- — Cäcilic Bereiid '-geb. Leopold, Gotha.. — Heinrich Oppenheim 73 I.; Hermann Mbü, Berlin. — Berthold Kristeller, 70 I., Dresden. — Valentine ' Jsaeowitz geb. Loewe.nthal, 65 I., Steglitz/ — Wilhelm Silbermann, 65 ,J., Rawitsch — Leopolo Hirsch 62 I., Stuttgart.. — Felix Meyerheims 36, I., i. F.; Julius ’ Plachta; Benno Guttinann, 32 I., i. F.; Philipp- Fabian 72 - I.; Berlin. — Isidor Silbcrberg. 59 I-., Insterburg/. — Pepi Tag, 68 I., Mniichcn. — Friedericke Bensinger, 82 I., Mannheim. — Eduard Simons, Düsseldorf. — Max Karlebach-, 20 I., Köln i. F. — Simon Fleck, 71 I., Iserlohn. — Willy Silberiiiann, 41 I., Nürnberg. Sveudeu. , - Spenden. Beim Franlsnrter Israelitischen Familicnbiatt gingen N o t st a n d s a k t i v n für Palästina Sainncl Silberiiiann, Thor» Mk. 25.—. Jul. Herrn. Homburg vorm. J. G. B. Trost Filiale jSpezialhaus für solide .Küchengeräte und .Krankenhausartikel, sssss

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