Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Nr. 7. von 'diesen Komitees wurde die Wahlkampagne in der 6. Kurie geführt, der die Arbeiter angehören. Hier standen sich jüdiicherseits die proletarisch-zionistische Partei Poale- Zion und der „Bund", die besondere Listen ausgestellt hatten, gegenüber. Von den 50 Ratmännern, die in den ersten ö Kurien gewählt wurden, sind 9 Deutsche, 13 Polen und 28 Juden. Von den extremen Assimilanten wurden nur zwei als Kandidaten der polnischen „Radikalen Demokraten" gewählt. Die» Neo-As,imilanten brachten in der. 2. Kurie nur zwei Ratsmänner durchs Das „Zentrale Jüd. Wahlkomitee" brachte 22 Ratmänner durch. Die Ratmänner de? „Zentralen Jüd. Wahlkomitees" beschlossen, eine besondere jüdische Fraktion im Stad trat zu bil- Besonders heftig war der Wahlkampf in der 6. Kurie,. die die Arbeiterbevölkerung der Stadt umfaßt. Hier konzentrierten sich 17 651 Wähler, d. h. 53 o/o der gesamten Wähler, darunter 9500 Polen/, 7.156 Juden und 1000 Deutsche. Die Kurie hatte nur 10 Kandidaten zu wählen, und unter den Wählern kursierten 8 verschiedene Listen. Unter den jüdischen Arbeitern spielte sich der Kampf zwischen der proletarisch-zionistischen Poale-Zion und dem ,/Bund" ab.. Unter den 3 gewählten jüdischen RatSmänueru find 2 Poale-Zion und ein. Bundist. Großbritannien. - Anglo-Jewifh-Uffociation. In der Sitzung vom 7. Januar wurden auf Vorschlag des Präsidenten Claude G. Montesiore 50 Lstr. für die Schulen der palästinensischen Flüchtlinge in Alexandrien zwecks- Einrichtung-zweier neuer Klasienzimmer und 36 Lstr. für die Schule der palästinensischen Flüchtlinge in Cypern bewilligt. . - Fräulein Landau, die Vorsteherin der Evelina de Rothschild-Schule in Jerusalem, wurde ermächtigt, eine Sammlung, zwecks Erhaltung dieser Schule (die ihre Arbeit fortsetzt) in Höhe von 1600 Lstr. zu unternehmen. Vorbehaltlich der Genehmigung der Regierung wurden 200 Lstr. für die Bespei,ung der Schülerinnen der Evclina-Schule in Jerusalem bewilligt. Der Krieg uud die Jude«. Frankkort Simon Ernst Goldlchmi dt, Sohn des I. Goldschmidt, Eiserne Hand 31, erhielt daZ Eiserne Kreuz 2. Klasse. , - T«i,m«adt. L'Mna t Ernst Sondheimer, Sohn des Lehrers S., erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse/ Mainz Dem K-ld- und l ata llonsarzt St. Notenblatt, gebürtig aus Frankfurt a. M..- wurde für selbstlose Pflichterfüllung und Tapferkeit vor dem Feinde, das Eiserne Kreuz,1. Kl. und zweimaliges Ritterkreuz vom weißen Falken mit Schwertern verliehen. »älu. Herm. Leiter und S a.l l he l s er- Kerpen, erhielten das Eiserne Kreuz. Brest««. Richard iZrinnitzer/Carl Eckersdv.rff, Siegfr. Jonas, Wolfgaug Ko.lker, Max Pese, Otto Weber, Unteroffizier Erich! Wechselmanu, /Unteroffizier -Max Levin (inzwischen gefallen)- Breslau, Fritz Kniebel-Glogau, Fritz Adler,. Ernst Michaelis-Hiüdenburg, Jos. Zolkowitz-Jellowa, erhielten das Eiserne Kreuz. Dr. Beuthuer wurde zum OberIabsarzt be- < Wie«. Bloch's „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in chrer letzten Nummer folgende Auszeichnungen an Juden: 1 Offizierskreuz des Franz Josef-Ordens, 1 Ritterkreuz.des Franz Josef-Ordens, 7 Militärverdienstkreuze 3. Klasse, 28 silberne Signum laudis, 45 bronzene Signum laudis, 12 goldene Verdienstkreuze mit der Krone, 12 goldene Verdienstkreuze, 15 silberne VerdienstkrevM mit der Krone. 13 silberne Tapferkeitsmedalllen 2. Kl..' 80 bronzene Tapjerkeitsmedaillen, 2 eiserne 'Verdienstkreuze, 2 belobende Anerkennungen, zusammen 172 Auszeichnungen; hiervon 91 an Offiziere und Kadetten des' Soldatcnstandes, 33 au Mlitärärzte und Wilitärbcamte, 58' an Mannschaftspersonen. , VuSapeit. Der «emetn'ame Kriegsminister Freiherr > v. Krobatin hat in betreff „r i tue ller Ko st für i sr a elit.ische-Mannschastspersonen" im Hinterlande' unter Abteilun'g 12 Nr. 130008 von 1916 weben an alle Militärkommandos einen Erlaß gerichtet. Wie der Budapester „Allgemeinen Jüdischen Zeitung" aus Wien telegraphiert wird, lauten die Hauptoestimmungen des Erlasses wörtlich wie folgt: Den Sdldaten israelitischen Glaubens ist die rituelle Kost durch Köche ihrer Konfession bei jenen Unterabteilungen abgesondert zubereiten zu lassen, bei welchen -mindestens 100 Mann jüdischen Glaubens vorhanden sind. Die Herstellung der Kost hpt zwecks Ersparung von Service möglichst auf demselben Herd zu erfolgen, wie die der übrigen Mannschaft. Nur wo dies untunlich ist, hat die Herstellung auf einem Herd, auf welchem die Zubereitung für mehrere Unterabteilungen angestrcbt werden muß, zu erfolgen. Das Zutrageu - der rituell zubereiteten Kost von der Kultusgemeinde in die militärischen Unterkünfte ivird nur dann gestattet, wenn die Kost in Speisetraggeräten in der Größe für mehr als zehn Portionen — für deren Beschaffung jedoch unbedingt die jüdischen Kultusgcmeinden aufzukommen hätten — in die militärischen Objekte erfolgt. Das Zutragen der Kost hat in diesem Falle in militärischer Ordnung unter Führung eines Unteroffiziers zu erfolgen. Das Abholen der'Kost mit Menageschalen wird nicht' gestattet. Diesfalls ist die Ueberweisung des Menagegeldes von den Unterabteilungen an. diedie rituelle Kost zübereitende und abgebende Kultusgemeinde. gestattet. . . Franyurter Kraelitisitzes FmnAievblatt. Der Unterabteilungskommandant (Stellvertreter), dann die Vorgesetzten. Kommandanten haben sich im Sinne des Dienstreglements, erster Teil, Punkt 238 fallweise davon zu überzeugen, daßdie hergestellte Kost in Güte und Menge auch -dem Menagegeld entspricht. Ueber vorgebrachte Bitte des Mannes wird die Auszahlung des Menagegeldes auf die Hand an einzelne Personen, jedoch nur an den höchsten Feiertagen bewilligt. -Die Militärkommandos haben im Sinne der vorstehenden Bestimmungen das Weitere im eigenen Wirkungskreise zu .veranlassen. Mehrkosten infolge Verabfolgung der rituellen Kost dürfen dem Aerar keinesfalls erwachsen. Diese Verfügung hat für die Armee im Felde und 'für die im Bezüge der Kriegsverpflegung stehenden Unterabteilungen keine Gültigkeit. , R rsrvw Gn'izem Ein jüdisches KriegSwaisenhaus ist hier mit vorerst zwmnig Waisen errichtet wörden. Die Einrichtung, eine Schenkung des „Verein zur Rettung verlas,ener jüd. Kinder Galiziens und der Bukowina" in Wien, ist ,sehr nett. u. kleine Mitteilungen B-rlin. Im .,Ne-ein >ür jüd OeMidj'f unfc Pit'ratun'; sprach Justizrat Julius Magnus über ,<züd. Dichter im Weltkriege". Er erwähnte einleitend Joseph Wehl/ von dem der Text des'Niederländischen Dankgebetes „Wir treten zum'Beten vor Gott den Gerechten" und Robert Linderer, von dem das Flaggenlied „Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot" herrührt. Zu seinem Thema übergehend, behandelte er Ernst Lissauer, Leo Sternberg, den Ostpreußen Walter Heymann, den jungen Breslauer Studenten Ludwig Franz Meyer und Hugo Zuckermann. — . Geh. Sa.nitätsrat Oberstabsarzt Dr. Gustav Simon starb kurz nach seinem 80. Geburtstag. — Geh. Regierungsrat Dr- Julius Pieck erhielt den Rronenorden 3. Kl., und Willy Schlesinger, Aeltester der Kaufmannschaft, wurde in den Beirat des Reichskommissars für Uebergaugswirtsch oft berufen. «a»'el Diii-el. Gemeinde will mit 300000 Mk) Kosten ein Krankenhaus bauen. . Wündirn Eduard Silverm a n n , Sena'spräsident am Oberlandesgericht, Inhaber verschiedener Orden, ist verschieden. Hall-. H er sta b im 79., Lebensjahr Geheimer edizma'rat P oseiior D r. Julius Bernü-in, ein Sohn. des Politikers und natnrwissenschjaftlichen Schriftstellers,.,?!. Bernstein. Urrslau , Das Louis Hirsch'sch e Ehepaar feierte die güldene Hochzeit. Wie«. Hler v erscb-ed der Großindustrielle.Heinr. Mendl, der das .. „Josefine Meiidl-Haus", das ucbeu anderen Horten und Stiftungen die „Toynbee-Halle" beherbergt, mit mehreren hunderttausend Kronen Kostenaufwand sttftete. . Paris Der bekannte Antisemit D o u m o n t. Gründer der Zeitung. „Libre Parole", ist78 Zähre alt — verschieden. Mailand Dr. Sigismund Friedmann, ordentl. Professor für deutsche Literatur an der hiesigen Universität, — geboren in Jassy — ist verschieden. % Petersimrg. Die Schlußkeier für bas Auslernen des ganzen Talmuds wurde hier von einer Gruppe Mitglieder des'.chassidischen Beth-Hamidrasch feierlich begangen. Zwölf Jahre hatte das Lernen gc- Bei der Feier, an der einige, hundert Personen teilnahmen/ hielten Reden: der Petersburger Raw Tobias.'Katzenelenbogen, der Dwinskcr chassidische Raw Josef Rosen und der Petersburger Rabbiner Dr. Eisen stad t. Es wurdest 1300 Rubel gesammelt. für die jüdischen Heimlosen, die ihre jüdische' Bibliothek zurückgelassen ^haben, Seforim gekauft werden sollen. ' , - Frankfurter Berichte. Ssraelitischer SülfSverei«. Ueber die Tätigkeit im letzten Berichtsjahre (1. 10. 15 bis 30. 9. 16) läßt sich folgendes berichten: Die Flüchtlinge aus .Oesterreich haben allmählich wieder Frankftcrt verlassen und sind in ihre Heimat zurückgekehrt-, nur eine kleine Zahl befindet sich noch hier. In Würdigung der Verhältnisse hat' der Hülfsverein jm Einvernehmen mit dom Ocstcrr.-Ungar. Generalkonsulat, weiter geholfen. Die Maßnahme, die Bedürftigen . z. Zt. statt mit Geld mit Naturalien usw. zu unterstützen, hat sich sehr bewährt. In seinen Bestrebungen, für Schuhe und Sohlen zu sorgen, war der Verein durch! die Lederknappheit sehr gehemmt. . Er unterhält jetzt noch einen kleinen Leder- Vorrat und beschäftigt einige Schuhmacher. Angesichts des Ledermangels ivar die Eröffnung der Bcsohlnngsmlstalt der Kriegsfürsorge sehr zu begrüßen. Der Verein bezablte der Kriegsfürsorge das Material, während die Bedürftigen die Besohlung und Ausbesserung unter Anleitung selbst vornehmen mußten. Diese Methode hat sich sehr bewährt. t , . Die Not der - Landb'evölkeru n g hat den Verein, wie bisher/ viel beschäftigt. In gar vielen Fällen mußten die seitherigen Unterstützungen verdoppelt iverden. Mit der Israelit. Rcligionsgescllschaft. wurde wieder,in erfreulicher Gemeinschaft gearbeitet; es F. SAINT-DENIS. . ALLE REPARATUREN an UHREN Gold und Sllberwaren, Brillen und Zwicker« handelte sich-um die in Bad Nauheim zurückgebliebenen Ausländer, deren Rückkehr, in die^Heimat durch Krankheit und andere Umstände verhindert war. Die Religionsgesellschaft steuerte zur Unterstützung einen namhaften Betrag, bei, indem sie wieder den Erlös ihrer Büchsensammlung in der .Synagoge Friedberger Anlage, zur Verfügung stellte. . Die jüdische Fraue-nvereinigung hat auch dieses Jahr ihre eifrige Mitwirkung angedeihen lassen. Die mit dem Almosenkasten -gegründete Bereinigung z u r U n te.r b r in g.u n g von Ki n d e r n i n geeignete P fleg estell'eu .hat weitere erhebliche Kosten erfordert. Ter Beitrag des Hülfsvercins belief sich dieses Jahr -auf Mk. 6000.— gegen Mk., 1750.— im Vorjahre. Die Anzahl der Pfleglinge ist - ebenfalls erheblich gewachsen; ferner verlangten die Pflegestellen mit Nicht eine höhere Entschädigung. Die „Weibliche Fürsorge" hat den Verein in seinen Bestrebungen wiederum' in hingebendstcr Weise unterstützt. An den Donüerstagesltzungen der Damen chat sich der Hülfsverein durch Entsendung von'Delegierten be- An größeren Geschenken sind zu verzeichnen: Legat Budge Mk. 1000.—, von Herrn Willy Ster» Mk. 1000.—, von Frau Moritz Bauer Mk. 2000.—, von Herrn Generalkonsul Freiherr. Mar'von Goldschmidt-Rothschild Mark?000-, von Frau Ferdinand Hi-sch Mk. 2000.—. Wie seither, gingen auch! in diesem Jahre von einem, ungenannten Menschenfreunde Mk. 1000.— zur Beschaffung von Kartoffeln ein, / ' Die Ende des vorigen Berichtsjahres satzungsacinäß aus deni Verwaltungsausschuß - ausscheidendcn Herren Justizrat H e i n r i ch H i r s ch l c r. E m i l K a u f in a n n ,- Philipp Schiff und Max Wertheimer wurden wieder gewählt. Neu gewählt wurden die Herretc Oscar Baer, Leo Hochßchild/ Lucicn Pica.rd und Julius Stavenhagcn. > Ende des Jahres stl>eiden satzungsgentäß ausdem Verwaltungsansschuß Rudolf Bauer, Justizrat Dr Berthold Baer, Jacob S. Bcttmann, Willy Stern und Julius 'Wcrtheim, deren Wiederwahl .beantragt ist. xz F»«ck»L Q Die Geschwister. Erzählung aus dein fünfzehnten Jahrhundert. , von Ben-Avigdor. „Weshalb sind Sic heute so traurig, Signora?" fragte Maria besorgt. „Ist cs ein Kümmernder Sic bedrückt, haben Sie wieder, eine schlaflose Nacht gehabt, oder hat Sie ein böser Traum beunruhigt?" >,Jch. hckbe einen bösen Traum gehabt," antivortete Clara seufzend.' . „Was für einen Traum? Erzählen Sie'ihn mir,. wie Sic mir immer Ihre Trännie anzuvertrauen^iflegen." ,,Vor Dir habe ich kein Geheimnis, Maria," versetzte Clara, indem sie ihrer Jungfer näher rückte. „Aber bevor ich Dir den Traum erzähle, will ich Dir etwas' anderes, anvertrauen.". „Ich horche aüfmerksam, Signora." „Versprich mir zuerst, niemandem, etlvas davon zu erwähnen." , - „Gott bewahre mich vor Verrat!" versetzte Marie beleidigt. „Sie haben-mich ja'erprobt, Signora, und wissen, das; ich schweigen kann." . „Daher, erössire'ich Dir auch , immer mejn Herz."- . sagte Clara. Sie schwieg eine Weile nnd fuhr dann fort: _ „Maria, kennst Du deii Zungen Don Miguel Sän-Salvador?" . . . In dem Auge der Dienerin zuckte es auf, wie ein Blitz, und sie lächelte unmcrklich. „Meinen Sie, Signora, jenen jungen Hauptmann, mit dem Sic an einigen Abenden getanzt haben und einnml sogar in diesem Garten spazieren gegangen sind?" „Eben diesen. ." ~ . , „Wer kennt nicht >den jungen- Krieger, der alle. Herzen durch seine Schönheit und sein vornehmes Wesen erobert! Sein Name ist im Munde aller Welt, und niän rühmt ihn als tapferen Helden, derauf dem - Schlachtfelde Wunder tut. ."' . . - „Ja, ja," unterbrach sie Clara, und ihr Gesicht stoahlte vor Frcuoc. ’ ■■■■■" - - „Und seine Güte und Bescheidenheit entspricht seinem Heldenmut,". Hub Maria piicder an,' „aus seinen-- schönen Zügen strahlt Hcrzensgüte.und Innigkeit; auch tut er nicht stolz und hochmütig wie die andern. Man rühnit von ihm, daß. er freundlichen Umgang pflegt: mit manchem, der weit weniger bedeutet als er." " „Er liebt mich!" flüsterte Clara, und ein glückliches/ Lächeln umspielte ihre Lippen. ~ . < „Und Sie/. Signora?" forschte Ajaria. , - < . . „Ich erwidere seine -Liebe."- - „Sie sind glücklich zu preisen, Signora!." rief/Maria^