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Neue jüdische Presse · 1917-02-09 · Heft 6 (9.2.1917) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 6 (9.2.1917)
Date
1917-02-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr . H. Leider inüß Kollege Braunsberg ncllhj35jähriger erfolgreicher. LehrtäUgkeit . auS'Gesundheitsrücksichten zunt 1?Jnnt l. I.. in Vni Rsthäständ treten. Der Krieg der . Krieg . '. . hat Len wackeren; braven, bescheidenen, pflichttreuen, strebsamen Kollegen und Menschenfreund recht - hart mitgenommen. Sein einziger.. hoffnirngSvoller Sohn/ dergleich- "bei Ausbrnch des Krieges.als Freiwilliger, begeistert i^ (Feld gezogen ist, , ist ein Opfer des Krieges geworden? 'Er Mt den Schmerz heldenhaft überwunden. ' '; 1 ' - ' Kollege BrmttH'berg, der näch> gründlicher privater Borbereitung bei dem vor wenigen Tagen verstorbenen Altmeister Wer th'eim-Volkmar das Seminar zu Kassel besuchte, hierauf 6 Jahre in Mengringhlmsen, 2 Jahre in Papenbürg und' die lichyen 24 Iahte in Verden tätig >var, hat' eine geradezumustergültige Lehrtätigkeit entfaltet. / Wasso. oftauf unseren Konferenzen .von leitender' Stelle aiS nwchdrucklichst gefördert - ist, dahin zu Streben, mit allen möglichen Mitteln eine möglichst höhe Besiichszahl unserer Vollsschule zum Zwecke il/rer Erhaltung und Förderung zu erzielen--hat Braunsberg, ausgestattet mit gediegenen Kenntnissen auf fast allen Gebieteil und großem pädagogischem Geschick, in geradezu vorbildlicher Weise durchgeführt. Bei den -vielen.höheren Und guten Schulen war'das wahrlich keine leichte Arbeit. Das erfordert eine kraftvolle Persönlichkeit. Durch erhöhte Lehrziele, die denen einer Mittelschule gleichkamen, durch Erteilung von Literatur und fremdsprachlichem Unterricht, hat Braunsberg - seine Schüler so zu fördern verstanden) daß die Mern— namentlich bei Mädchen — gar nicht daran dachten, chre Kinder einer höheren Schule ' zuzuführen. In vielen Schrllrevisionsberichten kann man die Bemerkung lesen: „Die durch- . genommenen und von den Kindern beherrschten Stoffe gehen weit über das Ziel der Schule hinaus." Den Schülern, die eine höhere Schule besuchen sollten, gab Brannsberg eine solche gründliche Vorbildung, daß die Direktoren es sich nicht versagen konnten, unserem Kollegen über die guten Leistungen der Schüler! ihre besondere Anerkennung zu zollen. Kein Wunder, daß. sich Kollege Braunsberg bei dieser Arbeitsentfaltung einen. Ruf von seltenem Klange innerhalb seiner Gemeinde und weit darüber erworben hat. Seine Erfolge sind auch; stets anerkannt und richtig bewertet worden. Selten wurden einem Kollegen so viel Ehrungen zu teil, als unserem Kollegen Braunsberg zu seinem. 25jährigen Amtsjubiläunl int Jahre 1916. Landrabbiner Dr. G r o n e m a n n - Hannover hat dem -Kollegen anläßlich seines Jubiläums zur'Ehrung de» Ehower-Titxl verliehen. Er führt in feinem'Glückwunschschreiben ans, daß ihm selten eine solche aufrichtig fromme Natur, durchdrungen von - wahrem Gottvertranen, begegnet sei.' ' - . .Im. Rahmen dieses - Bildes darf wohl noch erwähnt werden, daß Kollege Braunsberg auch 'auf seelsorgerischem . Gebiete.eim segensreiche Tätigkeit entfaltet hat. Seine tmchldurchdachten, von wahrhaft religiösem Geiste durchzogenen, erbauenden wirkungsvollen Reden in schlichter, einfacher Sprache, werben ihm für alle Zeit - ein dankbares Gedenken sichern. In der flehten Gemeindeversammlung gab her Vorstand, Bankdirektor Lehma nn, zum größten Bedauern der anwesenden Mitglieder von der Amtsniederlegung ihres Beamten Kenntnis, hob im Tknschlnß daran in kernigen begeisterten Worten die höhen unvergänglichen Verdienste umdie Gemeinde hervor. Kollege Braunsberg scheidet aus seinem'Amte, aber uns Lehrern bleiht er wie immer, der treue, aufrichtige, selbstlos^, gefällige ' Kollegefl der liebe Freund. Möge ihm G.ott noch viele Jahre an der Seite seiner teuren Güttin die. in Hingebungs- und aufopferungsvollster Weife den leidenden Gatten hegt und pflegt, bei bester Gesundheit schenken) 'Das wünschen ihm von Herzen Gemeinde, Schult r, Kollegen und Freunde. . ' - ■ - Berlin; In der jüngsten Sitzung dr Repräsentanten der jüd. Gemeinde wurde des im Felde gefallenen Generalsekretärs Dr. Fried lande r - gedacht und Dr. Arthur L i e b e r m a n n zum Gemeinderabbiner der konservativen Richtung gewählt. —- Ker'Herein für jüd. Geschichte und Literatur wählte Dozent. Dr. Jsmar Elbogen zum 1. und Eheftedakteur I. Landau zum 2. Vorsitzenden. Die Einnahmen' dS Vereins im vergangenen Jahre betrugen 14 278 All., die Ausgaben 13 928 .Mk. — . , Älphöuse Levy, Generalsekretär des Zcntralvereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens, Redakteur deI Organes dieses Vereines „Im Deutschen Reich", ist im Alter von 78 Jahren verschieden. Bon seine» Eltern für' den Kaufinaiinsstand bestimmt, widmete er sich neben feinein. Berufe auf Veranlassung seines Onkels, des .Dresdirer Oberrabbiners Dr. Landau, wissenschaftlicher Stul-ien. Als Schriftsteller hat Levh — teils unter seinem Namen, teils unter dem Pseudonymen Ernst Mauerer und Alphonse Müller — eine° Anzahl von Büchern aus den verschiedensten Wissensgebieten geschrieben; .auch als Uebersetzer aus dem. Französischen hat er sich betätigt. Bon seinen jüdischen Schriften' ist'eine „Geschichte der Juden iu Sachsen" (1901) zu erwäMen.; Wtesbäde» Jüngst verschied hier im' Älter von 75 Jahren Josef Stern, der beinahe ein halbes Jahr-, hundert UP Lehrer und- Vorbeter in 'Bierstadt wirke.. Lehrer Stern ivar ein echter Jehudi, dessen ganzes Leben von.ungekünstelter. Frömmigkeit begleitet war,) der' seinem Berüfe nur' Ehre machte. Und wie er -die Religion lehrte, liebte er auch besonders alle jene, in denen er die Verkörperung der Thora erblickte, die Bne Thora. Ebenso gut jüdisch war auchsein.'Gmilluß Ehassodim. Er scheute; keine Mühe und keine Zeit, wenn cS galt, irgend iemaNd.-eine Gefälligkeit zü erweisen, irgend jemand aus den Not . zu befteien. Vom gleichen harmonischen Geist. tvar sein häuslühes i Familienleben durchdrungen, voll Gottvertrauens Bescheidenheit . und Zuftiedenheit. Nie Frankfurter Israelitisches Famiiieubiatt. - hörte: Mau Klagen über, ferne) Lippen? kommen,-„Gott -wird^ schon Helsen", warsein.Wahlspruch ' - - Bon teme'r großen Beliebtheit flegle die letzte Ehrung - beredtes Zeugnis ab. Rabbiner Dr. Kahn widmete ihm von Herzen kommende und zn Herzen gehende Worte des Gedenkens und des Abschieds. Für den Nassanischrn Lehrerverein hielt Oberkantor Nnßbaum einen tiefempfundenen Nachruf. München. Folgende Ernennungen find zu berichten: der bekannte Mathematiker ordentl. Professor Dr. Max N ö t h e r - Erlangen znm Geh. Hofrat, Dr. Paul Arndt, 5kunstnraler,; Max Obermeyer-München zn Professoren., Lehrer Jakob Possenheimer- Böckingen^Michael Rosenstiel -Mntterstadt, Benzio.n - Ellinger - Fürth, Mos es R.ü l l - Nürnberg, Martin Esten s e lde r-Mürsbach und Samuel M a.s s c nb a ch e r - Niederwern zn H an p t l e h re ni. München. Juiti.siai Arno ld Adlerstein binterließ der Stadt 84000 Mk. für eine Wohltätigkeitsstiftung. Breslau.. Im 80 Lebensjahre verschied hier der -Rabbiner am Bethmnidrasch' der Leipzigerschen Stiftung, Dr. Moses Samuel Zuckermaii.del.- Z. hat die Tosefta nach; der Erfurter und Wiener Handschrift' herausgegeben - und erklärt. Außerdem, hat er ein „Sprnchbnch" und der „Unterricht in der Religionslehre" herausgegeben. Parts. Io)eoh Halovy,ProkefforanderUniverfiätt, ist im Alter von '90 Jahre» verschieden.' Er wurde in Lldrianöpel geboren. 1868 unternahm er aus Veranlassung der Alliance Jsraelite Universelle eine Reise zn den Falaschas in Abessynien. Im Aufträge der Pariser, lükademie' bereiste : er 1869—70 Jemen,' Um dort die sabäische» Jnschristeu zu durchforschen. Er hatte sehr große Erfolge auf dieser Reise. Er veröffentlichte nach seiner Rückkehr die erste sabäische Grammatik, einer Sprache, die nahe mit der. Sprache der Mischnah verwandt ist. Seine in' geographisch-ethnographischer Hinsicht sehr 'ertragreiche Reise hat er in zahlreichen. Werken geschildert. Er war auch auf dem Gebiete der Assyriologie ein sehr bekannter Forscher. Biel betätigte sich Halevy auf dem Gebiete der 'modernen Bibelkritik.. Im Jahre 1893 gründete er eine wissenschaftliche Revue, worin er seine Studien über die orientalische Epigraphie und Geschichte niederlegte. , Zahlreiche bedeutende Arbeiten hat er in dieser Revue veröffentlicht. An der Universität las er. über d ie aethiopische, sabäische ' und auch über die ungarische Sprache. Seine Schüler hingen sehr an ihrem gelehrten Meister. Auch am Rabbinerseminar und an der Alliance-Schule hielt er Vorlesungen. New Port. Zu Ehren des Gouverneur* von Utah.' Simon Bambe.rger, fand im Hotel"Astor ein Essen statt. Bamberger ist der erste Jude und erste Nicht- Mormone?-der in Utah znm Gouverneur gewählt wurde. i -- Frankfurter Berichte , Personalien. Ms Monate sind cS her, daß Martin Wolfs aus dem Kriegsschauplätze im Westen igefallen und damit ein junges, blühendes und hoffnungsreiches Menschenleben ftühzeitig beendet ist. Jetzt konnte die Leiche ausgcgraben und durch die Bemühungen eines' alten Freundes hierhergebracht werden. Am verflossenenSonntag. Nachmittag fand in Gegenwart der Leidtrageichen, einer großen Anzahl voll Freunden und einer militärischen Abordnung die Beerdigung ans hem Friedhof der Israelit. Religionsgesellschaft statt. Lehrer Hermann S chw a b entwarf in ergreifenden Worten ein Lebensbild des so früh dahingegangenen Jünglings, der ein. würdiger Nachkomme des .großen Rabbi Mos. .Arctz Mainz war, der Stotz und dir Hoffnung seiner Eltern, die in ihm den einzigen Sohn verloren haben, und hie Freude der ehrwürdigen Großeltern, der bei allen, die ihm nahegestanden oder ihn nur gekannt haben, wegen feines somrigen, freundlichen Wesens, wegen' seiner- Treue und Anhänglichkeit lvohlgelitten war, -der von allen wegen seiner Tüchtigkeit lind seines strengen Pflichtgefühls geschätzt wurde. Nun hat sein junges Leben noch nachträglich dadurch, daß er „el kever jiSroel" gekommen, den Hannonischen Wschlnß g eftrnden:, '„Al mekauman jowau bescholanm." Die Geschwister. Erzählung ''aus dem fünfzehnten Jahrhundert von B en-Av ig dö r. / - \ " I. Es war an einem Sommertage des Jahres 1491. Spaniens azurblauer Himmel wölbte sich heiter und wolkenlos, die herrliche Südsonne sendete ihre glühenden Strählen hernieder, kein Windhauch milderte die sengende Hitze. Trotzdem wogten Tausende von Menschen durch die Straßen Toledos, der Hauptstadt Ncu-Castiliens. Toledo war damals eine . sehr volkreiche Stadt, deren Bewohner eipen schwunghaften Handel und eine blühende Industrie betrieben,: Man sah daher eine Menge Fußgänger, Läufer, Sendböien, einheimischer und fremder, s sich iw den Straßen dränjscn. Auch die -Alleen und Gartenanlagen waren dicht gefüllt.' Hier lwstwandeltendie Granden und die - sonstigen . Vornehmen der Städ-t Seite 5. mit ihren Frästen Md Tstchjern? ipcknche ritten^ prächtige Pferde, deren Sittel und Geschirr voir Gold-- und Silberstickereien'in der Sonne funkelten, andere fuhren in prunkvollen Karossen, und wieder andere wandelten zu Fuß. Hier unp dort erblickte man Gruppen in eifriger Unterhaltung begriffen. . . „Eine frohe Botschaft,' Freunde!" rief ein junger Erelmann einem Kreise von Altersgenossen zn. „Unsere Truppen haben die Mauren in einer entscheideichen Schlacht zurückgeschlagcn, über kurz oder lang muß Granada fallen!" . „Dank dem Erlöser, Tank der heiligen Jungfrau!" jubelten die -Hörer wie ans einem Munde. „Aber sagen Sie uns. Tön Murillo, woher kani Ihnen die frohe Kundk?" fragten mehrere Stimmen durcheinander.; „Soeben ist ein königlicher Eilbote vom Schlachte feldc angelangt, und aus seinem eigenen Munde vernahm ich, was ich Ihnen hier erzähle," antwortete oer Befragte und warf einen triumphierenden Blick auf die Umstehenden, froh, mit seinen hohen Verbindungen prunken zu können. „So wird denn bald der letzte Rest der Maurenherrschaft von der Halbinsel verschwunden, und das ganze Land -unser sein!" rief einer von den Jünglingen -begeistert. . . „Wissen Sie auch, wer.unser Heer diesmal zum Siege geführt hat?" nahm Don Murillo ivieder das Wort. ( „Wer? Wer?" tönte es ihm von allen Seiten entgegen. „Kein anderer als der jugendliche Don Miguel San-Salvador." . - „San-Salvador? Der blutjunge, schöne .Hauptmann. Ist es möglich?" riefen die Hörer aufs höchste erstaunt. „Weshalb wundert Sie das so sehr?" versetzte' Don Murillo mit einem leichten Anflug von überlegenem Spott. .Ich, der ich den jungen Hauptmann schon lange zu kennen die Ehre habe und seit jeher raril ihm freundschaftlichen Umgang pflege, finde seine neueste Heldentat gar nicht verwunderlich. Ich ahnte längst, daß in diesem schönen Jüngling eine Löwenseele wohnt: . Immer habe ich vorausgesagt, daß er einst Großes leisten wird. Aber ivas 'er diesmal vollbrachte, übertrifft alle meine Erivartungen und stellt ihn unseren bewährtesten Kriegern würdig zur Seite. Hört, was er tat! Soeben Mtten die Mauren sich in letzter Verzweiflung auf unsere Truppen geworfen und dieselben in Me Winde zerstreut^ sogar Finzi de Leon, unser ruhmgekrönter Held, ließ angesichts der Verwirrung iir seinen Reihen und des verzweifelten Ansturmes der Gögner die Hände sinken. Nur San-Salvador verlor den Kops, nicht. Inmitten ües Getümmels sammelte er um sich einige tapfere Krieger uno hielt den Verfolgern Stand, um sich dann im kühnen -Gegenstoß auf sie zn nrerfen. Durch sein Beispiel; angefeuert-, faßten die fliehenden Schaaren der Unserigen neuen Mut, sammelten sich unter San-Salvadors Fahne und kämpften wie . die 'Löwen. Bald gewannen sie die Oberhand, viele Tausende der Feinde bedeckten das Schlachtfeld, nur ein lleines Häuflein entkam durch eilige Flucht dem Gemetzel. So hat Don Miguel San-Salvador diesmal die Ehre im? serer Fahne gerettet.", „Heil dem tapfern Kriegern!" tönte es aus aller Munde. „Wenn wir mit des Heilands Hilfe Granada gewonnen haben," sagte einer der Acltcren, „dann vertreiben wir alle Mauren aus Spanien. Kein einziger dieser verruchten Ungläubigen darf Mas dem Boden der Halbinsel bleiben, das ganze Land soll von dieser Brut gesäubert werden." > „Und die Versteckten müssen durch das Feuer des helligen Officiums geläutert werden," stimnrte ein zweiter bei. . „Auch die Juden müssen zum Lande, hinaus," rief ein Mönch dazwischen, der sich soeben zu der Gruppe gesellt hatte. „Das wird das Tankopfer sein,'welches, wir dem gütigen Vater im Himmel darbringcn für den Sieg, den er uns über den Feind verlieh." „Ganz richtig, Peter!" stimmten mehrere der Anivesendcn bei. „Fort müssen sie, die Unseligen, die unser» Heiland gekrei^igr haben!" „Aber auch die Neuchristen dürfen nicht geschont werden," rief einer aus o^r Menge eifrig, „diese Lügensöhne, die mit den Lippen sich zn einem Glauben bekennen, ihn ■ aber im Herzen verhöhnen." „Was die Leuchriste» anbetrifft,^ nahm der Mönchwieder das Wort, „so kann ich Euch Mitteilen, daß

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