Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1917)
- Date
- 1917-02-09
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit 6. Frankfurter- AsraeKtisHes Familienblarr, - Mts.. 6. auf Bevanlasfung deLPoter Thomas Dorq^mcSaals. bald Autodafes'an!-ollM. ^rößereiyStädten des -Landes errichtet werden sollen, um die Scheinchristen offen.unter Gottes 'freiem Himmel zu verbrennen, auf daß sich die hartnäckigen Ketzer eine Lehre nehmen. Gott^ der-Herr,. . wird das Opfer gnWig hinnehmen und uns' beistehen,' aus unserer Mitte die Verdammnis zu vertilgen." „Möge. Eure Verheißung sich bald bewahrheiten!" Tiefen mehrere mit frommen Augcnaufschlag. - Jnzwischen^hatte sich die Nachricht von dem Siege “ durch die - ©habtwie ein Sauffeuer verbreitet, Menschen, mengen ftttteten durch sie Straßen, an/allen! Ecken und Enden - bildeten sich größere Ansammlungen unb' Redner hielten Ansprachen an das Volk. : In der - Mitte einer solchen Versammlung stand ein? Priester im vollen Ornat, er'Hatte seine Hände zum Himmel erhoben und predigte hem Volke -mit flamfnender Stimme: ,! „Brüder in Christo!" erscholl es aus seinem Munde. „Der hellige Vater und die Würdcnttäger der Kirche im Vereine - mit unsere«! . erlauchten Königspaare sind unaufhörlich bemüht, die > Gottlosigkeit auszurottcn und - unser geliebtes Vaterland zu säubern von der Pest der . Ungläubigen, die Gott der ewigen Verdammnis überantwortet hat. Deshalb lassen wir Priester es an ' Eifer nicht fehlen, jenen-Verrätern auf die Spur zu - kommen, welche einst, um dem Tode zu.entgehen, zum Scheine unseren Glauben, angenommen haben. Es gilt, - den Verlogenen -die Maske von-dem Antlitz zu reißen, . hinter ider sich der Haß wider unsere heilige Kirche versteÄ. Wer können wir Diener der Kirche allein, ohne tätige Beihilfe des Volks, das schwere Werk vollbringen? Wahrlich nein! Nur, wenn Ihr Bürger mit; uns Hand in Hand, gehtwenn Ihr uns Eure Kraft und Euren Heistand leihet,- ein wachsames Auge auf das Tun unb Lassen der Neuchristen habt- und alle?-Verdächtigen, ohne Rücksicht aus Amt, Würde ödet - -Mter unnachsichllich dem Jnquisitionstribnnal anzeigt, >5 itzinn, nur dann, kann unser Werk zum Ruhme - Gottes gelingen. Allein, was sehen wir in Wahrheit? ' Innige Freundschaft mtt den Widersachern des Herrn und seiner Kirche verbindet so manchen Spanier, häufig - verschwägern'sich,gnte Christen mit ihnen', so daß es kaum eine edle Famllic im Laiüie gibtivelche sich nicht durch solche- Verbindung bcsüdett hätte. O, daß es mit Spaniens Volke, so weit kommen formte! Weh' über . uns Priester, daß unter unseren Augen dergleichen vor . sich geht! Zwar wissen wir, daß Euch der Glanz des Goldes, welches im Besitze dieser unreinen Hände ist, blendet. Wer bedenket, woher haben sie denn alle die . Schätze, die ihnen Macht und Ehre verleihen? Von der Arbeit rmserer Hände! Hinterlistig und schlau,'wie sie . sindhaben sic das Land ausgesogen. Sie .erwerben Reichtümer, , während wir verarmen, — und denk . sollen wir müssig zusehen? Aus daher, Brüder im Glauben! Raffet Euch aus, leihet den Dienern Gottes Eueren Arm, helft uns, das Uebel zu entwurzeln und das Vaterland von dm Bösewichtem zu bcfteien. Zum Lohne dafür wird Gott dm Feind in unsere Hände liefern nitd -Granada, die letzte 'feste Burg der. gottverdammten Manrm, unter die Oberherrschaft unseres' edlen Königs 'bringen, zum ewigen Ruhme seines. Namens und zum Wohle, unseres Vaterlandes, welches dann-ein einiges Land von Spaniem, ein einiges Land von Christgläubigen sein wird! „ Simen! „Recht hat der Pater! Auf-zum Kampfe fürGlaubm und Vaterland!" jubelte die Menge erregt, drängte sich an dm Rckner heran und küßte seine Hände, den Saum seines Gewandes, „bis auf den letzten Mann sollen sie ausgerottet wcrdm, die verruchten Ungläubigen! Heil den Priestern! Es-lebe das hellige Officium!" II. . Am Mfonso-Platz, einer der schönstm Stätten Toledos, erhob sich ein großer, prächtiger Palast, den von außen zahlreiche Fresken und Schnitztvcrk, Säulen und Statuen schmückten. Hier wohnte der Marquis Almanso de- Henriquez, Bürgermeister und Oberster des Stadtrates von Toltdo. ' In dem lieblichen Garten, der hinter dem Palast sich ansdchntch saß'unter dmr Schä'.tm.einer dichllarbigen Eiche ein etwa znnrnzigjähriges Mädchen, Donna Clara, - die einzige Tochter des Marquis. Ihr längliches,. feines Gesicht, das von Anmut und Jugend strahlte/belebte ein schwarzes, brennendes Augenpaar; inn die zarten gluhendrotm. Lippen spielte einsinnendes Lächeln. Das lange, schwarze Haar flutete ungeordnet und keck über den weißen Nacken - bis zu dem grünen, goldgestickten - Gürtel hinunter. Der zartgebaute Körper, dessen Bezen alle -von großer Geschmeidigkeit und LieblichhAtte ein weites Pürpurgcwand, das bis zu -den Knöcheln reicht urck> den lleinm Fnst blicken ließ, der 'in einem rotseidcnen Schuh stak. - Donna Claralehnte sich in einm Stuhl, den ■ schwellende, rotseidene Kiffen bedecktm, dann ließ sie sich zu Boden sinkm und streckte siH aus dm grünen-Rasen-hist.-' -;' Unweit.auf dem Bodcft saß Maria,' Donna Claras jbammerjungfer, ein Mädchen -von etwa fünfundzwanzig Jahren mit rotemvollem Gesichtaschgrauen Äugen, nnd kräftigem Körperbau. ' - - - ' . (Fortsetzung folgt.) „Guftcheu." ■ von S. H„ Verwalter. ' Wenn tvir Umschauhalten unter den -Bestrebungen, die darauf hinausgehcn, die menschliche Seele zu ergründen, so glauben wir, reiche Ernte halten , zn können. Unendlich viel wich hierüber geschrieben. Männer der Wissenschaft stellen Grundsätze der Psychologie auf, und die vielen Schriftsteller suchen mehr oder weniger, in ihren Werken den Adel der Scelengröße vor Augen zu führen. So sehr wir . nun bestrebt sind-' all dies in .uns' aufzunehmcn, die Wirllichkeit versteht uns weit mehr zu packm. Sic gibt uns dm Beweis, daß wir voneinander besser leinen, können. % ' ' Wird da vor Jahren in einem Heim ein einfaches Mädchm effigewiesen, das infolge einer, im Kopf befindlichen Geschwulst fast -erblindet war. Für die Welt war die Kranke abgetan, nicht für die Wissenschaft. Diese ergriff alle erdmllichen Maßnahmen, um diesem unglücklichen Kinde beizukommen; aber die Zeit verstrich, und alle Bemühungen blieben vergebliche Und so-sah man in dieser Armen einen unglücklichen Menschen, den man seinem Schicksal überlassen mußte. Und doch, wie merkwürdig! Wir glaubm oft,- jemand bedauern zu müssen, dessen Wert erst da cinsetzt, wo er sich selbst überlassen bleibt. So auch hier! Das pulsierende Leben in diesem Kinde vermochte es, sich ganz abseits vom Weltgetriebe eineil neuen -Daseinswert zu schaffen; nach Verlauf '-einiger.-Zeit ivar das Wunder vollbracht, und Gustchen, unser rotbäckiges, prächtiges Mädel, wurde lustig und fidel. . Umgeben von sechzig anderen Lcidcnsgmossen war sie, die Blinde, ein Lichtblick. Hei, wie das auch morgens ging! Um halb sechs raus, um-schnell den Schwerleidenden einen. heißen Morgentrunk zu bringen-. Und dann ging's von Zimmer zu Zimmer, ein lustiges Liedchen trällernd, um allen' Liebesdimste zu erweisen. Und was gab's da alles zu tun! So sehr die , Schwestern auf ihrem Platze waren, Gustchen, das. frohe Gustchen, mußte immer dabei seinwenn es galt, bic JÜtanfen zu betten, hier einer Gelähmten beiznstehen, dort einer Fieberndm Kühlung zu bringen. - Wer die ganze Poesie der Seele zeigte sich, ivenn der Sabbat kam. Da huschte Gustchen bald da-, bald dorthin, um alles sabbatlich herzurichten, und sie, die Nichtsehendc, fand, kaum tastmd, den Weg in dm kleinen 'Gottesraum des- Hauses. Dort saß sie als' erste' und freute sich des Sabbats, und ivenn später die Semiraus gesungen ivurdm, dann - war sie strahlenden .Angesichtes dabei und sang mit ihrer hellen Stimme begeistert mit. Die Menschen ivissm oft nicht, daß Jammer, Elend und Kummer einen Funken in sich bergen, der glimmt, glüht und sich einm Weg sucht, hell aufzuleuchtm, bis er kraftvoll weiterstrahlt und die Seele entflammt, daß sie es vermag, dm Sieg über körperliches Leid zu erringen. Dann findet der Mensch dm Ausgleich für all. das, was-ihm. versagt geblieben ist; liegt doch ttefe Wahrhell in des Dichters Wort: „Die-beste Schule ist' des Lebens Ernst. . Was Du im Unglück und im Schmerz nicht lemst, - ' Das nnrd Dir nie des Glückes -Morgen bringm. Drum sei Du niemels jener Stunde gram. In der das Leid Dich in die Schule nahm; In ihr nur lerntest Taten Du vollbringen!" dkriede«sseljus»cht: Von D a v i d P in eaZ in- Frankftirt a. M- ' Der dubist „Gefäß des gold'nen Segens", ------ Fruchtbaum alles frohen, tät'gen Regens, . Teurer-'Friede, ach, erscheine -bald!' - ' Solh was wir .aus hohem Mund vernommen, - der wildgeword'nen Welt nicht ftommen, "" ' ' leere Lust verhallt? Winter-' rüstet, sich, zw gehn zu Rüste^ Kurze Zell noch — und /die. Winterwüste - Wird zum heitern, bunten .Frühlingsland.,. -Schon das -Licht des halben Sch'wat^ansgchet, SMg'ewürttg- Baum und Sttauch' dastehet, Anznlegm ball» das Lenzgewand. So verfolgt, getreuder ew'Leu Weife, -Die Natur> diegottgeschaffenes Reise- - -----.-.-vj--.r Löset freudig ihre Wechsel ein. - Und des Schöpfers nrgewast'gem- .Werde" - - - Bmgt. auch heute- Himmel sich und Erde- - - Daß sie „täglich neugeschaffen" sei'n. •- So Natur — doch wir, der Schöpfung Krone, Entbluten und zerfleische« 'uns- --- .zum Hohne Ans göttliches und menschliches Gesetz. Der Böller Wahnsinn wirft Millionen- Kräfte- Der Arbeit,- zieht der Menschheit edle Säfte - - In dieses Krieges grausiges TÄ>esnetz. Mög'sr du inm, der Ivägt mll tteuer Wage, -Hörm unsere stnmm und laute Klage: Daß der Völlermord noch! nicht vorbei. .Gleich der Hoffnung, die-der Sch'wat mtzündet, Gieb,-daß rasch der kkriegeswinter schwindet, Und erstrahle bald dein Friedmsmai! ' Literarische Notizen. Tagebuch für die jüdische .Jugend. 5677. , 1916/17. .232 Seiten. 2. Tausend.. Wien, R. Löwit Verlag Dr. Mayer Präger. Inhalt: Unser Tagebuch (Joseph- Marens).. — Der jnd. Kalender (Heinrich Glanz). — Scckbat und Feste (Alb. ' Baer). — Blau-Weiß (Joseph! Marens).Wanderpflichtm (Joseph Marms). — .Vom Wcg znm Führer (Otto Simon). Die österr. Wandcrbeivegnng (Arthur Engländer). — Erinnerung (Walter Deutschmann). — Im Felde (Joseph Faerber). —. Waiwerbilder auS' Judäa (Moses Calvary). '— Erste Hilfe (Ernst Dvctor). — usw. usw. ■ — Lieder. Ter jüdische Wanderbund „Blau-Weiß" hat nns.bereits in seinen-Monatsheften gezeigt, wieviel fteudige Hossnung wir auf ihn setzen dürfen. In dem Tagebuch mm haben-wir seine erste größere Veröffentlichnug und ailchdiese zeigt emporsprießendes 'jüdisches Leben. Es liegt Friihlingshanch über diesen Blättern. - Noch ist Inda nicht verloren! — ' i Joseph Marcus-Breslau hqt unter Mitarbeit von Alberb Baer-Berlin und Martin Siothmann-Breslau, die - Herausgabe besorgt. Die Zeichnungen sind . von State Ephraim-Breslau. , Wenn die Schakale feiern. Skizzen aus der ~ Russenzeit rn Galizien von Herma iui S t ernba ch. 68 Seite». Mk. 1.20. 1917. Weimar, Weckruf-Verlag Zögernd, mit Widerwillen schlug ich daS Buch'aus. Zn welchem Zwecke' sollte ich wieder, einmal Zeuge kosakischer Wollustnntaten werden, die sich" als tierisch viel zn mild bezeich>nen,- da sie nur ein Menschengehirn, auszudcnken-. fähig ist? Doch Sternbachs Skizzen erwiesen sich glücklicher Weise nicht als Wllatsch all' der Schilderungen wüster Szenm.- Sternbach istj Dichter.- Ihm : genügt ein leises Anoeuten, — und der Leser fühlt den ganzen Jammer der Kosakenherrschaft bis in seinem Innersten. | Offfenbaeber Drnekluft-Anlagel I Offantaach a. M. Telefon 123. (Anschlusa mitFrankftut). I I JeWshrteste TaDDlChralnlPlina (100,000 qm jährlich] I I sovi« unQbartroflenq Betttadarnrelalgana mittels) I Droeklaft and Wasaerdampf. WocheitsSaleitder. Samstag, den 10! Februar (= 18; Schewat.) Sabbat- Anfang in Frankfurt a. M. 5 Mr 5 Min. - Sabbat- Ausgang in Frankfurt a. M: p UW 20 Min. Wochenabschniü: I iS ran. — Der Besuch Jisran's - bei Moses. Die Verkündrmg -er zehn Gebote. Der - Erdaltar. WochengotteSdiiniste in Frankfurt a. M/ Morgens 6 45 Min. itt den meishnt Synagogeich -Hauptsynagoge, Königsteinerstr? -7V« Uhr, Unterlindmi, . Bockenheim 7 Uhr 10 Mn. Abends: 5 Uhr in den meisten Synagogen (Haupt-'- synagoge 4 Uhr, Königsteinerstr. 7 Uhr/. > . . Berei«s-Kale»der. Talmnd-Th'ora-Verein. Freitag Wend: Vortrag des'Herrn I. B. Levy. ^ra«kfnrter AamMeRRachrichte«. B a rm.izwo.h. Ludwig Katz, .Rödxrbergweg '71, mgoge Friedberger Anlage. . . ';;; Ge.sto rben. Hcrmine Levor geb. Frank, 70 I;, Gärtnerweg 43. — Fanny Stiefel geb. Lindheimer, 65 I.,.Medenan 50. — Hugo Heim, 72 I-,, Hansa-Allee 19. — Sophie Wertheini geb. Bing- 70 I., Eppsteinerstt. 47. —' Isaak RoA 69 I:, Sandweg 81.. — Marttn Steinberg, - ' i. F. — Hannchen Blnmenthal'geb. - Hirschfeld. — Heinrich- Frank-Bendheim, 63 I. — Auswärtige Familieuuachrichte«. ' . Gebo ren. Eine Tochter Philipp 'Nesfeld- (Madra), ' Cöln.Ein - Sohn Max, Steinhagen (!klopfer), Berlim — Eine Tochter Moritz Mannheimer. (Fleischer), Char- - lotteuburg! — - Eiirc , Töchter Alfted' -Lachmann : (Frank),/