Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1917)
- Date
- 1917-02-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 5? -"i Mh; jlMße ^HuikxrhiKpL 7heht.;?sich7> vpltfider y.rbten j Pyvannde der frischen . Himbeeren ab. Beide sitzen so majestätisch, behaglich/ iimb neu > auf dem: abgeschabten hölzernen Tisch;7 es ist1 geradezu eincSünde,slc miteiichüder'in einer $J}|anhe'3u ' verkochen und ans ihnen einen? Mten, Brei zw machen, ein Eingemachtes. Aber.Muhme Feige hat kein Erbarmen. So wie der.- Künstler sich - nicht -des weißen Stückes Marmor erbarmt, das er^ haut und bricht und feilt, wenn in ihm sein Talent aufbraust . -. - . - ' Muhme Feige mißt in der Pfanne Wasser ab, niit-einem reinen, geschliffeneii Glas Mißt ßf es. Ein halbes Glas Wasser auf jedes Pfund Zucker, der ans dem Tisch bereitliegt. Ihr Gesicht ist dabei angespannt. Die Lippen / bewegen sich, flüstern etwüsl. . Eine Be°. schwörung oder einen Segensspruch? Wer weiß? Ganz das gleiche mystische Gesicht hat sie, lvenn sie Dochte für - die, Wachslichter am Erew-Jom-Kippur mißt. - - Dann zündet sie die trockenen Späne an, die auf dem Pripetschok*) unter den Dreifuß gelegt sind. . Wie? ein Zauberzcichcn erscheint das erste blaue Feuerzüngchen zwischen den Spänen. Danach entsteht ein Geknister und die Flamme wird immer größer und stärker. Der arme, düstere, verrußte Pripetschok ivird von einem roten, flatternden Wiederschein übergossen. Oh, heute ist ihm wohl,' dem.Pripetschok! Er hat einen ganzen, kalten Winter und ein gutes Stück Sommer gewartet, und hat es abgewartet... " Das polierte Messing der Pfanne lacht und schmunzelt und blinzelt. Ins Fenster schaut ein Stück blauer, heißer Himmel, ein Spät-Tammus-Himmel. Muhme Feige umgebundenes Tuch, die Kuppe Himbeeren, die Weiße des Zuckers, die Bläue des Himmels, der. Goldglanz des Messings, das Feuer auf dem schwarzen Pripetschok, das knistern der frischen, pechigen Spane — ..alles ergießt sich in eine fröhliche, sommerliche Harmonie. . Man kocht Eingemachtes. — 7 Vetter Uri ist - auch nichtso ganz wie alle Tage des Jahres. Er ist ein bischen feiertäglich gestimmt. Aber . er schweigt. ' Nach. dem Nachmittagsschlaf geht er durch die Küche im Dalliskoten, in dem weißen Hemdärmeln mit der seidenen Jarmulke auf dem Kopf. Ein Blick mit den schielenden Augen ans Muhme Feige, cm..Blick auf das kleine Gesindel und.— gar nichts. Ohneein,'Wort. zu sägen. -Er treibt - die-Chederknaben nicht in den Chdder wie sonst. Bald wird er wie'betrunken von dem Duft , der Himbeerenihrersaftigen Röte, der Weiße des.Zuckers, Muhme Feiges zerglühten Bäckchen-, Er steckt die/ Hände iy die - Taschen und geht ein paarmal durch alle Zimmer, wie es' einem Hausherrn geziemt, und irgendein gutmütiges „Bim- Bam". trillert sich.ihm aus Nase und Halboffenem Mund hervor. Dann setzt er sich aufs Sofa,MÜ nimmt einen „Seser"" in die Hand, aber „lernen" tut er nicht. Zwischen' den Zeilen röten sich die Himbeeren mit dem Zucker, die er vorhin in der Küche , sah, -es tänzeln die , Feuerchcn des Pripetschok... Die irdische Welt zwängt sich nach allen Kräften, in die jenseitige ... Soblättert er in dem Buch: und denkt über etwas; nach; . spielt .miteiner Zizze auf' dem Knie . . .-Es gelüstet ihm nach einem Glase Tee. Aber dieses Mal nimmt er sich zusammen." Heute ist er nachgiebig und halb verliebt in-Muhme Feiges heiße Bäckchen. So stellt er sich, alsob es ihm gar nichts ausmache, daß man so spät Gen Samowar noch nicht ausgestellt hat . ' 7" — Och — cho, süßer Vater im Himmel! entringt sich seinem Herzen ein fröhliches S-eutzen, Schon bald Dammus yorAber . . . Ein Sommer vorbei. . .;' Bim-Bam-Bam . . . .- Und Muhme Feige-kocht ein. ... Zuerst läßt sie den weißen, schneeweißen Zucker aussieden. Sie-, zerstört? die schöne weiße Pyramide/und. schüttet sie in die kocherüie Siedpsanne. Und wenn der Zucker gut aüfwellt, probiert sic mit dem Löffel.' Von' ihrem -großen, hölzernen Löffel tröpfelt cs -mit schmelzendem Bernstein. Sie läßt ein bischen in ein Tellerchen träufeln, bläßt und neigt das Tellerchenum die Dicke zu PÄfen 77. Jetzt sieht der Zucker schon wie bleicher' Honig aus. Mnn beginnt sie nach und nach, «die abgesuchten Hjmbeeren in ddn heißen, kochenden Zucker zu Hütten. Wehe-'Wie kann eine' Jüdin mit so saftigen, edlen, weichen HÜnbeeren kein Erbarmen haben! Wehe, warum straft sie sichNrit Äner solchen Hölle!? ' .7-'.'.? , 7 7 Anfangs vernimmt man in der grdßdn Pfanne ein Zischen und Quietschen und Seu^en. Die Himbeeren schreien: Juden, rettet! Au, ivir sterben! Wir werden ( Anbau ani rusiischen Ofe^, der zur Bereitung besonderer',Gerichte dient. Frankfurter Israelitisches.Familienblatt. das nicht aushalten! ..... Danach wrrd . es, auseine Weile still. Die zarten -Himbeeren sind scheinbar in Ohnmacht gefallen . . . Bald darauf gibt es ein Knurren in der vpllen Pfanne, mitten im Bauch. Dann ein zweites Knurren. So ,lange und oft, bis ein regelmäßiges Brodeln einsetzt. . Und-da naht sich der gefährliche Augenblick in der , Einmqchekunst, da muß man mit beiden /Augen schauen. Eine Äöwcnfalte legt sich Muhme Feige auf die Stirne. Wie eine. Apothekerin steht sie am Feuer und mischt und leckt und fischt heu heißen Schaum mit den aufgestiegenen Kernchen ab — -„Barbize" . heißt das, eine Näscherei für. die Kinder.- Die dickflüssige Röte mit dem rosigen duftenden Schaum gießt sich wie ein süßes Honig-Blut auf den weißen Ptobierteller. Der Kleinfinderschar glühen die Aeuglein auf >md es zittern die Nasenflügel. Wenn man bereits „Bar- , bize" herunternimmt, ist es ein Zeichen, daß das Eingemachteschon bald fertig ist. Sie spüren darin mit allen ihren findlichcn Gefühlen den konservierten Geschmack und Duft des Soinrncrs, des Feldes und des weiten, grünen Waldes, in dem nur Bauern und Bäurinnen Himbeeren brocken können, während jüdische Kinder dasnicht dürfen; wohin nufi Schneidergesellen und Dienstmädchen am Sabbat spazieren gehen dürfen, und gutbürgerliche Khcher. im Cheder sitzen, schwitzen und den „Perek" aufsagen müssen. . . Aber die Mutter, die Mutter kocht ein!' Sie kondensiert den ganzen sommerlichen-Geschmack und wird das in zugebundenen Einmachgläsern perwahren. . . An den düsteren Wintersabbattagen wird sie das zum Tee reichen. Versucht man ein Löffelcheit, so wird der ganze Mund voll von einem duftenden Geschmack. Der Geschmqck des Sommers, selbst. - Ein. Dawkihr dafür! 7— Na, es wird, glaub' ich, genug sein! So sagte-Muhme Feige ans Feuer und Dampf heraus;'und bald zieht sie die große Pfanne weg vom angeglühten Dreifuß, trägt sie ins Vorhaus und stellt sie zum Kühlen auf einige Holzscheite herab, die im Dreieck angeordnet sind . „ . Es verbreitet sich von der Pfanne über oas ganze. Vorhaus ein süßer, wohlriechender Dampf, daß man die Luft'mit beiden Lippen naschen möchte. Die Pfanne ist unten ganz verrußt, mit, einer schönen, samtenen Schwärze überdeckt. Aber innen, innen glänzt noch das Messing wie früher und es prangt eine ganze Honigmasse konservierter Himbeeren in. Röte. Auf dem Pripetschok löscht man das Feuer aus. So sinkt er wieder zurück, düster, beklommen,; geheimnisvoll; und seine Schwärze wölbt sich hinauf und entschwebt irgendwo hoch, hoch, wohin kein Auge dringen^ kann. In der Stube wird es wieder etwas wochentäglich. Wie nach „Hawdoleh". Muhme Feige wäscht sich mit kaltem Wpsser - ab und bindet die Enden des Kopftuches wieder nach vorne um. Das bedeutet, daß sie wieder eine Mutter und Hausfrau, in der Stube geworden-.ist. Bewiesen, was sie kann, und genug!. Vetter Uri: begiunt die Kinder'in den Cheder zu treiben: „Mo hat "man sowas gehört, daß sich ChederjungeN so spät noch, sn dev 'Stühe, umhertreiben?.. ... Na!" Er heißt den Samowar aufstellen. Sein Hals sei ihm schon ganz trocken geworden. Ja, es brenne ihm schon — .den Feinden.Israels sei's zugedacht.— im Herren. : . - > Die Chederknaben. werden ein wenig traurig, nervös. Es-hält sie etMs zurück in der duftigen Küche, ptr . der es sich so süß, so ängenehni atmet: Da gibt pran jedem von ihnen--zwei' altbackene Scheiben Sabbatbrot, mtt frischer „Barbize" gestrichen, so trösten sie sich damit rmd gehest , langsam zum Cheder weg. . Und vor Nacht,! beim/„Tanach"lersten in der Stick-? tustdes Cheders, lebt noch in der kindlichen Vorstellung 7dir große Pfanne, .voll nüt -dickflüssigem frischem Ex- ' traft des? Sommers. nstd Himbeerbluts- Unten ist sie mattschwarz wie teurer- Samet, finwendig glänzt das Messing . ... Auf drei Scheiten Birkenholz steht si» irgend-;imr in -entern Winkel. im Vorhasts und kühlt ab, kühlt ab, die große, süße Pfanne... 7 Da erinnern 'sich' die Kinder, und es wird ihnen etwas fröhlicher beim Lernen. - : ) .7; .^7 . ' - Warschau 1912? (Autorisierte Ueberfetzstng aus dem Jiddischen.) FrkedeusklSuse. WaS läuten die Glocken so h-ll und' so. klar? ' Es. schreien : die Kinder: -,HWra!? ES rufen die Leute: „Sagt», ist «3 denn wahr? ' Der Frichen, der Frieden ist da! — Seite Ich suhle' d«s Herzen» pochenden Schlag, O Frieden, 0 seliges Glück, O dreimal gesegnet , der henttge Tag- Nnn kehret. meist Liebster zurück Ich .fiel tu dir Knie: „Dank, glühenden Dank, Dir, Spender von Leben und Tod, . Der gnädig erhöret mein heißes Fleh», Beendet die Kriegesuot." - Die lauge getrennt,' sie iverdeu vereint. Ich fasse die Seligkeit kaum, * Ich höre, wie man vor Freude weint Und erwache. — Es war nur ein u.rau>n. — Bibra. E. Höxter,- Literarische Chronik. Der 25 jährige Todestag Leo» PinskerS. Am 22. Krslew (17. Dez.) v. I. jährte sich der 25. Todetag Dr. Leon PinSkers, des - llassischen Borläufers des Zionismus-und Bersassers der „Autoemaiizipatiou". Atls diesem Anlaß fand in London unter dem Borsitz Dr. Gasters eine stark besuchte Trauerfeier statt.. .Nachum Sakolow hielt in hebräischer Sprache eine eiudruiKvolle-Rede -und würdigte darin die Persönlichkeit des Verstorbenen. Es sprachen, noch Prof. CH. Weizmann. und Dr. Gaster. . Apch im Westeud wurde eine Trauerversammlung »tögehatren. Reden hielten Jisroel Zaugwill tmd Prof. CH. Weizmann. In Moskau wurde in der großen Synagoge eine Gedenkfeier angeorduet. Rabbiner Dr. M aze hielt eine interessante Rede. Die „Chowewe Sefath ewev' versaunnelteu .sich! eben«. falls zu einer Trauerfeier. Es. sprachen Dr. TschlenowS, I. Grimbaum und Temkin. Zum Tove Der Verein „Chowewe Sefath ewer" in Petersburg hat vor eimger Zett einen Abend zum Gedenken Simon ‘ Samuel F rugs veranstaltet. Der dortige Rabbiner I. Eisen st ad t hielt eine .Rede über die'.Bedeutung des verstorbenen Dichters Mr seine Zeit. Darauf sprach S. Epstein über ,chen VollZdichter fiir die Intelligenz" tmd gab ein anschauliches Bild des dichterischen Schaffens Frngs^ das so reich an uattonalen Ideen sei. Der Vorsitzende des Vereins Drr I. L-Katzenels01t (Brifi beit Jogli), der rühmlichft bekannte jüdische Schriftsteller, sprach über seine Erinnerungen an den verstorbenen Dichter. - Der junge hebräische Dichter David Schimonowitz wies in einer ausgezeichneten Rede ans den engen Zusammenhang der Dichtungen Frugs mit der Bibel nud^ dem daraus besonders stark entsprossenen BolEgeist des JNdentunS in seinen Schöpfungen hin. Die, Schlußrede hielt Dr. Schnetrrs-ohn', der die Anwesenden aufsorderte, dem verstorbenen Dichter den Dank abzutragen, der dem l e b e n d e n vorenthalten wurde. Literarische Rolizeu- - . Bon der jüdischen Preffe. Vom 1. Januar an begann in Warschau ein pädagogisches nnd literarisches Wochenblatt, mitRamen- „Schule Und - Erziehung' zu erscheinen. Die Redaktion der Zeitschrift, die vorläufig zwei Mal wöchentlich, herausgegeben wird, liegt in den Händen von D. DrU.ck nnd Schl Weinb/er'g. Die hebbräische Zeitung „H'azesirah" in Warschau, die Ende November ihr Ersc^inen eingestellt hatte, beginnt demnächst wieder zu erscheinen.? Offenbacber Ibraekluft- Off*nbasha.K Telefon 123. (Anachtm«mü£Vankfaxt).| Uewahiteate TapBlShrallllainift (100,000 qm jSbrLob)! setri« anDbertraffans BBttfadararalnlgnnii mittelst | . Dracklnfi nnd Waaaerdampt Woche»-Sake»der. Samstag, den'S. .Februar (—11. SMvat:) Sabbat- ' Anfang in Frankfurt a. .Ms 1 Häjr 55 Min. Sabbat- Ansgaug in Frankfurt a. Mi 6 UW 10 Min. . Wpchemwschnttt: Beschalach. — Untergang der Mrael verfolgenden Egypter im Schllfmeer. Der Gesang? des erretteten Israel-Volkes am Meere. Das Murren des Volles. Der Kamps um Amalck. ' Wocheugottesdienste in Frankfurt a. 3JL Morgens 6 stlhr 45 Min. in den meisten Synagogen.. Hauptsynagoge, Königsteinerstr. 7P» Uhr,. Iluterlindau, Bvckenheim 7 Uhr 10 Mn. Abends: 5 Uhr in den meisten Synagogen . (Hauptsynagoge 4 Uhr, Königsteinerstr. 7 Uhr). Vereitts-Saleuder. Tal-mud-Thora-Bereiu.^ Freitag -Abend: .Dortrag de? Herrn H, Schwad. - . ' »' , Verein Moutefiore. Freitag, *27 Februar, ^48 Uhr: Geselliges Beistuumenseiu. Samstag, den 3. Februar 1917, abends 9 Uhr, in unserem Vortragssaale- Bleichstraße 70, Bortracx des' Herrn Dr.- LoWrr -Deisauer, Stuttglyst, über: ,-Wirt-'