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Neue jüdische Presse · 1917-02-02 · Heft 5 (2.2.1917) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 5 (2.2.1917)
Date
1917-02-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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.. fr ‘ g, I? - Seile 4. Frankfurter Israelitisches FannlieiMaN.^ Rr- 5.-5 Laissratrasso 56 ' v -:~C,;ESwerstraase ,56 K Täglich erBtklaSBigeJMT’ UnterbaltmigBiiinBlk’' 'W -5 Omigi - Einlagen. MannbLim. Me Eltern des am 10. November 1916 gefallenen Dr. HngoKan-fswcrnn, errichteten eine Dtiftung von 25000 Mk., die Kr zionistische Zwecke in Palästina bestimmt ist. Lemberg, 24, Januar. Der frühere Vizepräsident der Stadt- Lemberg, Dr. SchlleH ter,.ist unlängst von der russischen Gefangenschaft, M bie -er als „Geisels ver- - schleppt worden war, znrtükgckömmen. Er wurde nun ... zum stellvertretenden Regierungskommissar von Lemberg? ernannt. ' Dr. Schlechwr genießt großes 'Ansehen bei. i . der hiesigen Bevölkerung, um die er sich besonders bei der Besetzung Lembergs durch die Russen große Verdienste erworben hat. > ' . ' ’ ' Jaffa. Anfangs Dezember wurden in Jaffa Abend- '' kltrse Kr KunstmLeit und Mxlerei eröffnet. .'Die Leiter der vorläufig zweimal wöchentlich stattfindenden Kurse sind biss KLichiler Eisenstein, Gnttmann,Rosen- ' zweig und. Frl. Halperu. '' U- M? Frauksurter Berichte. Mufikaltsch-dellmntttorlfcherAbend imMäptestore-Berein Der Verein Montefiore veranstaltete am Mittwoch-, den M. er. einen musikalisch-deklamatorischen Mend, der- . wie alle früheren -Darbietungen dieser Art einen erfolgreichen Derwns naHn. Die Vortragssolge eröfKete ein Diavierspiei (Chopies Preludes a-dur, b-moll). Wir Lernten in Frl. Alice Neu'einejunge Dame kennen,- die . sich ihrer schwierigen.Ausgabe in der feinsinnigsten kunstlerichsten Art entledigte. Ein jugendlicher Gast, Herr Jv sefGandz, brachte eine Reihe von Rezitationen zu Gehör!(ü. a. „Der ZauberKnstler'^ von Perez und „Landstreicher" von M. Rosenfeld) und fcssÄte durch trefflützschöne Wiedergabe der' Dichtungen. Der gesangliche Teil wurde von Frl. K l a r a L e w i s o h » und HerrnWi-lli Friedmann durchgeführt. Herr Friedlin a n n sang in vollendetster künstlerischer Art die Arie aus ),Lndüie" ^!ateri Mutter, Schwestern, Brüder rc.'), sowie Lieder von-Schhbmt und Hildach und erntete für seine ' Vorträge außerordentlichen Beifall. *grL Klara Lewi- : s o h n .ist - ja ‘ durch ihr Talent in - den weitesten Kreirühmlichft bekannt, und bot auch an diesem Mend rtreffliches. Unter, anderem sang sie erstmalig Lieder von S. Fmchs-Göetmann, einem jungen, viel-, versprühendenjüdischen Künstler, der z. Zt. in Berlin all Kapellmeister täüg ist. Herr G. Singer, der Leister jba AbeÄis, wies in seinem "Schlußworte auf den . schönen Verlauf desselben hin und verband mit dem Dank an die Mitwirkenden die Hoffnung, -daß auch! die -übrigen Einrichtungen des Vereins - sich gleich regen Be- .suchS erfreuen würden. , Er teilte zugleichmit,- daß es . dem Verein gelungen sei. Kr Sonntag/den 4. Februar. Herrn Dr. Lothar Dessaner von Ler Handelsakademie Stuttgart zn einem Dortrage: ,Mütschsiftspolüische ' Fragen Deutschlands' während und nach dem Kriege" zu gewinnen. - Linfübrnug isr. Religiousuudhebräischeu Unterrichts für Söhne konservativer Elter« am Philanthropin Wie wir erfahren, wird mit Beginn des neuen Schuljahres durch -die Verwaltung der israelitischen' Gemeind? .amPhllanthropin ein bedeutend verstärkter und vertiefter ' Parallelünterricht in - Religion und .allen hebräischen - DEziplinien Kr Söhne -wnservativer Eltern eingerichtet Diese Zweigcstteilnng wird der Beaufsichtigung des konservativen ..Gemeinderabbiners unterstehen; als Lehrer sind die Herren Rabbiner Dr. May und Lehrer I. B. L e v y gewonnen Wörden. — Mit der EinKhrung dieses UuterriKE wird ein seit langen Jahren^ gehegtes Der- ' langen der konservativen Kreise unserer Gemeinde erKllt. -. -Möge der Gesamtgemeinde daraus Segen erwachsen und der Unterricht zur Kräftigung des EinheiiSgedankcns! in ihr führen. > - Meine Mtiie«. . Der Zentral-Verein israelitischer Gemeindemitglieder .veranstaltet am 3. Februar, abendSiU/^ Uhr. im Restaurant „zum Stadtgarten", Eschenheimer.Tor, seine Generalver- - .fammlnng-(siehe Inserat.) Bf- K-- &...- U-. Kä- . ß II- Wi fl .. . Erste: Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei HannTeil2002. 18 Gntleutstrassfi 18. Hansa Tel 2002 MÄchMlLt: llfltgen; Manschetten and Hemden. K~~ fc. I ST Die Flucht der Vau Spaudows. Bon Arnold Zweig. -. - ' . - - (Schluß:) ,? ■ vn. - ' .. Frau Maüvine erlitt, als sie daran glaubte, einen 'Schlaganfall, von dem 'M?fich- .wir 'Mw«"-'echolte?:iuch Line Lähmung zurückbehielt. Mrs Wolf anlangte, so mußte er gegen Abend -m. die Wohnung-znrnckgekehrt sein. Er -fand sie offen, imerleuchtet, die.Dienstboten verwirrt; weder Frau noch Kinder ließen sich Hören, mit .einer Kech'e tappte er sich vorwärts, erst stäunenb)/dastn. er- 's zürnt, - dann' irgend etwas Schreckliches ' ahnend^ einen Unfalls - den Tod eines Kindes — dann trat e< zögerndi ' in sein Kabinett, fand den Schreibttsch völlig in Unordnung, entdeckte endlich' die Hälfte des Steins und ' war im Entsetzen vernichtet. Erst ganz langsam ward ' ihm - klar, daß hier eine ''Bcrschustung^ vorlag — — er.hatte das Ganze die -meiste Zeit vergessen öder nur fülchttg' und damr trotzig, ja belustigt daran gedacht? Er richtete, während die Tränen an seinen Backen-her---' abliefen, alle Schußwaffen gegen sich, welche in der Nähe -.lagenallein keine war geladen. Er wußte, obwohl seine Gedanken sich - verwirrten, daß im Schlaf- - zimmer seine Reiterpistolen lagen; fast schußferttg, aber er fürchtete sich hinaufzugehen, Tote konnten oben liegen. Er fragte heiser die Magd nach seiner Fräst und den Kleinen: „Madame ist gestern mit den Kindern zu den alten Herrschaften gegangen und noch' nicht zurückgekommen," sagte das Mädchen weinerlich, „ich weiß gar nicht . . „Es ist gut, bleib hier- bis sic wiederkommt." Er mühte sich zum Schreibttsch zurück, auf eine Art gehend, als sei der Zusammenhang seiner Gelenke aufgehoben und sein Rücken mit Mci ausgegossen,, schrieb halb unleserlich ein Testament, in dem er seiner Frau und seinen Kindern alles vermachte,. was er zurückließ oder zu erben erwartete; dann holte er, das Licht in der zitternden Rechten,: aus dem Schlafzimmer die großen Pistolen — beim Anblick des Bettes fiel er. auf'-dic Knie, dÄckte den Kopf hinein und bedeckte es mit Msfen und Tränen? „Rutts!" schrie er, „Ruch! Ruth!" Ein Kopfttssen der Kinder nahm er unter den Arm,' schnallte den Säbel um und ging in den Stall; denn er wußte, daß.jer sie nicht aufsuchen durste, wenn er nicht sehen wollte, wie sie vor ihm floh. Später, Ruch, später, süße Ruch .. sattelle Bictoire, seinen großen Falben, gerade so. mechanisch, als habe ihn Alarm im Biwack ausgejagt und er habe den Schädel noch voll Schlaf, steckte die Pistolen in die Halfter, schnallte das Kissen Hinten auf und ließ sich in den Feldbeutel Brot und Fleisch stopfen. Unterdes setzte er sich wieder an den 'Schreibttsch, nahm den Schattenriß Ruths vor die Angen und betrachtete ihn Wohl eine halbe Ssnnde lang. Dann trocknete er die Tränen und, indem er das Bildchen einsteckte und Gold und Kassenscheine dazu, schrieb er unten auf das, Testament: „Ich gehe nach Borneo. Vergib mir. Dü wirst später von mir hören. Küsse die Kinder und vergib mir. Mein Unglück ist größer als meine' Schuld. Lebewohl"; ging, den Säbel unter dem Arm, gebeugt und ohne verhindern zu können, daß. Tränen in den Schnurrbart liefen, wie Blut aus -zwei Wunden, hinaus auf die Straße, schwang sich in den Sattel und, indem er Bictoire die Sporen gab, donnerte er in die Nacht hinein, nach Westen, und der Wind warf ihm den Regen ins Gesicht.-Die Hoffnung auf jenes „Später" war ihm nicht gegönnt, niemand sah ihn wieder. Wie .sein Vater durch Antwerpener. Freunde erfuhr, denen Wolf begegnet war, mochte er der Fremde gewesen sein, der sich wenige Wochen' hernach auf dem Schoner „Oranje" nach den Kolonien einschiffte und mif ihm unterging; aber ein Totenschein.war nicht beizubringen.' Fnru. Ruth ging durch ein Nervenfiebex wie durch eine Weißglut, die nach jähem Erkalten ein Eisen von' außen wenig, innen aber ganz und gar verändert. Ihr Wesen'war gleichsam dichter, härter und widerspmstig geworden, eine stählerne Klinge. Sie 'ward schweigsam und auf eine, allzu ernste Art schön — eine Schönheit mit schmalen Lippen und einer Falte zwischen den gebogenen Brauen..- Unnötig zu sagen) , daß sie in M Hjaus zurültzing, sobald sie konnte, daß sie wiedn Freitags neben ihrem Vater saß — wie schnell ergreiste sein Haar! — daß der alte Spandow hin - und wieder zu Mi kam und wortlos und ohne Lächeln da saß, mit einem manchmal zitternden Kinn und einer im schmal gewordenen Gesicht zu großen Nase, die sich plötzlich scharfrückig und spitz zum Munde h'evabbog.,, Sie erzog ihre beiden' Kinder ineiner strengen, unnachsichttgen Liebe, und als sie-merkte, daß beide von chr den träumeüschen Hang geerbt zu haben schienen, der mü großen. Worten und unverminderten ' Forderungen eine unnachgiebige Welt sich aufbaut, in der Pflicht, Größe und demrttge Gebote herrschen, die aber, auf den Alltag übertragen, .Schreien nrü> Unheil wirft, — lojat es ihr hetes angstvolles Bemühen, die Gedanken und Erwarmngen der Kinder, sowctt sie „Leben" und -„Zuhmftt^ betrafen, niederzuhalten, ihnen die Wichtigkeit und Einfachhettdes Mltags einzuprägen, dessen, was vorhanden ist und sie von -den -Traumbildern ab- WMitMmvÄvrnim dikMLÄMvrE-- fi-s -.- <2.0L1 "88. .Telefon-iBaf.-UanBa,.1468: Laboratorium., ^;8sj»aratoMartörKamv. zuziehen, die---.es - so leicht hatten, -schöner^ und gerechter zu sein.^ls das lebendige -Leben. - --:? ' i Wenn daher Ulrike>. größer, undireif genug geworden,-' oder Arnold, .den man dem Getreidehandiel Alexander- Qstertags . zuKhrtc, an müßigen! - Sabbaten? zu ' den- Büchern. Mer Eltern griffen, nahm ihnen die Mutter- Corneille oder auch Schüler aus der . Hand, indem sieetwa ruhig sagte: ,Liesdas nicht, -mein Ktrch, es macht-? mcht glücklich . . ." Sie lebte in Feindschaft mitden - Büchern, auch mit her Bibel; und wenn, der Vater sie deshalb leise tadelte, nahm sie seine Worte ohne Entgeg- - nung hm, aber auch ohne Befolgung. ..Von ihrem Vater hörten die Kdtder erst sehr spät>? als sie eindringlich genug fragten, und dann nur Gutes? Sie fanden in den Schränken seine Uniformen, seinen . Säbel; so war er denn Soldat. gewesen. und bei einer Reise im Meer ertrunken, in jenen Stürmen, von Venen man im Robinson las. Und-Jahr für Jahr brannte ein .Seelenlicht Kr Wolf van. Spandow einen ganzen Tag lang in der Wohnung derer, die von ihm gegangen waren, als er noch lebte. Da sein Todestag unbekannt blieb, entzündete Ruth es am Abend vor Erew-Peffach; und ans einem/ Gefühs, das sie nicht' hätte erklären können, aus einem dumpfen und sich durchsetzenden Impuls heraus, stellte sie'das Tischchen mü dem knisternden Licht unter ihr großes Napoleonbüd. Und so blickte der Jmperatur jedes Jahr einen ganzen Tag. lang über das .Seelenlicht einer einsamen Jüdin hin. Sie aber stand, wenn die. anderen schon schliefen, lange vor seinem stillen iGsssicht, und langsam wandelte es sich, ward einem' anderen ähnlich, das sic im Blute trug, ward ihm, gleich und machte, daß sie in Leid, Sehnen und Rene weinte. Und wenn sie dann ihren Kopf in^ die Häüde . nahm, gebeugt und ohne Halt, lebte in dem Zimmer nichtsals: das Antlitz des toten Kaisers, das der zuckendü ' Schein beseelend überhüschte . und..beherrschte die Dämmerung, in grüner Uniform,, ohne. Orden und' Stern, den,Hut über beij stillen Brauen, eine Hand in. der . Weste und eine auf dem Rücken. - - Eingemachtes (Aus dem Buch ,;U>yllen vom Städtchen") . . ... von - S. Schneur. . . Die Muhnte Feige kocht heute Eingemachtes ein. Man muß sich sputen. Die. Himbcer-Saison ist bald zu Ende. So chatte sich Muhme Feige beeilt uird' eine große Schüssel Hünbeeren, etwa fünszeha Pfund. Zucker eingekauft und — kocht ein. Die Enden ihres Kopftuches hat sie im Nacken zusammengebunden. Ein Zeichen, daß eine große häusliche Unternehmung bevorsteht! Sie - steht heute im Zenith ihrer Geschicklichkeit. Heute wird. im Hause des chefd'oevre eines gaitzen Jahres geschaffen.? -Die Bäckchen Muhme Feiges glühen, die Nasenspitze und die Finger sind ihr mit Himbeerblut gefärbt.' Ihre Augen sind jünger geworden. Sie ist. heute ganz) und gar eine.Süße, Klebrige, -Gescheckte- und bös wie eine .Biene auf der Suche nach Honig. Die. Kleinkinderschar -vom Abc-Schützen bis zum Gmore-Bocher halten' sich ehrfürchtig beiseite.- , Sie fühlen instinftisch, daß es heute gefährlich ist, nnü Muhme Feige anzufangen. Man darf nichts von den Tellem stibitzen) 'man darf nicht schnuppen, man darf - nicht fragen, man daxs-nicht daran denken, ein paar Himbeeren wegzunaschen wie.sonst, wenn die Mutter mit derw vollen Handkorb vom Markte kommt. Will man ungestört auf der Welt leben,,'muß man sitzen undschweigen. So sitzen sie denn und schauen aus den Winkeln wie die lleinen Kobolde in einer Zanberküche.. . Nrft die Aeugelcin glänzen. — _ v . Die. reifen Himbeeren sind, auf eine große Platte abgesucht, wie eine röte duftende Pyramide ausRubine». 'Sie durchdrangen die Stube mit dem Duft des wildlen Waldes, in dem sie die Bäuerinnen in dev Morgendämmerung-mit Tan bcheckt gepflückt hatten '. . . Jede Himbeere ist für sich eine lleine Pyramide von aneinandergefügten, winzigen Granatstemchen die Krone eines Marquisrjngs in Rubinen gefaßt. . . ' : -Mcht wett von den Himbeeren ist. auf. einem weißen Bogen eine zweite Pyramide aus Feinzucker aufgeschühtet. . Und -weiß ist der Zucker wie? gefallener Schnee, den der Wind mitten im Winter an denZmlN geweht hat. - , . '

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