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Neue jüdische Presse · 1917-01-19 · Heft 3 (19.1.1917) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 3 (19.1.1917)
Date
1917-01-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt. M. S. . v 7 7/ . ikSl». Unteroffizier - Iwan SergLr,. erhielt den Türkischen Eisernen Halbmond. H.>mbü>g - Sa , io Roi enstein, Unteroffizier im JnfMgt. 5, i Inhaber des Eisernen KceuzeS 2. Kl., erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse Sll>n^elu. Offizieist^llverireler Kurt Lewald im Fuß^Art.-Rgt. wurde zum Preußischen Offizier besorgt Perso«Ltteu «. kleine MUteilimge». Berlin. Der DeutiÄ-Jkroelitische Gemeindebund" veranstaltet eine Gedächtnisfeier für seinen verewigten Ehrenvorsitzenden,/ Professor Dr. Martin P hi l i pp s o n, am Sonntag, den 21. Januar 1917, mittags 12 Uhr, im Festsaal . des Brüdervereins, KuMrstenstraße 115/116. Die Gedächtnisrede, hat Herr Professor Kalischer übernommen. Eintrittskarten werden auf Wunsch vom Büro des Deutsche- Israelitischen Gemeindebundes, Berlin, Steglitzerstraße 9 versandt.; > «erlitt. Am Sonntag, den 28. Januar, vorm. 10 Uhr, findet die V. Delegierten- und Mitglieder-Versämmlung des jüd/Frauenbundes in Berlin L, Rosenstr. 2/4 statt Frankfurt a. M. Den Herren Jacob Broch und Max Nebenzahl ist von dem Oesterreichisch-Ungarischen Botschafter in Berlin, Prinz zu Hohenlohe, folgendes Schreiben zugegangen: „Erhaltenem Allerhöchsten Aufträge entsprechend, be- -- „ehre ich mich, den gesamten, in Frankfurt ansässigen ^österreichischen und ungarischen Juden den Dank Seiner. >,k. u. k. Apostolischen Masestät und Ihrer Majestät ,cher Kaiserin und Königin für die Glückwunschkund- „gebung anläßlich Ällerhöchstihrer Thronbesteigung zum „Ausdruck zu bringen. . ’/./ : (gez.)'Gottfried Prinz zu Hohenlohe. München. Herrn Ravdinrr Dr. Wer n e t wurde anläßlich 'des Geburtstages des Königs der Titel eines König- ' lichen.Professors verliehen. Fräukfurter Berichte. Verein für jüd. Geschichte und Literatur. Am Mittwoch, den 11. Januar, hielt Herr Professor Heinrich Loewe im großen Saal der Frankfurter Loge einen Borträg über - den jüdischen Bolksh ü m o r. Redner sagte, daß der jüdische Bolkshumor zweierlei Natur wäre, und zwar: der internationale und der spezifisch-jüdische Bolkshumor. Der erstere findet ein /Gegenstück Inl ändern Literaturen und ist ein Gemeingut aller, Nationen, während der letztere spezifisch .jüdisch ist; aber selbst' ersterer hat im Judentum eine religiöse Färbung bekommen und ist sozusagen verjüdischt worden. Redner führte eine Anzahl sehr interessanter und eigenartiger Beispiele der ersteren wie auch der letzteren Gruppe an und zwar in äußerst geschickter und humorvoller Weise, die auf die zahlreichen Anwesenden eine starke beifällige Erheiterung hervorrief. .Es würde zu weit führen, hier auf Einzelheiten einzügehen. Am Schlüsse seines sehr. interessanten und lehrreichen Vortrags fügte Redner einige spezifisch Frankfurter Wortwitze hinzu. So der bekannte Wortwitz „Gemoroh", der einem armen Jliden und Barvn Anselm Rothschild zugeschrieben wird, Zionistische Lrtsgruppe. Am Donnerstag, den 12. Januar veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe sine Versammlung im Steinernen Haus 'zur-Entgegennahme des Berichtes der Dele- - gierten der Frankfurter Ortsgruppe zum außerordentlichen Delegiertentage in Berlin. Herr Bankier Jakob Wolf, der zum Delegiertentage delegiert war, bcrich- - tete in sachlicher Weise den Verlauf des Delegiertentages: Er setztemanches aus, besonders /am Referat von I. Berger,- „der es als Vorteil für . den. Zionismus ansieht, wenn das jetzige Geschlecht der Ostjuden aussterben würde,'da das folgende dann in Palästina wohnen wird" Bezüglich der Zusammenarbeit 'mit anderen Parteien und der Ostjudenfrage, stellt sich -auch Referent auf den xealen Boden der Opposition, auf dessen Boden sich der Delegiertentag stellte und begrüßt die Trennung der Kulturkommission von der Leitung. Seine sachlichen Aeußerungen wurden mit großem Beifall ausgenommen. Der Delegierte Unterzahlmeister Oppenheimer meint, daß es besser.wäre, wenn die Kulturkommission von der Leitung abhängig wäre. Die Diskussion über den Beruht wurde auf eine andere Versammlung vertagt. . / A. O. / . Der Verein Montefiore veranstaltet am.Mittwoch, den 24. Januar 1917 in seinen Räumen, Bleichste. 70 einen musik. deklamatorischen Abend. Bei der großen Beliebtheit, die. sich, diese Wende schon seit Jahren erfreuen, ist auch in dieser Veranstalten ein reger-Be-., .such zu erwarten. Eine/Reihe .hervorragender Kräfte ist. zur Mitwirkung gewonnen worden. Die Veranstaltung beginnt un« 9 Ilhr und steht deren Besuch allen Freunden und Freundinnen des Vereins frei.?: . Es sei an dieser Stelle auf eine Einrichtung des Vereins hingewiesen, die seit vielen Jahren zu den - bewährtesten des Vereins gehört, .die sich besonders in - diesem •. Winter der regsten Teilnahme aller Kreise erfreut. /W find dieses die.Freitagabendveranpaltungen des Vereins, bei denen sich ein immer größerer Kreis junger Menschen, Damen und Herren, bei gemütlichem,- geselligem - Züsammensein vereinigt. Vorträge religiösen- Inhaltes, sowie Darbietungen, ernster und heiterer Art, gemeinsame /Gesänge, Referate aus. dem .Gebiete des jüd. Wissens/ bieten , den Anwesenden einen immer neuen und anregenden Unterhaltruigsstoff.. Die Teilnahme \m diesen Abenden steht jedem jüd. juirgen Manne, und Mädchen frei. Im Ingresse der hohon Bedeutung, die gerade den Freitagabenden zu- . kommt,. ist eine twch stärkere Beteiligung in. Zukunft /düngendzu wünschen. Die Flucht der vau Spaudows. Bon Arnold Zweig. Sie fühlte sich sehr als Jüdin. Sie war die Tochter des ältesten und auserwähltesten Volkes, das stark und Zäh auf der Erde lebte, ein unzerstörtes Zeugnis aus der fZeit, in der die, Pyramiden aufgetürmtwurden, und Babylon hinten, im Dämmern der Zeit, die Welt beherrschte. Nicht, daß sie je hätte empfinden müssen, wie fthr dieses Volk zugleich das verachtetste war; man lebte in Frieden und Duldsamkeit mit den christlichen -Mitbürgern zusammen, von der Wirkung dev Aufklärung, des großen Königs und der großen Revolution zehrend, und überdies hätte kein Mensch die Roheit besessen, diesem schönen und klären Mädchen weh zu tun . . . . Mer nach innen galt es gewappnet Zu sein. Die neue Freiheit des Denkens der-Zeit, welche alle Vorurteile zerbrach, «aber die frcvlcrische Zersetzung auch an die ewigen Grundgedanken der Religion herantrug — gab es nicht schon Menschen,, welche Gottes Dasein leugneten? — die neue Brüderlichkeit in. der Gesellschaft und die soeben -verkündete Gleichheit int Staate berauschte viele Juden der jungen Geschlechter und veranlaßte sie, voller Begeisterung den neuen Brüdern/entgegenznellen und den .Glauben der Väter als altmodisches und hinderndes Erbteil aufzugeben, um christliche Bürger 'des Staates zN/werdest, oder aus Pietät zwar diesen äußersten Schritt zu uyterlassen, jedoch mit erhabener'und spöttischer Miene über die teuersten Lehren ihres Volkes hinwegznlächeln. Ruth Ostertag floh vor solchen Entfremdeten mit - äußerstem Widerwillen;. ein „Mtrünniger" war ihr ein unmögliches Wesen. Sie hatte früh und gründlich die heilige Spräche erlernt und las nun. und lebte in der Pracht her Helligen Schrift, welche für sic »nicht fremdartig war, , sondern vertraut wie die Kostbarkeü eines heimischen Palastes. Die Antlitze der Patriarchen tauchten auf, umdunkelt, geformt ans Zeit: sie hatten den Herrn von Angesicht zu Angesicht geschaut, und noch zitterte Ehrfurcht über ihrer Haut und in ihren greisen Haaren. Ihre Frauen blickten großäugig in die Ferne wie. über die Myriaden Sprossen ihres Schoßes. Das Haupt Moschehs dräute mit gewitternden Brauen über Ungehorsame, ein Fels: und der rauchende Berg hinter ihm brannte nicht düsterer als sein Zorn und sein schwerer Wille. Josuä trüg vor, sich hin das nackte Schwert, Gideon aber die Fackel und den Krug, und an Sim- . sons Mähne zupften die Finger» einer Frau.. Und die. nun,kamen, hatten Kronen; auf einem düsteren Haupte trug sie Saul, der . Gezeichnete des Herrn, aus einüst triumphierenden David, und keiner trug sie schöner als Salomo, der erwählt war, den Tempel des Höchsten. zu bauen, das Haus des Glanzes und des nnauslöschbaren Sehnens . Wer das Reich versank, Unheil brach ein, die Propheten schrieen"mit flammender Stirtt, die Makkabäer schüttelten, verzweifett Judas letztes .Schwert, dann fuhr eine Fäckeh int Bogen aus der Hand' des Legionärs und fielin den Tempel und nichts blieb als Elend, Dunkel und Grant. Und das Mädchen fühlte in sich die Berantivortustg, Lic diese Welt ihr auserlegte, und sie trug sie gerne, stolz zu sein und aus irgendeinem Grunde vorbildlich zu leben, eine Aufgabe, die nur erst eine dumpfe und starke Ahstung, nicht einmal ein Gefühl war. Gott, selbst hatte ihr dies gegeben, der Gott des . Zornes und der allgewaltigen Güte, den sie liebtc und zn dem sie betete. . Der alte Banker Arnold von.Spandow sagte zu seinem Freunde, indem er fteundlich lächelnd sein glattes Kinn umfaßte: .Ostertag, , sic hat Sinn für Größe," und damit hatte er da- Rechte getroffen, was übrigens keineswegs schwer zu finden war; und diesen Sinn iwandtc sic nicht/nur auf/die ferne Historie ihres Volkes /an, sondern auch - auf Europas jüngste iErlebnisse, auf das, was soeben/ noch. Gegenwart gewesen war. .Ohne Umschweife gestanden, verehrte sic mit begeisterter Glut Was freilich nur von den beiden alten Herren gewußt und gebilligt wurde und was, wäre es offenkundig geworden, ihr Len gerechten und allgemeinen Abscheu aller christlichen und der meisten jüdischen- Mitbürger j eingetragen hätte — den kaum und endlich entthronten und isolierten ehemaligen Kaiser der Franzosen, den korsischen Napoleon Bonaparte. Zugegeben, daß dieses blutrünstige Scheusal, diese Geißel des Menschengeschlechtes die Zuneigung eines zarten -Mädchens am wenigsten / verdiente, so ist' doch mehrere» in Betracht zu ziehen. Seite 5 ehe mcur sw verdammt: erstlich hatte sie den Imperator, dessen Taten chr ganzes Leben lang die Welt'in Zuckungen versetzten, niemals von Angesicht gesehen, nur -die unge- Uuren Wirkungen seiner Wünsche und Befehle erlebt, die Menschenmassen, die .sein Atem umherblies, die 'Königreiche,, die sein Gutdünken vernichtete oder neu . schuf — wahrlich,, er >oar wie ein Gott in diese Welt getreten! Hatte er nicht ferner, überall, wo er seine Macht hintrug, ihrem geknechteten Volke .Freiheit und Ehre gebracht? Hatte er nicht in Paris ein glänzendes Synhedrion von Rabbinen einberufen, um dem Volke Gottes Gesetze geben zu lassen, und hatte er sie nicht seeerlich begrüßt, nicht anders als Bischöfe der Christen? Wo noch in Europa wurden die Juden in allem den Christen gleichgestellt? lind andererseits — hatten nicht die deutschen Regierungen, als ihnen die Bataille von - Belle - Alliance im vorigen Jahre kindlich alles Geraubte wiedergab, sogleich damit begonnen, die Juden in den alten Zustand von Beengtheit und Sonderstellung zurückzudrücken? Ties allein hätte genügt, um dem schönen Mädchen das Herz mit den Träumen vom großen Kaiser, vom neuen Alexander Zn entzünden. Aber am schwer- - s!ten wog, daß sie ihn-nur aus Bildern kannte, aus Stichen nach Gemälden berühmter Künstler, die den ersten ^omul darstellten, indem sie aus ihm einen schönen, dunkeläugigen und heldenmütigen Jüngling formten, dessen leuchtende Blicke, dessen ausgcstreckte Hand die Errnne- / 'riung an Lodi, an Arcoke, an die Pyramiden weckten -und der, indem er die Mpen überschritt, den Ruhm Hannibals zu dem seinen machte. So war ihr der Kaiser vor Augen, ewig jung und strahlend, der Herr der Welt, Cyrus, den Gott gesandt, um sein Volk zu . 'befreien und dem er die Erdp als Lohn iüberlaffest hatte, sie. zur größeren Ehre des Herrn der Heerscharen zu verwalten. In ihren Träumen undhäuslichenVerrichtungen lebten Lstertags so, ungestört durch viele Bekannte, und wenn sie sich auch keineswegs dem öffentlichen Leben entzogen, so sah das große, rote -Empfangszimmer mir den steif graziösen Möbeln aus Palisanderholz doch nicht -oft Besuche: kam jedoch jemand, so wurde er fteundlich ' junb gastfrei empfangen, Ruth plauderte unbefangen mir ihm, indem sie die Hände im Schoß zusämmenlegte, -und nach einigen Minuten brachte das Mädchen ein wenig häusliches Buttergebäck und eilten bunten und süßeli Likör herein, worauf. der Besuch sich erkundigte, - -ob Ruth den Kuchen wirklich selbst gebacken habe uich ihn, falls er ein Mann oder eine sehr freundliche -alte Dame war. nun noch bei weitem delikater Zn. finden behauptete . ... Ruth hatte wenig Freundinnen, gar keine in Währheit, sie war wohl zu schön und absonderlich, dazu, und die Neigurigen der anderen juygen Mädchen , gingen zu-weit abseits von ihren eigenen; , nur das gute, leider aus dem linken Auge ein wenig schielende Hannchen Saltz.— o, es war nicht schlimm, wenngleich, merklich — fand sich hin und wieder ein, lustig, gesprächig, schwarz und nicht sonderlich weise. Allein ein altes Ehepaar kam regelmäßig jeden Sonntag nachmittag zum /Besuch, ein altes, heiteres^ Frauchen in einem Kleide,' welches oben schmal, unten jedoch äußerst weit und-, sättig war, mit eine mHäubchen aus w.eißem Taft und einem schwarzen Pompadour, der regelmäßig etwas sehr . Leckerhaites für das . große 'Mädchen enthielt, und cir. alter Herr mit glattem Kinn, welches er mit der linken Hand zu streicheln liebte, in einem.weitschweifigen Rock mit engen' Aermeln und aus feinem, schwarzem Tuch, einem hohen, gläitzenden Hute und einem Stocke aus dem Zahne eines Narwals, weiß, schwer, mit goldstem Knopf: das war der ehemalige Bankier Arnold »an Dpandow. und seine Frau Malwine, geborene Lewkn. Sic begrüßten den alten Ostertag mit stehende». Redewendungen wie etwa: „Ja, da sind wir nun wiÄier. eingedrungen. Ostertag . . . Wir stören doch nicht, Gott behüte? Ruth, Sie sehen wieder ans wie eine /Rose, 'unberufen ... Ja, das blüht, und wir rndeß . damit setzte man sich aus steife Stichle, die wenig von Verweichlichung zeugten, und nahm ans kantig geschllf- Hnen, hochfüßigen Kristallkelchen, die der Gast nnd Freund andächttg zu drehen liebte, alten Ungarwcin, Tokayer oder Pontac, hellest, herberem für die Männer. - dunkleren, fast roten für die Frauen, die ihn nun einmal' süßer vorzogen, obwohl Herr van Späitdow Worte wie „Sirup" hören ließ: dazu etwas häusliches Buttergebäck oder einen Napfkuchen, welcher gottlob keine Streifen aufwies, öder manchmal eilten flachen Mohnkuchen, der vor jFett das weiße Papier durchsichtig machte, woraus , er lag, vor'Gänsefett/versteht sich; und der ztvischen den beiden Frauest, der alten und der jungen, zum Gespräch wurde, an .dem die Männer afterdistgs einen faäp kundigen und heiteren Teil nahmen, denn schließlich .P ////

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