Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1917)
- Date
- 1917-01-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt. F. SAINT-DENIS, rsrssss'i ALLE REPARATUREN an UHREN . Bold nnd-Sllberwafen, Brillen und Zwickern. Hintergrund gerückt und der Tradition überlassen worden. Aus doppelten Gründen.. Erstens, wie Josephns in Uebereinstimmnng mit Antigonos von Socho sagt, zu dessen Zeit die Saddncäersekte entstand, das Motiv des Gehorsams in Befolgung der Gesetze, nicht die ^Selbstsucht mm des Lohnes willen, sei er irdisch oder himmlisch, sondern die Ehrfurcht vor und die Liebe zum Allerhöchsten Gesetzgeber. Zweitens, weil der Animismus, dessen Erscheinungen selbst im Frauenleben der wildesten Böller den Anstoß zu einem, wenn auch noch' so dunklen religiösen Gefühl gegeben haben, durch die ^heidnischen Priester namentlich, in Aegypten zu den . schauderhaftesten Verirrungen der verschiedenen Kulte mißbraucht worden ist -und noch'wird. (F ."!gt.) Aus aller Welt.' Deutsches Reich. > «er»«. 14. Januar. Tie konfessionelle Zählung im Heere. In den „Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" lesen wir: Ein vom 24. November 1916 datierter „Befehl des Ersatzbataillons des Fußartillerieregimcnts 4", gez. Major Schlieben-Trofchle, lautet: Ich befehle hiermit, daß alle im 'Bereiche des Bataillons als Schreiber, Ordonnanz oder. in ähnlichen -Stellen verwendeten Unteroffiziere und Mannschaften . israelitischer Konfession von diesem Posten abgelöst und,. . soweit sie k. v. sind, sofort ins Feld geschickt werden. Zum 1. 12. Meldung, daß diesem Besthlentsprochen, oezw. namenlliche Meldung der noch im Bataillon Besücklichen unter Angabe des Grundes. Der Rabbiner der Synagogengemeinde zu Magdeburg, Dr. Langes' hat am 19. Dezember „als der von seiner Exzellenz dem Herrn General zugelassene .Seelsorger für'Soldaten, Verwundete und Gefangene mosaischer Konfession" in einer Eingabe an das stell-, vertretende Generalkommando des - IV. Armeekorps zu Magdeburg gegen diesen Befehi, „der eine Zeichnung der jüdische» Soldaten gegenüber den Andersgläubigen darstellt", protestiert und - zugleich ausgesprochen, daß die Verfügung des Kriegsministeriums betr. die Zählung der Mischen Soldaten mit diesem Befehl nicht vereinbart werden könnte. ' Das -stellvertretende Generalkommando des IV.' ' Armeekorps hat darauf am 3. Januar nach« der Prü- - jung der Angelegenheit mitgetellt, „daß der Herr Gene- ' rolinspekteur Der Fußartillerie bereits Veranlassung ge- - nommen hat, das Ersatzbataillon Fußartillerieregiment Nr. 4 auf die Unzulässigkeit des angewendeten Verfahrens hrnzuwcisen. Das stellvertretende Generalkommando sieht aus. diesem Gründe die Angelegenheit als erledigt au." ‘ ' Pole«. * Warschau» 14. Januar. Der polnische Staatsrat. Der provisorische polnische Staatsrat ist gebildet und von der Macht bestätigt worden. Unter den Mitgliedern dieser höchsten Instanz des Königsreichs Polen , befindet sich ein Jude: Der bekannte Assimilant Kasimier F. Natanson. Der Staatsrat wurde heute durch! die Generalgouverneure v. Beseler und v. Kuk feierlich' eröffnet. Morgen Nnrd. der Staatsrcü zum ersten Mal zu einer. Sitzung im Palais Krasinski zusämmentrcten; die Wahl des Krvnenmarschalls und seines Stellvertreters wird .hierbei vorgenommen... (Daß gerade der polnische Ueber-Patriot' Natanson - als Vertreter der polnischen Judcnheit erkoren wurde. P sehr bedauerlich: Selbstverständlich ist seine Wahl lediglich auf Wunsch der Polen zurückzuführen. Daß' Natanson, der extremste Assimllator und ausgesprochene Feind desjüdischen Volles, die wahren Interessen der .Juden Polens nicht wahrnehmen wird, braucht nicht erst 'gesagt zu werden. Cher ist von diesem Hyper-Polen - ei» allzu eifriges Eintreten für das Polentum auf .. 'Kosten des Judentums zu^erwarten. D. Red.) Eine zionistische Fraktion iw Stadtrat. ' Das eiLärmliche Benehmen der Assimilanten in der letzten Stadtratssitzung — so stimmte zum Beispiel ein Assimilant gegen die Zulassung der Debatten über die beiden Interpellationen der ÄolEgruppe (s. Nr. 1. D. Red.) — hat in weiten jüdischen Kreisen großen Unwillen erregt. AiS diesem Anlaß faßten die zionistischen Rats-- Männer den Beschluß - aus der „Bereinigung der jüdischen Ratsmänner" — die s. Zt. bei den Wahlen künstlich und unnatürlich, zusammengeschweißt worden war — auszutreten und eine besondere Fraktion im Stadtrat zu bilden. (Damit ist ein wichtiger Schritt zur Einigung der. Zionisten und der „Volksgruppe" getan. Es ist durchaus erfreulich, daß nun das unheilvolle Zusammengehen mit den Assimilanten ein solches Ende gefunden '. hat. Zu bchauern ist nur, daß die C h a s s i d i m sich noch' nicht dazu entschlossen haben. Vielleicht bricht noch der Tag an, daß dieser widernatürliche „Bund" D^Red) E"dc ^i^imt und ganz in Scherben geht. Allgemeine Versammlung der Warschauer zionistischen Organisation - Am 11. Dezember hiell hier die zionistische Or< ' ganisation oine allgemeine Versammlung, an der etwa- 1000 Personen teilnah'men, ab'. Der Sitzung wohnten Dr. Hantke, Dr. Kollenscher wie auch zahlreiche Gästevon der Provinz bei. - - - Nach einxr Begrüßungsansprache Farbsteius gab Herr Nisfenba^m einen Bericht über die Tätigkeit des- Warsthauer zionistischen Komitees. Er behandelte zunächst die kulturelle Arbeit und beschrieb an Hand statistischer Daten 'die geleistete Hilfttätigkeit. Darauf betrachtete Redner die, politische Arbeit, des hiesigen „Zionistischen Komitees", 'das, wie er sagte, es als nötig ansah, bei den Warschauer Stadtratswahlen auf eine Bereinigung mit den L)olen einzugehen. Referent verteidigte die Taktik der „zionistischen Organisation und weist auf das entschiedene Eintreten der Zionisten für die jüdische Sache im Stadtrate hin; er berichtet hjcrbei die . durch die Umstände notwendig gewordene Trennung der zionistischen Ratsmänner» im Stadtratc von der Vereinigung und ihr Bilden einer besonderen politischen Gruppe im Stadtrat (s. obige Meldung). Es folgten lebhafte Debatten. Das Wort erhielten nacheinander, die Herren Mil« ner, Gottlieb und 'Farbstein und sprachen für oder wider die Politik des „Zionistischen Komitees" in Warschau bei den Wahlen und das Verhalten gegenüber d»r V'Iksaruvve. Es r^enerren dwou' mehrere Redner über dieses' Thema, darunter H. Scidemann. Nach Beendigung der Debatten wurden folgende Resolutionen beantragt, Mn denen hier nur die wich? tigsten wiedergegebensind. Die allgemeine Versammlung beauftragt das künftige „Zionistische Komitee", die jüdischen, bürgerlischen, nationalen und religiösen Rechte mutig und mit nationaler Selbst- Würde zu verteidigen, die Einigung aller jüdisch-nationalen Gruppen und Richtungen zu gemeinsamer Arbeit anzustreben, einen energischen K a m p'f g e g e n d i e Ass imilationauf allem Gebieten des jüdischen Lebens zü führen und, die Arbeit für die ^hebräische Sprache' und nationale Kultur foxtzusetzen.!■ Die Anträge werden unter starkem Beifall angenommen. - Man geht zu den Wahlen eines' neuen Zionistischen Komitees Wer. Gewählt werden unter anderem- Dr. Klumel, Dr. Gottlieb, Farbstein, Schalkowitz (Ben-Awigdor)/ M.' Gordon und andere. Unter dem Absingen der ^Hatikwah" wurde die Sitzung spät bei Nacht geschlossen.'- Konferenz der zionistischen Hilfskomitee« in Polen. Am 9., 10. und 11. Dezember, fand in Warschau eine" allgemeine Konferenz der jüdischen Hilfskomitee» in Polen statt. In der nächsten Nummer werdey wir ausführlich darüber - berichten. - □ Lodz, 12. Januar. Eine Konferenz des „Roten Mogen-Dovid." Bor einigen Tagen wurde hier eine Versammlung der Mitglieder des „Roten Mogen-Dovid" abgehaltcn. Man beschloß,- in nächster Zeit'alle Vereine des „Roten Mogen-Dovid" in den Provinzstädteu zu einer Konferenz zusammenzurufen, um eine breitere Tätigkeit auf hygienischem und sanitärem' Gebiete unter der jüdischen Bevölkerung einzuleiten. Deswegen, soll die Konferenz, 'mit bereu Vorbereitungen eine gewählte Organisations- Kommission beauftragt wurde, eine gemeinsame Plattform für die gemeinsame Arbeit der „Roten Mogen- Dovid"-Vereine auszuarbeiten. A Oefterr. Verwaltüngsgebiet, 12. Januar. Die Juden in den neuen Stadträten. Die Vertretung der Juden in den neugewähltcn Stadträten entspricht keineswegs der jüdischen Prozentnorm der gesamten Einwohnerzahl. I« Lnbli«, . wo die Juden Wer 50°/»- der Bevölkerung bilden, befinden sichunter 50 Ratsmännern 17 Juden, d. i. 32°/».. Die Zahl der jüdischen Vertreter im Radomer Stadtrat ist zwölf 24 Prozent —, während die dortige jüdische Bevölkerung etwa 45°/» erreicht. Der Stadt- Petrikaa enthält 14 Juden oder 28 Prozent; dort beträgt die Zahl, der Kiden 37 Prozent: Man sieht, die Differenzen sind mehr oder minder bedeutend. Dabei muß aber auch in Betracht gezogen werden, daß die gewählten Juden meist Assimilanten sind, von denen wir nicht allzuviel für die Mische Sache erhoffen dürfen. Rntzlanv. Moskau. . Ende Dezember. Die Behandlung der jüdischen Flüchtlinge. Im Gegensatz zu Protopopows Versprechungen, die eine Besserung der Mischen Lage in Moskau in Aussicht stellten (s. Nr. 4L D. Red.), stehen die neuerlichen Maßnahmen der russischen Behörden. Der hiesige Stadtkommandant erließ vor' kurzem eine Bekanntmachung, die Mischen Flüchllinge betreffend. Darin wird unter anderem gesagt, „daß die Beschäftigung der Heimlosen Juden, die in den Fabriken und Werkstätten arbeiten. . streng' kontrolliert werden wird, iuib daß alle, die nicht arbeiten, eine Ausweisung zu gewärtigen haben. Ausnahmen weü>en nurmit den Flüchtlingen, die hier wegen einer Krankheit wohnen, gemacht werden." Petersburg, Ende Dezember- Bon der Bukowina und Ostgalizien Der Gouverneurdes von den Russen besetzten Gebietes, Ostgaliziens und der Bukowina, hat eine Verordnung an die dortige Bevölkerung erlassen, worin er -folgendes -mitteilt: Das. Eröffnen von Schulen, ist nur unter der Bedingung erlaubt; baß man .den Unterricht weder in der deutschen noch in der jüdischen Sprache erteilt, - Warschauer Tagbl." Amerika. Boston, Ende Dezember. ~ .. ' Eine BolkSbilßKonferenz. Unter - starker Beteiligung fand hier die „Poel» - Relief Convention" (Volkshilf-Konferenz) statt.' Man. nahm wichtige Beschlüsse in Sachen der Hilfstätigkeit - für die kriegsnotleidenden Juden in Europa an. - Gegenwärtig soll das Geld für die kriegsleiden- , den Juden in Polen zum Hilfsverein in Berlin gesandt werden. Es sei jedes Juden Pflicht» so heißt es' in den Resolutionen, sich an der Schäftung des notwendigen 10 Millioncu-Dollars-Fond zu beteiligen. Der künftige jüdisch« Kongreß soll auch auf die Tagesordnung die Frage, einer National-Auleihe bringen. Jeder anierikanische Jude müsse sich »lit wenigstens! 1 Cent täglich für die jüdischen Kriegsopfer besteuern. Man' soll ferner an den Präsidenten Wilson appellieren, da- . mit er noch, einmal einen Judentag 'Zum Goldsammeln bestimme. Die jüdischen Theater des ganzen Landes sollen - eine Aufführung zu Gunsten des Hilfsfond veranstalten. . Es soll ein goldenes Buch geschaffen-werden, in das - sich - Spender von 25 Dollar an einschreiben -dürften. Außerdem enthalten die Resolutionen eine ganze Anzahl Organisations---und administrative Bestimmungen. * - ” Auf den: Massenmeeting der Konferenz wurden etwa 50000 Dollars gesammelt. ' Zionistische Nachrichten. Oesterreich. ' v Wie inan «aus Lemberg meldet, starb dort am 2: Januar der Cheftedaktcur des „Lemberger Tageblatts", Dr. Hirsch Bickels. . . ' ' Dr. Bickels war als eifriger Zionist bekannt. Er. trat in seinem Organ stets für das jüdische Recht und die jüdische Sprache ein. Der-junge Schriftsteller, — fct war erst 31 Jahre alt —1 hat sich mit großer Hingabe den'Angelegenheiten der galizischen Juden gewidmet und ihre Interessen und Rechte verteidigt. So. hat die Judenheit Galiziens durch seinen Tod einen -schweren Verlust 'erlitten. ' Polen. * Warschau. 8. Januare ' Zu Ehren, des Mitgliedes des E. A. C. Dr. Hantke, veranstaltete die hiesige Zionistcn-Organisation ein Bankett. In einer Eröffnungsansprache begrüßte D. Farbcnstcin Dr. Hantke wie ' auch den anderen zionistischen Gast Dr. Kollenscher- Sosen. Darauf sprach Dr. Hantke über die gegenwärtige age des Zionismus. Es folgten Reden von Sch Gordon, Bildhauer Glitzenstein, Schallowitz, M. Gordon und ■_ von noch vielen anderen. Nach einer Schlußrede des geehrten Gastes und dem Singen der „Hatikivah" ging das Bankett zu Ende. ' , . . : Dr. Hantke hat sichjüngst dahingehend! ausgesprochen, daß eine Einigung der Zionisten und der „Volksgruppe" sehr richtig und nötig für die jüdischen Interessen sei. .- (Vgl. den Artikel unseres Warschauer Mitarbeiters über dieses Thema. D. Red.) . Rußland. . Nach einer Meldung .aus Rußland starb dort Gre- - gor Lurie 'aus Pinsk.. Lurie war ein unermüdlicher . Zionist, dessen Verdienste um den Zionismus äußerst - bedeutend sind. Insbesondere ist ihm ein großer Teil an der Entstehung der -Koloniallank, die er im Verein, mit Wolfsohn und Kann organisierte und für, die er ' ' später Außerordentliches .'geleistet hat, zu verdanken. Sein Name wird ehrenvoll in der Geschichte des Zionisnins bleiben. . \ Amerika. New-Nork, Ende November. . DaS 60 jährige Jubiläum Brandeis'. Am 25. November wurde hier das 60jährige Jubiläum Louis Br and eis gefeiert. An der Feier beteiligten sich die angesehensten Juden Amerikas. Auf eine Begrüßung Nathan Strauß' hielt der Jubilar selbst eine Rede, in der er sich mit Beftiedigung über" seine Erfahrungen an den amerikanischen Juden als .' .Vorsitzender des provisorischen Komitees äußerte. Zuni Schlüsse sprach er sich sehr zuversichtlich über die Mög- .. ' Aussichten der Mischen Zukunft aus. lichkeiten und Der Krieg «nd die Inden. " »ranffurt a M Es erhielten das Eis-rne Kreuz I. Kl. Batl.-Arzt Dr. Karl Freukel, das Mecklenburgische Kricgskreuz Professor Fried ländcr, die Hessische Tapferkeitsmedaille Mfred Karbe, Jnf.-Rgt. 81,?losef. Grünebaum wurde das Fürstlich Lippesche lkriegsverdienstkreuz am weißen Bande verliehen^ . - Frankfurt a M. Leutnant d L. Adoli Levi ' Oberlindan -87, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Kl.,' erhielt den bayrischen Militärverdienstorden und die . österreichische Tapserkeitsmcdaille. . Grotz-Kerlin. Sanitatsrar Er. Leovold Cohn, : Zivilarzt im Feld, tvurde das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. - ,, veidelbera. Das Eisern» K'euz I Klaffe ww de verliehen bÄn Assistenzarzt Dr. Er n st F r e ud e.n b er g; Nürnberg. Obe-arzt d Res. D r. H'Ug o L ö w' erhielt das Eiserne ltteuz 2.. Klasse/ .' ' / - - - München. Elrjah,i.ier Kriegsfreiwilliger, Unteroffizier->.. Bert hold Feucht-changer, Sohn des verstorbenen-^ Sigmund Feuchtwanger, wurde mit'dem Eisernen Kreuz . , 1.. Klasse ausgezeichnet.