Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1917)
- Date
- 1917-01-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2693025-2693027--09751-2705002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Frankfurter Israelitische« Familienblatt, nt. 2.' k* lnstitutfUrmode'nenkUnstl.Zahnersatz H. v. Barany Zell 88. ' TelefoD-Enf Han8a l4fi8. Xteenes Laboralo imn. — Separate Warter&nme. □ Lodz, 5. Januar. Der »ablkampf ist hier in sein letztes Stadium, getreten, gftchtsdeswweniger HM die Wahlkampagne in ihrer vollen Stärke an. Die Wahlprvpaganda und -Agitation werden in noch verstärktem Matze fortgeführt. Wes drängt zur zu erwarten warhatten die jüdischen Wahlkmniteen untereinander zwecks Einigung unterhandelt; - Doch ohne Erfolg. Und so ist das Zusammengehen M ». ds „zentralen jüdischen Komitees" und des „Orthodoxen- W!»?-LvmiteS" mit den Assimilanten glücklicherweise vermiwen G, - worben. M -- ' - Am 2. Januar aber leitete man . Unterhandlungen M v-zwischen den polnischen und jüdischen Wahlkomitcen ein, S um einen Block zu schließen und gemeinsame Listen , aufzustellen. Schon schien die Bereinigung, wonach die - Inden 23 Mandate, die Polen dagegen LÜ Mandate er- M/ halten sollten, geschlossen, als im letzten Augenblick M*--<die Dechandlungen sich zerschlugen- und jedes Komi-. GM. tee eine besondere Kandidatenliste.aufstellte. Somit ist ^M. -im Gegensatz zu den.Warschauer Wahlen, ein hartnäckiger M^rKamps zu erwarten. Und e§ ist höchst erfreulich, daß *’*--• eine ,;Konsolidation" mit den Assimilanten, ein für die R jüdische Sache schädliche Kompromiß mit den Assimi- ' -lauten nicht vereinbart wurde. Die Stimmabgabe sinket für die 8 ersten Kurien '-vom. 15. Januar ab statt, darauf folgen die voraus- M.'-sichtlich vier Tage lang dauernden Wahlen in der Ms!b^öchfie« Kurie. M Der Ausgang der Wahlen ist noch unbestimmt. Es g^M»st aber nicht unwahrscheinlich, daßdie jüdischen Massen eine gehörige Vertretung. 'im Stadtrat Halen werden. Das hiesige „Volksblatt" drückt seine Befriedigung LH:-über das Scheitern, des Plaues einer künstlichen Ver- Amerikanische Hifögelver Ki ' Dos neugegründete „Hilfskomitee zur Verheilung der amerikanischen Gelder"^ erhielt die erste Geldsendung vom .-amerikanischen Hilfskomitee ,in B e r l i n im Werte von K.'.^2 0,0 00 Mark. - Diese Summe ist zwischen jüdische geltzA..'sellschaftliche und philantrophische Institutionen verteilt ^-'worden. RH ' Dwser monatliche Betrag ist jedoch zu gering, um W: allen hiesigen jüdischen Hllfsvereinen- und Institutionen genügende Hilfe zu leisten. Deshalb beschloß die VerwalkMtung des Komitees, sich beim „amerik.- Hilfskomitee" in KLsDerlin für eine Verdoppelung dieser monatlichen Sub- M^/sttion zu verwenden. Das Berliner Komitee verspracht M diesem Verlangen in Zukunft nachzukommen. ' Die StadtratSwavleu sxin den übrigen Provinzstädten nähern sich ebenfalls H/jhrenl Ende. Zumeist sind die Juden mit den Polen ^j«llf eine .die wahren' jüdischen Interessen preisgebende §» «Bereinigung eingegangen (als krasscs^Beispiel dafür ist W.dtt Wahlkampf in Kalisz, von dem-wir in Nr. 50 MDerichteten,. anzusehen. D. Red.). Die Assimilanten, die Äne äußerste Energie entwickelt^ haben nicht unwichtige . Erfolge errungen. Schuld daran hat teils die Unauf- KSgÄlärtheit der jüdischen Massen, teils das persönliche ^'Streben einzelner Führer der Parteien. Auchist in Ex Zahlreichen Orten die Wahlpropaganda sehr matt, .so Hi '-datz dort, wenn jetzt keine tatkräftige jüdisch-nationale W-Mahlagitation einsetzt, fast durchweg ungünstige Ergeb- LW Nisse für uns zu erwarten sind. . Teilweise Resultate sind bekannt; so sind iK:v . in ftielre 34 Polen und 16 Juden gewählt worden. Die gesamten Ergebnisse dürsten in 8—10 Tagen : vollständig bekannt sein. . LesterreichischeS VerwaltungSgebiet, 8. Januar. Die neuen Etadträte ' ' ihre Tätigkeit mit einer feierlichen Sitzung er- : es wurden die Präsidenten und Bürgermeister lt.; ' P f . Zionistische Nachrichten. m Polen, pffr. * Warschau, 5. Januar Das Mitglied des Engeren WM. K. Dr. Hantke empfing vor einigen Tagen .die Deputationen der zionistischen Vereine und Jnstitutjo- , nen. Dr. H. gedenkt hier zwei Wochen lang zu bleiben,/ chMr sich mit den dorttgen Verhältnissen vertraut! zu Amerika. Die Z i v n i st i s che S t u d eu t e n o r gu n i s a t i o n,! die zionistischen Vereine von 12-Universitäten und blreichen Hochschulen umfaßt, hat nun offiziell ihren zur amerikanischen, zionistischen Federation er- Die Organisation, die jüngst in Philadelphia ihre zweite .jährliche Versammlung abgehalten hat, entlastet eine rege Propaganda. Sie hat schon mehrere M/tmssenschastliche Werke und Broschüren über den Zionis- MÄIUL, feine Geschichte und seine ZuknnftSmöglichkeiten ßfMto. herausgegÄen und gedenkt uoch weitere zu ver- Awjsentlichen. M > Der Krieg mld die Jude».!§■.' Berlin. Referendar Ernst Türk und SanitätSrat MAr. Leopold Cohn erhielten das Eiserne »Kreuz WMMasse. --- KriegSftciwilliger Wilhelm Stern,' Unteroffizier'Siegfried Marcus', Gest. Fritz Sommerfeld, -Unteroffizier Julius Eisenstein, Gest, Franz Frankel erhielten das Eiserne Kreuz 2. Kl. . F ont'ort n M ü>e>r. M ori tz Sck >r a'v ki. Sobn der Frau R. Schiratzki Wwe., Hermesweg 11, erhrelt das Eiserne Kreuz 2. Kl. Menny Kirchner., Sohn der Frau M. Kiächner Wwe., Rechueistr. 1, erhielt das Kriegsverdienstkreuz als.Krankenträger. . ' - ^rontfnrt n.'SB LazMettmp kto- Leo Jacob!, Sohn des Samuel Jacobi, Ostendstr. 4, wurde das Kriegsehrenzeichen am Bande vom Großherzog von Hessen verliehen. Wievb«den. Albert Leß wurde mit,dem Eisernen Kreuz 2. Kl. ausgezeichnet. CSln.i.'«n»en'hat. Biz-ieldw-bel A,'b.ert, Mev er, Sohn des Metzgers Marcus Meyer wurde das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Hol-erbodr.- Bize eldwebel Salomon wurde zum Leutnant d. Res. befördert. Mannbeim Zu Leuman's der Res wu den Bizewacht» meister Rapp.Und Vizeftldwebel Straus befördert. Wien. Dr Blocks „Oes'e reick-.-che Wockensivri t ve-- zeichuet m ihrer vorwöchentlichen Nummer folgende-Auszeichnungen: 2 Ritterkreuze des Franz JvsefÄrdens, 3 Militärverdienstkreuze 3. Kl., 11 silberne Signum laudis, 41 bronzene Signum laudis, 9 goldene Verdirnstkreuze mit der Krone, 19 goldene Verdienstkrerche, 2 silberne Verdienstkreuze mit der Kronq, 4 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Kl., 22 silberne Tapferkeitsmedaillen! 2 Kl., 35 bronzene Tapferkeitsmedaillen, 3 eiserne Ber- Dienstkreuze mit der Krone, 5 eiserne Verdienstkren le. ,2 belobende Anerkennungen, zusammen 157 Auszeichnungen, hiervon 74 an Offiziere des Soldatenstandes, 22 an Militärärzte, Seelsorger nnd Militärbeamte, 62 an Personen des Mannschaftsstandes. Wi-n. Der Kaiier bat d-M. einer Dlviston zuaeteil'en Feldrabbiner d. R. Moses Schwarer in Anerkemnurg tapferen nnd aufopferungsvollen -Verhaltens vor dem Feinde das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. $prfo«ri*e« v. kleine Mitteilnnae«. O Berlin. 6 Januar. BjöstotbekorDr Henrich L o e w e, unsergelegentlicher Mitarbeiter nnd Begründer des deutschen Zionismus, erhielt für wissenschaftliche Arbeiten den Professortitel. Wir beglückwünschen ihn zu diesem Erfolg nnd rufen ihm zu: „JejaschLr Krankfort n M In der Blüte ihrer Jah-e starb 28 Jahre alt b ei d er Geburt am 22.. Kislew, Sonntag abends Frau Frieda Beile Tajer, Gattin des Thoragelehrten Jacob Tajer, Privatlehrer aus Jerusalem. Einer Rabbinerfamilie entstammend, war sie ihrem Manne eine echte Hllst, die alle Schwere des Lebens in tiefer Frömmigkeit mit ihm trug. Still und bescheiden ging sie durchs Leben; wer sie aber näher kannte, wußte ihren Wert zu schützen. Ans dem Friedhöfe entwarf der tiefbetrübte: Gatte am Sarge von Mutter und Kind ein Lebensbild der.Entschlafenen. Friede ihrem Andenken. tLuben. Siodi er L w'n. i eitor' de- B-rlmer- Gubener Hutfabrik, Aktiengesellschaft, ist vom Reichskanzler zum Mitglied -des Beirats des Reichskommissars für die Uebergangswirtschast ernannt worden. Lembera, Ende Dezemd-r. De. B»sitze-de derhiesigen Kultusgemeinde, Dr. I. Diamant, der seiner Zeit von den Russen nmhs Sibirien -verschleppt worden war, ist als Zivilgefang'ener ausgetauscht und hierher zurück- Kopenhogen. Ende Dez-mber. Aus Petersburg wird der Tod des bekannten jüdischen Philanthropen und Misrachisten Ch. Kahan gemeldet. Die russische Jndenheit hat damit einen unersetzlichen Verlust erlitten. CH. Kahan hat sich stets als ein großzügiger Wohltäter und Stifter -gezeigt; nach Hunderten zählen die jüdischen Familien, die er durch seine" großen Spenden unterstützte. Auch der, Zionismus hat ihm viel zu verdanken; mit ofstner Hand bedachte Kahan den Nationalfond mit reichen Geldstiftnngen. Er war ein Mann von reichen Herzensgäben. Seine Bescheidenheit und seine idealistische Gesinnung machten ihn sehr beliebt. Mit ihin hat oie gesamte Judenheit einen ihrer besten Söhne verloren. Ehre seinem Andenken. Frankfurter Berichte. Am 15. Jauuast 1917, abends &/s Uhr, Frankfurt-Loge, Eschersheimer Landstraße 27, veranstaltet die Ortsgruppe Frankfurt c. M. des- Jüdischen Frauenbundes eine kleine Tagung unter Zugrundelegung des Themas „Arbeft statt Almosen", Rcdnerin: Frau Martha Frmikl, Berlin^ Vorstandsmitglied des -Jüdischen Frauenbundes. W ienu(lRtxm. Leah Skizze aus dem russisch-jüdischen Leben von Ben-Avigdor. ' Aus dem Hebräischen übersetzt. (Schluß.) Auf jenem Gut war sie geboren, dort hatte sie ihre Jugend zugebracht und die schönsten Tage verlebt. Sie kannte hier jedes Gebüsch, jebnt Stetig jedes Bächlein; mit allen Fasern ihres Herzens hing' sie an der Gegend; dort war sie' 38 Jahre alt geworden 7— und nun mußte sie den Ort für immer verlassen. Es war ein schrecklicher Tag, der sie und die ihrigen:- aus; : dev 'liebgewochenen 'HeirststättL:-: : verjagte./ Dann wollte; sie eine Milchwirtschaft „auf emevi anderen. Gute, .pachten; alles. .war.: schon in/Ordnung schon sollte Leah die Wirtschaft übernehmen,^ und üie-^.- Unglücklichen. -atmeten auf. - Da kam .der Erlaß,- der den Juden verbot, in den Dörfern zu wohnen :: r. Da war keine. Rettung. Sie mußten. in die .Stadt - ziehen und eine. Handlung eröffnen. . Leah -verstand^ vom - Geschäfte nichts, - und so gingen : -die. geringen' Geldvorräte ball) verloren, um so rascher,, -als die-,/ Famllie sich um zwei Häupter vermehrt hatte. / Jetzt:- ,.' mußte Salomon zum Ernährer des Hauses we.rden.. Seine Thora.: mußte er zum Werkzeug 7nachen, .-um---> für Frau und. Kiicker Brot zu schaffen. -Jetzt/würde-- . er gern ein Rabbinevamt übernommen haben, allein - die Tage des. Glanzes waren längst dahin . - . so - ' mußte er zum „Melamed"*) werden. Leah vergoß-im Stillen : bittere Tränen bei dem Gckanken, daß ihr : Mann, der weit und. breit., berühmte Gelehrte, der; die Zierde des vornehmsten -Rabbenersitzes hätte sein können, und der noch dazu von so schwächlicher Gesundheit und' zarter Konstitution war, nun unter die - Melamdim gehen und die schwere, wenig lohnende und zudem so gering geachtete Arbeit, ausüben mußte. ' Aber-'es gab. keinen anderen Ausweg, und so zogen sie in eine ent- ' fernterc : Stadt, wo Salomon. sich nun um Schüler , bewarb. . - : s - . Es dauerte lange, bis es ihm gelang, ein „Chcher".^*) zu eröffnen, und inzwischen verzehrtest sie.alles, was . sie noch übrig hatten, Tage bitterer Not begannen. Solomons körperliche Schwäche erlaubte ihm nicht, seinem Berufe den ganzen Tag obzuliegen, und deshalb waren die Erträgnisse nur geringe und reichten kaum hin, die nötigsten. Bedürfnisse zu bestreiten. Die Not wuchs täglich. . Leah mußte sich ' ent- ' schließen, ihre Weste Tochter in Dienst zu geben, Gott allein weiß, welch' schweren Kampf sie kämpfte, als sie ihr Kind zu fremden . Leuten! als Magd schickte. Dieser Tag riß eine Wunde in ihrem Herzen, . die noch immer klafft, nie vernarben wird. Und Efrpim, ihr Sohn, der so gut lernte, dem die ersten Kapazitäten eine ruhmvolle Zukunft prophczeft — wo mag er nun sein?... Sie haben ihn unter die Soldaten gesteckt und in ein weftes, weites Land geschleppt, wo grimmige Kälte herrscht..- auch Hunger und Mangel mußte er leiden, der Vorgesetzte ist ein harter und grausamer Mann, der die Soldaten beim geringsten Anlaß mißhandelt... „Weh' der unglücklichen Mutter!" ' . Und. sie selber, was war aus ihr geworden? Jetzt ist sie Fischverkäuferin in der Judengasse. . . Der ' Gesundheitszustand des Mannes verschlimmerte sich von Tag zu Tag, und sie sah ein, daß die weitere Ausübung seines schweren Berufes ihn unfehlbar zu Grunde richten würde. Und sie zermarterte sich das Gehirn, um einen Ausweg zu ersinnen. Sie wollte wie ftüher die Last der Erhaltung des Hauswesens auf sich nehmen, nur um das ^Leben des geliebten Mannes zu retten. Aber alles stand vor ihr verschlossen, sie hatte nur. die einzige Wahl, einen Korb zu nehmen und auf der Straße Fische' feilzubieten. Als -sie ihrem Manne diesen Beschluß mitteilte, weinte er wie ein Kind: „Dü, Leah, willst ein Fischweib werden? Goki ist gerecht!" , Es war wohl die herbste Prüfung, die ihr das Geschick auferlegt, als sie das erste Mal in der Gasse - , erschien, mit dem Korb unterm Arm Nick ihren Platz in der Reihe der Fischweiber einnahm. Eine größere Erniedrigung 'hatte sie niemals erlebt, und heute noch, es sind schon zwei Jahre her, sie hat sich schon mit der N.otweMgkeit abgefunden. —- aber die - Erinnerung an jenen Augenblick schnürt ihr das Herz zusammen. Das Maß ihrer Leiden war wohl, aber noch nicht voll. Salomons 'Gesundheft war untergraben; die Krankheft warf chn-anfs Lager und seit anderthalb . Jahren hatte sich sein-Zustand erheblich verschlimmert,.: die Kosten verschlangen den elenden: Verdienst.. die . Kinder siW hungrig und nackt,' im Zimmer ist/kein/ Holz^ um Feuer zu nmchcn, der ganze Hausrat wurde : stückweise verkauft, das Elend ist schauerlich '. : . - ' - Plötzlich erwachte Leah aus ihren Gedanken. und Erinnerungen: „Was stehe ich ' hier? Wer weiß, was - er jetzt macht!" Ein fürchterlicher Gedanke flog.ihr durch den Kopf.und machte sie schaudern. „Ich will - nicht mehr auf Kunden warten," .beschloß sie, „ich 'will nach Hause eilen!" > *) Tolmudlehrer. - **) . Niedere LalmudWcke.