Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1917)
- Date
- 1917-01-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt. S£ KnfTee ]liihl»nd Kaiseratrasse 56 Kaiserstraaae 56 Täglich erstklassige IV* Unterhaltungsmusik /MG '-"ssssssss Gesangs- Einlagen.;js . :> v Bekämpfung dxs Wanderbettels und des-'Hausierhandels unter den Inden, besonders-bei Sraueu und Jugendlichen, v. i v F ü r d cVu ng von Berufsberatung und Arbeitsnachweisen für männliche und weibliche Lehrlinge, höhere Berufe, ■ männliche und weibliche- Arbeitsuchende. Wo'hnungsfürsorge und Wohnungsnachweis. ' Einrichtung von' jüdischer S a m m e l v o r'- inundschaft für alle jüdischen Gemeinden Deutschlands. . : , Bereitstellung von Mitteln für Crzie h un gsb ei träge für jedes schutzlose und von der Fa-, inilie getrennte erziehungsbcdürftige jüdische Kind, ehelich oder unchelich. Förderung aller Unternehmungen der jüdischen Jugendpflege. V Bekämpfung der Tuberkulose unter den-Juden. .. . Einberufung von Konferenzen überFragen aus. .den Gebieten der Armenpflege, der Erziehung, der Sittlichkeitsfrage, Berufs- und Bildungsfragen, Bevölkern n g s pr v b l e m usw., P r e i s a u s.s ch reibe n für besondere Arbeiten oder für praktische Studien auf diesen Gebieten. Förderung der Frühehe und aller varraus hinzielenden Unternehmungen usw. usw. Dies, natürlich nur in großen Umrissen, der wesentliche Inhalt des Verbandsgedankens. Organisatorisch hätte er unter Führung einer Kommission -des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und engster Mitarbeit der großen bestehenden Organisationen alle Gemeinden dem Programme nach zusanrmenzufassen und vor allem dafür zu sorgen, daß an Stellenwo zur Zeit gutherziger Dilettantismus waltet, Sachkunde und Disziplin eintritt. Tüchtige Berufsbeamte müssen dorthinberufen werden, wo es die Stetigkeit der Arbeit verlangt. Dabei.kann und darf niemals und nirgends auf den-Einfluß und das Mitschaffen der freiwilligen Hilfskräfte^ verzichtet werden, um nicht der papierenen' Seele des Bureaukratismus zum Selbstzwecke zu verhelfen. Aber die freiwilligen Arbeiter müssen solche Männer und Frauen sein, die noch in engster Fühlung'mit dein Leben stehen, die sich Zeft nch-' inen müssen und wollen,.in klugem, treuem Walten eine wichtige Stelle auszusüllen, nicht Veteranen des Lebens, die noch Zeit haben. ..Und für Nachwachs, in den Aemtern muß freimütig gesorgt werden, denn von . der Qualität dieser Arbeit hängt die Kraft und das Gedeihen und damit die Zukunft-: des. deutschen Judentums ab. Wehe dem, dessen Gewissen schläft? Bei aller Wertschätzung dieses Plans können wir uns schwer mit dem Gedanken befreunden: die Unterstellung der neu zu 'schaffenden Zentrale unter die Obhut der Großgemeinden. Erft müssen unsere Gemeinden auf demokratische Grundlage gestellt und die allgewaltigen Selbstherrscher aus den Gemeindestuben entfernt werden. Bis dahin — und das hat noch gute. Weile — muß von. einer Einflußnahme, der Gemeinden abgesehen werden. . . Aus aller Welt. Deutsche» Ueich Bildung einer Provinrialgemeinde für Lstvreutzru zur Linderung der Not'der ostpreutzischen Gemeinden. Am 26. November 1916 ish in einer. Sitzung., des großen Ausschusses des Verbandes der Deutschen Juden, welche aus allen Teilen Deutschlands. zahlreich besucht war, u. a. über einen Antrag des Provinzialverbaudes der ostpreußischen Synagogengemeinden beraten worden, -welcher den Entwurf betreffend Bildung einer Provinzialgemeinde fiir Ostpreußen zum Gegenstände hatte. Infolge des Russeneinsalls sind die meisten jüdischen Gemeinden in Ostpreußen nicht mehr in der Lage, ihre Ausgaben zu erfüllen, und „ zwarsowohl aus, finanziellen Gründen aE auch, weil die Mitgliederzähl ge- ,'stmken . ist. lM hat sich daher als erforderlich herausgestellt, die Gemeinden zu einer Provinzialgemeinde zustumnenznschließen, welche für den Gottesdienst und den Unterricht sorgt, wo es not tut, und für die Aufrechterhaltnng des Gemeindelebens in den einzelnen 'Gemeinden tätig ist. undeine gerechte Verteilung der finanziellen Lasten durchführt. Der ostpreußische Provinzialverband hat eineg Gesetzentwurf ausgearbeitet und diesen. Entwurf de,,,-Verband der Deutschen Juden mit der Bitteum Aeußerung übersandt. Gemäß dem Anträge des * geschäftsfiihrenden Ausschusses wurde nach eingehender Beratung beschlossen, dem ostpreußischen Provinzialverband mitznteilen, daß, der Verband der Deutschen Juden keine grundsätzlichen Bedenken gegen den Entwurf habe, jedoch zunächst, die Klärung der finanziellen Fragen fiir erforderlich halte. Es ist . zu hoffen, daß der Entwurf Gesetz.werden kann/ und Gesetz wird; das Gesetz würde'dazu beitragen, die Not unter unseren ostpreußischen Glaubensgenossen, die schwer unter dem Einfall der Russen gelitten haben, zu lindern. Berlin. Trauerfeier für Prof. M. Philippsohn verbunden mit einer Generalversaa-miung. , Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums trat hier am letzten Mittwoch zu ihrer ordentlichen Mitgliederversammlung zusammen. Ihr besonderes Gepräge erhielt sie diesesmal dadurch, daß sie. dem Andenken ihres Heimgegangenen ersten Vorsitzenden, des Herrn.Prof. Dr. Martin Philipp so n , gewidmet war, dessen Bild inmitten einer Pflanzendekoration vor dem Rednerpult angebracht war. An der Versammlung nahm außer vielen Mitgliedern und dem fast vollzählig erschienenen Ausschuß auch die Witwe des Heimgegangenen mit ihren nächsten 'Angehörigen teil; der Bruder des Verstorbenen, Herr Geheimrat Prof. Alfred Philippson-Bonn. war an. Erschauen verhindert. Herr Rabbiner Prof. D r. G n t t m a n n - B r e I l a u erösfnete die Versammlung nrit einem tiefempfil.ndeiien Nachnif auf den Verewigten, den die Versammlung stehend anhörte. In bewegten .Worten pries er Martin Philippson, den großen Sohn des großen Vaters, den * seine Liebe zur Wissenschaft und znin Judentum zum Führer des deutschen Judentums und. vor allem zum Gründer und Leiter der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft deS Judentums befähigte. Er habe die Gesellschaft auf seinen Händen und im Herzen getragen. Dieheutige Generalversammlung habe nach Vollendung seines siebzigsten Lebensjahres eine Jubelfeier werben sollen; nach Gottes Willen sei siezu einer Trauerfeier geworden. Wer der Name Martin Philipp so ns und der Segen, der von ihm ansgegangen sei,, würden fiir die Dauer der Gesellschaft-bleiben und wirken. Die Versammlung trat dann in den geschäftlichen Teil der Tagesordnung ein, der sich - schnell erledigen ließ. Der Jahres- und Kassenbericht, über den wir bereits berichteten, wurde ohne Erörterung /genehmigt; der bisherige Ausschuß wurde unter Zuwa'hl von Herrn Geheimrat Prof. Alfred P h i l i p p s o n - B o int wiedergewählt Dann ertönten die weihevollen Klänge eines Harmoniums und der Redner des Abends, Herr Rabbiner Prof. Dr. Bloch-Posen betrat das .Rednerpult. Mt' der ihm eigenen Wärme und mit dem eigenen Empfinden entwickelte er ein Bild der wissenschaftlichen Persönlichkeit Martin Philipps o n s, dessen vornehmer Charakter, dessen lautere und reine Natur ebenso in feinem wissenschaftlichen Schaffen -sich offenbarten, wie sie ihn znm Führer seiner Mitstrebenden machten. Sein Verlust sei der schwerste, den die Gesellschaft seit ihrem Bestehen zu. verzeichnen habe. Schon .sein Name .hatte einen werbenden Klang, denn im vorigen Jahrhundert zählte das Judentum zu seinen besten und populärsten Namen Ludwig Philippson. Es war der Vater des Verewigten, der auch mit Stolz seinen Namen trug. Aber es war ein edler Stolz, da er die Verpflichtung. fühlte, welche der Name ihm anferlegte und -er dieser Verpflichtung stets getreulich nachkqm. Bei der Begründung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft deS Judentums hat er ein ähickiches llnteriwhmen seines Vaters im Grunde nur wieder ausgenommen und mit wahrer Schaffensfreude und eifriger Tatkraft zur Blüte gebracht. Er hat die Organisation der Gesellschaft geschaffen nach der Arbeitsmethode, die er. eingeführt, wird noch! heute gearbeitet, der Arbeitsplan, den er entlvorfen, wird noch' heute festgehalten.: Ein feiner Takt, eine airs dem Herzen kommende Höflichkeit, . eine Rücksicht auf Gegengründe machte die Mitarbeit unter ihm zu einem wahren Genuß. Unwirsch wurde er nur, wenn er die Ehre der Gesellschaft beeinträchtigt fürchtete. Er organisierte auch das Gesamtavchiv der deutschen Juden, welche unter seiner Leitung bald einen überraschenden Aufschwung nahm und zur ersten Forschnngsstätte fiir die Geschichte Ser deutschen Inden wurde. . Auch an dem Grundriß, der Gesamtwissenschast des Judentums hat er mitgearbeitet und „Die neueste Geschichte des jüdischen Volkes" in /drei , Bänden geliefert, ein Werk, das ebenso viel Genuß wie ' Belehrung bietet. Daß er kerndeutsch gefi'chlt und gestrebt hat, hat er in Brüssel bewiesen, als er aus. Rektorat und akademische Würden verzichtete, weil er den deutschfeindlichen Studenten jedwedes Zugeständnis verweigerte. Ebenso treu .erwies er sich in. seinem Glauben. Die Wahrheit zu vertreten in jeglicher Beziehung, war. der Inhalt seines Lebens und das Ziel seines StrebenS. Mehr als. Orden und Auszeichnungen schmückt ihn in den Augen echter Wahrheitssreunde der gute Name, den er sich erworben, den er znrückläßk. Wenn von irgend jemanden kann von ihm das bekannte Wort gerühmt werden: „Und hinter ihm im wesenlosen. Scheine lag, was uns Me bändigt, das Gemeine." — In tiefer Ergriffenheit -folgte die Versammlung den Ausführungen des Redners, welche durch-abermaliges Harmoniumspiel beschlossen wurden. Dann beantragte Herr Pros. Guttmann eine letzte Ehrung für de» ' großen. Toten, welche die Versammlung einmütig genehmigte, die Ernennung Martin Philippsons znm ersten im m e r w ährenden Ehren in itgliede. In fieser Ergriffenheit löste sich die Versammlung - aus. , Kuraloriumssitzuug der Erziehungsanstalt zu Ahlem. Änr 17 Dezember fand die diesjährige Sitzung des Kuratoriums der Israelitischen Erziehungs- Anstalt zu Ah lem statt.' Vor Eintrfit in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende, Herr Justizrat Dr. Berend. den verstorbenen Mtgliedern der. Verwaltung, dem langjährigen und verdienstvollen Schatzmeister. Herrn Gustav Cohen und .Len Kuratoren Herrn Siegfried Brün» sowie dem am Tage vor der Sitzung verstorbenen Herrn S. Bogelstein- Hannover, ehrende Worte. treuen Gedenkens. ' Ferner gedachte er der drei neuerdings fiir - das Vaterland gefallenen ehemaligen Zöglinge. . t .. Bei den hierauf stattfindenden Wahlen wurden me -rach der Amtsdauer ausscheidenden Knratvriums-Mitglieder durch Zuruf wiedergewählt. — Der Bericht des Vorstandes sowohl als auch die Rechnung des Jahres 1915 imd der' Voranschlag für 1917 wurden genehmigt. . Ans dem Jahresbericht selbst sei hier folgendes erwähnt: Der Änstaltsbetricb wurde in bisherigem Umfange aufrecht erhalten. Das Mädchenhans dient moch immer als Lazarett; die Mädchen sind in einem anderen Gebäude untergebracht. 16 Gärtncrlehrlinge kamen zur Entlassung und fanden gutbezahlte Stellungen. Von den 5 zur Entlassung gekommenen Schülern traten 4 in die Gärtnerei-Abteilung und 1 in die Schneiderei unserer Anstalt als Lehrlinge ein. — Der Gärtnerei-Betrieb Hai im lausenden Jahre ans allen Gebieten gute Erträgnisse geliefert Insbesondere konnten die Erzeugnisse der Obst¬ und Geh ölz schicke in erheblichem Umfange abgesetzt werden. Die Obsternte war vorzüglich.. . - , t Besonders hervorzuheben sind zwei ^ckstnrnngen. Der verstorbene Siegfried Brünn vermachte der Anstalt neben einen: Kapital von Mk. 30000, seine am Falkenhagener See bei Svandan belegenen ca. 6o Morgen großen Grundstücke, die zur Selbständigmachung ehemaliger Älhlemer Zöglinge dienen sollen. Dieses Vermächtnis. ist von ganz besonderer Bedeutung, iveil es neben dem bereits zu dem gleichen Zwecke bestehenden „Hilss-^onds' — einer ganzen Anzahl von ehemaligen Ahlemern. d,e sich in'ihrer Tätigkeit auf dem Gebiete des Garten-und Ackerbaues bewährt haben, zu einer guten Zukunft verhelfen und somit die Bodenständigkeit unter unseren Glaubensgenossen zu fördern berufe», sein wird. — Die zweite Schenkung rührt von Herrn Kommerziell- . rat Joseph Berliner, Mitglied des Vorstandes, dem ver-- dienstvollen Förderen, aller sozialen Wohlfahrtsbestrebunaen, her. Zu Ehren und zum Andenken an seinen ihm attzn früh entrissenen einzigen Sohn will er die Mittel firr einen .großzügigen Neriban d^ Knabenhauses nebst Aula nsw zur Verfügung stellen. Mt dieser bedeutungsvollen Schenkung, die fftr Die. weitere Entwickelung der Anstalt van größter Wichtigkeit fein wird, wird sich Herr Komnierzienrat Berliner in der Geschichte Ahlenls chn unvergängliches Denkmal setzen. — -yonentlich wird ein baldiger segensreicher Friede, es ermöglichen, den Neubau in Angriff zu nehmen. ' Oe«erreich-U«g<rr». Wien. Ende Dezember. Die Misch-nationaleu Forderungen in Galizien. Die hiesigen jüdisch-Pvlittschen Kreise tresftn große Borbereifirngen, um die Judensrage ans die ^.agesordnnng der Unterhandlungen wegen der Einordnung, neuen Galiziens zu stellen Die Hauptforderung betrisch die Anerkennung der Rechte der jüdischen natryna? len Mnderheit bet der Neugestaltung Galiziens. Indische Hilsstätigkeit. Die Wiener „Alliance" wird von nun ,oh, wie man erfährt, den jüdischen Hilfskomitee» tm österreichischen Okkupationsgebiet monatlich eine summe von etwa 135000 Kronen znkommen lassen. tz Pole«. * Warschau, 2. Januar. Die Borgauge lu der letzte» StadtratSütz««» . haben unter den jüdischen Kreisen eine lebhafte Erregung hervorgeriisen. Das Benehmen der polnistyen Ratsmänner' spottet jeder Beschreibung. Die Juden »m. Stadtrat werden shstemattsch vergewalfigt gegen, zeden parlamentarischen Brauch. Die letzte Sitziing besonders hat gezeigt, welches unerhörten Antisemitismus d,e Polen', fähig sind. Cs handelte sich hauptsächlich um eine Interpellation der „Volksgruppe" gegen das Ausrechterhalten des Verbots für den Eintritt der ^uden in. altmodischen Kleidern jn die Stadtgärten (vgl. Rr. 1. D Utef).}.J Die Aufschrift vor dem Park noch von der. russischen ülera her, lautet unter anderem wörtlich: ,/Oer Eintritt in die Gärten jst ffrr Betrunkene, Juden mit: langen Kleider» und Hunde verboten." Diese Schnach wollten die jüdischen RatSmämwr beftittgt wlsten. Allein., die „humanen" Polenließen därilber keine Debatten zu. Warschau, 10. Januar. -? 8iu neuer Oberrabbiner. Von privater zuverlässiger Seite wird uns mit-' :: geteilt: Der bekannte Rabbiner Kohn-Ansbach wurde zum Warschauer Obeirabbiner gewählt. (Rabbiner 5kohn ist ein politischer Kopf und erfreut sich guter Beziehungen, zu den dorfigeu Behörden, find so lmrd es ihm ermög-. licht sein, die Gestaltung der Gemeinde günstig zu be- .. einslnssen. Rabbiner.Kohu ist ein selbständiger Charak-, . ter, und wir erwarten, daß er sich von Einflüssen von. außen zu emanzipieren verilehrn und sein Augenmerk ‘ ans die Gesundung der dortigen Judenheit richten wird. . indem er die positiven Elemente unter einen Hut bringt, damit die Orthodoxie endlich aufhört, der Schritt-: