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Neue jüdische Presse · 1917-01-12 · Heft 2 (12.1.1917) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 2 (12.1.1917)
Date
1917-01-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Mi-HL und MM gegenüber dem Ueneral-Anzeiger Vornehmes Familien-Kaffee M" Nachmittags u. Abends Konzert. "MS wahrhaft zionistische Betrachtung stets von der Judenheit als einem einheitlichen Körper ausgehen muß. Und so erweitern sich unsere Erziehungsarbeit zum Problem der jüdischen Diaspora überhaupt. Tie heutigen Zeitläufte sind der Lösung der zionistischen Gegenwartsfrage nicht günstig. Tie Fragen des Tages drängen nach Entscheidung ltitb heischen augenblickliche Lösung. Weder im Osten nocfj im Westen war die Judenheit genügend vorbereitet, um eine jolche Entscheidung zu treffen. Und auch die wenigen (Grundsätze, die mall als sicher anzusehen sich gelvöhnt hatte, erfordern unter den Erfahrungen der letzten zwei Jahre eine neue Priifung. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die Frage der jüdischen Tiaspora in Zukunft ganz besonders starke Berücksichtigung finden muß. Ihre nationalökonomischen Grundlagen müssen festgestellt, ihre Beeinflussulig durch das fortschreitende Eindringen freiuder Kultureinsküsse studiert iverden. Tie heute vom Standpunkt des Tages und von allgelneinen politischen Gesichtspunkten erörterte Oftjudenfrage wird sich dailn lvieder den Prinzipien einordnen, von denen wir Zionisten bei der Prüfüng jüdischer Fragen auszugehen gewöhnt sind. Unsere Arbeit für Palästina, unser Sehnen nach Palästina kann niemals darunter leiden. Tenn die Ergebnisse dieser unserer zionistischen Gegenwartsarbeit werden immer liur eine Verstärkung unserer palästinensischen Bestrebungen bedeuten, indem die jüdische Tiaspora llationalisiert und aus das palästinensische Zentrum vorbereitet wird, so daß dann Palästina und Tiaspora sich gegenseitig beeinflllssend in der Löslillg unserer Frage wetteifern. Bei solcheil Erwartungen für die Zukunft ist es doppelt llotwendig, immer wieder fcststellen zu müssen, daß die Ergebnisse unserer momentanen Arbeit nur in der Abwehr der Erschwerungen, lvelche der Krieg über die Judenheit gebracht hat, llnd darüber hinaus in Vorbereitungell für die Zukunft bestehen könnell. Ties gilt für Palästina nicht lveniger als für die Ostjudenfrage. Unsere Siedlung in Palästina ist auf das tiefste in Mitleidenschaft gezogen. Ihre ökonomischen Grundlagen sind er-, schütterr. Nur mit großer 'Anstrengung ist es gelungen, den Tausenden voll Juden in Palästina, die durcki dell Krieg jeder Erwerbsmöglichkeit beraubt oder voll ihreil Einuahmequellen abgeschnitten jilld, Hilfe zu gewähreli, sodaß drohende Hungersnot abgewandt werden koilute. Leider ist es nicht immer möglich gewesen, unsere Gesinnungsgenossell ill Palästina gegell Verdächtigungen zu schützen und das Mißfallen ihrer Uillgebung abzuwehren, aber der Bestand des Ganzen ist erhalten gebliebell, lind damit hat die zivllistische Bewegung sich das wichtigste Fundament für ihre Arbeit in Palästina bewahrt. Niemand voll uns verkennt, welch schwere Wulldeil so die letzten Jahre unserer Arbeit geschlagen haben. Aber llnsere optiulistische Auffassung von der Zukunft darf sich -licht auf Momente stützen, die gerade deswegen unangreifbar sind, weil sie auf allgemeinen Gesetzen beruhen mib unabhängig sind von den Tagesereignissell. Kein Zionist hat dell Glauben all dell Zionislnus verloren. Keiil aktiver Zionist lft feiner Arbeit untreu geworden. Aber Tausende voll Juden chabtzn eingesehen, daß es ein jüdisches Volk gibt, und daß ihre Zukullft dieselbe ist, wie der der ostjüdischen Massen. Ebensoviele empsindell neu die Verpflichtung, sich in den Tiellft des jüdischen Volkes zu stelleil lind ihre Kräfte der zionistischen Arbeit zll widmen. Unsere Siedlung in Palästina und llnsere Organisation sind erhalten geblieben. Tie öffentliche Meinung Europas und Amerikas haben die Bedeutung einer zionistischen Lösung der Judenfrage intensiver zu erkennen begonnen lind die Sympathien der Welt für Palästina haben von treuem deutlichen Ausdruck erfahren. Im Wetteifer mit den Zionisten anderer Länder hat der deutsche Zionismus seinen Kcankfurter Ura§litifches Familienblatt. redlichen Anteil au diesen: Ergebnissen genommen. Unser Landesverband darf sich sagen, daß er nach feinen Kräften und entsprechend Den äußeren Schwierigkeiten das seiuige dazu beig.ckragen Hai, uul denl Aktionskomitee die Turchsührnng seiner schweren .und verantwortungsreichen Aufgaben zu ermöglichen. Wir wollen uns heute, >vo wir nach Ltäjähriger Panse wieder als der organisierte Körper des deutschen Zionismus zufammentreten, geloben, auch weiterhin unsere Pflicht zll erfüllen lind Dem Gebot der Stunde zu entsprechen, wie es die zionistische Gesamtorganisarion voll uns erwarten darf. Tie heutige Zeit ist ulehr als irgend eine Generatioll geneigt, den Wert der Disziplin und strammen Organisation anzuerkennen. Auch im Zionisulus habell wir unsere alte Taktik bewäh.t gefunden, alte unsere Kräfte kouzentliert zllsammenzuhalten und ill einer Richtung zil führen. Voraussetzung aber bleibt die Erfüllung des einzelnen mit der zionistischell Idee. Nur der in Ulis lebende und lllis beherrschende Ziollisllrus kann die Quelle der Qpferbercitschast werden, die eine ernste Zeit und eine große Ausgabe von jedem von uns fordern. Der außerordentliche Delegierteutag der Zionist. Vereinigung für Deutschland. (Bericht unseres Mitarbeiters.) O Berlin, 27. Dezember. Sie erste Sitzung des am 25. und 22. Dezember staltgefundeuen außerordentlichen Dctegiertentags leitete der Vorsitzende, Dr. 5 a n t f c mit einem Rechenschaftsbericht der Tätigkeit der Leitung ein. vgl. den obigen Artitet. D. Red.). Cs folgte darauf eine Gedenkrede Dr. B o d e n h e i in e r s über das Kinfcheiden bedeutender Zionisten. Redner erwähnt dabei, W o l f f v h n , Dr. Jeremias, Frau Pros. S ch apir a und drückt den Schmerz über die zahlreichen Verluste, die der Nrieg dem Zionismus außerdem noch gebracht hat, aus. Rach der eindrucksvollen Rede wurde die Wahl des Präsidiums vorgenonnnen. Delegierter Wolfs-Frankfurt a. M. schlägt folgende Herren vor: als Vorsitzenden: Rechtsanwalt Dr. H a n t t e - Berlin, als ftchlvertrctende Vorsitzende: Dr. Klee-Berlin, Dr. Boden Heini e r - Köln, Dr. M. Bube r und Dr. Stein, Beisitzer - Z o c l, Dr. C h c m i tz er, S ch iv att' e und S ch a ch t c l. Man nimmt den Vorschlag an. Danachsprach Kurt Blume nie ld über „Zivil i st i s che G egen >v a r t s a r b e i t." Zn weiten Umrissen behandelte er die Frage des „Palästtneniismns" und befürwortete nnter anderem ein eifriges Bibel stndinm der Zionisten und eine engere Anlehining an die östlichen Juden sowie „den Willen zur jüdischen Form immer wach halten, aber nie tünstlich innerlich Ueberwnndenes schlagen." Bester sei, sagte Rediler. formloser CxpressioniSmns als öde Imitation. Man müsse jedoch Formen, die dem Cinzelnen heilig sind, znm eigenartigen Symbol gestatten. (Wir iverden gelegentlich ans diese Gedankengänge zilrücktoinmen. D. Red.-. Zn einem groß angelegten Referat betrach-tele S. Schocken die Frage „der Organisation und des Znhalts der zionistischen Arbeit in Deutschland." Seine Vorschläge zielen auf eine a triv e. r e Betätigung der Ortsgruppen hin. Den Kern der Rede bildeten folgende Aussührnngen: Sie Landesorganisativn soll ergänzt iverden durch A r b e i t S t ö r p e r s ch a f t e n , die alle intellettuellcn und organisatorisch ivertvollen Kräfte znsainmensassen. Die neuen Arbcitskörpersch-aften gliedern sich nach deitz verschiedenen Arbeitsaufgaben. Zch -ehe zivei große Hauptgruppeil von Arbeitsanfgaben: >. Z ü d i s ch e K n l t n r a r b e i l. 2. Z i o n i st i s ch e P a r t e i a r p e i l. Sieje Hanptgrilppen gliedern sich iviedernm in beson dere 2t r b e i t s g e b i e t e, für die je ein 2t r b e i t s - kreis zll schaffen ist. Die Hauptgruppe für jüdische Kulturarbeit gliedert sich in drei 'Arbeitskreise: 1. Geistige Angelegenheiten. 2. Rationale Erziehung. 2. Hebräische Sprache. Die Hanptgrllppe für zionistische Parteiarbeit glie dort sich in 4 Arbeitskreise: 1. Rationalfonds- und Palästinaarbeit. 2. Hilfsaktionen lind 'Wohlfahrtseinrichtnngen. 2. Propaganda. Gemeindepolitit. Für jede der zwei Hanptgrilppen ist ein H a n p t a r - b e i t s - Ausschuß, einzusetzen, der ans etiva 2 Männern bestehen soll. Diese Hauptarbeits-Ausschüsse leiten die Arbeit der ihnen unterstellten 'Arbeitskreise. Sie müssen so zusammengesetzt sein, daß ihre Mitglieder die Möglichkeit haben, zu häufigeren Beratungen znsnininenzn komme'n. Für die Geschäfts-Führung ist für jedeil der Hanptansschüsse ein besonderes Büro zu schaffen. Die HanptanSschnsse haben die Ausgaben, die in ihrem Ge biete liegenden Arbeitskreise ,;u organisieren. Für jeden 'Arbeitskreis ist ein 1t n t c r aus schuß von 4—2 Mitgliedern zu bilden und zur Mitgliedschaft in dem Arbeitskreis selbst sind alle Menschen, die in dem besondereil Gebiet des betreffenden Arbeitskreises theoretisch oder praktisch beratend ober arbeitend tätig sind, h-eranzu- (FortsetznnK folgt.) Weh' dem, dessen Ged Bertha P a p p e u h c i in, Franl Schluß. Ter große, sortreißende Zug sozialwolitecher Entwicklung, der sich in den deutschen, polpMMn Kommunen ansbauend bemerkbar macht, hat dßs jüdische Gemeinde- und BereinsLchem-mM-sMaU. Zwar find Inden unb befon^er#K^|ib^!in(hft ln allen Aeußerungen dieser ZeMMEfÄHME Haft beteiligt; aber diese BetMszuW^iMsstW Hr das jüdische GemeinschaftslebewinMen Abfluß ußd Verlust an Kräften. An verhältnismäßig''nur wenigen Stellen jüdischen Gemeinde- und Vereinslebens zeigt sich der Wunsch und das VerstcklMM, die Erkenntnisse und Methoden der sogenanntEjAunkvnfessionellen sozialen Arbeit auch zur ErhMüW mtd zur Stärkung des jüdischen Gemeinschaftsgedantens anzuwendcn. . % Ä Sjirv lic», qangs. a? i .l.? - -/ p u 2 v. 'jK? Das BerMV'.dF^WsM sMW Ard aber noch durch^We^ ^anKren Grade gefördert Z e r r i s s e u h e i t ln der Judenschäfß selbst, der Elbogenkamps, der vom Agudah-Mitglied bi^''zmn Reformjuden im Sonntagstempel in Gemeinen, Vereineit mtb Verbänden um Wert, Bedeutung, Herrschaft unD Vorherrschaft geführt wird, macht die Judenschaft innerlich verbluten. Das Fehlen von Solidarität und edlem Selbstbewußtsein in Momenten, lvv nur die höchste Anspannung von Gemeinschaftsgefühl Lebenswillen und Abwehrkraft den Feinden gegenüber gibt, schwächt die Judenheit auch nach außen. Wenn wir nicht auf „einett interessanten Rest einer einst ethisch-intellektuell tmd wirtschaftlich bedeutsamen Religionsgesellschaft" zusammenschmelzen wollen, dann müssen wir uns aufraffen, uns prinzipiell und organisatorisch einen neuen festen Zusammenschluß. zu sichern. Tiefer wäre auf Die tragträftige, soziale Seite der jüdischen Gesetzgebung nufzubanen. Individuelles, Trennendes ist betvußt zu übergehen, das Gemeinsame umso besser herauszuarbeiten, ein Programm aufzustellen, in dem jeder Jude und jede Jüdin, auch wettn sie von ihrer Volkszugehörigkeit wenig mehr als ihre Abstammung kennen, ein interessantes, wichtiges, sympathisches Arbeitsfeld finden kann. An eines der ivichtigsten, geistigen Kettenglieder für Den Zusammenschluß der Judenschaft ist die Mitarbeit der Frau an allen v erantw örtlichen Stellen des jüdischen Gemeiti schaftslebens zu nennen. Von ihrem Verständnis, von ihrem Willen und ihrer Treue hängt der Geist ab, der im Hause und in der Gemeinde herrscht: sie kann den: sozialen Leben Harmonie und gute Gesinnung geben, ebenso wie sie auch Mißton und Charakterlosigkeit verbreiten kann, wenn sie planlos ihren nächsten Jnteresseit entzogen dahingeht. Ter praktischen Arbeit bietet ein solcher Z11s a m mensch 1 uß als ein Verband für j ü - d i s ch-s 0 ziale Arbeit ein unendlich umfassendes Programm, von dem hier nur die hervorragendsten Punkte anzudeuten sind. Da gilt es.vor allem, sich in der jüdischen Wohlfahrtspflege auf die wirksamste Handhabung der Armenpflege nach bestimmten allgemeinen Normten zu vereinen in einer Zentralisation des A r m e n w e s e n s unter praktischer und finanzieller Mitwirkung der 6Knreinden. Um bereu Wirksamkeit zu erhöhen, ist die E i n b^e z i e h u tl g der Vereine, A n st a l t e n unb Stiftungen als ein Fürs 0 r ge rat des Ar men Wesens, besonders für die großen und mittleren Gemeinden, nötig. Um die Anstalten, Krankenhäuser usw. untereinander zu verbinden, ebenso aus Gründen der Ersparnis und der Sicherstellung für den Verbrauch (für Webwaren, Lebensmittel, Milch, Fett, Fisch, Kartoffeln, Kohlen, Seife usw.) empfiehlt sich die G r ü ndung eine r g r 0 ß e n K 0 n s u m int b E i n k a 11 ssge lt 0 s s e n s ch a s i d e r jüdi s ch nt gemeinn ü tz i g e n A n st a l t e n; wo es irgend angeht, wäre landwirtschaftlicher Betrieb (Lehr- und Arbeitsgelegenheit) einzuführen. Bekämpfung der s ah r l ä s si gen Wohltätigkeit und Gewährung, von Unterstützungen nach volkserzieherischen GrundsächßD«.

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