Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1917)
- Date
- 1917-01-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DiejülifcheSangretzHefaegnna in Amerika Die jüdische Kongreßbewegu»g in Amerika entwickelt sich in sehr erfreulicher und vielversprechender Weise. Sie ist entstanden als der konkrete Ausdruck des im ainerikanischen Judentum lebenden Bewußtseins der außerordentlichen Aufgabe und Verantwortung, die es in dieser Zeit dem jüdischen Volke gegenüber besitzt, als stärkste Kundgebung seines entschlossenen Willens, die großen Aufgaben, die die CKgenwart ihm stellt, zu erfüllen. Und so ist es kein Zufall, daß diese Bewegung, die aus dem tiefen nationalen jüdischen Bewußtsein geboren ist, auch unmittelbar den Prozeß iveitgehendster und tiefstivirkender Nationalisierung der breitesten Kreise der Judenheit . Nordamerikas ausgelöst hat. Gerade dieser Charakter, den die Kongreßbeivcgung sehr bald angenommen hatte, gab ihr ihren großen inneren Impuls und zwang sie in jenes Stadium des heftigsten inneren Streites hinein, in dem sie so länge sich befand. Tenn in dieser nationaliesierenden Tendenz fand sie all jene Gruppen des amerikanischen Judentums, die dem jüdischen Nationalgedanken feindlich gegenüberstehen, zu Gegnern, und so entwickelte sich jener außerordentlich heftig geführte Kaulpf zwischen den nationalen demokratischen Richtungen auf der einen und den assimilatorischen plutokratischen -Kreisen der New- Porker jüdischen Hochfinanz lauf der anderen Seite. Formal ging der Kamjjf um die Frage, ob ein allgemeiner, auf demokratischer Basis von allen Kreisen des amerikanischen Judentums gewählter Kongreß oder nur eine aus den Delegierten der verschiedenen Organisationen und den bekannten Rotabeln zusammengesetzte Konferenz eiuberufen werden sollte, wie es daS „American Jewish Committee" wollte. Bekanntlich endete der Kampf mit einem Sieg der Kongreßpartei, der demokratischen nationalen Strömung. Tie Anhänger der Konferenzidee mußten ihre Zustimmung zur Einberufung eines Kongresses geben, ivosür ihnen dann gewisse Konzessionen in Bezug auf die Tagesordnung des Kongresses gemacht wurden. Auf dieser Basis wurde schließlich eine Einigung erzielt, was von jedem Standpunkt sehr erfreulich ist, da aus diese Weise der .Kongreß eine wirkliche Re präsentanz des gesamten amerikanischen °3M> dentums werden wird. Gerade dies aber verleiht ihm eine außerordentlich große Bedeutung. Tenn das amerikanische Judentum ist heute infolge seiner Zahl, seiner finanziellen und politischen Stellung ein Faktor, mit dem auch im Rahmen weltgeschichtlicher Erwägungen gerechnet werden muß, und der bei energischem Auftreten sehr wohl imstande ist, seinen Forderungen Geltung zu verschaffen. Man darf annehmen, daß die Forderungen eines Kongresses, der die gesamte amerikanische Judenheit hinter sich hat, die ernsteste Beachtung der ainerikanischen Regierung finden werden, die sich vielleicht veranlaßt sehen wird, sie aus dein konimenden Friedenskongresse irgendwie zu unterstützen und sich für sie einzusetzen. So wird der Kongreß eine große reale politische Bedeutung erlangen und kann sehr wohl der Beginn wichtiger politischer 'Aktionen, die Judenftage betreffend, werden. Die Bedeutung des Kongresses wird noch durch den Unistand sehr gesteigert, daß dieJudenheit Nordamerikas die einzige ist, die gegenwärtig frei und ungehemmt durch irgendwelche anderen Empfindungen rmd Erwägungen ihre Stimme im Namen des jüdischen Dolles erhebe» und sich in ihrem 'Auftreten lediglich voll jüdischen Gesichtspunkten bestimliien lassen kann. Tadurch wird sie zuni' Wortführer des gesamten .Judenvolkes, und der Kongreß zu einer Art von Repräsentanz desgesamten Judentums, dessen Beschlüsse und Forderungen in der weiten Welt in diesem Sinne aufgefaßt und gedeutet loerden. Umso wichtiger und notwendiger ist es daher, daß der Kongreß sich in der Tat als Repräsentanz des jüdischen Volkes empsinde und seine Ergebnisse in diesem sinne gestalte. Nack) dem Siege, den die nationale demokratische Richtung in dem Kampfe um die Frage: Kongreß oder Konferenz, davongelragen hat, darf' man den, Kongreß selbst niit vollem Bertrauen entgegensehen. Dieses- Vertrauen wird durch die vor kurzem eiiMtrofsene Nachricht vom Ergebnisse der ersten Sitzung des vorbereitenden Kongreßkomitees gestärkt. In diesem Komitee sitzen je 70 Vertreter der beiden Richtungen. Bei seiner ersten tonstituierenden Sitzung halte er die Wahl der geschästssährenden Exekutive vorzunelimen: bei diesen Wahlen etrang die nationale und zionistische Richtung wiederum einen volle» Sieg. Zum permanenten Vorsitzenden wurde der bekannte Philanthrop und Zionist Nathan Strauß gewählt, zum Sekretär gleichfalls ein Zionist, z»m Schatzmeister ein Nationalist; unter den Vizepräsidenten befindet sich nur ein Antinationalist. Das Ergebnis dieser Wahl zeigt wiederum, daß die nationale Richtung in der Kongreßbewegung durchausdie Oberhand Hai, sodaß der nationale Charakter des Kongresses als gesichert erscheint. Tamil aber ivird der Kongreß in der Tat zum Träger und Wortführer aller großen nationalen Forderungen des jüdischen Volkes werden, zum Künder aller Ansprüche, die wir in diesen Monaten vor aller Welt erheben müssen. Und man darf bestiniuit hoffen, daß er diesen Forderungen uud Ansprüchen die notwendige geeignete Form, den richtigen 'Ausdruck geben wird, sodaß sie in der ganzen Welt gehört und als solche des jüdischen Volkes aiierkaniit werden, llnd vielleicht ivird die Wirkungskraft und Macht des Kongresses so groß sein - woraus man durchaus Höften darf daß er i» der Lage sein wird, diesen Forderungen auch eine geivisse Erfüllung und Verwirklichung zu sichern. Ueber diese sehr große aktuelle Einzelbedentung hinaus hat die gesamte Kongreßbcivegung in Amerika noch einen bedeutsanien inneren historischen Sinn: Sie stellt vielleicht den ersten Versuch einer aktiven bewußten jüdischen Politik der breiten jüdischen Massen, der Gesamtheit der Juden im Lande, dar. Zum ersten Male hat sich in ihr ein erheblicher Teil des jüdischen Volkes organisiert, um die Forderungen der Nation zu vertreten und für ihre Berücksichii gung zu sorgen.' llnd da ist es eine Tatsache von bleibender historischer Bedeutung, daß diese erste große Aktion d e m o k r a l j s ch e r . j ü d i s ch e r Politik sofort eine nationale T : n o e n z angenommen und sie ini Kamps gegen di: antinationalen Strömungen siegreich durchgesetzr bat. Ties zeigt, welche Macht d-r nalional,iidische Gedanke im jüdischen Volksleb'n bereits beiitzt, uud wie er schon imstande ist. die starken Eigenkräsie, die ihn innerhalb des Judentums bekämpst» und die bisher fast stets sich als realvolitisch stärker erwiesen haben, zu Überwindei.. Darin liegt vielleicht die rielste Bedeutung der jüd.schen Kvngres-bewegiing in 'Amerika, die den Beginn einer neuen Phase der Nationalisierung und Lrganijie",ng desjüdi scheu Volkes z» werden verspricht. Bericht les Bsrsitzealen der ZiSNtstische» BerrtRi,«», für Teatfchlanl Herr» Dr. Hantle. Geehrter Telegiertcutag! In schwerer Zeit und unter außerordentlichen Umständen treten wir heute zusammen. Tie Mehr heil unserer aktiven Gesinnungsgenossen ist außerstande, sich dem Zionismus zu widmen, und so hatten wir alle zunächst die Empfindung, daß ui, sere Tagungen auf die Zeit nach dem jttiege verschoben werden müßten. Tas jüdische Leben hat sich aber allmählich von der Betäubung der ersten Kriegsmonate erholt und trotz aller äußeren Hemmnisse seinen Enttvicklungsgang fortgesetzt. Neue Jahrgänge sind in unsere Organisation hineingewachsen, Männer und Frauen, deren jüdisches Bewußtsein geiveckt worden ist, hoben sich uns angeschlossen. Alle jüdischen Tinge sind in neue Beleuchtung gerückt. Tie Existenz des jüdischen Volkes in Osteuropa als einer national eiiiheitlichen Gruppe ist in das Bewußtsein der europäischen Oesfentlichkeit übergegangen. Palästina als Ziel jüdischer Kolonisation, als Heimat einer neuen hebräischen Kultur ist zu einem Gegenstand der realen Politik geworden. So hat unsere Propaganda in der nichtjüdischei: Welt die tatsächlichen Unterlagen gefunden, von denen ans sie einen Einfluß ans das Empfinden der maßgebenden Schichten der Umwelt ausüben kann, und so haben sich »ns auch in der Erziehung des.jüdischen Volles selbst zu», Bewußtsein seiner nationalen Eigenart und seiner geistigen Verbindung mit Palästina neue Möglich keilen eröffnet, die, wie wir hassen dürfen, der Ausbreitung des Zionismus freie Bahn schasse» werden. Tenn inneres Erleben und äußere Er eignisse wirken zusammen, um in Tausenden von Inden das Bewußtsein ihrer Eigenart zu stärken. Und aussolchen Erfahrungen niuß immer wieder echter jüdischer Nationalismus erwachsen. 'Auch uns Zionisten waren die Vorgänge u», »ns eine^ernste Lehre. Klar und deutlich ist die zentrale Stellung, ivelche dir zukünftige jüdische Siedlung in Palästina im Ausbau de:- neuen Juden kiims einnimmr, in unser Bewußtsein getreten. Har die Liebe zu Palästina, wie sie in mu auf Grund der historische» Vergangenheit und »ns. rer Zukunftshossniingen lebendig ist, sich als fest verankert in unseren .Herzen criviesen, so sind wir uns auch der zionistischen Bedeutung der- Problems der jüdischen Tiaspora von Monat zu Mona: nCii ker bewußt geworden. Wir dürfen uns eilige stehen, daß wir erst allmählich die Bedeutung oi.ser Frage für den Zionismus erkennen. Ti.se Eu. Wicklung hat einige Jahre vor dein Krieg de gönnen. Unsere Auftnertsamkeit wurde aber -,u nächst auf die Zukunft der Tiairora in Teukib land selbst gelenkt. Tie Erziehungssrage für it„ sere eigene Jugend, die Möglichteil einer lei! weisen Hebräisierung des deutschen Jwiiisiiius iimvc» es. die icho» den Leipziger Telegierienkag beherrschten. Tiefe Fragen werden auch diesuiai unsere Ausmcr.sauikcii in Anspruch nehme». Wi> dürfen aber die Gegen,partsarbcil nick» losgelou von den Bedürfnisse!! cer jüdischen Gemuich i einzig und allein gesehen vom Slanovunil Vs denkichen Judentums betrachten, wie ja >ine