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Neue jüdische Presse · 1916-12-22 · Heft 49 (22.12.1916) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 49 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3. \ I tVwÄ «m am Erlanflor H&chf. ■ JMamOr KalserhofslF. 14. Waschen, Färben und Faponn/eren aller Art Herren- und DamenhUtem —-Abholung und Lieferung frei ins Haus.-- I Amerika. New-Uork. In einer großen öffentlichen Versammlung gab Herr Dr. Magnes, der Abgesandte der amerikanischen- Hilfsgesellschaftcn, einen Bericht über seine Reise nach Polen rmd Galizien. In warmen Worten schilderte er die schrecklichen Zustände, wie er sie in Polen getroffen hat. Die Inden in Rußland (wohin ihm der Eintritt verboten war) seieir ökonomisch! biel besser daran, wenn sie auch! politisch mehr bedrückt seien. Amerikanische Dollars sind die besten.Mittel, die dieser Notlage steuern können. Nach Dr. Magnes' sprach, Jacob ^Schiff, der zur Einigkeit in der Hilfstätigkeit auffördert. Das Komitee beschloß im Anschluß an diese Versammlung, einen Fondvon 10 Millionen Dollar zusammenzubringen zugunsten der Notleidenden in Europa und Palästina. Bereits hat die Sammlung begoimen. — Dr. Schmarja Lewin, gewesenes' Mitglied der russischen Duma und des internationalen Zionistischen Komitees Tjteft vor einigen Wochen im Lyceum-Theatcr in New Jork einen Bortrag, in dem er die N'otwendigkeit betoirte, Palästina fi'tr die Inden als ihr nationales Heim au erwerben. Der Redner meinte, daß die Inden ihr eigenes Land besitzen müssen, wenn sie ihren besten Talenten zur Betätigung verhelfen wollen. Den Vorsitz in der Versammlung führte der Rabbiner A. M. Aschinsky, der in einem an die Versammlung gerichteten iAppell diese miffordepte, für die Idee der Palästinacrwerbnng Propaganda zu, machen. Dle amerikanische EinwanderuugSfrage. Die „Hebrew Sheltering and Emigrant Company" hat mit Präsidenten Wilson einen Vertrag wegen der jEmigranten geschlossen. Danach dürfen für die Dauer des Krieges die aus den kriegführenden Ländern Eingewanderten nicht zurückgeschickt werden; dafür aber verpflichtet sich diese Gesellschaft, die Sorge und Verantwortung fiir die Emigranten zu übernehmen. Bom amerikanisch-indischen Hilfswerk. Herr Nathan Strauß hat dem Hilfsfond für die vom Kriege betroffenen Inden neuerdings 50,000 Dollar übertviesen nnd bei diesem Anlaß folgendes Schreiben an den Schatzmeister des Hilfsfonds gerichtet: „Mein lieber Mr. Marburg! Meinem Versprechen dom letzten Frühling gemäß überreiche ich Ihnen anbei' einen Scheck über 50,000 Dollar fiir KriegShilfc. Ich fühle, daß jetzt der richtige Augenblick ist, einen neuen Fonds ’ zu begründen, und nach Ihrem und .Ihrer- Mitarbeiter Aufruf im „American Hebrew" von der letzten Woche zu urteilen, ist die Notwendigkeit zur Hilfeleistung jetzt so dringend, wie noch nie zuvor. Ich. hoffe, daß dieser bescheidene Kern sichals ein Mittel bewähren wird, um die ameri- . kanischen Inden an ihre Pflicht gegenüber ihren unglücklichen Glaubensgenossen in der ganze» Welt zu erinnern." Herr nnd Fran N. Strauß haben im Frühling d. I. -bereits einen'Betrag von 400,000 Dollar für gllgcwohltätige Zwecke zur Verfügung gestellt, wovon 250,000 Dollar für die notleidenden Inden bestimmt waren. New-Aork, anfangs Dezember. Eine Anleihe für kriegsnotleidende Inden. Der bekannte aincrikanische Rabbiner Dr. Magnes hat hier, wie der Londoner „Daily News" gemeldet wrrd, den Plan erweckt, eine Anleihe bei den aincrikamschtzn Inden fiir ihre kriegsiwtleidenden Brüder in Osteuropa vorzunehmen. Die aufzubringende Zeichnnngs- ,nmme soll etwa 30 Millionen Dollars betragen, uiu den osteuropäischen Inden die Möglichkeit zu geben, ihre Existenzen wieder laufzubanen. Der Gedanke findet immer 'mehr Anhänger: aucki der bekannte Zionistenfüh'rer Lonis Br an de i s hat ein großes Interesse fiir diesen Plan bekundet Da nun die Inden Amerikas eine Zahl von dreiundeinhalb Millionen erreichen und sie wirtschaftlich gut - gestellt sind, wirb es, wie man allgemein anmmmt, nicht besonders schwer fallen, diese Summe herbeiznschäffcn. Canada. Toronto, anfangs November. Milttärzwang für russische Zuden- Nach einer vom russischen Konsul in Canada erla,senen Veröffentlichung müssen alle russische Untertanen, dre m Canada weilen, sich zum Militärdienst stellen Dwienigen Rilssen, die diesem Ruf nicht Folge leisten^ haben eine Bestrafung seitens der russischen Regierung! zu gewärtigen. Gleichzeitig macht der Konsul bekannt, daß es ihnen jedoch erlaubt ist, statt dessen in die kanadische Armee eknzutreten. Zionistische Nachrichten. Deutschland. Frankfurt a. M.. 17. Dez In der Leutigen Versammdung zu einer Delegiertenwahl wurden gewählt: I. Wo lf£, Frl. Schi ratz ky nnd Op pe n h cim e r. München, 12. Dezember. Gestern hielt die Münchener Ortsgruppe eine Mitgliederversammlung ab. Zn Delegierten wählte Man: Dr. Straus, I. Reich Amerika. . Boston» im Nov. In einem großen hier stattgefundenen Meeting der Zionisten Bostons tvurde der Oberlichter LoniS D. Drandeis zum Vorsitzenden der hiesigen Zionisten wiedergewählt. Dabei ist mich eine Summe von 10 000 Dollars für den Palästina-HilfSsond gesammelt worden. („Zionist; Exponent.") Bom jüdischen Nationalfonds. Die Speudeneiunahiueu des Jüdischeit Nationalfonds betrugen im Monat November Mk. 58047. Folgende Länder haben hierzu beigesteuert: Oesterreich Mk. 17006 (davon Mk. 2831 ans dem besetzten Gebiet), Deutschland Mk. 16 934 (davon Mk. 2180 aus dcui besetzten Gebiet), Nord-Amerika Mk. 9921, Ungarn Mk. 3196, Holland Mk. 3104, England Mk. 2503, Belgien Mk. 1208, Schveiz Mk. 1143, Siid-Slfrika Mk. 987, Südslavische Länder Mk. 561, Schweden Mk. 340, Brasilien Mk. 330, Griechenland (Saloniki) Mk. 324, Frankreich (Trmis) Mk. 297, . Rußland Mk. 193. Anläßlich der bevorstehenden Chännkahtage werden in den meisten Ländern besondere Sammlungen zugunsten des I. N.-F. stattfinden. Hervorgehoben sei der in den Bereinigten Staaten von Amerika nunmehr zu einer ständigen Einrichtung gewordene N. - F. - F l a g g e n t a g anläßlich Chaimkah, der sicherlich dazu beitragen .wird, die in den letzten Monaten znrückgegangencn Einnahmen in Amerika wieder miszugleichen. Zn dem minimalen Resultat des .N.-F.-Beitrages aus Rußland mutz ergänzend bemerkt werden, daß zwar größere Geldfiunmcn in Rußland gesmnmelt worden, diese aber aus technischen Gründen bisher nicht in den Besitz des N.-F.-Hauptbürcaus gelangt sind. Trotz der schweren Zeiten bemühen sich die Palästinafreunde in Rußland, wie übrigens attchi in den besetzten Gebieten von Polen, dem jüdischen Volksschatzc ansehnliche .Beiträge' znznfiihreii. Der Krieg nnd die Jude«. Frankfurt a. M. Fritz Schnapper-Mayer, Allerhelligenstr. 45, erhielt das Eiserne Kreuz II. Kl. Rhbnik. Kriegsfreiwilliger Herbert Gadielim im Jnf.-Rgt. 77 erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Annaberg lErzgebirge) Dem Assistenzarzt u. Adjutanten Dr. I. Saphra, zurzeit Jerusalem, wurde der Türkische Halbmond zuteil. Kilenbnrg. Adolf Fechenbach. Flieger bei der Feldfliegerabteilung 300 „Pascha", hat den Türkischen Eisernen Halbmond empfangen. Duisburg. Leutnant D r K o l s k i wurde das Oesterreichische goldene Verdienstkreiiz am Baude der Tapferkeitsmedaille verliehen. London, Der Feldrabbmer Michel Adler bei der englischen Armee ist znm Major ernannt worden. Personalien u. kleine Mitteilungen. WeiSkirche«. An, 8. Dezember starb bier Frau Rosa Meyer geb. Ehrlich, Witwe des vor 7 Jahren verstorbenen ersten Vorstehers der Gemeinde, Carl Meyer, tief betrauert von ihren Kindern und Anvertoandten. Sic war eine „eschhs chajil"> in des Wortes wahrem Sinne. Durch ihre Frömmigkeit und ihrem von echt jüdischem Geiste getragenen Wohltätigkeitssinn hinterläßt sie ein warnies Gedenken bei all denen, mit denen sic in Berührung kam. — Im Traucrhanse schilderte Rabbiner Dr. Goldschmidt, Offenbach, den. Lebenslauf dieser frammen Fran und sprach; dann am offenen Grabe noch tief empfundene Worte des Abschieds. Reumorkt, O ervfalz. Am Donnerstag, 7. Dez. c. starb hier der in weiten Kreisen bekamrte und von Kollegen überaus hochgeschätzte Hauptlehrer Jakob Oppenheimer. 23 Jahre hatte er im nahen Sulzbnrg gewirkt, dem Ilrsitze des Rabbinats Neumarkt. Vor 7 Jahren trat er die Stelle eines Elementarlehrers hier in Ncumarkt an und wirkte segensreich, bis ein schweres Leiden ihn zur Aufgabe des Lehramtes zwang. Er wirrde am Sonntag, 10. c., auf dem altehrwürdigen Friedhof Snlzbnrgs beerdigt. Aus nah und fern 'strömten Freunde und Verehrer herbei. Am Grabe würdigte Herr Rabbiner Dr. Weinberg-Neumarkt die vielen Verdienste des Entschlafenen, ihm folgten Herr Knltusvorstand Dreichlinger für 'Neumarkt, Herr Regensburger für die Gemeinde Sulzburg, Herr Oberlehrer Friedmann- Mi'nichrn fiir die.Familie, Herr Rosenbaum als 'Amtsnachfolger und Freund, Herr Mannheimer-Dettelbach für den israelitischen..Lehrervcrein Bayerns, Herr Oberlehrer Nothaas fiir den Bezirk Neumarkt, ein Kind des Vorstandes Dreichlinger fiir die Schüfe 'Neumarkt. Ruhe sanft, du trefflicher Lehrer! Secher zadik livrocho! Posen. Der jüdüche Turnverein Posen - hat sich ein eigenes Heim gemietet. Das Heim befindet sich im Gebäude des alten Stadttheaters. -Es besteht ans zwei, sehr hübsch eingerichteten Räumen. Es wird hoffentlich gelingen, das Heim znm Mittelpunkt nationaljüdischer Arbeit und Geselligkeit in Posen zu machen. Alle Gesinnungsgenossen, insbesondere alle Tnrnbrüder werden gebeten, .das Heim so oft als möglich zu besuchen. Frankfurter Berichte. Zentrale für MazzoSversorgnng. Die Zentrale ersucht noch, wiederholt darauf hiuzuwcisen, daß nur solche Mazzos-Bezugsscheine Gültigkeit haben, die ans den von der „Zentrale" anszugebenden Vordrucken ausgestellt und mit Ordnungs-Nummer versehen sind. Bezugschein-Formulare der Bäckereien sind ungültig. Leffentliche Sitzung des AuSschuffes der israelitischen Gemeinde 12.12. IS 16. Der Herr Regierungs-Präsident' hat genehmigt, daß die UmEzeit sämtlicher derzeitiger Ausschußmitglieder um Kaffee Knhland Eaisecstrasse 56 . , Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige OC* Unterhaltungsmnslk. "M> .■•-■T! Gesangs* Einlagen. . ' je ein Jahr verlängert wird, sodaß in diesem Jahr keine Ergänzungswahl stattfindet. ' Die Gemeindcrechnung pro 1915/16, die von den Hh. Eli Oppenheimer und Ludwig Groedel geprüft. und richtig befimden worden ist, wird genehmigt. Sie schließt im Ordinariilin mit Mk. 937 834.39' in 'Einnahme und 'Ausgabe ab. Zur Balanzierung mußte der Ausgleichs- Fonds mit Mk. 60621.1/ herangezogen werden, der sich hiernach auf Mk. 47 051.97 verminderte. Die Schulden der Gemeinde belaufen sich auf Mk. 4 486193 darunter Atk. 3 058 900 'Anleihen und Mk. 936 900 Passiv-Hypotheken, denen Mk. 11188 502.80 Aktiva gegenüber stehen. Unter diesen Mtiven befinden sich jedoch Mk. 10107 889 in Grundstücken, die wie. Synagogen, Friedhöfe usw. keinen Bcräußerungswert haben. Aus Anregung einer Anzahl deutscher Großgemeinden hat sich ein Ritualausschuß, jüdischer Gemeinden Deutschlands gebildet, dessen Zweck die Fürsorge für die gemeinsamen rituellen Angelegenheiten der deutschen jüdischen Gemeinden durch Vertretung dieser Angelegenheiten bei den Reichsnnd Staatsbehörden ist. Unter „rituellen" Angelegenheiten werden nur diejeisigcn verstanden, welche die Versorgung mit Nahrungsmitteln gemäß den jüdischen Speisegefetzen und mit Gegenständen, die zur Erfüllung religiöser Vorschriften und Gebräuche dienen, zum Gegenstand haben. -Insbesondere gehören nicht zur Zuständigkeit des Ritualausschusses die Angelegenheiten des Gottesdienstes und des Unterrichts. In diesem Ausschuß ist die hiesige Gemeinde durch die Herren Rabbiner Dr. Nobel, Jakob Posen und Dr. Albert Sondheimer vertreten. Zur finanziellen Ausgestaltung dieses Ausschusses sind vorerst Mk. 20 000.— notwendig. Der Vorstand hat beschlossen, zu diesen Kosten im Verhältnis der Zahl der Steuerzahler der beteiligten Großgemeinden beizutragen. Es werden hiernach auf die hiesige Gemeinde schätzungsweise Mk. 2000.— entfallen. Der Ausschuß stimmt der Bewilligung des hiernach auf unsere Gemeinde entfallenden Betrags zu. Die bereits beschlossene Errichtung einer Einfriedigungsmauer an der Ostgrenze deS jetzigen Friedhofs an Stelle der vorhandenen Plankenwand wird wegen der Unmöglichkeit der Beschaffung der Materialien und des Mangels an Arbeitskräften zunächst bis zum Frühjahr 1917 vertagt. - „Der von der „Bereinigung ' zur Pflege jüdischer Lebensanschannng, Nachlaß Zwi" und der „Ngudas- Jisrocl-Jugendgrnppe" bereits angckündigte Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. A. Klein-Nürnberg über „Das jüdische Kulturproblem im neuen Königreiche" findet am Mittwoch!, den 27. 12. 16, abends 3/i9 Uhr, Theobaldstraße 5 (im Saale der Snppenanstalt) statt. AgndaS Jisroel - MSScheugruPPe. Wir beabsichtigen, wie in de» vergangenen Jahren, auch dieses Jahr anläßlich des Chmmkah-Festes eine gemütliche Zusammenkunft zu veranstalten. Am Sonntag, den 24. Dezember, abends 8Ve Uhr werden sich unsere Mitglieder bei gesanglichen Vorträgen, Rezitationen und fröhlichem Spiel in den Räumen der Agndas Israel Jugendgruppe, Hanauerlandstr. 17 Part., treffen. Gäste sind sehr willkommen. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet die Mädchcnkommission. „Montesiore'-Verein. Chanukkahfeier im Montefioreverein. « Der Montesioreverein hält anläßlich des Chanukkahfestes am Dienstag, 26. cr., nachmittags 5 Uhr in seinen Bereinsräumen eine gesellige Feier ab. Außer einer Ansprache, fiir die ein bekannter Redner gewonnen ist, tverden gesangliche rezitatorische und musikalische Darbietungen die Veranstaltung verschönern. Die Veranstaltung steht allen Mitgliedern und deren Damen offen und laden wir auch die in hiesigen Lazaretten, Garnison oder auf Urlaub befindlichen jüdischen Soldaten zu deren Besuch besonders ein. Eine Chanukkahveranstaltnng intimeren Charakters findet am Freitag, 22.«., aibends V»9 Uhr int Vereinslokale statt. Neben der Bewirtung werden Borträge verschiedenster Art für die Unterhaltung aller erscheinenden Freunde nnd Freundinnen des Vereins sorge». MMm. [ O Leah. Skizze ans dem russisch-jüdischen Leben von Ben-Avigdor. Aus dem Hebräischen übersetzt. Die Mädchen zerstoben nach allen Richtungen heulend und fluchend, während die beiden Freunde dem Schauspiel vergnügt zusahen. „Können Sie denn die Leute nicht ruhig znm Auseinandergehen mahnen?" rief ein vorübergehender elegant gekleideter junger Mann, offenbar ein Jude, dem Straßenwächter zu. „Ich bedarf Ihrer Zurechtweisung nicht!" erwiderte jener entrüstet, „weiß schon selber, was Ordmmg heißt."

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