Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 48 (15.12.1916)
- Date
- 1916-12-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 - - Cafi Kaisergarten am. Opernplatz Erstklassiges Eamillen-Cafö Jeden Nachmittag von 4 hie 7 Uhr und Ahend von 8‘/* Uhr ab r* Etiinsti er-K.onzert. einer Tageszeitung „Unser Leben", ferner einer hebräischen Wochenschrift „Haam" (das Volt) erwirkt worden — so ist im allgemeinen das Verbot anfrechterhälten, jaznm Teil sehr verschärft worden. Man hat die Verordnung auch auf Buchausgaben in jüdischer Sprache ausgedehnt und deshalb einen jüdische» Verlag in Petersburg geschlossen. Und, damit noch nicht genug. Die Behörde hat der hiesigen jüdischen Gemeinde untersagt, selbst Gebetbücher, Machsorim Und dergl. zn drucken und zu verbreiten. Deshalb ivird, wie hier verlautet, in der nächsten Dnmasitznng eine Interpellation gegen die Militärmacht eingereicht werden. — Daß dabei nichts Herallskommen wird, braucht nicht erst gesagt zu werden. vlagoweschtscheusk, Anfangs November. Ausweis««» von Jude«. Nach' einer Verordnung der Administration der Stadt Blagoweschtschensk müssen alle Juden, die dorthin jm Vertrauen auf das bekannte Zirkular des früheren russischen Jnnernministers Schtscherbulow sich stützend, geflüchtet sind, die Stadt verlassen. Die Ausweisung ist für die meisten Juden mit einem vollständigen Ruin verbunden, besonders füv die Waisen von den okkupierten Gebieten, die keinen Ausweg aus ihrer bedrängten Lage sehen können und nicht wissen, wohin sich zil wenden. — Aus diesen Nachrichten erkennt man deutlich, in welcher Weise die Juden bedrückt werden. Das Militär und die oberen Behörden gehen ihren ausgetretenen Weg weiter und lassen den Jnncrnminister Jnneruminister sein, ohne sich im geringsten um seine Reformallüren zu kümmern. D. Red.) Dänemark. Kopenhagen, 4. Dez. Zum Jüdischen Ko«»reß in Amerika. Vor einigen Tagen wurde hier ein Meeting tvegeu der jüdischen Kongreßbewegung in Amerika abgehalten. In der Versammlung, die durch die „Agudath Hazionim" veranlaßt nmrde, sprachen u. a. Dr. Bernstein und Rosenblitt. Nach einer kurzen Diskussion wurde.eine Resolution angenommen, die die Zufriedenheit mit der Kongreßbewegung der amerikanischen Judenheit zum Ausdruck bringt und die Hoffnung auf eine fruchtbare Arbeit.und Wirkung des Kongresses für das gesamte jüdische Volk ausdrückt. - Großbritannien. Konto«. Lord Rothschild und die Jude«. Sir Lionel Rothschild hat sich, im Gegensatz zum englischen Staatssekretär Samuel, warmherzig der zum Heeresdienst gezwungenen russischen Juden in England angeirommeu. In einem Aufsatz in einer Tageszeitlina lveist er nach daß die Jliden Englands im Verhältnis zu ihrer Zahl der englischen Armee mehr Menschen geliefert haben als die Englmrder selbst. Mehr als 20 000 Juden dienen im englischen .Heere. Amerika.. Rew'Aork. Ende November. Die Arbeit der Hilfskomitee«. Nach verschiedenen Statistiken betragen die von den verschiedenen nationalen Komiteen gesammelten Geldsummen für die Kriegsinvaliden in Europa rilnd 9 Millionen Dollar. Die, größte Arbeit darunter haben die jüdischen Komiteen geleistet: so das „Jewish Relief-Komitee", daS etwa 4 Millioiren Dollar, dann das „Central Relive", welches 900 000 Dollar gesammelt hatte und schließlich das „Bolkshilfkomitee" mit 323000 Dollars. (Diese Ziffern zeugen, neuerdings von den nngeheirren Leistungen der amerianischen Judenheit und von ihrer Opferwilligkeit. Dadurch ist die Not der Juden in den voiu Kriege betroffeneil Ländern an vielen Stellen in durchgreifender Weise gelindert worden. Die amerikanischen Juden haben die auf sie gesetzten Erwartungen der übrigen Judenheit nicht enttäuscht, doch angesichts der wachsenden Not der jüdischen Gescuntheit, erwarten wir bei ihren reichen Hilfsmitteln noch größere Leistungen. D. Red.) Eine Professur für Jiddisch 1« Amerika. Die Universität von Wisconsin hat als erste Universität in den Bereinigten Staaten eine besondere Professur für das Studium des Jiddischen eingerichtet und Herrn Professor L. B. Wolfson für dieses Lehramt berufen. Reue amerikanisch-jüdische'Hilfsaktionen. Dr. Magnes, der von seiner Europareise zurückgekehrt ist, unterbreitete den: American Jewish Relief Committee folgenden Plan: es sollen von den amerikanischen Juden 30 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt werden, die nach dem Kriege in Form kleinerer Anleihen denjenigen Inden zu gewähren sind, die sich von neuem eine Existenz aufbauen müssen. Der Plan hat die Aufmerksamkeit aller jüdischen Kreise des , amerikanischen Judentums erregt und lvird zur Zeit . eifrig diskutiert, : ■ Die Frage, wie der gegenwärtigen Notlage zu steuern ist, in der sich die jüdische Bevölkerung Polens befindet, bleibt trotzdem noch offen. Und es ist deswegen mit Frankfurter WraelittscherKamÄienblatt. besonderer Freude zu begrüßen, daß bas Conjoint Distribution Committee sich an die amerikanische Judenheit mit der dringenden Aufforderung wendet, aufs neue 10 Millionen Dollar für den amerikanisch-jüdischen Hilfsfonds aufzubringen und es ihm zu ermöglichen, in noch größerem Maße als bisher den an ihn.herantretenden Forderungen zu genügen. Gedächtnisfeier für S. Frug in London. Zu Ehren des kürzlich verstorbenen Dichters S. Frug fand sich am 16. November eine große Anzahl in London wohnender Juden zu einer Trauerfeier zusammen. Prof. Dr. C. Weitzmann präsidierte und sprach einige Worte über den verstorbenen Dichter. Dann ergriff als Hmiptredner Rahüm S o k o l o w das Wort und machte die Zuhörer mit der Epoche bekannt, in« der S. Frug dichtete und wirkte, und er entwarf ein lebensvolles Bild vom Schaffen des Dichters. ' Oberrabbiner Dr. Gaster, der nicht persönlich anwesend war, richtete ein Begrüßungsschreiben an die Versammlung und gab darin die Anregung, einen Fonds zir schaffen, der dazu dienen sollte, billige Volksausgaben . von Frug, Bialik, Shälom Aleichem, Mendcle Mocher Seforim rc. zu verbreiten. Denn es wäre 'das beste DenÜnal, das man den' jüdischen Dichtern errichten könne, wenn man ihre Werke znm Gemeingut aller mache. Südafrika. JshauuiSbur». Ende Nov. ' Zionistische Hilfsarbeit. Nach Mitteilungen des „Jüdischen Hilfskomitees" wurden während der letzten zwei Monate zum zionistischen „Execntivkomitee" in New Uork etwa 12,000 Franken für , die notleidende jüdische Bevölkerung Palästinas gesandt. Der Krieg und die Jude«. Frankfurt a. M Eckenbahnarzt Dr. Strauß, Bockenheim wurde zum Sanitätsrat ernannt. Mayen. Stabsarzt Dr S. Gottschalk, Regimentsarzt ini 4. bahr. Jnf.-Rcgt. wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Kl. ausgezeichnet. Rhina. Kr Hüniela. Samuel Katz, Sanitätsgefr. im Res.-Jnf.-Regt. 53, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Kl., Sohn der Witwe Frau Karoline Katz, erhielt das Eiserne ’ Kreuz 1. Klasse. Her f«rü. W a l t - r M e y e r, Oksizierffellvertreter im preuß, Landw.-Jnf.-Regt. Nr. 15, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Kl., wurde zum preußischen Ossizier befördert. Berlin. Leutrian' Dr. Fritz Bo er »Nlera'-ichzeitiger Beförderung zum Oberleutnant, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse. München. M.-A„t der Res Berthold Stahr wurde unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberarzt mit dem Eisernen Kreuz 1. Kl. ausgezeichnet. Hainftadt (Baden) Für tavstres Verhallen gegen den Feind an der Somme erhielt Julius Hofmnun, Sohn des Syuagogenrats Bernhard Hofmann, das Eiserne Kreuz. Laasphe. Unteroffizier Heß Sohn deS Abraham Heß erhielt das Eiserne Kreitz 2. Kl. Hamvnrg. John Wigderowitsch, im Res-Jnf.- Regt. 80, Inhaber des Hanrburger Hanseatenkreuzes, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Kl. Breslau Stabsarzr Dr. Martin Biberstein erhielt dcS Eiserne Kreuz 1. Kl. Wien. Blocks ..Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in ihrer vorwöchentlichen Rnnttner folgende Auszeichnungen an Juden: 3 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 4 Militärverdienstkreuze 3. Kl., 9 silberne Signum laudis, 27 bronzene Signum laudis, 8 goldene Verdienstkreuze mit der Krone, 12 goldene Verdienstkreuze, 10 silberne Verdienstkreuze mit der Krone, 3 silberne Berdienstkreuze, 1' goldene Tapferkeitsmedaille, 3 silberne Tapferkeitsmedailleu 1. Kl., 14 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Kl., 34 bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusammen 128 Auszeichnungen; hiervon 50 an Frontoffiziere, 22 an Militärärzte und -Beamte, 56 au Manuschastspersoneii. Aonffan«inopel. Der osmannsch- Unteroffizier Ernst Frank, wohnhaft zu Frankfurt a. M., ist /unter Beförderung zum Feldwebelstellvertreter mit dem Eisernen Halbmond ausgezeichnet worden. Personalien «. kleine Mitteilungen. Dieburg. Die Eheleute Josef Losch feierten das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Berlin. Im 69. Lebensjahr verschied der rühmlichst bekannte Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlin Herr Dr. Joseph Eschelbach er. Eine nähere Würdigung des Verblichenen folgt in der nächsten Wimmer. Warschau. Die Warschauer jüdischen Zeitungen bringen, aussührlichr Berichte von Ben-Awigdors Jubiläumsfeier, die sich zn. einer grandiosen Kundgebung des Dankes» sür den gefeierten jüdischen Dichter und Verleger gestaltete. In der nächsten .Nummer werden wir einen speziellen Bericht eines Warschauer Mitarbeiters bringen. Antwerpen. In Antwerpen ftmb am 18. Nov. Rabb. Ullrnann. Er war ein verdienter Führer seiner Gemeinde, deren 'Liebe und- Vertrauen er sich durch hervorragendes Thorawissen und ideales segensreiches Wirken erwarb. . Frankfurter Berichte. Die rituelle KriegSküche 23. In der jüngst' eröffneten Kriegsküche 23, Zeil 19, hätte sich ans Einlädimg am Sonntag, den 6. d. M. eine größere Anzahl von Herren und Damen zur Be« Seite 3. sichtigung d«L neuen ÜntemljrmenS einaefunben. Im Auftrag der Leitung begrüßte sie Herr Wolfgang Auerbach, mit einer kurzen Ansprache, aus der wir das folgende wiedergeben: Die neue Kriegsküche verdankt ihre Entstehung in erster Linie dem Komitee der vereinigten jüdischen Wohlfahrtspflege von 1914. Eie ist wie die Kriegsküchs Nr. 20 für den Mittelstand bestimmt und wird auch genau so wie diese geführt mit dem einzigen Unterschied, daß die Zubereitung der Speisen den jüdischrituellen Vorschriften entspricht. Jedes Bedenken, daß der welcher von. der neuen Kriegseinrichtimg Gebrauch macht, feine eigentlich nur Minderbemittelten zukommende Wohltat empfange, fällt hinweg, da die Betriebskosten durch die Einnahmen gedeckt werden. Die Eröffnung nach verhältnismäßig kurzen Vorbereitungen ist dadurch möglich gewesen, daß die Leitung bei den zuständigen Stellen überall das bereitwilligste Entgegenkommen gefunden hat. So hat die Zentralsammlnng der Kriegsfürsorge pinen namhaften Beitrag zn den Einrichtnngskosten bewilligt und die Zentralküchenkommission die Arbeiten mit Rat und Tat gefördert. , Herr Auerbach schloß mit Daukesworten für alle,' die dem Werke ihre Unterstützung geliehen haben. Insbesondere dankte er den Herren der Zentralküchenkommission und den beiden leitenden Damen der Kriegsküche 20. die in Unermüdlicher Mitarbeit geholfen haben, die «neue Küche nach dem bewährten Muster der ihrigen einzurichten.' Hierauf ergriff der Vorsitzende der Zentralküchenkommission, Herr Thomas das Wort, um der Kriegsküche 23 ein.gutes Gedeih» zn wünschen. Dabei betonte er, daß die Zentralküchenkommission volles Verständnis dafür habe, daß auch eine rituelle Kriegskllche hier in Frankfurt am Platze sei, und ihre Leitung könne auch fernerhin auf wirksame Unterstützung seitens der Zentralküchenkommission rechnen. Während der Wirtschaftsbetrieb seinen Anfang nahm, besichtigten die Gäste den großen freundlichen Speisesaal, den Wholeranm und die Küchk, Sie sprachen nachher der Leitung ihrem vollen Beifall aus. Wie uns mitgeteilt wird, nimmt die Zahl der Gäste, die ihr Mittagessen in der KriegSküchfe 23. einnehmen und der Familien, die es abholen lassen, mit jedem Tage zu. Man uracht darauf aufmerksam, daß beim Lösen der Wochen- oder Halbwochenkarten Kartoffelkarten mitzubringen sind. Die rituelle Kriegsküche 23, Zeil 19, ersucht uns, darauf aufmerksam zu machen, daß Karten für die ganze Woche oder die erste Wochenhälfte (Sonntag, Montag und Dienstag) Freitags und für die zweite Wöchenhälfte (Mittwoch Donnerstag und Freitag) Dienstags zn lösen sind. Nur ganz ausnahmsweise werden noch Sonntags bezw. Mittwochs Karten ausgegeben. — Ab onnenuten können Donnerstags Karten zUm Abholen von Speisen am Freitag für Schabbos lösen. In der gestrigen Gener al-Bersammlung der Suppenanstalt für israelitische ArMe hier wurde berichtet, daß durch den Krieg die tägliche unentgeltliche Verpflegung von ca. 200 Personen auf über 600 gestiegen ist. Wich der Besuch von» verschämten Armen gegen 20 Pfennige Vergütung für den Mittagstisch sowie die ärztliche Anweisung auf Krankenkost haben bedeutend Angenommen. Da die laufenden Mittel der Anstalt für die so vermehrten Ansprüche und die verteuerte und schwierige Anschaffung der Bictualien nicht ausreicht, so hasst die Verwaltung auf kräftige Unterstützung in ihrer schwierigen Ausgabe. Die Juden in Amerika. Ueber die Juden in Amerika hielt im Verein für Statistik und Demographie Red. E. Kahn einen Bortrag. Mit statistischen Zahlen und auf Grund eigner Beobachtungen ,wieS er auf den zunehmenden Einfluß der amerikanischen Judenheit hin. Ihre günstige Stellung hat sie hauptsächlich ihrem starken Gewerbefleiß und ihrer geistigen Regsamkeit zu verdanken. Die jüdische, sehr verbreitete Presse, die stark an Zahl ist, erfreut sich großen Ansehens .bei Juden wie bei Nichtjuden. Auch in der Politik nimmt die dortige Judenheit einen hohen Rang ein. Die nationale Idee gelvinnt fortwährend an Raum und Ansehen. So ist z. B. ein Zionistenführer,. Louis Brandeis, zum Mitglieds des obersten Gerichtshofes^ einer ungewöhnlich hvheu stelle, ernannt worden. Me Ansicht des Redners geht dahin, daß nach dem Kriege eine starke Einwanderung stattfinden werde. Der interessante und sachlich gehaltene Bortrag wurde vom zahlreich' erschienenen Publikum beifällig ausgenommen. . Mazzos-Bezugscheine ««» MazzaS-H-chstpreise. Frankfurt a. M., 10. November. Die „Zentrale für Mazzosversorgung G. m. b. H." hat am 7. d. M. sämtlichen jüdischen Einzelgemeinden, soweit sie keiner jüdischen Oberbehörde unterstehen, sowie den jüdischen Oberbehörden selbst, ein Rundschreiben über die Ausstellung der behördlich vorgeschriebenen MazzosbezngSscheine übersandt. Gemeindevorstände die nicht in de» Besitz des Rundschreibens gelangt sein sollten, werden gebeten, es bei der ^Zentrale . für Mazzosversorgung.G. m. b. H.", Frankfurt a. M., Schützenstraße 14 schleunigst nachzn Verl an gen. Me Höchstpreise für Mazzos wurde bekanntlich aus 65 Pf. sür das Pfund frei in's Hans des Verbrauchers festgesetzt.