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Neue jüdische Presse · 1916-12-15 · Heft 48 (15.12.1916) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 48 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Este? , . -- - - - - -- gegenüber dem General-Anzeiger' Vornehmes Familien-Kaffee IV* Nachmittags n. Abends Konzert. an ihre Angriffe gegen die russischen Juden anläßlich ihrer Militärpflicht — ist bekannt. 33a,ö) xuuh andere Blätter scheinen mit ihr darin wetteifern zu wollen. So schrieb unlängst die „Daily Mail" zur militärischen Dienstpflicht in England: Die jüdischen jungen Leute dienen nicht beim Heere und weigern sich sogar, in den Munitionsfabriken zu arbeiten. Nein, ihre einzige Arbeit bestchß darin, .Fußball zu spielen. Es, müsse gefordert werden, bemerkt zum Schluß der Schreiber des Artikels, ein >,spezieller Korrespondent", daß die Polizei hier kräftig einschreite und Ordnung schaffe, und ihre Mühe würde reiche Früchte tragen. So werden die englischen Juden, die so große Opfer an Gut und Blut England dargebracht haben und noch bringen, des Mangels an Patriotismus geziehen. Man sieht, wie „segensreich" das Bündnis mit der Entente .ist und wie gut die Rollen -erteilt sind. So daß, , wenn England das Aeußere zugefallen ist, Mlßland das Innere, das Sittliche . . ., zugedacht wurde.— Die Jude» Litauens. Im.Verein für jüd. Geschichte und Literatur sprach tun '6. Dezember Rabb. Dr. Winter über die litauischen Juden. Zunächst behandelte Redner die jüdische Lage in -Litauen und stellte dübei die allgemeine Desorganisation der jüdischen Gemeinschaft fest;, als deren Hauptursache sei nicht, wie man vielfach behauptet, das mangelnde Organisationstalent der Inden schuld, sondern die Unterdrückung seitens Rußland. Es ist deshalb wohl zu erwarten, dag die Juden in Zukunft bei einer 'freieren Herrschest, das Fehlen einer umfassenden Organisation beseitigen werden. Hierauf ging Referent zu den . Schul- und BildungSverhÄtnissen der Juden Litauens über. Er besprach die verschiedenen jütischen Bildungsanstalten, insbesondere die Anfangsschulen „Me Eljebffinm". Die „Ehedarim" sagte der Redner, sind von außerordentlicher Bedeutung für die geistige Ausbildung und Erziehung der jüdischen Knaben. Hat man mich.Grund mit manchem unzufrieden zu sein, so muß doch anerkannt werden, daß die >,Chedarim" im großen und ganzen eine äußerst fruchtbare . Wirkung in jüdischem und allgemein sittlichem Sinne ansüben, in eillem solchen Maße, daß die Juden des Ostens an innerem jüdischen Gehalt und Bewußtsein u>w an,lebendiger Kraft die westeuropäischen Juden bei weitem übertref fen. Denn auch in ethischer und moralischer Beziehung halten sic sich «ms einer erstaunlichen Höhe. Zugleich, ist bei ihnen das- NationaEewußtsein stark ausgebildet, dermaßen, daß sie iunner treu - zueinander halten und sich als Glieder eines Volkes betrachten. Bewundernswert ist der den Juden des Ostens innewohnende Drang nach! Lernen, nach Forschen upd Wissen, und 'ständen den Juden die ‘ Tore der Bildung offen, was hoffentlich, später der Fall sein wird, dann 'würde sich wohl -bald zeigen, welch hohe Gefftesstufen die Juden zu erklimmen .vermögen. Redner - führte ein Beispiel an, das von dem Wermächtigen WiffeiSdurst der Juden Zeugnis ablegt. WS er «Dt die Juden eines halbzerstörten und verwüsteten Städtchens in Litauen die Frage richtete, .womit man ihnen am meisten dienen und helfen könnte, da folgte Ungeachtet der großen materiellen Not Und Bedrängnis die Antwort: „Schickt uns doch einen Lehrer.". i In seinen weiteren Ausführungen weist Redner auf die unverfälschte tiefe Frömmigkeit der dortigen Juden hin Und, was manchem neu sein wird, aus den Kunstsinn der breiten Massen. Das äußert sich! besonders in den synagvgalen Gesängen' und dem künstlerischen Stil der Bechart mancher Bethäuser. ' Redner schloß mit einem Appell, für eine kräftige materielle Unterstützung der Ostjuden seitens der wchtlichen Brüder zu sorgen. Den geistvollem von inniger brüderlicher Wärme getragenen Abführungen, oratorffch gehalten, wurde reicher Beifall gezollt. DentscheS «eich. Berün-WUmerSdorf. Jüdische» Kranenbnnd 8. B. An dre dem Jüdischen Frauenbund angeschlosseneu Vereine! Starke, äußere Hemmungen, hervorgerufen durch immer neu hinNlkomniende Einwirkungen des Krieges, machen unsdie Durchführung des Beschlusses, im Dezember eine Delegicrienv^ersammlung btS Jüdischen Frauenbundes in Hamburg abzuhalten, unmöglich! FraoGrrter FgmülLiÄstt. Wir danken den Vereinen für dis große Bereitwilligkeit und Opferfreudigkeit, die Tagung beschicken zu wollen. In einer ftiedlicheren Zeit werden wir den theoretischen Teil unserer Tagesordnung wieder zur Besprechung stellen. Wir hoffen zuversichtlich, daß unsere angeschlossenen Vereine sich inzwischeit mit der einschlägigen Literatur über „Bevölkerungspolitik", soweit das noch -nicht geschehen ist, eifrig beschäftigen und mit geschärften Sinnen Schäden überwachen werden. Geschieht das, so hat unsere Anregung auch einen Erfolg zu verzeichnen. Der praktische Teil unserer Tagesordnung umst auch ohne Abhaltung einer großen Versammlung durchgegesührt werdeii. B e st e h e n d e oder neu e i n z u r ich - teude Kommissionen müssen in enge Fühlung zueinander treten, z u s a m in c n k o m m c n, Beschlüsse fassen und durchführen. Bedeutsam jedoch erscheint die Lösung der Frage, wie die Neuwahl des Vorstandes und die Besetzung der Stelle einer 1. Vorsitzenden vor sich! gehen soll. Wir hoffen, unseren angeschLossenen Vereinen auch darüber recht bald Vorschläge machen zu . könne». Wir bitten unsere angeschlossenen Vereine herzlich niit uns in eine festere Arbeitsgemeinschaft zu treten, über die angeregten Fragen uns auch! ihrerseits Vorschläge zu machen. Wir werden jeden Rat erwägen und für jeden verwendbaren Vorschlag dankbar sein. ~- Mit Bundesgruß zeichnen wir Sidonie Werner-Hamburg, Henriette May-Berlin, z. Zt. Vorsitzende. Schriftleitung. Oesterreich-Ungar». Hilsskommissio« 1815 für Palästina. Wien, IV, Frankeoberggaße 14. An unsere verehrten Gönner und Freunde! Zwei Jahre ist es nun her, daß wir mit Unterstützung des hohen K. u. K. Ministeriums des dleußer» sowie warmherziger Menschenfteunde und Patrioten vor allem in Westösterreich in Wien sowohl als auch! in der Provinz und ■ einigen Gemeinden Ungarns, Kroatiens und Slavoniens und im Deutschen Reich Hunderte aller Mittel .barer Glaubensgenossen in erster Reihe Angehörige unserer Monarchie in Palästina, mit Erfolg vor dem Untergänge zu retten bestrebt sinh. Ungefähr 300,000 K. übermittelten wir bisher durch unser Auswärtiges Amt au unsere Konsulate im Heiligen Lande, Unter deren Aufficht sie zum Teil in barem verteilt, zum größeren zu einer organisierten Mehlversorguug verwendet wurden. Für österreichische .und ungarische Staatsangehörige in Jerusalem uild Saffed lieferten jmr Medikamente, und belegten wir im Rothschildspital zu Jerusalem eine Anzahl Betten. Mit weitereii Beträgen wurden allgemeine Wohltätigkeitsan- Italten, u. a. auch etwa 250 Kriegs Waisen in Saffed ,6>acht. Nun sind plötzlich Umstände eingetretcn, die an uns neue Anforderungen stellen, höher als wir sie bisher zu beftiedigen imstande waren. Infolge der gegenwärtigen Kursverhältnisse in Palästina schrumpfen unsere Geldsendungen in erschrechnder Weise zusannnen und die Uebermittlung der Geldbeträge dorthin erfordert eigene Botensendungen. Wir müssen rmser Neuster st es leisten, wenn wir die bisher Erhaltenen nicht uuir nach ziveijähriger Anstrengung hilflos in der Not zugrunde gehen fassen wollen. Helfen Sie uns tveiter zum Bestcii dieser von aller Welt verlaffenen jüdischen Glaubens-brüder und Landsleute! Reichen Sie ihnen.mit uns vereint die rettende, Bruderhand! Eile tut dringend iwt. Zahlstelle für Oesterreich: Bankhaus S. M. v. Rothschild, Wien I, Renugasse 3, Neue Freie Presse, Wien I. Fichtegasse 11, für Ungarn: Magyar-Altalanos-Hotelbank, Budapest, flir Deutschland: Deutsche Bank, Berlin, Postscheck-Konto 1000. Auf Konto: Hilfskommission 1915. Polen. * Warschau, 28. Nov. vis 5. Dez. Die Verteidigung der jüdischen Rechte. In der atu 28. November stattgefundeiien Versammlung des „Merkas" (der zionistischen Jugendgruppc) nahm man einstimmig folgenden Beschluß an: In anbeträcht der Wichtigkeit und des Ernstes des gegenwärtigen Augenblicks und der großen Verantwortlichkeit, die das jüdische Volk für alle seine Schritte zu tragen hat, faffeii wir den Beschluß daß die zionistische Organisation in Polen verpflichtet ist, sofort die Initiative und' Anführung wegen der Vereinigung aller jüdischen nationalen Richtungen zu übernehmen, zwecks Schaffung einer zentralen jüdischen Liga zur Verteidigung der nationalen Und bürgerlichen Rechte der Juden in Polen." ' 'r \ * «ege» die ZwangS-Sountagsruhe Die Petition eines Warschauer antisemitischen Verbäildes au den Magistrat behufs Einführung einer allgemeinen ZwangS-Sonutwgsruhe hat hier eine große Erregung unter den Juden hervorgerufen. Um dieser Petition kräftig cntgegenzuwirken, beschlossen drei jüdische Institutionen Warschaus, darunter dev „Orthodoxen-Bund", Äenfalls Memoriale an den Magistrat einzureichpn und zu diesem Zwecke Unterschriften der Gleichgesinnten zu sammeln. Und binnen siirzer Zell erreichten die gesammelten Unterschriften eine Zahl von 2 6,000. In den Memorialen wird auf den großen Schjäden hmgewiesen, den eine solche Maßnähine den Juden bringen könnte. Die jüdischen Händler wären dadurch gezwungen, zweieinhalb Tage lang zu ruhen. Das Memorial der Orthodoxen, das die ^meisten — 20,000 —Unterschriften hat, behandelt hauptsächlich die religiösen Prinzipien und Momente und legt auch! die __, ' _Nr. 4.8 jllÄdifch» lind sakttschd ÜNMöglichlett, «tu« derckksige Maßregel einzufiihren, dar. ~ . Die drei Pettüonen werden dieser Tage dem Magistrnt zugestellt werden. Die Zeichen des wachsenden Antiseiiillisnms macheu sich! 'Aberall bemerkbar und-leider 'nicht nur-seitens, der polnischen Gesellschaft, - soiidern auch der rein polnischen Behörden. Sowohl im" .Warschauer Stadtryt als auch im Magistrat treibt der Judenhaß reiche Blüten'. So ist, wie man uns. aus Warschau meldet, die. Petition der Volksgruppe an den Magistrat wegen Aufhebung des Verbots siir de» Eintritt in den „Sächsischen Gartens von Leuten in altmodischer Tracht (lies Chassidim und andere Orthodoxen) abschlägig beschiedcn worden,. Lodz, 5 Dezember. Wahlen zu« Stadträt: Hier stehen die Stadtratswahlen bevor. Der eben erlassenen Bekanntmachung wegen der Wahlordnung zufolge, werden die Wählerlisten während der Zeit vom 9. bis 22. Dezember 1916 aufgestellt. Die Wähler Iverden in sechs Kurien geteilt. Auch im übrigen stimmt die Lüdzer Wahlordnung mit der Warschauer, in beit wesentliche Punkten überein. Bon seiten der Juden werdeii intensive Vorbereitungen getroffen, und es fanden schpn verschiedene Beratungen der jüdischen Kreise statt. Zwar istein jüdisches Wahlkomitee noch nicht errichtet worden, doch matt hofft nächstens, eine solche, für die jüdischen Interessen hochwichtige Gründung vornehmen zn können. Das hiesige „Volksblatt" fordert die Juden auf, an deii Wahlen teilzunehmeu und die Stunde nicht ünheuutzt vorüberstreichen zu lassen. Lefterr. Verwaltungsgebiet, Ende November. Das Jiddisch und die jüdische Gemeinde. Wie wir schon in Nr. 44 berichteten, hat die jüdische Gemeinde in Lublin vor einem Monat an den Generalgouverneur ein Memorandum gerichtet, betreffend die Zurücksetzung des Jiddischen bei der letztens hier vorgenommenen Volkszählung. Die Antwort ist vor , einiger Zeit eingelaufen und lautet unter anderem: „Wir teilen Euch auf Eure Bitte vom 25. Oktober d. I. mit, dast für diese Frage die in Oesterreichs geltenden Besllimnungen maßgebend waren. Die Gerüchte, wonach> die jüdische Bevölkerung deshalb eine Strafe zn gewärttgen habe, sind grundlos." — Vgl. mich folgende Meldung von elliem Memorial wegen des Jiddischen. Die jüdische Gemeinde von S a m o s z hat dem Gencralgouverneur v. Kilk ein Memorial ebenfalls aus demselben Grunde zugehen lassen. - * ■ , Wie man sieht, hat der Generalgouverneur die Anerkennung des Jiddischen als gesprochene Sprache versagt. Und zwar mll der Motivierung, dast in österreichischen Landen der Jargon als geltende Sprache nicht anerkannt ist. Also der Generalgouverneur beruft sichauf eine Tatsache, die schon längstens revisionsbedürftig war und ist. Gewiß hat der Generalgouverneur illcht anders .verfahren können, doch ünser Appell richtet sich an die österreichische Regierung, die die eigentlich Richtung angebende ist, ihren Millionen von jüdischen Bürgern, die sich, in diesem- Kriege so großarttg bewährt haben, mehr Rechnung zn tragen und endlich - eine'Korrektur dieses ihres schiefen Standpunktes vorzunehmen. Rußland. A London, 25. Nov. ProtopopowS liberale Absichten. Jewish Chronicle meldet, Protopopow, der russische Minister des Innern habe einer Deputation von Journalisten gegenüber geäußert, .daß die Regierung auf den Wunsch des Zaren sich bemühen werde, alle Untertanen glücklich zu machen. Er werde' vor allem, erklärte weiter der Minister, der jüdischen Lage seine volle Aufmerksamkeit widmen und aus ihre Besserung bedacht sein. So seien schon jetzt gewisse Erleichterungen den jüdischen Heimatlosen in Moskau gewährt worden, ferner habe er den Familien jüdischer Studenten in dieser Stadt zu wohnen erlaubt. , (Wie verschwenderisch! Welche 'weitgehende Emanzipation! Doch ohne die guten Absichten Protopopows, der, wie wir oft betonten, liberaler als seine Vorgänger gesinnt ist, zn verkennen, darf mast wohl behailpten, daß eine Besserung der jüdischen Lage in großem Maße vollkommen unmöglich ist — solange illcht eine radikale Milderung des ganzen russischen Regierungs¬ und Beamtensystems vorgenommen wird. Und das ist nur dann möglich, - wemr Rußland Löllig aufs' Haupt geschlagen wird,, wenn der Mißerfolg 'der reaktionären Regierung und die furchtbaren nutzlosen Opfer klar zutage treten. Denn dann, hrnd' nur dann ist eine-allmähliche NenorieiitieriNig mögliche die mich den Juden zugute koimnen wird. — Die folgenden Meldungen zeigen indessen deutlich^ welcher Herkulesarbeit .es bedarf, 'auf diese Weise die zahllosen Beschjränsiingen aufzuhebe», weichst ührigens durch Willkür der Gouverneure pder Truppenführer staüdig vermehrt werden. D. - Red.). Petersburg, im November. Das Verbot der jüdische« Sprache. Bekanntlich', hat lln -IM '1915 die oberste Milllarmächt ein allgemeines . Verbot für die jüdische Presse Nordwestrußlands erlassen, wodurch die bedeutendsten Zeitungen der russischen Judcnheit betroffen wurden. Der Befehl ist bis jetzt noch, nicht rückgängig gemacht worden, obwohl es an lebhaften Bemühungender hiesigen jüdischen Gemeinde wahrlich illcht gefthlt hat. . Ist auch ein gewisser Erfolg diesen Anstrengungen beschÄt gewesen), so ist neulich! die Erlaubllis zur Herausgabe

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