Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 46 (1.12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Rr. 46 Aus aller Welt. reetsches Reich. ^Berlin, im November, Von den Repräsentanten der jüdischen Gemeinde. Das Verzeichnis der wahlberechtigten Mitglieder der jüdischen Gemeinde, das aus Anlaß'-deralle drei Jahre ersolgenden Repräsentantenwahlen herausgegeben wird, liegt jetzi g vor.. Es enthält die Namen auch Mressen aller im Bezirke der jüdischen Gemeinde wohnenden, wahlfähigen männlichen Gemeindemitgliede^ welche sich selbständig ernähren und während der letzten drei Etatsjahre, das ist vom 1. 2lpril 1913 bis 13. März 1916 mit der,Entrichtung der Gemeindebeiträge zurzeit der Aufstellung., der Wählerliste .nicht im Rückstände waren. Auf den 153 Seiten der Mitgliederliste sind 16,237 Namen verzeichnet, während das letzte vor dem Kriege erschienene Verzeichnis (1913) bereits '24,231 Namen aufwies, und mich 1910 schon 21,695 Berliner Juden wahlberechtigt waren. Der Rückgang um 8000 männliche Gemeindeiy.itglieder findet seine einfache Erklärung durch den Krseg. In einer, der letzten Versammlungen der Repräsentanten wurde u. a. mitgeteilt, es sei von der Gemeinde auf die fünfte Kriegsanleihe wieder eine Million Mark gezeichnet worden, wodurch die Gesamtzeichnungen den Betrag von 6,800,000 Mark überschritten haben. Es wurden im weiteren Verlauf der Sitzung auch! kleine Subventionen verschiedenen Stiftungen gewährt. Berlin, 19 —24. November. Die Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus» die 'am 23. November in Berlin stattfand, erfreute sich eines zahlreichen Besuchs; der große Saal der Victoriabrauerei war bis mif den letzten Platz gestillt. In seiner Begrüßungsansprache wies der Vorsitzende, Reichtagsabg. Go.thein, darauf hin, wie die Hoffnung, daß, die Zeit des großen Krieges die alten Streitigkeiten aus der Welt schaffen und das Fortbestehen einer Organisation, wie die des Abtvehrvereins überflüssig machen werde, sich nicht erfüllt habe. Denn schon hätten die Gegner ihr übles Banner wieder entfaltet Nachdem der Vorsitzende einiger verstorbener Männer, die sich» um die Bestrebungen des Vereins besonders verdient gemacht haben, u. a. des Stadtverordneten v. L a s a u l x - Frankfurt a. M. und des Pros. Ohr, die als Offiziere den Heldentod gefunden, in ehrenden Worten gedacht hätte, erstattete der Schatzmeister, Landgerichtsdirektor a. D. K a n z o >v /M. d. A., den Kassenbericht, tvorauf die Entlastung erteilt wurde. Sodann sprach Bergrat Gothein über das Thema: „Die Juden im Heere". Er erinnerte an das Kaiserwort: „Ich kenne, keine Parteien, sch kenne nur noch Deutsche." Ohne Unterschied der Konfession sei man mit Begeisterung iit den Kampf gezogen, um ein Vaterland zu. erstreben, frei nach außen, frei im Innern. Groß sei die Zahl der jüdischen Freiwilligen gewesen. Wir mühten denen danken, die für das Vaterland ihr Leben geopfert, aber auch denen, die den Gedanken der Völkerverständigung vertieft haben, wie dem auf dem Felde der Ehre gebliebenen Ludwig Frank. Mer der proklamierte Burgfrieden habe nicht lange vorgehalten bei den 'Engherzigen und Neidischen und bei den Nationalisten. Die böse Saat des Antisemitismus sei wieder aufgeschossen. Man habe den Juden ihre Kampfesfrcudigkeit bestritten und sie zurückgesetzt. Dadurch! dürften sie sich aber nicht verbittern lassen. Mancherlei Beschwerden habe er (Redner) beim Kriegsministerium vorgebracht und zum Teil sei eine Besserung eiugetreten. Vorgesetzte, die ihre Untergebenen nicht gleichmäßig behandeln, ..versündigten sich am Geist vom 4. August 1914. In Mancher. Beziehung sei es ja besser geworden, zirka 1500 jüdische Offiziere -seien ernannt worden. Die jüdischen Soldaten hätten im vollsten Maße ihre Schuldigkeit getan. Wer 8500 Eiserne Kreuze 2. Klasse und Wer 80 1. Klasse seien ihnen verliehen worden. Tausende von Toten und Verwundeten hätten sie aufzuweisen. Und angesichts solcher Blutzeugen seien sie in meist anonhnren Denunzationen als Drückeberger hingestellt worden. Statt die Denunzationen in den Papierkorb "zu versenken, habe der Kriegs minister Wild v. Hohenborn sie gewürdigt und die konfessionelle Statistik angeordnet, was tief bedauerlich sei. Eine antisemitische Absicht habe gewiß, nicht Vorgelegen. Wer der Minister sei sich nicht darüber klar geworden, wie sein Erlaß wirken muhte. Das tzeuge nicht von einer weisen Voraussicht. Und der inzlmschxn erschienene zweite Erlaß "könne die üble Wirkung des ersten nicht aufheben. Redner kritisierte des weiteren den in der ReichKtagskommission beschlossenen Antrag Wer eine in den Kriegsgesellschaften vorzunehmende Statistik, wobei. sich übrigens die nationalliberaleil Mtglieder in Gegensatz zu ihrer Fraktion gestellt hätten Der Vorgang in der Kommission sei eine grobe Ungeschicklichkeit, eine Dummheit gewesen. Man hätte Bismarck zum Vorbild nehmen sollen, der 1874 jede konfessionelle . Statistik entschieden abgelehnt hatte: Eingehend erörterte Redner die hervorragenden Verdienste von jüdischen Männern der Wissenschaft und der Praxis, wie Malter Rathenau, Frank, Caro, Haber, auf dem Gebiete der KriegsiWustrie und erwähnte den Anteil der Juden an den Kriegsanleihen. An den Kriegsgewinnen seien Juden wie Christen beteiligt, der Unheilige Goldhunger sei konfessionslos. Nähmen nicht auch die christlich-germanischen Landwirte die Preise, die sie kriegen können? Ferner hob Mg. Gothein die Leistungen der jüdischen Aerzte im Kriege hervor und die Beteiligung jüdischer Männer und Frauen an der Kriegswohlsahrtspslcge und an .der sozialen Fürsorge. 5* Kaffee Bnhland 5* ■ Kaiserstrasse 56 KaiserBtrassel56 Täglich erstklassige _WHF“ Unterhaltungsmusik _ i^aaaai Gesangs ^Einlagen, mssssamm ~~ frankfurter Israelitischer Familienblatt. Därum sei «» unerhört, daß unm di» Juden entrechten will,' .eine schwere Versündigung an dem :glüen: Geist des'deutschen Volkes.. Stürmischer Beifall "lohnte die Ausführungen hcs' Redners. . , Der Korreferent, Landtagsabgeordneter Justizrat Wald stein, bezeichnete es gls eine Pflicht nicht bloß der Indens gegen die Verunglimpfung eines Teils des deutschen Volkes Verwahrung einzulegen. Wenn manche Inden meinten, man sollte die Opposition gegen die Statistik unterlassen. Um nicht den Eindruck hervorzurufen, als ob man etwas'zu verbergen hätte, so dürfe das deutsche Volk, ein deutscher- Volksvertreter einen solchen Standpunkt nicht vertreten. Jeder habe seine'Pflicht zu erfüllen; welche» Glaubens er sei, gehe niemand an. Das jetzige Verhalten des Zentrums stehe in Widerspruch zu dem von ihm seinerzeit eingebrachten Toleranzantrag. Von einem anttsemitischen Exzeß dürfe man hier nicht sprechen. Ter Fehler liege auf dem Gebiete der politischen Moral, der politischen Intelligenz. Beim Kriegsminister liege ein Mangel an psychologischem Empfinden vor. Wie es den Deutschen schlecht gehe aus dem internasionalen Bewertungsmarkt, so gehe eS den Juden schlecht ans dem inneren Bewcrtungsmarkt. Der Staat begehe Selbstmord, >venn die eigenen Organe seine Gesetze, feine Verfassung nicht achten. Es entspreche auch einem internationalen Bedürfnis des Deutschen Reiches, daß in Deutschland und Preußen Gesetz und Recht gelten. Möge unser Auswärtiges Amt aus diesem Gesichtspunkt die Dinge betrachten. Er glaube, daß der ans Neid und Mißgunst verankerte Antisemitismus nicht so leicht verschwinden werde, zumal große Parteien ihn als Mittel für ihre Zwecke benutzten. Wenn sie sich selber nicht damit befaßten, so ständen ihnen Spezialisten zur Verfügung, die das unsaubere Handwerk gegen fremde Rechnung (übernehmen. In der ersten Zeit des Krieges habe sich der Anttsemitismus verkrochen. Als sich im weiteren Verlaufe des Krieges die Schwierigkeiten und Mühseligkeiten häuften, sei er wieder hervorgekrochcn. Nun sei er am Werke. Trotzdem solle man sich nicht dem Pessimismus ergeben. Die gewaltigen Tatsachen des Krieges würden ein Gegengewicht bilden. Dem Antisemitismus gegenüber gebe es mirein Mittel: weiter seine Pflicht zu tun nnd sich mit dem Mut wappne», die die stumpfe Welt besiegt, den Blick mif das große Vaterland richten und dafür sorgen, daß aus den Schrecken des Krieges ein ehrenvoller, dauernder Friede nach außen und nach innen hervorgehe. .Nachdem sich der stürmische Beifall, der auch diesem Redner zuteil wurde, gelegt hatte, knüpfte sich! an beide Vorträge eine Debatte, an welcher sich die Herren Hirsch- Mannheknl, der über die Stimnmng seiner Glaubensgenossen in Süddeutsch'äud berichtete, H offsted t-Berlin, ein Veteran von 1870, der sich jetzt als 70 jähriger — zu seinem großen Leidwesen vergeblich — der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt hat, und Abg. K a n z o w beteiligten. Letzterer betonte, daß der b a y r i sch e Kriegs- Minister das Verlangen nach einer Judenzählung mit aller Entschiedenheit zurückgewicsen habe, beleuchtete den in der letzten Zeit von rechtsstehenden Blättern betriebenen Antisemitismus» riet seinen jüdischen Mitbürgern, sich durch die unliebsamen Vorkommnisse nicht verbittern zu lassen, sondern ihre Pflicht gegen das Vaterland doppelt zn tun, und schloß Unter lebpaftein Beifall mit einem Appell an die Erschienenen, die Bestrebungen des Mwehrvereins mit allen Kräften auch materiell zu unterstützen. Mit einem von Herrn Hirsch-Mannheim ausgebrachten, von der Versammlung mit jubelndein Beifall aufgenommenen Hoch auf den Vorsitzenden, Mg. Gothein, fanden die Verhandlungen ihren Abschluß. ' Halberstadt. Der KriegSwaiseu Fonds der AgudaS Jisroel. TaS leidvolle Schicksal der jüdischen Kriegswaisen zu lindern ist zu Beginn dieses Jahres der Kriegswaisen- Fonds der Agudas Jisroel geschaffen worden. Das Tätigkeitsfeld des Kriegswaisen-Fonds ist räumlich nicht begrenzt, und überall, wo es die Läge der Waisen erfordert, kann der Fonds nach Maßgabe seiner Mittel helfend eintrercn. Ein Prozentsatz der Sammlung wird von vornherein für deutsche Kriegswaisen zurückgestellt: im übrigen sind sämtliche deutsche Waisenhäuser bereit und in her Lage, Kriegswaisen anfzunehmen. So sind es in erster Reihe die Waisen Galiziens und Polens, welchen die Hilfe des Kriegswaisen-Fonds zu Teil werden soll. In Oesterreich hat sich die Regierung und die private Fürsorge der Kriegswaisen liebreich angenommen. Erstere durch Gewährung einer täglichen Unterstützung, nick» das dort geschaffene Kriegs-Hilfs-Komitee durch Errichtung von Waisenhäusern, in welchen mehrere hundert Künder Aufnahme gefunden haben. So sehr diese Maßnahmen zu begrüßen sind, so bedeuten sie naturgemäß nur die Versorgung einer Anzahl von Kriegswaisen, ltitb der Kriegswaisen-Fonds der Agudas Jisroel findet in Galizien noch, vielfache Möglichkeiten aussichtsreicher Betätigung. Er dürste hierzu umso leichter in der Lage sein, als die "Bereitwilligkeit der Oesterreichischen Regierung besteht, in 'den gemeinsam zn gründenden Waiseninstutionen den Kindern eine streng religiöse Erziehung zu Teil werde» zu lassen. Aus Grund dieser wohlwollenden Anerkennung des jüdischen Pflichtenkreises schweben nunmehr Verhandlungen, welche voraussichtlich in kurzer Zeit einen befriedigenden Mschluß finden tverden. Die Verhältnisse in Polen, das über Hilfsorganisationen nicht verfügt, stellen an den Kriegswaisen- Fonds besonders große Ansprüche; hier hat die Tätigkeit des Fonds schon vor Monaten eingesetzt und zuerst, im Hinblick. auf eine leichtere BerkehrSmöglichkeit, die Nähe der deutsche» Grenze bevorzugt. In Kali sch hat der Fonds vorerst fiir 50 Waisenkinder ein Asyl geschaffen, dem die Kinder bis zur Erwerbsfähigkeit angehören, und das den Armen die zerstörten Elternhäuser zn ersetzen versuchen wird. Die Leitung des Asyls liegt _CttfcJ in'den Händen der Herren DktzrraAbtner Liebschfüsp, Kalisch, und mehrerer Damen aus angesehenen Familien der Memeinde Kalisch. Das Wter der kleinen.-Insassen bewegt/ sich Ävischen dem dritten und . dem zwölften Jahre; dieganz Kleinen spielen -unter dein Schuß" ehrenamtlicher/. HH ferinnen, die Größeren, erhalten Unterricht im 'Asyl, dse Knaben besuchen den Cheder nnd die älteren Mädchest werden ,nit der Hausarbeit vertraut gemacht. Heiteres Leben erfüllt die fieundlichen nnd gesunden Räume deA Asyls» die mairches Kind schützend bergen, das sonst dein Elend und der Verwahrlosung anheimgcfallen wäre. | Nach dem Muster von Kalisch gilt G nunmehr rütch an anderen Plätzen Polens Asyle ins Leben zn rufen, doch nur allmählich können diese Heimstätten dem harten Boden der Gegenwart -erwachsen. Immer auD neue sind vielfache Widerstände zu überwinden und neue Geldmittel und selbstlose Hilfskräfte unter der Last schwerer Aufgaben fiei zu machen. Deimoch wird unablässiger Arbeit cuuh hier der Erfolg nicht fehlen, um die beklagenswerten polnischen Waisenkinder m. G. Hdem Leben und dem Judentum zu erhalten und zu erziehen. Die spätere Zukunft der Kinder in den zu gründenden Asylen erscheint durch die Verwirklichung, einer großzügigen Stiftung in erfreulichem Maße gesichert. — Ein Freund der Bestrebungen des Kriegswaisen-Fonds hat ein großes Kapital als Grundstock zum Ankauf eines landwirtschaftlichen Lehrgutes zur Verfügung gestellt, ein Plan, der fteilich erst nach Wiederkehr friedlicher Verhältnisse zur Ausführung gelangen kann. Der Spender plant, den Erwerb eines Gutes in beträchtlicher Ausdehnung. woselbst Waisenkinder i>r allen Zweigen der Landwirtschaft nnd des Handwerks erzogen werden, und wo mich die Segnungen einer Talmud-Hochschule nicht fehlen sollen. . Das dritte Land, dessen der Kriegswaisen-Fonds helfend gedenken, wird, ist Palästina; schon mehrfach sind zur Linderung der furchtbaren Not unter den palästinensischen Waisen größere Spenden aus den Mitteln des Fonds veraWgabt worden, und eine organisierte Rnterstützung steht unter den ersten Aufgaben des Arbeitsprogramms, das sich der Kriegswaisen-Fonds erwählt hat. Es wäre ein besonders beglückendes Bewußtsein, verlassenen, unglücklichen Kindern auf dem Boden des heiligen Landes die rettende Bruderhand für die Jahre des Ilnglücks gereicht zu haben. — Soweit in kurzen Zügen der Entwicklungsgang des Kriegswaisen-Fonds der Agudas Jisroel; die Anfänge seines Tuns, seine Pläne für die Gegenwart nnd seine Hoffnungen für die Zukunft. Am 12. November hat in Berlin die Gründung des Fonds als Verein siattgefunden, und auf neuer Grundlage nimmt nunmehr die Hiljsarbeit ihren Fortgang. Der Kriegswaisen-Fonds hofft in allen Kreisen der deutschen JWenheit freiwillige Helfer und Spender in großer Zahl zu finden, um auf deren Leistungen seine eigenen aufbauen zu können. H, Sch München, 24. November. Zur KoufessionSstatiftik. Seine Exzellenz der bayrische Kriegsminister empfing am .22. November eine Abordnung der Münchener und Nürnberger jüdischen Gemeinden. Sie berichtete Wer die hochgradige Erregung, welche die Anordnung der Zählung der Mischen Heerespflichtigen sowie die Art ihrer Durchführung bei den Israeliten an der Front und iiir Heimatgebiet hervorgerufen habe. In seiner Erwiderung betonte der Herr Minister, die Tendenz des Erlasses richte sich nicht gegen die Israeliten, er bezwecke vielmehr Beschaffung von Unterlagen, unr den Mschuldigungen gegen die jüdischen Heerespflichtigen entgegentreten zu können. Seine Exzellenz erklärte weiter, nach wie vor .auf dem von ihm im Vorjahre im Landtag eingenommenen Standpunkt zu stehen, wonach er bei den Soldaten keine Konfession, sondern nur die Pflichterfüllung kenne und würdige. In Uebereinstimmung hiermit werde er eine andersartige AWlegung und Anwendung des Erlasses nicht nur im Interesse der Juden, sondern im allgemeinen vaterländischen Interesse nicht dulden. („IW. Echo.") Oesterreich-UuUar». Wien, 15. November. Die Stellung der Zionisten zur Autonomie Galiziens. Am 14. und 15. November wurde eine Vertrauensmänncrversammlung der Zionisten Oesterreichs abgehalten, in der besonders Delegierte aus Galizien stark vertreten waren, und der Beschluß einstimmig angenommen: „Das Exekutiv-Komitee der österreichischen Zionisten wird beauftragt, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, daß bei der Neugestaltung der Verhältnisse in Galizien die Rechte der Juden als einer gesonderten nationalen Gruppe in vollem Maße berücksichtigt werden. In erster Linie istdieErrichtungeinernationalenKurie (nationalen Katasters) zu fordern." Krakau» 2. November. Eine Konferenz der galizische» Gemeinden. Hier tagte am 30. Okt. unter dem Vorsitz des Präsidenten der hiesigen Gemeinde, Dr. Till es, eine Konferenz der größeren Kultusgemeinden Galiziens; 14 Gemeinden, darunter von. Lemberg, Krakau, Tarnow und Przemhsl, schickten Vertreter. Man beriet über die Stellungnahme der galizischen Juden zu dem bekannten Plan einer Gesamtorganisation der österreichischen Juden. Es waren auch Delegierte der Chassidim anwesend. Rach anfänglichem Zögern der orthodoxen und chasfidischen Vertreter wurde schließlich eine Einigung — unter gegenseitiger Konzession — erzielt. (Bgl> dieSbez. Artikel.)