Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 44 (17.11.1916)
- Date
- 1916-11-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Str. 44. Schweiz. Sinderhort. - < Zürich. Der hiesige ilraelt ische F auenveiein gründete eirftn Kircherh'ort für Kinder im schulpflichtigen Älter, die für den Nachmittag beschäftigt und beaufsichtigt werden. RmnLuie«. Die jüdische Lage. Das „Neue Pester Journal" meldet aus Zürich : Der Antisemitismus in Rumänien blüht nach! wie vor. Der Minister des Innern Mortzum und der Kringsministcr Viutila Bratiami haben Verfügungen erlassen, wonach aus den Grenzgebieten Dorobei, Botuschani, Nemnutzu, Prahova und Buzen alle Juden zu entfernen find Diese „weisen" Verordnungen findet der „Advernl" unpolitisch und verwirft sie und zwar aus dem Grunde, -da sonst die jüdischen Reichen sich von den Kriegsanleihen fernhalten werden, Türkei. Eine neue jüdische Schule. San»ta«tinopel. Der „Hilsverein der deutschen Juden" denkt nächstens ein Lhceum von acht Klassen für jüdische Mädchen hier zu errichten. ÄLan hofft, da alle Vorbereitungen getroffen sind, es in kurzer Zeit zu eröffnen. Außer der türkischen Sprache soll noch in dieser Anstalt deutschhebräisch, englisch und französisch gelehrt werden. Der «eue jüdische Patschafter. Das Ankommen des neuen jüdischen Botschafters, Herrn Abraham Elkns wurde durch die türkischen Zeitungen warm begrüßt. Elkus gedenkt in kurzer Zeit die hiesigen Synagogen zu besuchen! und seine Aufmerksamkeit auf die Angelegenheiten der türkischen Judenheit, besonders aber auf die Bedürfnisse der ärmeren Juden in gleichem Maße wie sein Vorgänger Morgenthau zu richten. — Diese Nachricht muß mit Genügtuung begrüßt werben, und es ist zu hoffen, daß er bei längerem Verweilen in der Türkei gleich seinem Vorgänger^ sich nach' uno nach zum Judentum wiederfinden wird und ebenso wie Morgenthau sein Interesse für die jüdische Kolonisation Palästinas bekunden wird. PMstirm. Sanitäre Angelegenheiten. Die sanitären Verhältnisse in Palästina haben dev „Verein her jüdischen Merzte und Naturforscher sür sanitäre Angelegenheiten in Palästina" veranlaßt, einige Broschüren zur Aufklärung über die zur Zeit dort herrschenden Krankheiten in den verschiedenen Landessprachen herauszugeben. Von diesen Schriften liege» jetzt zwei vor, beide aus der Feder von Dr. B e h a m: eine, allgemeine Schrift über den Krieg als Urheber und Verbreiter der bekanntesten Jnftktionskrankheiten und eine eingehende Schrift über die Cholera. Beide in hebräischer Sprache. I Das Jüdische Krankenhaus Schaare Zion In Jaffa. , Das Krankenhaus Schaare Zion, das zu Beginn des Krieges infolge materieller Schwierigkeiten seine Tätigkeit fast hätte einstellen müssen, veröffentlichte vor kurzem einen Bericht, aus hem hervorgeht, daß die Zahl der Kranken, die während der.ersten 18 Kriegsmonate Aufnahme fanden, 315 beträgt. Me Zahl der Tage, an denen die Patienten im Hospital behandelt und gepflegt wurden, beläuft sich! ans 5688. In der Wöchnerinneuäbteilung wurden 31 Frauen entbunden. Die Zahl der Patienten, die außerdem von diesem Krankenhaus untersucht und behandelt wurden, ohne dort aufgenommen zu werden, beträgt mehr als 3600. Mehr als 1200 verschiedene Arzneimittel wurden an Arme kostenlos abgegeben. Aus dem amerikanischen Hilssfond hat das Krankenkenhaus. 15000 Frcs. erhalten, außerdem ein erhebliche Quantum von den Lebensmitteln und Medikamenten des „Vnlkan". Aus anderen Hilfsfonds erhielt hie Anstalt 2300 Francs. Cauada. Die „Federation vf Zionist Societies of Cauada" hielt in Montreal eine Sitzung ab, bei der Herr Clarence de Soladen Vorsitz führte. ES wurde der Plan besprochen, Herrn Dr. Benzion Mossinsohn zu einer Tournö duvch Canada einzuladen, die cus Propagandareise für die Verbreitung des zionistischen Gedankens, und' gleichzeitig zur Stärkung des „Notstandsfonds" dienen soll. Die Canadische Zionistische Föderation schuldet diesem Fonds noch 12000 Dollar, die sie seinerzeit zugesagt hatte. Das Executiv-Comite wurde ermächtigt, mit dein Provisorischen Zionistischen Executiv-Comitö in New Jork wegen der Reise des Herrn Dr. Mossinsohn die nötigen Arrangements zu treffen. ' Neue Zionistische Vereine, die sich der Föderation angeschlossen haben, sind in Windsor und Toronto putstanden. Um den Zusammenschluß der Zionisten Montreals zu stärken und um häufigere Zusammenkünfte in kleinerem Kreise zu ermöglichen, die einen Gedankenaustausch bezwecken, der in Volks-Meetings nicht erzielt werden kann, wurde die Errichtung eines „Zionistischen Hauses" in Montreal beschlossen und eine Kommission gewählt, die genauere Pläne ausarbeiten und bei der nächsten Sitzung dorlegen wird. Sr Kaffee Kühlend -JJ 'Kaiserstrasse 56 Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige fiV* Unterhaltungsmusik ■ Gesangs. Einlagen, ras;'", Der Krieg «uv vie Juve«. Frankfnrtt a. M Bize'eldwebel, Referendar Dr. Fritz Oppenheimer, Art. Batt. 717, Unteroffizier Jakob Loewensberg, Jnf.-Rgt. 224 erhielten das Eiserne Kreuz. Frankfurt a. M. Unteroifizi-r FranzBock, Feld-Art - Regt. 63, Unterofsizier Karl Bock, Fcld.-Art. Regt. 27. wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. -».ünchen. Kgl Oberarzt d R. Or. Scytoßverger erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. A-chen. O"eiaizt D >. H er mann Mähe r, Sohn des Kaufmanns und Synagogcngemeindevorstehers Louis Mayer, erhielt das Eiserne Kreuz 1. K l. Saarbrücken. Leumank und Kompagnie'ührer der Masch-Gew.-Komp. d> Jns.-Regts. Nr. 25, H u g o Lyon, Sohn des Kausinanns Alfons Lyon, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Posen. B'zrfeldwek'el S ch l o m e in Posen. O'fizierslellvertretcr Franz Pin cus, Posen, erhielten, das Eiserne .Kreuz. Wien Viechs „Oestrrr. Wochenschrift" verzeichnet in ihrer vorwöchentlichen Nummer folgende Auszeichnungen an Juden: 3 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 3 Militär-- verdienstkrcuze 3. Klasse, 15 silberne Signum laudis, 26 bronzene Signum laudis, 7 goldene Verdienstkreuze mit der Krone, 19 goldene Verdienstkreuzc, 10 silberne Verdienstkreuze mit der Krone, 2 silberne Berdicnstkreuze, 4 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Kl., 33 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Kl., 63 bronzene Tapferkeitsmedaillcu, 7 xiserne Verdicnstkrcuze mit der Krone, 4 eiserne Verdienstkreuze, & lobende Anerkennungen, 1 deutsche Kriegerverdienstmcdaille, zusammen 201 Auszeichnungen; hiervon 70 an Offiziere mrd Kadetten des Soldatenstandes, 23 an Aerztc und Militärbeamte, 100 an Personen des Mannschaftsstandcs. Sanitätsfähnrich Otto Bauer erhielt in Anerkennung vorzüglicher und aufopfernder Dienstleistung vor dem Feinde zum zweiten Male das goldene Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaillc. Theodor Schweinbnrg, Beamter der Firma Schindler & Stern in Brünn, vom Infanterieregiment, wurde mit der bronzenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Er stand bereits zweimal an der Front und hat sich bei der letzten Nussenoffensive im Juni d. I. hervorgetan. > Die Dekorierung fand nach! der GAksnng von seiner Verwundung am 30. Oktober d. I. inHfiaim vor versammelter Mannschaft statt. Perio«alie« «. Kleine Mitteilrmge«. Schleswig. Geheimer Sonilätsrat D r. Adler, Schleswi , erbielt d>n Knnenorden 3. Kl. Posen. Eine Mitgliederversammlung der Zionistischen Ortsgruppe, die zahlreich besucht war, fand Hierselbst statt. Der Vorsitzende der Ziomstischcn Vereinigung für Deutschland, Herr Rechtsanwalt Dr. Hantle, Berlin, referierte über die Gesamtlage hes Zionismus. Eine freie Aussprache schloß sich an. Swnetdemüvi. Die verwitwete Frau Marianne Jeremias vollendete ibr 90. Ledensjahr. Schneidemüht FelixSommerfeld NewIork,spendete einen höheren Betrag flir Kriegsbeschädigte hier. Maqllno. Moritz Arnheim beging seinen 80. G.burlstag. Könitz Kaufmann Lewin wurde als Stadtrat in sein Amt eingeführt. Posen. Stadtrat Elke les wurde auf6Jahren wiedergewählt. Krojanke. D->s Eh paarRaph. Juliusschefeierte seine goldene Hochzeit. Frankfurter Berichte. V Wer hilft? Der Winter steht vor der Türe und Tausende von Menschen, durch die Schrecken des Krieges von Hans mrd Heimat und Familie getrennt, sehen im Gefangenenlagern, Jnternternngsanstalten, als Flüchtlinge und Heimatlose, der kalten Zeit, die ihre Leiden noch mehren sollen, mit neuen Sorgen entgegen. t! Es ist Pflicht aller, denen es gegönnt pst, .sich selbst ihres warmen Heimes zu prfteuen, aller, die Käglich Gebete > zu Gott senden um Schutz und Hilft für ihre Lieben im Felde, heilige Bruderpflicht aller, jbic die Wizwah vom „Malbisch Arumim" zu schätzen wissen, jetzt mit doppelter Kraft und mitfühlendem Herzeit alles Entbehrliche an Kleidern, Stiefeln, Wäsche, Decken, Wollwaren usw. für die Notleidenden herzugeben. Die jüdische Frauenvereinigung, Fahrgasse 146, hat die Sammlung und Vermittlung der Kleider in den Kreis ihrer Aufgaben gezogen und soll von allen Kreisen, die ein mitempfindendcs Herz für keidvolles Menschenschenschicksal haben, in die Lage gesetzt werden, diese zurzeit dringendste Pflicht nach besten Kräften zu erfüllen. Man ntöge Wäsche, Kleider, Wollzeug Usw. für die tausenden frierenden Menschen, die ohne ihr Verschulden in Not und Elend geraten sind, an das Kleiderdepot der Frauenvereinignng, Börnestraße 56 schleunigst überweisen, von wo sie ans dem nächsten Wege ihrem Zwecke zugesührt werdem „Montefiore".Eröffnungsabeuü. Der Verein Montefiore eröffnet« am Mittivoch, den •S. November, in seinem Vereinslokal seine Wintertätigkeit mit einem musikalisch-deklamatorischen Abend. Einleitend sprach .der Vorsitzende Dr. Löffler. Er konstatierte dabei, , daß die Mitgliederzahk durch den langen Krieg stark abgeiwmmen hat,' da viele Mitglieder in aktiver Weise sich am Krieg beteiligen. Er gedachte dabei rühmend der Gefallenen und der in Feindeshand Geratenen, besonders des sich sehr um den Verein verdient gemachte» Vorstandsmitgliedes, Rechtsanwalt Dr, Horovitz und ersucht die in Frankfurt gebliebenen Mitglieder, insbesondere die Damen zur regen Unterstützung des Vereins. Nach einer in hübscher Weise vorgetragene» Gesangarie aus dem „Freischütz" durch Frl. E. ,B l o ch unter geschickter Klavierbegleitung von Frl. Baß, trat die als Rezitatoriu rühmlichst bekannte Frl. Cilly Rapp zueinem Vortrag von Perez' meisterhafter Erzählung „Bonze Schweig", auf. Sie schickte in trefflichen Worten eine Einleitung dem Vortrag voraus, uud damit sich lensere Leser mit dem lehrreichen und charakteristischen Inhalt dieses Stückes vertraut machen, bringen wir das Wesentliche zur Veröffentlichung: Perez schildert i» diesem - Stücke einen Juden, der seilt ganzes Lebeit lang gelitten, geduldet aber uieinals geklagt, sondern alles Leid schweigend hiugenommeu hat. Der Verfasser entwirft das Bild eines Märtyrers, der ohne ein Weiserl zu sein, doch weise ist, utrd wie ein wahrer Weise sich über alle Unbill, über alles Irdische hinwcgsetzt. Das Mtsagen und Entbehren ist ihm so Natur geworden, daß er selbst im Jenseits, wo er für sein großes Dulden belohnt werden soll, sich mit einem Nichts begnügt. Dieser Held ist aber ein Typus/der Typus des Ghettojuden, der es vermochte, dank seiner großen Dulderseele alle Verfolgungen, alles unsägliche Leid für seine Ideale geduldig zu ertragen uud ihretwegen jahrhundertelang ein trauriges, finsteres Goluslcben zu führen. Perez gibt uns ein Bild vont Märtyrerlcbeu unserer große» Ahnen und. löst uns das stiätsel von der Erhaltung des jahrtausendelang nntcrdriickten, jüdischen Volkes, indem er uns die große moralische Kraft zeigt, die ihnen innewohut. . " Ihre meisterliche Vortragsweise machte sichtlichen und tiefe» Eindruck auf die aufmerksame Zuhörerschaft und wurde mit reichem Beifall gelohnt. Es folgte ein Instrumental-Vortrag von Fräuleiii Selig mann (Violine) uud Frau Dr. Plaut (Klavier), der sich! der vorhergehenden Leistungen würdig anrcihte. Frl. Bloch mit einem schönen Liedergesang und Fräulein Cilly Rapp beschlossen den gelungenen Abend mit einer vortrefflichen Rezitation .Andersen'schcr Märchen. Außerordentlicher Delegiertentag der Zionistischen Bereinigung für Deutschland. Das Zentralkomitee hat beschlossen, einen außerordentlichen Delcgiertentag eiuzuberufcn, der am 25. und 26. Dezember 1916 in Berlin im Savoyhptel, Friedrichstraße 103, tagen wird. Da es sich Um einen außerordentlichen Delegiertentag handelt,' finden Neuwahlen zum Zentralkomitee nicht statt. Die Sitzungen sind nicht öffentlich. Tagesordnung; 1. Bericht des Vorsitzenden Dr. Arthur Hantkc. 2. Referate S. Schocken-Zwickau und Kurt Bluinenseld- Berlin: „Zionistische Gegenwartsarbcit"..' Die Mazzosversorgung für das bevorstehende Peffachfeft. Das zur Herstellung der Mazzos erforderliche Mehl wird gemäß einer Verfügung, die das Dircktorinm der Rrichsgctreidestelle unterm 21. Oktober R. M. 10322 an sämtliche Landeszentralbehörden gerichtet hat, deit^ Bäckereien durch Vermittlung ' der Zentrale für Mazzosvcrsorgung G. in. b. H., Frankfurt a. M., Schützenstraßc 14 geliefert. Auf die aus diesem Mehle hergcstellten,Mazzos finden die Anordnungen, die in den Kommunalverbänoen auf Grund von § 47—51 der Bundcsratsverordnnng vom 29. Juni 1916 erlassen sind, keine Anwendung. Die Koinmnnalverbändc sind also nicht berechtigt, die Versendung von Mazzos außerhalb des Bezirkes zu untersagen, Vorschriften sür Zusaminensetzuiig, Größe und Gewicht der Mazzos zu erlassen oder ihre Abgabe auf bestimmte Zeiten oder in anderer Weise zu beschränken. Vielmehr wird die Regelung des Verbrauchs von MazzoZ in diesem Jahre in folgender Weise itattfinden: Zunächst hat jede Bäckerei und jeder Händler mit Mazzos den Namen jedes Mazzos-Käufcrs nebst Menge, Lieferungsdatum und Lieferungspreis in ein besonderes Buch einzutragen, das auf Erfordern der Ortspolizeibehörde vorzulegcn ist. Die Lieferung von Mazzos an die Verbraucher erfolgt nur gegen Bezugsscheine. Die Bezugsscheine werden gegen Vorlage des Brotausweises der Regel nach von dem Vorstände derjenigen Synagogengenieindc ausgestellt, die für den Verbraucher zuständig ist. In Ausnaymesällen kann auch die Zenrrale selbst Bezugsscheine ausstetlen. Ueber die Höhe des jeder Person durch Bezugsschein zuznbilligrndcn Quantums von Mazzos und das Verfahren bei der Ausstellung der Bezugsscheine werden die Syuagogengemeindcn rechtzeitig durch die Zentrale verständigt werden. Die Inhaber von Mazzos-Bezngssch,einen verlieren das Anrecht aus die auf den Zeitraum vom 7. April bis 14. April einschließlich entfallenden Brotkarten. Soweit auf diesen Zeitraum Bruchteile von Brotkarten entfallen, ersclgt die Abrundung zu Gunsten des Bezugsberechtigten. Den Koninuinalverbä^den bleibt. es überlassen, den ihnen von den Synagogengemeinden namhaft zu machenden Inhabern von Bezugsscheinen hiernach die in Mage kommenden Brotmarken bei der Ausgabe zu kürzenTWill ein Kommunalverband von dieser Befugnis keinen Gebrauch machen, so hat die betreffende Synagogengemeindc die-ans die Pessachzcit entfallenden Brotmarken von lden rituellen Haushaltungen, wie im vorigen Jahre, einzn-