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Neue jüdische Presse · 1916-11-10 · Heft 43 (10.11.1916) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 43 (10.11.1916)
Date
1916-11-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 43. Frankfurter Israelitisches FamilienblaÜ. Seite 5 F. SAINT-DENIS, ALLE REPARATUREN an UHREN Gold und Sliberwaren, Brillen und Zwicker. „Dazu habe ich Dich erzogen, habe Dich gefüttert zwanzig Jahre lang. Du Ungeratene, daß ich jetzt mit grauen Haaren das Gespött der ganzen Stadt ertragen soll. Wie sie jetzt alle alten, längst begrabenen Geschichten wieder aufrüh'ren werden. Habe ich nicht meine Pflicht getan und Dich oft genug gewarnt: Sei vorsichtig, Du bist eine Frau, nimni Dich in Acht, treibe es nicht zu toll mit dieser vermaledeiten Liebelei. Aber Du saßest ja mehr Uns Zernowitz wie in Deinen eigenen vier Pfählen. Konntest Dil nicht Gott danken, daß Dich dieser Mann noch geheiratet hatte?" Getreu - ihrem Programni erhob Marie jetzt einen fürchterlichen Lärm. Zu ihrem Unglück, zu ihrem grenzenlosen Unglück habe sie -diesen Goldmann keimen gelernt. Den Tag, an welchem sie mit diesenr jüdischen Doktor getraut wurde, hätte sie besser nie erlebeil sollen. Sei es nicht schon eine schändliche Rücksichtslosigkeit von ihm, sie-dem Skandal dieses Duells auszusctzen? Aber sie sei unschuldig — unschuldig ivic — sie wußte nicht weiter — die beliebte Zitation der neugeborenen Kinder lind Länrmer reichte ihr offenbar als Beioeis nicht ans, „so toahr Du ein ehrlicher Mann bist, Onkel Mucha," rief sie feierlich, „ich bin unschuldig." „Schweig!" donnerte der Apotheker. Es fehlte nicht viel, so hätte er sie geschlagen. (Fortsetzung folgt.) Kunst «ud Literatur. Die fremde Frau. Roman von Paul Ziffer er. Berlin 8. Fischer. „Wer Oesterreich kennen lernen will — und für die nächsten Jahre wird es kailin fiir >ms ein wichtigeres Studium geben —, muß dieses Buch lesen." So schloß die Frankftrrter Zeitung ein glänzendes Feuilleton über die fremde Frau, wenige Tage nach dem Erscheinen dieser Geschichte einer jüdischen Familie Von der dentsch-slavischen Grenze Mährens. Wir aber sagen an dieser Stelle: Dieses, Buch sollte in keiner deutsch-jüdische» Familienbücherei fehlen. Dem reichsdentschen Leser wird freilich in dieser Familie manches lieb und vertrant, noch, mehr aber fremdartig und ungewohnt Vorkommen. Handelt cs sich doch um die Schilderung des Familienlebens reiner Agrarjuden, nicht einer Jntelligenzbevölkerung, wie es die Juden im Reich zum größten Teil sind. Diese .Inden — c§ ist ja eine ' wirkliche Familienchronik, ein ganz bestimmter Ort wird geschildert — sind weit mehr in ihrer Umgebung anfgegangen, als es in Deutschland der Fall ist, sie leben in gemütlichen Beziehungen zur Ober- und Unterschichte; ivte bei ihrer Umgebung ist im Erwerbssinn uüo Sinn füx, wenn,auch bescheidenes, materieelles Behagen jede Bildungsregnng erstickt, selbst der Name Goethe ist ihnen iAr Schalt und Ranch.; der Kater ist-unumschränkter-Herr nicht nur im alt-jüdischen Sinne, sondern herrscht mit zarischer Geivalt nach dem Muster der slavischeii Umgebung. Die Söhne und Töchter 'werden einfach nach der Familienpolitik verheiratet, um alle materiellen luib geistigen Kräfte des Ortes der Familie zu sichern. Doch bringen diese Elemente die neue Zeit ins Haus) den Abfall von Religion, Stami» und Sittlichkeit, den Ehebruch unter Nahverwandten. Die letzten Bande alter Gewaltherrschaft sprengt aber die fremde Frau, die gebildete, schönheitsdurstige und schönheitbringende arme Hausiererstochter, welche der Stammhalter des Hauses in trotziger Mannesliebe halb widcrwillig in das Haus schleppt, dessen Eingang ihr verwehrt tvird, in dessen Stall sie dein künftigen Erbbn das Leben schenken Timst. Nicht mir iiu wirklichen, .sondern figürlichen Sinn baut sie eine „leichtsinnige Etage" auf das einstöckige Patrizierhaus, eine Etage, in der nach ihrem Willen Frohsinn und Kinderlachen, Freude am Schönen, Wohlgefallen am Guten herrschen sollte" In das Eheleben und Leiden dieser. Frau ist aber ein gutes Stück österreichischer Geschichte verwoben: Wie sie den starren Sinn des Hanfes beugen will und beugt, gewinnt dieses langsam die Herrschaft über sie; auch sie wird zur strengen, konservativeTl Patrizierin, welche die rauchende Muhestättc, in welche die Brandstiftung und der Steinhagel der aufgeregten slavischen und antikapitalistischen Menge die „leichtsinnige Etage" verwandelt hat, auch dann nicht verläßt, als der Gatte gestorben, der Sohn, ein junger .Arzt, der den Wandertrieb und den Drang in die Höhe und znm Licht von.'der Mutter geerbt hat, sie iil. die Ferne lockt. Wenn der Dichter es verstanden hat, für den männlichen Leser in diese Familiengeschichte ein gutes Stück der Philosophie der so komplizierten Geschichte des österreichischen Sprachenstreites und der Entstehung des österreichischen Antisemitismus zi: verweben, wenn er ihm das ganze auch nichtjüdische Leben einer mährische» Provinzstadt schildert, sv iverden die Frauen mit Entzücken das geheimnisvolle Webe» und Leben dreier Kinderscelen belauschen, besonders rührend ist die Schilderung des Innenlebens des blinden Kindes. Durch die keusche Linienführung mld die wahrheitsgetreue Darstellung des Familienlebens wird das Buch auch sür die reifere Jugend von Nutzen sein, der es schon wegen. der meisterhaften ^Sprache empfohlen iverden soll, und die es, sowohl männliche als weibliche, unablässig auf das Feld der Arbeit führt. Denn ein unglaublicher Fleiß zeichnet diese mährische Familie ans, wie es ja in diesen! Lande, dessen reicher Segen einem oft spröde» Boden abgewonne» iverde,! inuß, wirklich der Fall ist. Und sehe keiner auf diese Bauernjuden herab. Nicht nur im Roman iverden sie in der nächsten Generation Politiker, Aerzte und Künstler; in der Tat haben diese jüdisch-ländlichen Kreise Mährens der Monarchie mehr als einen Dichter, Denker, Parlamentsredner, wie viele Großindnstrielle in ihren Kinder» geschenkt. Die nächsten Bände der vom Antor geplanten Reihe ans der Geschichte derselben Familie Grabner sollen eben die Umwandlung des Landjudentuins in der Großstadt Wien, den wechselseitigen Einfluß, den die Kaiserstadt ans diese Elemente und diese Elemente wieder in der Stadt ansüben, schildern. Möchte das rcichsdentsche Leserpublikum, das jüdische und nichtjüdische, den späteren Bänden denselben guten Empfang bereiten, das es der schüchternen an die Türen klopfenden Hansiererstochter Beate, der „fremden Frau" bereitet hat. Empor die Herzen: Unter diesem Titel hat das Kriegsgefaiigencil-I-ürsorgekomitec vom Roten Kreuze in Oesterreich einen kleine» geschmackvollen Band mit dem nnnmehr auf der ganzen Welt schon wohlbekannten segensspendenden Zeichen am Titelblatt im Verlag von Seidel & Sohn in Wien erscheine» lasse». Dieses Buch ist als Andacht»- und Erbauungsblich für alle Kriegsgefangenen gedacht und wird ihnen vom Roten Kreuz als Gabe zugefendet sowohl den österreichischen, die in Feindesland schmachten, als fiir die bunten Scharen, welche die österreichischen Gefangenenlager füllen. Es nimmt daher ans die religiösen Bedürfnisse nicht nur aller moiwthesttschen Religionen Rücksicht, es hat auch reichliche Zitate dem Buddhismus unb den indische» Epen entnommen, tote dem großen modernen indischen Dichter Rabindranath Tagore. Im Zeichen des Burgfriedens wurde ganz offiziell ein getvescner katholischer Priester, der Philiosophieprofessor r der Wiener Universität, Dr. Franz Strunz und der Wiener Rabbiner Dr. Max Grün Wald,-ein geborener Reichsdeutscher, mit der Abfassung und Zusammenstellung des Buches betraut. So wird den» nicht nur das alte Testament in zahlreichen Bruchstücken auch der Talmud und Midrasch, „Jehnda Halevi uno Maimonides nebst Erbauungsstückeu aus Dr. Gnmwalds vielgelesenem Gebetbuch, „Beruria" werden hinaiiswandern bis an die chinesische Grenze. Unsere, großen deutschen Denker Kant, Fichte und Schleiermacher, Goethe, Schiller und Grillparzer sind gleichfalls pertreten. Aus ' den heiligen Büchern des Judentums, Christentums und Islams wie ' aus allen Werken, ist nur das heransgchobeu, was allgemein menschlich, für aUe Leidenden Gebet sein kann. „Brüder, eine Gabe der Mutterl der-Heimat), damit ihr an den Vater denkt", dies die Geleitworte unseres trefflichen Wiener Rabbiners an die Gefangenen einer Welt in Waffen. Jiidischs Jahrbuch für die Schweiz, ,->(>77. Hermisgegcben von der Kommission zur Verbreitung jüdischer Volksbildung in der Schweiz. 220 Seiten. Luzern. Das Jahrbuch mit seiner Fülle literarischer, wissenschaftlicher Tlnd belletristischer Arbeite» stellt dem jüdi-' scheu Leben in der Schiveiz das' beste Zeugnis ans. I OfPenbaeher Druckluft- Anlage I I Ottenbach >. HL Telefon 123. (Anschluss mitFrankfuit). I I -’ewährteste TsppIchralnlOUng J100.000 qm jährlich)I I sowie unübertroffene Bettenu. Bettfedernrelnl-1 gung mittelst Druckluft and Wasserdampf. Woche»-Saleirder. Samstag, 11. Novbr. (— 15. Cheschwan) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. '4 Uhr 20 Min. Sabbat-Ansgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 35 Min., in Berlin 5 Uhr 05 Min. Wochenabschnitt: Wajeiro. — Abrahams Gastirenndschaft unb Menschenliebe. Der Untergang Sodoms und Amoras. Abimelech. Die Geburt Jsaks- Hagar und Jsmacl. Gottes Aufforderung an Abraham, seinen Sohn Jsak zu opfern. Wocheiigottcsdienste in Frankfurt a. M. Morgens: 6 V» Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindau 7 Uhr, Hauptsynagoge, Königsteinerstr. 7 V» Uhr). _ r Abends: 41/; Uhr in de» meisten Synagogen (Hauptsynagoge 4 Uhr, Königstcincrstraße 7 Uhr), Unterlindau 4>/i Uhr. ’ Rerews-Kalerrder. Iüd. Franc »Vereinigung. _ ) Sonntag, den 12. November, abends 6 Uhr, pünktlich im Hörsaal Friedb. Anlage 5, Kursus des Herrn Dr. I. Breuer: Gesetzcslehre und Prophctenwort. Dienstag, den 14. "November, 4>4 Uhr, pünktlich Kaffee Kursaal, gesell. Zusammensein. T almu d-T h o ra-B ere in. Freitag Abend: Bortrag des Herrn H. Schwab. Verein Mckor Chajim. _ Freitag abends itai: Schluß der Synagoge im Hörsaal V „Mikroh-Vortrag": Herr Wilhelm Wolf. Abends N/e Uhr im Hörsaal: „Elementarkursus" mit anschließender „gemütl. Zusammenkunft". _ 1 Samstag. Borin. 121', Uhr „«efer Melochim": Herr Prof. A. Weyl (im Hörsaalj. Nachm, 31» Uhr.„Ajiu Jakob": Herr S. Schachnowitz. Sonntag. Nachm. 6 llhr im Vereinslokal „Unsere Kriegs- -: gebete": Herr S. Schachnowitz. Freitag, 10. Nov.: Abends 83h Uhr. Geselliges Beisammensein. Leitung Herr Rabb. Drtzorovitz.) fDameu . sind cingeladen.) >!! Dienstag, 14. Nov.: 1. Literarischer Lescabend. (Leiter Herr Dr. Plotke.) Mittwoch, 15. Nov.: Vortrag „Das Problem der jüdischen Jugend", mit .Aussprache. (Herr Dr. jur Alexander.);- Frankfurter Famlliennachrlchte». V a riniz >vo s. Werner Epstein, Unterlindau 23, Hauptsynagoge. — Verlobte. Berta Weinmanu, Königswarterstr. 27 . mit Vizcsildw. Sally Buch, Schöne Aussicht 7. — - Gestorben. Lina Brach geb. Willstätler, 70 I. — Willy Goldstein, 47 I. Auswärtige FamMeunachrichten. . Geboren. Ein Sohn Rabbiner Dr. Gelles (Gnttmann), Lissa. — Hugo Springer (Simonsohn), Schubin. — Verlobte. Lina Kahn, Heilbronn mit Dr. med. Karl Landauer, Heilbronn/München. Gestorben. Rechtsanwalt Dr. Benjamin Marxheimer, 23 I., Wiesbaden, i. Feld. — Simon Bernheimer, Inhaber des Zähringer Löwenorden '2. Kl., 65 I., Karlsruhe. — Gutmann Straus, 81 I., Bruchsal. — Leutnant Dr. Phil. Alfred Jacobsohn, Essen, V Feld. — Walter Moritz, 23 I.; Hugo Nathan, 33 I., Berlin i. Feld. — Louis Borchärdt: Adolf Eppenstcin, Berlin- — Adolf Schuck, 76 I.. Nattbor. — Rudolf TarnowSki. 30 I., Berlin. — Jacob Straus, 57 I., Worms. ' Frau Sara Ziinels geb. .Legalle, Danzig. — Augenarzt Dr. Erich Jacoby, 44 I., Berlin- — Willy Rosenthäl, Wiesbaden, i. Feld. — Iran Josephine Lcvisohn geb. Gcldschinidt, 71 I., Düsseldorf- — Julius Lion, 84 I., Cassel. — Jakob Schaffner, 21 I., i- Feld. — Speude«. ' Beim Frkf. Jsr. Familienblatt gingen ein: Palästina-Hilfe. Minna Rcgenstem-Goldmeier, Neuhnusstr. 5 3 Mk. — Samuel Silbermann, Thorn 25 Mk. , Bei der Nationalfondskomniission (I. Heiinann,! Zeil 21) gingen ein für; Spendenbuch. ) Julius Marburg anl. der Barmizwoh seines'Sohnes Ernst ( 10.— Mk. — I. Darmstädter und Frau auf den Namen ' ihres sel. Bruders Ludwig Rapp 1 Oclbaum 6.— Mk- — j; Dr. med. Rosenthal, Bad Homburg 10.— Mk- : Jul. Herrn. Homburg vorm. J. Ci. B. Trost Filiale jSpezialhaus fiir solide J(fichengeräte und JCrankenhausarlikel. Beirat wünscht.Reisender, 29 I., in bester Stellung, Mk. 7000.— Einkommen. Mitgift 20—30 Mille. Ellern ober Damen selbst, passend. Alters, bitte ich um Aufgabe. Rstckp. erbeten. Erich Heu, Berlin-Pankow, Mühlenstraße 44. Suche für m. 18jähr. Tochter Sie als Volonin in nur besserem Hause, gleich welch Branche, woselbst sie sich im Geschäft, so auch im Haushalt vervollkommnen kann, bei freier rit. Station, Familienanschluß und klein. Vergütung. Angebote Berlin Vi 15, Bregenztrstraße 16, Perttz. 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