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Neue jüdische Presse · 1916-11-03 · Heft 42 (3.11.1916) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 42 (3.11.1916)
Date
1916-11-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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seite 2. Die galizische» Verschleppten in Rntzlaud. Me Zahl der nach! Rußland verschleppten Einwohner Galiziens dürste niiickestens 30 000 betragen. Larnnter 20000 Juden. Die Reise nach dem Bestimmungsort Lauerte gewöhnlich Woche», ja sogar, mehrere Monate, da die Äkehrheit nach Sibirien gebraM wurde. Sehr viele mußten den ganzen Weg zu Fuß znriilklegcn. Sie litten furchtbar von Kälte und Hunger, bekamen nichts außer Brot und Tee, oft auch, das nicht. So durchzogen sie in Gruppen von hundert und mehr Schicksalsgenossen die verschiedenen russischen Gouvernements, überall Mitgefühl hervorrusend. Zum „Ausruhen" waren die russischen Gefängnisse bestimmt, die inimer von Verschleppten Wersüllt waren, da immer neue Schären herangetriebcn wurden. Die Verbannung von Juden beim Hcrannahcn des Feindes wurde zuerst in den berüchtigten Befehl des Großfürsten Nikolai von Anfang 1915 angeordnet. Mit dem Wechsel des Oberkommandos im August 1915 wurde die gewaltsame Evaknation hinter der zurückrollenden russischen Front eingestellt und im Gegenteil angeordnet, die Juden womöglich in „der Richtung des Feindes durchzusteßssn". Ende 1915 setzte dse russische Regierung cirie spezielle Kommission ein mit der Aufgabe, alle Begleitumstände der Masscndeportationen zu erforschen. Diese Kommission fand Tausende von Personen in den verschiedenen Gefängnissen. Keiner konnte den Grimd seiner Verhaftung angeben, es waren gar keine Akten vorhanden,- aus. denen man irgend welche Aufklärung hätte schöpfen können. Ueberall reinste Willkür der russischen Polizei-Organe, die Tausende mit ihrer Existenz, Hunderte sogar mit dem Leben bezahlten. Die Tätigkeit der Kommission hätte zur Folge, baß die in den Gefängnissen Schmachtenden befreit wurden. Die Verschleppten wurden dann eingeteilt in Geiseln, administrativ Verschickte und solche, bei denen Grund und Charakter der Verschleppung rächt festgestellt werden konnte. Geiseln wurden aus jeder verlassenen Ortschaft mitgenommen: cs weiß aber bis heute kein Mensch in Rußland, wofür diese „Geiseln" zu haften haben. Zu den administrativ Verbannten gehören manchmal sämtliche Einwohner eines Städtchens. Im Bestimmungsorte angelangt, werden die Verschleppten der „Obsorge" der Ortspolizei übergeben, die sie in den meisten Fällen brutal behandelt. Die meisten befinde« sich, wie erwähnt, in Sibirien. Wovon - sic leben oder ob sie über irgend welche Mittel verfügen, wie sie sich vor der oft 50 Grad erreichenden Kälte schützen, darum kümmert sich, die russische Regierung näht. Es herrscht Anarchie. In einigen Gouvernements werden je einige Kopeken täglich verteilt, in anderen erhalten die Verbannten gar keine Unterstützung. Das polnische und das jüdische Hilfskommitec bewilligen zwar gewisse Zuschüsse,' über von diesen genießen meist nur die Glücklichen, die im europäischen Rußland verblieben find. Nach Sibirien, wo fast alle Juden sich, befinden, gelangt diese Hilfe fast überhaupt nicht. Die österreichische Regierung hat durch? Vermittlung der amerikanischen diplomatischen Mission in mehreren Städten die Gründung von Hilss-Kommitees veranlaßt, die zunächst 300 000 Rubel monatlich zur Verteilung unter, die Verschleppten ’ erhielten und durchschnittlich je >8 Rubel pro Person verteilten. Wer auch in diesem^Falle blieben die nach Sibirien Verbannten von der Hilfeleistung fast ganz unberührt. Der vor kurzem aus Rußland zurückgekehrte jüdische Vizebürgermeister von Lemberg Dr. Schleicher, den die Russen im Juni 1915 ebenfalls als Geisel verschleppt hatten, intervenierte nun bei der österreichischen Regierung in dieser Angelegenheit. Anfang August fand im Ministerium des Auswärtigen eine Konferenz statt, in der vereinbart wurde, daß der monatliche Unterstützungsbeitrag der Regierung auf 500 000 Rubel erhöht wird. Auch werden wahrscheinlich, für Winterkleider 250000 Rubel einmalig bewilligt werden. Die Zahl der Hilfskommitees soll vergrößert, die monatliche Unterstützung auf 15 Rubel pro Person erhöht werden. Und es soll dafür gesorgt werden, daß auch die nach. Sibirien Verschickten der Hilfe teilhaftig werden. Es ist Kar, daß auch? diese Hilfe nicht zur Linderung des entsetzlichen Elends ausreicht. Die Juden 'Oesterreichs haben .die Pflicht, die Regierung zu noch wirksameren Maßnähmen zu bewegen, und auch die jüdischen Hilfsfonds sollten energisch eingreifen. ' . (I. A. K.)' . Flavins Josephus und seine Zeit. Bon Ahr hu Marcus s. A. (Fortsetzung.) Der Edelste, der Götzenvatcr, läßt zu, daß die von ihm verführten Frauen eingekerkcrt oder ertränkt werden; feine Kinder kann er weder retten, noch! ihren Tod ohne Tränen ertragen. Ehebruch! ohne Scham zuschauend, gestichen die Götter ihren Neid offen ein. Der Aelteste, ' ihr König, konnte sich nicht so lange bezähmen, bis' er zu seiner Gattin zum Schlafgemach gekommen war. Andere dienten bei Menschen als Knechte, wurden gefesselt. Me allerschlimmsten Migetaten und Leidenschaften wurden ihnen nachgesagt, bis sie schließlich in 2 Kategorien cin- ' geteilt erschienen: in gute und unheilbringende. Den Ursprung dieser Aeußernngen eines epidemischen Wahnsinns sieht Josephus darin, daß die Leiter der gedankenlosen Massen die Religion den Dichten» und Rednern überließen. Und wo die Dummheit zu unerträglich wurde, suchten sie durch geistlose Flunkereien mit allegorischen Erläuterungen zu beschwichtigen. Vergeblich nahmen vereinzelte Vernünftige dagegen Stellung. Sokrates mußte den Versuch! mit dem Tode durch che» Schierlingsbecher büßen. Plato will keinen Dichter in seinem' Staate dulden und schickt selbst Homer sveg, zwar be- FranHurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 42 kränzt und mit Oel begossen, aber weg ans dem Gesichte (Politica III, 9), damit er nicht die richtige Ansicht über die Gottheit durch! seine Fabeln verdunkle. Er verfällt daher ans Gesetze, daß erstens alle seine Bürger sämtlichle Gesetze eingehend zu erlernen haben, zweitens der Verkehr mit Ausländer»» sei zu verbieten, um seine Gemciiidc nnvermischt zu erhalten. Die Lakcdämonier weisen dementsprechend alle Fremden ans und verbieten alle Reisen ins Ausland. Wogegen wir die Fremden -mit Menschenfreundlichkeit und Großmut ausnehmen. Änaxagoras ans Klazomene entging dem Todesurteil des Volksgerichtes mir durch wenige Stimme» zu seinen Gunsten, angeklagt, daß er gegen den Glauben der Athener, welche die Sonne anbeteten, diese für eine glühende Masse erklärte. Ans den Ivps des Messers Diagvras war ei» Preis von mim' Talent ansgesetzt, weil er angeblich ihre Mysterien lächerlich mache. Ebenso entging Prvtagorns den» Tode mir durch! schleunige Flucht. Erst neulich haben sic (die Athener) eine Priestcrin (Thcoris) getötet, die beschuldigt war, insgeheim fremde Götter zu leliren. Aber selbst die mordlnstigen Skythen, die sich nur wenig von wilden Tieren unterscheiden, töteten den von den Griechen bewunderten Anacharsis bald nach seiner Rückkehr, als von griechischem Wesen angestcckt. Ebenso die S. Derselbe Sch-impfer Apollonins, der unsere Gc- ,c so schmäht, findet den größten Gefallen an ihren Sitte», fremden Frauen Gewalt anzutun und Knaben zu kastrieren. Wir üben uns nur Im tapferen Dreinschlagen, um unsere Gesetze zu beschirmen. Gut taten die Eleier und die Thebaner durch! das Verbot der Homosexualität, die sie früher den Göttern machsagten, wie auch der Blutschande, dg sie schließlich doch die ssuhaltbarkeit derartiger freisinniger Gesetze einsahen. (Eine Sentenz des Talmud: R. Akiba sagt: 3 Dinge finde ich zNm Lobe der Heiden: 1) daß sie die Torah respektieren. 2) daß ''sie Menschenfleisch nicht in der Fleischbank verkaufen lassen. — Die Römer fütterten bekanntlich, die Milräncn mit dem Fleische von Sklaven und Kriegsgefangenen. — 3) Daß sie für Homosexuelle keine Ehepakten schreiben.) Kein Jude, selbst der Diaspora, fürchtet deu crbittersten Tyrannen so sehr, wie er die Scheu! vor Gesetzesübertretung besitzt. Von uns sind die Gesetze allen anderen Menschen beigebracht worden (dasselbe sagt Paulus in den Römerbriefen), zuerst den griechischen Philosophen. (Obzwar keine historischen Nachioeise fiir eine Berührung zwischen Juden und Griechen vorliegen, die, wie die acgypten Inschriften beweisen, zur Zeit des Exils der Inden in Aegypten noch nackt in den Wäldern hausten und Eicheln fraßen, außer dem Berichte in Joel 4,6, daß die Phöniker gefangene Inden aus Jerusalem an die so fernen Griechen verkauften, so ist dennoch! die -Betrachtung der Kabbalisten beachtenswert, daß der Anffchwung der griechischen Philosophie erst mit dem Anfhörcn der Prophetie in Israel beginnt. Vergl. Galanti Kol bochim. Für die nenentdeckten Gesetze Amrasels und die 12 '.Tafelgesetze hat Dr. H. Müller die Entlehmmg aus uralter semitischer vorhebräischer Zeit nachgewiesen, der die Menschheit die die größte aller Erfindungen, das Alphabet, verdankt. Hommel.) Wer auch schon unter den Massen bemerkt man seit längerer Zeit viel Eifer für unsere Religion; es gibt fast kein Volk, keine griechische oder barbarische Stadt ohne unseren Sabbat, Lichtanzünben, Fasten, viele unserer Wstinenzgcbote, Nachahmung unserer Eintracht, unserer Wohltätigkeit, unseres Gewerbefleißes, unserer Ausdauer in Drangsalen. Dir aber, Epaphrodites, begeistertem' Freunde der Wahrheit und um Deinetwillen allen, die gleich Dir mit unserem Volke näher bekannt werden möchten, sei dieses und das vorige -Buch gewidinet." Während er noch! halb unbewußt die Gefahr schildert, die dem Judciitm» gerade durch! seine damalige Machtstellung drohte, wollen wir zur vollständigen Beleuchtnng jener Zeit den auf ganz entgegengesetztem Standpunkte stehenden Judenfresser Tacitus sprechen hören. Da in der Walther'schen Ausgabe manche Stellen sehr widerspruchsvoll und irrig von lateinisch schreibenden Commcntatoren wiedergcgeben sind, will ich manche Texte dabei wörtlich zitieren. In Historiasnms, lib. V schreibt der berühmte antike Halbbarbar über die Eroberung Jerusalems: I. Die 5., 10. und 15. Legion alter Vespasianischer Soldaten, ferner ans Syrien die 12. und aus Alexandrien die 22. und 23., 20 Kohvrten, acht' Reiterkorps, gleichzeitig mit den Truppen der Könige Agrippa und Sohemus und den Hilsstruppen des Königs von Antiochien nebst den tapferen durch den unter Nachbarn gewöhnlichen Haß judenfeindlichen Araberschaaren griffen an. (Die größte Armee, die Rom in einem Kriege verwendet hätte, Alexanhßr b’. Große eroberte Asien mit nur 40 bis 50 000 Mann.) II. Aber, da wir den letzten Tag der berühmten Stadt erzählen wollen, scheint cs angezeigt, die Vorgeschichte derselben zu eröffnen'. Die Juden sollen von der Insel Creta nach! Lybien geflüchtet sein zur Zeit, als Saturn durch Jupiter von der Regicruirg entsetzt wurde. Der Beweis wird durch! den Namen erbracht. Alls Creta gibt cs nämlich einen Berg Jda, dessen Anwohner Iden heißen, ans dc»t nach! barbarischer Aussprache „Juden" wurde hWenn er noch gewußt hätte, daß inr polnischen Jargon noch.heute Jiden gesprochen wird. Wie er Gift darauf genommen. Man sieht und wird sehen, daß Welufänsen mit seinen Hypothesen« der reine Stümper gegen ihn ist.) Damals regierte in Aegypten ein gewisser Isis (diese Verwechslung der Göttin Isis kann ihin umsoweniger zunr Vorwurf gereichen, als das schwarze Jfisbild mit dein Hbruskinde aus seiner Anbetungsstätte vom Kreuzzü'glcr Ludwig XI Ms Aegypten nach Europa in das Kloster von Czenstochau gewandert ist, als polnisches Anbetnngsobjekt. Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig.), welchjer die Aegypten überschwemmende Menge mitsamt deren Anführern Jcrusaleni und Juda in das benachbarte Land. (Lybien) abschob. Meistens wurden sie als Aethiopenstamm bezeichnet, welche unter der Regierung des' Cephcus die Furcht »und der Haß ihre Wohnorte zu verändern gezwungen hätte. Andere nbcrlieser«, sie liiiü'cu Eingeborene von Assyrien und halte«, sich als Ackerbauer eines Teiles von.Aegypten bemächtigt, dann. ihre . eigenen Städte und hebräischen ^Ländereien in Syrien' besetzt. „Clara alii Judaeornm initia Solymos, earminibns Homeri celebratam! gentcni, conditaü urbi Hierosolyma nomen Cifiw fcciffc." (Statt 20 verschiedener Auslegungen glaube ich! einfach:) Klär ist nach anderem!!der Ursprung der Juden von den Solymcrn, einem in Homer's Gesängen gscsciertc.m Volke, die den Namen der von ihnen gegründeten Stadt Hicrosolyma' ans öem ihrigen bildeten. III. Die meisten Witoren kvnimen überein, daß, als in Aegypten eine Pest (tabes) ausbrach, welche die Körper verwüstete, der König Bocchoris das Orakel des Auünon um ein Mittel befragte, das Reich, zu reinigen, woraus ihm besohlen ward, dieses den Göttern verhaßte Geschlecht in fremdes Gebiet zu versetzen. (Die Aegypter hatte» sich nämlich überzeugt, daß. die Juden die von ihnen angebcteten Schäfsköpfc mit Vorliebe als Schalet benützten.) Darauf erwählte das über das ausgedehnte Land zerstreute, zusamincil getriebene Volk, mit sonstigen Unglücksvögeln vereint, einen gewissen Moises, der ihnen pinschärfte, daß sie weder von Göttern noch von Menschen Hilfe zu. erwarten - hätten und von beiden verlassen, ihin' als hinimlischem Führer vertrauen sollten, mit dessen Hilfe sie das jetzige Unglück überwinden werden. Da sie aber weder aus noch ein wußten, schlugen sie den ersten besten Weg ein. Wer mehr >als alle Not quälte sie der Wassermangel. Schon unlocit der Grenze blieben sic »auf allen Feldern liege», als «eine Herde wilder Esel (unbedingt eine allegorische Anspielung aus die modernen Bibelkritikcr), von! der Weide in einem, schättigen Walde auf dem Felsen aufgescheucht, herabjagte. Atoises, den grasrcichen Spure» solgend, entdeckte reiche Wasseradern, Erleichterung. Nachdem sie nun einen Weg von sechs Tagen durchmesscrr hatten, besetzten sie am siebenten die Länder, deren Bewohner sie verjägten, in denen sie die Stadt und den Teinpel weihten. IV. Moises, um sich für die Zukunft Andenken zu sicher», gab ihnen neue, allen übrigen Sterblichen widersprechende Gesetze. Unheilig ist Lei ihnen alles; was uns heilig ist, dagegen bei ihnen aUes erlaubt, >vas bei uns stündlich isip Das Bild des Tieres, 'Las als Wegweiser den Durst gebannt hätte, beten sie im Heiligtum an (Tac. wußte noch nichts von der christlichen Anschuldigung des Blutes zu Mazzes, oder vielmehr er wußte, daß sie, die für einen Esrog schpn damals 1000 Denar zahlten, bei jedem Barbier dasselbe literweise viel billiger erstehen konnten), dem sic einen Wieder (Schäfskopf) opfern zur Beschimpfung des Ammon. Ebenso wird ein Ochse geopfert, weil die Aegypter den Apisstier anbeten. Schivcine genießen sie nicht zum Andenken an die Krankheit, die sic als Räude einst bestrllen chät, der hieses Tier nntcrworse» ist. (Und Kameele?) Den Langen Hunger (von sechs Lagen), den sie damals.gelitten hatten, bekennen sie noch Mete durch häufiges Fasten. Und da sie Aehren von den Feldern abreißcn mußte», um ihren Hunger ßn stillen, so wird das Judenbrot mit keinem Sauerteig gebacken. Den siebenten Tag verbringen sie in Müßiggang, well er Las Ende ihrer Anstrengungen brachte. Daher auch in süßer Untätigkeit das siebente Jahr deq Trägheit ergeben. Ändere schreiben dies zu Ehlren des Saturnus zu, sei es als alter. Gebrauch! der mit dem Säturnus ausgetriebenen Iber, sei es, weil.diesem Sterne der »höchste Kreis unter den 7 die Sterblichen regierenden Sternen und die größte Macht zngeschrieben wird, auch die meisten Sterne ihre Bahnen in siebentägigen Cyllen durchlaufen. (Delitzsch ja hat minder wissenschaftlich denselben Unsinn aus der babylonischen Sitte nachgewiesen, den-siebenten Tag als. Unglückstag mit Trauer und Fasten zu begehen, woher das Schälctessen bei den Juden stammt.) V. Diese Riten, sei es, woher sie stammen, werden durch ihr Alter entschuldigt. (Er ist. jedenfalls zuvorkommender als Wcllhansen, der ihre Entstehung gleichzeitig ungefähr mit der Gründüng von Mecklenburg setzt.)' Alle übrigen Einrichtungen sind verkehrt, häßlich und müssen als unschicklich gelten. Denn (jetzt anspaffcn!) jeder Schlechteste, der die väterlichen Religionen verachtet, zollt ihnen Tribut und Geschenke, daher ist ihr Staat so mächtig geworden (englische Motive) und weil zwischen ihnen hartnäckige, Treue herrscht, Mildtätigkeit in Bereitschaft, aber gegen alle anderen feindseliger Haß. Getrennt von anderes Gastmählern, abgesondert von ehelichem Umgang mit ihnen enthält sich das zur Ausschweifung geneigteste Bolk der Begattung mit Fremden, aber unter sich ist.'ihnen nichts unerlaubt. Sie haben die -Beschineidung .der Genitalien eingesührt, um durch diese Verschiedenheit ein Erkennungszeichen zu haben. (Man ersieht daraus, wie vollständig ans der Lust gegriffen Berliners Hypothese ist, die Römer hätten die Äeschueidnng für eine Art Castxation gehalten, daher seien die Verbote dagegen, die seit Hadrian erlassen wurden, eigentlich nun gegen Castration, die überhaupt sträflich war, erlassen worden.) Die zu ihrem Gesetze übergehen, tun dasselbe, denn.keiner wird früher darin unterrichtet, als bis er die Götter verachtet, das Vaterland verleugnet,Eltern, Kinder,. Bruder geringjchAtzt.i Um die Menge zu vergrößern, wird er ßfcmt ausgenommen.' Wum es gilt sogar als Derbrcch'en bei zhüech einen Volksangehörigen! zu töten, Uiid sie glauben, daß. die Seelen der im Kampfe oder Marterst- Gefallenen unsterblich seien. Daher stammt chre Liebe zür Vermehrung und ihre Todesverachtung. „Hinc generandi anwr et moriendi contemptus". (Selbst Alex. v. Humboldt hält noch die Fortpflanzung für ein Verbrechen (öt dein jn die Welt Gesetzten.) Die Toten begraben sie wie auch verbrennen sie nach ägyptischer Sitte. (Doppelte Unwissenheit! Denn beide Völürr kennen kein Verbrennen.) Daher: dieselbe Sorge und Ueberzeugung von der Unterwelt.- , Im Gegentell zu den Aeghptern, welche verschtebene Tiere und znsamiuengesetzte Bilder als himmlisch verehren, (der Satz hat dem Üebersetzer viel Schwierigkeiten bereitet) erkennen die Inden, ein einziges! uur int Geiste wahrnehmbares Wesenan. Unhellig seien diejenigen, die Gott in Bildern vergänglichen Stoffes und' in Menschen-

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