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Neue jüdische Presse · 1916-10-11 · Heft 40 (11.10.1916) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 40 (11.10.1916)
Date
1916-10-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40. - > , Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3 E. T. Itodehau, Herrenschneider Fraukfurt a. Main, Frieäensstrasie No. 1 Telephon: Römer 3650. FFINSTi! JnASS-SCHtfEIDEREi: Auf Wunsch koschere Verarbeitung. 10 silberne Signum landis, 21 bronzene Signum landis, 20 goldene Verdienstkreuze mit dev Krone, 'S goldene Verdienstkreuze, 8 silberne Verdienstkrenze mit der Krone, 1 silbernes Verdienstkrenz, 12 silberne TaHferkeitsniedaillen 1. Klasse, 19 silberne Tapferkeits'-» Medaillen 2. Klasse, 87 bronzene Tapferkeitswedaillen,, zusammen.187 Anszeichiinngen; hiervon 46 an Offiziere und Kadetten des Soldatenstandes, 32 an Militärärzte nnd Militärbeamte, 109 an Mannschaftspersonen. Budapest. Der Großgrundbesitzer Isidor Straßer hat in einer Woche (eine beiden Söhne ans dem Felde verloren: den Oberleutnant Dr. Wbert Straßer, Vizesekretär int Justizministerium, und den Kadetten Georg Straßer. Zürlck. Angenehmes Aufsehen erregte am Vortage des Neujahrsfestes auf dem Hauptbahnhofef um die Mittagsstunde eine Gruppe von deutschen Kriegs¬ und Zivilinternierten. Sie Umreit, ebenso tote die französischie »-Internierten jüdischer Konfession zum Neujahrsfest nach. Zürich gekommen auf Betreiben des „Roten Mögen David", .der auf Anordnung des schweizerischen Armeestabes für alle religiösen Bedürfnisse aller Internierten jüdischer Religion in der Schweiz zu sorgen hat. Die .Herren/ junge, schmucke Gestalten, deren Aenherem nicht allzu scharf ihre Leiden nnd Wunden anzusehen waren, wurden ins . Hotel Simplon und in die Pension Wolfs geleitet wo für sie von Seiten des „Roten Mögen David" für Wohnung nnd Beköstigung vorgesorgt worden war. Sie nahmen an dem Gottesdienste in der großen Synagoge wie auch in dem Bethause der Jsr. Religionsgesellschaft teil und waren überall, wo sie erschienen,.der Mittelpunkt des größten Interesses und der tiefsten Teilnahme. Bon allen Seiten ergingen an sie Einladungen, ja Privathäusern in engerem Familienkreise, ihren kurzen Urlaub zu verbringen, um' ihnen' zumindest auf diese Weise einen teilweise» 'Ersatz des von ihnen so lange entbehrten Heimes, zu bieten, st . . Groß, war ihre Freude, als; sie erfuhren, daß der „Rote Mögen David" nicht nur die Verlängerung ihres Urlaubes über den dem Neujahrsfeste. unmittelbar folgenden Samstag hinaus erwirkt, sondern auch: die Erlaubnis für einen zweiten Urlaub für Jom Kippur bei den Behörden erreicht hat." - „Jsr. Wochenbl." London. Die russisch-jüdischen Emigranten wählten in einer Konferenz, in der u a. Sokolow, AchadHaam und der englische Abgeordnete King, anwesend waren, eine Abordnung aus 15 Herren, die dem! Minister Samuel ein Kompromiß. Vorschlägen soll, dahingehend, die russischen Juden nur zur nationalen Arbeit (in den Munitionsfabriken rc:) und zur Verteidigung des Landes zu verwenden. I j London. Außer Generalmajor John Monasch hat das englische Heer noch einen zweiten jüdischen General, nämlich den Brigadegeneral Seligmann, einen Sohn des verstorbenen Banners Leopold Seligmann. Personalien«. Kleine Wittetl««<en. Berlin. Die Jüdische Gemeinde erhielt u a. folgende Zuwendungen: 50000 Mk. von Siegfr. Brünn s. A. für eine Siegfried- und Ennna-Brünn- Wohltätigkeits-Stiftnng und 15000 Mk. von Frau Emma Hirschberg geb. Moses' für die Altersversorgungsänstalt. Bern«. In den letzten Wochen erklärten hier u. a. den Austritt aus .dein' Judentum: Chefredakteur Dr. Felix Borchardt, Amtsrichter Dr. Joseph Boehm, Frmt verw. Oberstabsarzt Margarete Herzfeld geb. Rosenthal, Kaufmann Carl Silberstein und 'Kaufmann William Adolf Markus. Karlsbad. Der Kultusgemeindevorsteher Ludwig Moser Lst im 84. Lebensjahre!Verschieden. In Klasno verschied der Großindustrielle Mich. Perlberger, durch > seinen Wohltätigkeitssinn hoch angesehen. BenSheim. Solomon Guthorn und Frau Franziska geb. Loeb feiern am 10. Oktober die goldene Hochzeit. Bad Nauheim. Wie im vorigen KciegSjahre haben auch in dieser Saison die Israel. Kinderheil stätte und das Israel. FraMenheim in B.ad Nauheim ca. 300 Herzkranke mit sehr gutem.Erfolge verpflegt. Der -traurige Krieg mit seinen Aufregungen und knappen Lebensmitteln hat so viele Herzkranke geschaffen, daß es kaum möglich war, alle Gesuchs zu berück- . sichtigen. , Um auch! in den Wintermonaten tunlichst Hilfe tzu bringen, wird das Frauenheim in Bad Nauheim seine Räume, .wenn auch nur gegen Zahlung der Selbstkosten, offen halten. BreSla«. Die Stadtverordneten haben der Annahme einer. Erbschaft des-verstorbenen Rentners Hermann Auerbach zugestimMt, der die Stadt als Universalerbin seines Nachlasses im Betrage von dreieinhalb Millionen Mark eingesetzt hat. Der Betrag soll für eine große Reihe gemeinnütziger Einrichtungen, darunter die Auerbachfche Erziehungsanstalt für Waisenkinder beiderlei Geschlechts ohne Unterschied der Religion und für -Zwecke des Kleinwvhnungsbaues verwendet werden. F. SAINT-DENIS, ALLE REPARATUREN ui UHREN Gold und Silberwaren; Brillen und Zwicker. Memel. Hier verschied im Alter von 72 Jahren Frau Amalie Wolpe, Witwe des vor 12 Jahren in Frankfurt a. M. verstorbenen Jonas .Wolf Wolpe Die große Beteiligung an der letzten Ehrung zeigte, welche Schätzung sich Frau Wolpe auch hier in Memel erworben hat. , Budapest. AbrabamLederer.der frühere Direktor der Israelit.- Landes'-Lehrerpräparandie nnd Begründer des Israelit. Landes - Lehrervereins, ist im 90.- Lebensjahre verschieden. ' Bonhhad lUngwn) Rabbiner E lies er Chajim Deutsch, eine rabbinische Größe ersten Ranges,'ist.im Alter von 64 Jahren verschieden. Rabb. Deutsch war anfangs Landwirt. Er wirkte zuerst in Hanusfalu und seit 20 Jahren .in Bonyhad. Trotzdem er seit mehreren Jahren am Darmkrebs litt, arbeitete er noch bis zuletzt an seinem Werke „Tekonaus Agnnaus", das der Krieg veranlaßte. Amsterdam. Am 24. September wurde von dem niederländischen „M i z r a ch i e" ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, anläßlich der ersten Jahreszeit von Rabbi I' I. Reines/:Stifter des Mizrachi.e. Rüben Cohn aus Scheveningen hielt die Gedächtnisrede, und Rabbiner Philip Copenhagen sprach das Jizkaur. Petersburg. Dr 8. S. Katzenelson begeht an 18. Novbr. seinen 70. .'Geburtstag. Seine Verehrer planen aus diesem Anlasse die Herausgabe seiner wissenschaftlichen Werke „tinö seiner Erinnerungen.; Frankfurter Berichte. Personalien. Ein bedeutender Talmudgelehrter und tiefgründiger Kenner des jüdischen Schrifttums ist in Ephraim Mendel Ephrosi . verschieden. In Litauen iM . Jahre 1843 geboren, einer alten Rabbinersamilie entstammend, zog er in -seiner Jugend 'schon! die Aufmerksamkeit seiner Lehrer auf sich, die den außerordentlichen Scharfsinn und das reiche Gedächtnis des jungen „Jlu" bewunderten. Er erwarb früh schon die Berechtigung zur. Rabbinerwürde. AL junger Mann kam! kr nach Frankstirt, wo bis an sein Lebensende unermüdlich und rastlos trotz vieler körperlicher. Leiden dem Studium der Tanroh und der talmudschen Literatur oblag und auch als Lehrer die Kenntnis des Judentums mit Erfolg verbreitete-. Sein Charakter war seinen hohen Geistesgaben ebenbürtig; vor allem seine Wahrheitsliebe Und unbedingte Lauterkeit ließen ihn auch in seinen! Wesen als eineen echten jüdischen Weisenerscheinen. Ein mustergiltiger Jude von jener seltener Konsequenz und Treue zum Judentum, wie sie heute immer seltener werden, ist in ihm dahingcgangen. An unsere weibliche Äugend, Kranen und Mädchen. Ist es Müdigkeit, Lässigkeit, Unlust, was unsere vordem so tatkräftige und schaffensfreudige Jugend befallen hat?— In tausend Gestalten klopfen Not und Sorge an unsere Türe und fordern dringend der werktätigen Hilfe. Und unsere Jugend -mit dem raschen Fühlen, mit dem warmen Herzen, sollte sich diesem Rufe taub zeigen. Ist heute schon Zeit, müde za sein? — Es gilt den beiden Horten, es gilt vor allem der Erteilung freiwilligen Unterrichts! Unendlich segensreich .haben sich .beide Einrichtungen in unserer schweren. Zeit bewährt. So dielen jugendlichen Kräften darf es Befriedigung sein, schwache, leidende Schüler, wenn die mütterliche Obhüt sehlte. gefördert. Nachlässige, Träge zur Besserung gebracht, Wissensbedürstigen in ihrem Vorwärtsstreben geholfen zu habe». Warum wollen sie uns beute ihre Hilfe entziehen? — Die Ansprüche wachsen, die Not ist nicht geringer geworden. Gewiß, wir haben eine große Liste Mitarbeiterinnen und Helferinnen, aber wir haben sie — wie so manches andere leider — zumeist nur auf dein Papier. Gewiß auch, die Anforderungen des Alltags find für den Einzelnen bedeutend schwerer geworden, .dürfen wir uns druyr -der Förderung des allgemeinen Wohles entziehen? — Gehet mit Euch ernst zu Rate, eine, — zivei Stunden Zeit sinken sich trotz allem täglich.' Und geistige Unterstützung dem -minder Begüterten den Weg zur Selbsthilfe ebnen, ist die edelste. Wir hoffen aus unentwegte Mitarbeit unserer bisherigen Getreuen und bitten dringend um zahlreiche Neumeldungen. Adelheid Meyer, Königswarterstr. 13 pt. I d a K a tz , Röderbergweg 71II. El friede Weinstein i. B., Finkenhofstr. 28. Der Mitgiftdoktor. feinllßtoa Eine Erzählung von Clemens Berg. (Fortsetzung.) Max biß sich die Lippen wund, um nicht aufzustöhnen vor .innerer Qual. Wie viele Freuden hatte er denn seinen Eltern noch bereitet? Er hatte sich ja von ihnen losgesagt. — Das Leben — sein Weib —. seine freiere, größere Anschauung hatte ihn von denen getrennt, die einst so. vertrauensvoll in ihrer armseligen, geistigen Beschränktheit ihre Hoffnungen, ihre Zukunfts- Wünsche auf ihn gebaut hatten. — Jetzt richtete der Kantor sein Gesicht ein wenig in die Höhe. Max sah mit Schmerz, wie welk und farbenbleich 'dieses einst so Heitere, frische Antlitz ge- Cafe Kaiser garten am Opernplatz Erstklassiges Famillen-Catß Jeden Nachmittag tob i bis 7 Uhr nnd Abend von 8 V» Uhr ab >T er-BLonzert. ~*i*W worden war. Stärker erhob sich des Kantors Stimme, laut betete er: „Erbarme Dich Ewiger, unser Gott, üben Dein Volk. Laß uns nicht abhängen von den Gaben der Menschen, die nur Fleisch und Blut sind, auch nicht von ihrem Darlehn, sondern von Deiner vollen, stets offenen, heiligen und imbegrenzten Hand, daß wir nicht beschänit und nicht zu schänden werden in Ewigkeit." Wollte ihn der Alte wohl bei seinem Gott verklagen? „Dir wird übel, Mutter," rief eines der Mädchen. „Komm, wir wollen Dich zu Bett bringen!" - Sie wies die dargebotenen Hände zurück. „Laßt mich, stört den Vater nicht." „Du wirst es nicht aushalten, Mutter," sagte der Kantor bekümmert. „Ich habe viel Schlinimeres ausgchalten," sprach sie mit gebrochener Stimme. „Bete Du, das macht mich stark. Laßt mich ansharren bis zu Ende." Sie lehnte sich zurück nnd legte müde die Hand über die . Augen. Der Kantor, der auf einen Wink seiner Tochter Hannah geschickt einige Seiten in seinen! Gebetbuch überschlug, begann wieder: „Verehret Gott, ihr seine Fromk men. Junge Löwen darben und hungern, aber die Gott suchen entbehren kein Gut: „Heil dem Manne, der Gott vertraut, dessen Vertrauter Gott geworden. Ich war ein Jüngling, ward ein Greis, und nie sah ich den Redlichen darben, noch seine Kinde nach Almosen gehen. O Herr, verleihe Deinen! Volke Sieg, beglücke es mit seligem Frieden." Daraus goß der Kantor den kleinen Pokal, der vor .ihm stand, voll mit Wein, lobte Gott, der die Frucht des Weinstockes erschaffen und sprach dann laut »fit hoch erhobenem Becher: „Herr, die Ruchlosen, die Deinen Namen nie erkannt, die Peiniger Deiner Knechte und Deiner Frommen, die Frevler, die ihr Knie nicht beugen, sie erreiche Dein Grimm, sie verfolge Dein Zorn, unter Deinem Himmel, Herr, tllge sie hinweg." „Es .ist heiß," halle die Mutter vorhin gelispelt. Die kleine Sanni war dienstbeflissen zur Tür gesprungen und hatte sie ungestüm geöffnet. Darauf gab das Kind einen Schrei, daß dem erschrockenen Kantor der Becher aus der Hand fiel und sich purpurrot über das weiße Leinen ergoß. „Fürchte Dich nicht, Sanni, ich bin es." Max faßte die immer noch zitternde Kleine an die Hand und trat schnell mit ihr ins Zimmer. Die anderen Mädchen waren gleichfalls von ihren Sitzen aufgesprungen, sic und der Kantor betrachteten den neuen Ankömmling wie ein Spukbild mit nnverhehltem Schrecken, Johanna, die Aelteste, war angstvoll um ihre Mutter bemüht, sie fürchtete, die unerwartete Aufregung würde sie töten. „Verzeiht, wenn ich störe", sagte Max. „Guten abend, alle zusammen. Ich habe gehört, daß die Mutter nicht wohl wäre, und,so bin ich gekommen, ihr zn helfen. Du solltest auch längst zu Bette sein, liebe Mutter, und Dir nicht den Dir so nöttgen Schlummer entziehen. Siehe, ich habe Dir Arzenei mitgebracht, die Deine Schmerzen lindern wird." „Du hist es. Du!" Ohne jede Hilfe hatte die Kranke sich erhoben und schritt auf ihren Sohn zu, hoch aufgerichtet stand sie vor ihm und sprach mit harter, fester Sttmme: „Warum kommst Du in mein reines Haus? Geh' zurück, zurück zu Deinem Weibe, der Entatteten, die Du Dir auserlesen." „Mutter", antwortete er dumpf, „wenn sie schon mein Weib ist, mußt Du sie darum immer schmähen?" „Dein?" Sie stieß ein schrilles Lachen hervor, . „Dein nnd warum auch nicht jedes andern? Weißt Du es nicht, daß die Kinder auf oer Gasse erzählen» - wie des Dollar Goldmann's Frau Buhlschaft treibe mit dem Herrn Baron von Dallwig nnd in seinem' Hause auf den Mühlen schamlos aus- und eingehe tagelang." „Aus meinen Augen, geh'. Deiner Hllfe bedarf ich nicht," sie hatte die Arzeneislasche ergriffen, und schleuderte sie Max vor die Füße, daß die Splitter krachten — „fort, ich will nichts von Dir, Du Genosse Deiner Dirne." Max hörte nicht mehr den entsetzten. Aufschrei der andern, er sah nicht, wie die erschöpfte Frau bewußtlos .ihrem .Gatten in die.Arme fiel, — er war in die Nacht

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