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Neue jüdische Presse · 1916-09-27 · Heft 38 (27.9.1916) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 38 (27.9.1916)
Date
1916-09-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3. Nr. 38 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Li. V. Rodehau, Herrenschneider Frankfurt a. Main, Friedensstrasse No. 1 Telephon: Römer 3650 FOJfSTE M4SS-SCBNEIDBBEI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. 5. Der „Verband", der, wie auch! seine neuerliche Darstellung wiederum beweist, die jüdischen Angelegenheiten sm wesentlichen unter dem formalen Gesichtspunkte der Gleichstellung mit den christlichen Religionsgesellschasten betrachtet, ist nicht in der Lage, religiöse Angelegenheiten mit derjenigen Sachkenntnis nnd Entschiedenheit zu vertreten, deren sie bedürfen, nnr .überhaupt durchzudringen. Aus diesem Grunde kann die „Freie Vereinigung" als Vertreterin des überlieferten orthodoxen Judentums auf das Recht selbständiger Vertretung der religiösen Angelegenheiten vor den Behörden nicht verzichten, und sie war darum mrch nicht in der Lage, sich ans die ihr vom.„Verband" zugemutete Tätigkeit in einer „Unterkommission" beschränken zu r lassen. 'Sie erblickt vielmehr in den immer offener j zutage tretenden Bestrebungen des „Verbandes", auf zentralisierte Vertretung «religiöser Interessen die' schwerste Gefahr für das Judentum in Deutschland, und sie glaubt daher, den neuesten Erlaß, des.Kriegsministeriums allerdings mit aufrichtiger Genügtuung begrüßen zu dürfen. 6. Die Regelung der Heeresseelsorge in den einzelnen Armeekorpsbezirken ist auch nach dem Wegfall der vom „Verband" geschaffenen Organisation nach wie vor durchaus möglich und .durchführbar. Irgend ein sachlicher Schaden wird der Heeresseelsorge aus dem Zurücktreten des „Verbandes" daher nicht erwachsen, zumal das Kriegsministerium in dankenswerter Weise die gewährten finanziellen Zugeständnisse in vollem Umfange aufrecht erhalten hat. Aus alter Wett. Deutsche- Reich. Frankfurt a. M. Auch an dieser Stelle sei auf den vorwöchentlichen Aufruf des Allgemeinen Jüd. Krankenhauses S ch a a r e Zedekin Jerusalem, dessen Verwaltungssitz Frankfurt a. M. ist, hingewiesen. Das mustergültige, init den niodernsten Einrichtungen versehene und von den höchsten Behörden anerkannte Krankenhaus bedeutet heute die Lebensrettung für Hunderte an Seuchen, Unterernährung usw. Erkrankte, und es wäre traurig, wenn das Krankenhaus aus Geldrücksichten nicht bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit gehen könnte. Hoffentlich bieten die hohen Feiertage vielen die Veranlassung zu Spenden. Adresse für Geldsendungen: Allg. Jüd. Krankenhaus', „Schaare Zedek" zu, Jerusalem! in Franksurt a. M. Postscheckkonto 7785. Frankfurt «. M. Einem Briefe, den die hiesige Verwaltung des f alästinens. Hilfsvereins Lenraan Zion soeben aus Jerusalem erhalten hat, entnehmen wir folgen-- des: Der Oberstabs- und Garnisonsarzt hat der Augenklinik einen Arzt zur Aushilfe angeboten. Die vom österreichischen Konsul beim österreichischen Kriegsministerinnr telegraphisch bestellten Instrumente sind eingetroffen. Die Beschaffung von Medikamenten hat die türkische Sanitätsdirektion „Sachie" übernommen: Die Zahl der poliklinischen Kranken, die die Augenklinik des Lemaan Zion in Anspruch nehineu, hält sich täglich auf tausend. Posen, 20. September 1916. Nach 2 jähriger Pause fand heute eine Generalversammlung der zionistischen Ortsgruppe statt, die einen guten Besuch aufwies. Der Vorsitzende, R.-A. Dr. Köllen scher, eröffnete die Versammlung nrit einem warmen Naschruf auf den vor einigen Monaten verstorbenen Moritz Lewin, der der Ortsgruppe seit ihrer Begründung als eifriges Mitglied angehört hatte, sowie ans den in den letzten Karpathenkämpsen gefallenen Leutnant Brzczinski. Alsdann erstattete er 'Be.richt über die Vorstandsgeschäfte in den abgolaufenen beiden Kriegsjahren. Referendar Dr. Lxlewer hielt ein eingehendes Referat über den gegenwärtigen Stand der Jugend- Propaganda, demzufolge beschlossen wurde, die zionistische .Jugendgruppe neu zu organisieren. Schließlich gelangte .noch im Laufe der Diskussion bezgl. der zionistischen Stellungnahme zur Ostjudensrage folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die Zionistische Ortsgruppe Posen stellt sich.auf den Standpunkt der Ausführungen von R.-A. Dr. Kollenscher in dessen Artikel „Zurück zur Politik" im Frankfurter Israelitischen Familienblatt bont-25. August d. I. und fordert sofortige Ausnahme der Tätigkeit im Sinne dieses Artikels." In den Vorstand wurden gewählt: Dr. Kollenscher, Dr. Manasse, Mamlock, Moritz Neu- Mark, Lehrer Gutmann, Siegbert Stein nnd Dr. Le lew er. Es wurde beschlossen, eine rege Werbetätigkeit für den Nationalsond zu entfalten und in die .N. F. Kommission gewählt Dr. Manasse, S. Stein, Hede Baer,.Else Lauser und Paula Hepner. Oesterreich-Ungar». Wien. Die neue russische „Verwaltung" der okkupierten Teile Galiziens hat — laut einem .Bericht aus, Stockholm — sich darin zuerst geäußert, daß sie wiederdie russischen Juden herausgetrieben hat. Dabei verfuhr die russische Regierung sehr „human": Sie befahl dem russischen Hilfskomitee in Kiew, „auf die Kosten des Komitees unter der Aufsicht der Polizei Gefängnishäuser für die Juden einzurichten, die vom okkupierten Gebiet Galiziens herausgeschickt werden." Die Regierung versicherte, daß die „Gefangenen" nicht lange in den Gefängnissen bleiben werden, da mau sie bald nach Sibirien verschicken werde. .... Dänemark. Kopenhagen. Die jüdische Zeitschrift „Bolkshilf". heransgegeben von dem skandinav. „Zentralkomitee für die notleidenden Juden in. den Kriegszonen", bringt - -tiefe Eijnblicke in das jüdische Elend. So berichtet Alfred.HeiMann, ein dänischer Kaufmann über seinen Aufenthalt in Wavschau, das er mit dem deutschen Reichstagsabg. Ludwig Haas besuchte, folgendes: Man kann sich keinen Begriff machen von dem schrecklichen Zustand der armen jüdischen Bevölkerung^ ,f Jp finsteren,- feuchten -Kellerwohnungen, befinden sich 10 Menschen in einem Zimmer, die Luft ist unerträglich. Die Organisationen tun alles, um die Not zu lindern und vor allem, um sie vor dem Hnngertode zu beschützen. Leider fehlen Lebensmittel, vor allem Milch, weil das Vieh requiriert wurde. Epidemien wüten in den Städten, und die Sterblichkeit, besonders der kleinen Kinder, ist groß. In Lodz fehlt es an Brot. Die .jüdische' Bevölkerung hat wenig Gelegenheit Geld zu verdienen, da die Meisten Fabriken geschlossen sind. Die Zeitschrift enthalt ferner Notizen ans Palästina, Galizien, Siebenbürgen usw., die ein schauerliches Bild von der Judennot der Gegenwart entrollen. Rumänien. Rumänien verfolgt wieder Juden. Die rumänische Regierung weist unaufhörlich die Juden aus, die an der Grenze wohnen. Jüdische Familien, deren Väter und Söhne in der rumänischen Armee Kriegsdienste leisten, erhalten plötzlich den Befehl, binnen drei Tagen abzureisen. Alle Bemühungen, diese Verordnungen abzuschaffen, bleiben ohne Erfolg. PogromsderRumänenin Sieben bürgen. Die „Mg. Jüd. Ztg." in Budapest meldet, daß in vielen Orten, besonders in Dörfern, wohin die Rumänen kommen, sie ihre ganze Wut an den dortigen Juden auslassen, die treu zur österreichisch-ungarischen Regierung stehen. Viele jüdische Wohnungen und Geschäfte sind von den Walachen. geplündert worden. Auch drohen sie. die Juden totzufchlagen. Jüdisch-russische Gefangene für die H e i m l o s e n i n S i e b e n b ü r g e n. Die p,Allgem.,Jüd. Zeitung" von Budapest schreibt: Fünf jüdisch-russische Gefangene kamen in unsere Redaktion und legten 32 Äonen aus den Tisch hin. Sie erklärten, daß die jüdischrussischen Gefangenen, als sie den Aufruf zur Hilfe der Heimlosen in Siebenbürgen lasen, beschlossen, den Lohn von 8 Tagen zugunsten der Heimatlosen abzugeben. Die Zeitung stellt diese Juden als Beispiel für die reichen ungarischen Juden hin. Eine n eue Iudenve*bordnu ng in Ru mänien. Wie dem tzazefirah berichtet wird, meldet eine italienische Zeitung von Bukarest, daß die rumänische Regierung ein allgemeines Verbot für die Juden erlassen hat, wonach« diese ihre Wohnorte aus Angst vor den heranrückenden Russen nicht verlassen dürfen. Der Krieg und die Jude«. Frankfurt a. M Der K. C. im Kriege. — Von den etwa 1050 Mitgliedern sind 875 in den Heeresdienst getreten. Hiervon gehören bezw. gehörten dem Feldheere 705 an. Den Heldentod starben bis 31. August 58. Zwei K. C.er haben ihre Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse, 278 mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse, 83 sonstige Kriegsauszeichnungen gemeldet. 48 K. C. er wurden während des Krieges zu Offizieren des Beurlaubtenstandes befördert, 40 im preußischen Heere einschließlich des württembcrgischen Kontingents, 8 im bayerischen Heere. 2 K. C.er wurden zu Feldwebel-Leutnants^ befördert, 8 K. C.er gehörten bei Kriegsausbruch als Offiziere des Beurlaubtenstandes dem bayer. Heere an. BenShetm. Frau Johanna Bendheim, geb Löwenthal, , Hilssschiwester des Roten .Kreuzes, die seit Kriegsausbruch in einem hiesigen Vereinslazarett tätig ist, erhielt für ihre Verdienste das Militär-Sanitäts-Kreuz. > Burgsteinfurt. Paul Cohen wurde zum Leutnant befördert. Nürnberg. Der König ließ sich bei der Hoftafel, die sich der Einweihung des Justizgebäudes anschloß, den Leutnant Walter Freudenthial, Besitzer des Eisernen Kreuzes und der Goldenen Tapferkeitsmedaille, einen Sohn des Rabbiners Dr. Freudenthal, vorstellen nnd unterhielt sich mit ihm. Köln. Student Rudi Callmann, Sohn des Justizrats Callmann, erhielt das Eiserne Kreuz. Breslau. Stefan Hernstadt, Ernst Kuthauer, Gg. Liebrecht, Martin Roth-Breslau und Jo sef Siedner-Kattowitz erhielten das Eis er ne Kreuz. Pose«. Vizewachtmeister, Referendar Richard Auerbach und Wilh. Grützner erhielten das.Eiserne Kreuz. Wien. Oberstleutnant Alois Eisenstädter, stellv. Chek der 3. Sektion des nngar. Honvedministeriums, ist mit dem Ritterkreuz des Franz Jvsef-Ordens ausgezeichnet worden. — Bloch's ,/Oesterr. Wochenschr." verzeichnete in ihrer letzten Nummer folgende Auszeichnungen an Juden: 2 Ritterkreuze des Franz Joses-Ordens, 13 Militärver-- dienstkrenze 3. Klasse, 1 silbernes Signum laudis, 35 bronzene Sigmrm laudis, 5 goldene Verdienstkreuze mit der Krone, 6 goldene Verdienstkreuze 5 silberne Verdienstkreuze mit der Krone, 5 silberne Tapserkeitsmedaillen 1. Klasse, 32 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Kl.. 45 bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusammen 150 Auszeichnungen; hiervon 72 an Offiziere des Soldatenstandes, 10 an Militärärzte nnd Militärbeamte, 68 an Personen des Mannschastsstandes. Landau. Oberst I o h n M o n a k h ist zum »euer al befördert worden. Dies dürfte der erste.Fall sein, daß ein ungetanster Jude im britischen Heere zum 'General befördert wurde. Wim Samson Raptiael U s. A. sämtliche s. Zt erschienenen Bücher, Werke, Jeschuronhefte, Broschüren vom Austritt Naftoli Niftalti, etc etc. ferner alte Hebraica, Judaica, hebräische BQcher jadischen Inhalts, auch einzelne Hefte, Broschüren etc. etc. kaufe. Ausführliche Breisangebote an H< Oppenheim, Frankfurt a. M., 1 Börsenplatz 1. Persiruttte» «. Kleine Mitteilnnre». Berlin. Die Deuscke Tageszeitung nimmt die Einweihung derSynagoge am Kottbuser Ufer ztrr Veranlassuug, eine antisemitische Bemerkung zu machen. Sie nimmt Anstoß daran, daß die Berliner jüdische Geineinde in den letzten Jahren mehrere luxuriöse Synagogen erbaute, sowie eigentümlicher Weise daran, daß 'die Christen ihre Gotteshäuser um ein vielfaches vermehren müßten, wollten sie diese im gleichen Verhältnis wie die Juden haben und meint, daß „während durch den Krieg die Stenerkrast der evangelischen Kirchensteuerzahler stark beeinträchtigt worden ist, die Geldkrast der Mitglieder der jüdischen Gemeinde zweifellos eine erhebliche Steigerung erfahren hat." Dieser Beharrptung widersprechen die Tatsachen. Aber aüf Tatsachen kommt es der Zeitung nicht an, wenn es sich um antisemitische Hetzpropaganda handelt. Hanau. Kommerzienrat Fritz Canthal gehörte dieser Tage 40 Jahre lang der Handelskammer, darunter 25 Jahre als Vorsitzender, an. Die Handelskammer hielt eine Festsitzuna ab. C. machte eine Stiftung von 20 000 Mark. Wien. Das Professorkollegium der medizinischen Fakultät lehnte die Ernennung des Nobel-Preisträgers Tr. Robert Barany zum Professor ab. Die Angelegenheit erregt Aufsehen. Wien. Im 67. Lebensjahre verschied der llniversttätsprofessor Dr. Jösef Po-llak, eine Berühmtheit auf .dem Gebiete der Ohrenheilkunde. P. gehörte dem Bertreterkollegium der Jsr. Knltusgemeinde nnd dent Vorstande der Jsr. Mianz an. — In Ischl verschied JnlieStiassnh geb. Taussig, Witwe des in der .Wiener Judenheit unvergeßlichen Banrates Wilhelm Stiassny, eine der feinsinnigsten und aufopferungsvollsten Frauengestalten. Budapest. Hofiat Franz Szekelh, eine der führenden Persönlichkeiten der nngar. Judenheit, ist mit dem Stern zum Komtnrkreuz des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet worden. New-Aark. James Seligmann. Altchef des bekannten Bankhauses' I. und W. Seligmämr & Co. und hervorragender Philanthrop, ist — 92 Jahre alt — verschieden. Er wurde 1824 in.Baiersdorf (Bayern! als Sohn von David Seligmann und Frau Fanni geb. Steinhart geboren und kam bereits' 1839 nach Amerika zu feinem ältesten Bruder Josef. Er und seine Brüder gründeten Bankhäuser in New Zjork, .Paris, London und Frankfurt a. M. — Das vereinigte Verteilungskomitee des Fonds für die durch den Krieg notleidenden Juden sandte in der Zeit vom 20. Januar bis 15. August 3,892,000 Dollar nach .Europa. H lemlMon. H Der Mitgistdottor. Eine Erzählung von Clem-ens Berg. '(Fortsetzung.) Kein Fest auf zehn Meilen in der Runde, dessen Besuch Marie nicht trotz Abmahnungen und Bitten ihres Mannes ermöglichte. Sie machte Max die heftigsten Szenen, als er sich weigerte, Gastereien in seinem Hause zu veranstalten und die Mitglieder des Kasino's, den Bürgermeister, den Steuereinnehmer und so weiter samt Frauen und Anhang oder den jungen Herrn von Dallnyg zu sich zu bitten. Sie verwand unsinnige Summen für Putz und Schmuck, und Max fragte sich bitter, ob das dieselbe Marie sei, deren anmufige Einfalt einst jn Kattunblnse und weißer Schürze sein Herz gewonnen hatte. Es kam so weit, daß sie, die einst so Fleißige, Wirtschaftliche, ihr Hauswesen gründlich vernachlässigte; sie fand es vergnüglicher, im Kafinorestaurant zu speisen.

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