Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 36 (15.9.1916)
- Date
- 1916-09-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692975-2693010--09602-2704838- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 36. Sje trocknete hastig die Augen und stichelte nervös an ihrer Arbeit weiter, als harre ihrer eine wunderschöne Belohnung, falls sie noch zur Zeit fertig werde. Nach yner Weile begann sie. mit einer Gehässigkeit in Dm nÄ> Blick, die jemand schwerlich einer jung. Verheirateten von nur wenigen Wochen hätte zutvauen mögen?/ . , . . - „Ich muß nur zu Hause sitzen, weil's Dir in der Gesellschaft nicht behagt. Das ist Alles," „Ganz richtig, ruck» das sollte für Dich als braves Weib schon allein hinreichen, den Leuten dort fern zu bleiben." Er war dicht vor sie hingetreten und sah ihr mit zornsprühendem Blick in's Gesicht. „Wen^i Du willst, daß ich Dich lieb behalten soll, Marie, Hute Dich, je das Wort zu wiederholen." Sie stand auf und raffte ihre Sachen zusammen und wollte aus dem Zimmer gehen. Er hielt sie zurück, und d.ie heftig Widerstrebende in seine Arme nehmend, fragte er versöhnlich: „Liegt Dir denn in Wahrheit so unendlich viel daran, dieses Kränzchen zu besuchen?" „Laß mich in Ruh," gab sie unsanft zurück. „Sei wieder lieb, Marie," bat er sanft. „Sieh, fahre jetzt Wer Land und komme vor Mitternacht kaum zurück. . ." Darftn ljeß sich anknüpfen. Nein, Marie wollte sich nicht tyrannisieren lassen, und jetzt wollte sie erst' recht jn die Redoute gehen, Onkel Mucha, ja der wurde sich schon bereit finden, sie zu begleiten. Sie hafte dem Baron von Dallwig' fest' 'versprochen, auf dem Feste zu erscheinen, und das war ein Grund, ein Hauptgrnnd sogar, den sje ihrem Manne noch gar nicht gesagt hatte. Dieser Mann! Wie das ihr zuwiderging, über all' ihr Treiben und Denken Rechenschaft abmt iüi IE neuem zum Kampf in -er Heimai! Auch dieser Kampf muß gewonnen werden. Oie letzte Hoffnung -er Feinde: uns finanziell niederzuringen — werde zuschanden! Deshalb muß jeder Deutsche Kriegsanleihe zeichnen, soviel er kann - auch der kleinste Betrag hilft den Krieg verkürzen! Kein Deutscher darf bei dem Aufmarsch der Milliarden fehlen! Auskunst erteilt bereitwilligst die nächste Bank, Sparkasse, Post« anstatt, Lebensversicherungsgesellschast, Kreditgenossenschast. •t Hl! Illllllllllllllllii lln >13 >i ft . Max begami mjt starken Schritten in der Stube umheizügehen, was bei allen Männern ein untrügliches schlechtes Wetterzeichen bckeutet. „Ich danke für diese Leute alle miteinander, den Herrn Bürgermeister, den Herrn Baron, den Herrn Steuereinnehmer und wer sonst noch zu dieser Clique jm Kasino gehören mag. Die Krähwinkler! Eine Zeitlanghabe ich wirllich an ihr ehrliches Wohlwollen geglaubt, aber jetzt weiß ich's besser. Ich traue der Art nicht mehr, in's.Gesicht die liebe Freundlichkeü und Güte selbst gegen mich; aber ihr Lachen und Gespött hinter meinem Rücken kommt mir alle Tage zu Ohren. Sie halten mich eben nicht-sÜr voll, well ich ein Jiwe bin." „So tauft Dich," sprach sie hart mü> kuD. ,Mrrjet" . . ich hätte Dir auch mft dem besten Wille» dieses Vergnügen untersagen müssen. Du kannst unmöglich ohne meine Begleitung dort erscheinen; ich aber fahre jetzt Wer Land und kehre vor Mitternacht kaum zurück; — uttb zweitens und letztens und allcrwichftgstens muß ich Dir das Tanzen auf's Allerstrengste, ja unwiderruflich jetzt verbieten. Also schmolle Dich nur aus, und zeige mir, wenn ich heimkomme, ein freundliches Gesicht." Er .wartete noch eine Minute, ob sie nicht wie sonst/ Herbeiellen und ihm ihre Lippen zum Abschied bieten würde; da sie chm aber abgewendet, ohnesich auch nur, zu rühren, stehen blieb, gyrg er unmutig davon. Der letzte .seiner Schritte war kaum verhallt, da schien /her jungen Fpau ein .köstlicher Gedanke aMiisteigen.. „Ich legen zu müssen. Was das doch langweilig war, verheiratet zu sein! . Irgendwo in Wolkeukukuksheim oder im Schlaraffenland-öder auch auf der Insel Nebelgrau gibt es einen Kaufmann, der iinen sehr ' großen' Laden/ hat. ,',Nun," werden meine sehr geehrten Leser ausrufen (und wer weiß, oh, nachWende Bemerkung ihnen nicht schon früher entschlüpft-sei); „ist dieser-Schriftsteller ein -verrückter, dummer Kerl! Schleppt der uns nach ganz wjldftemden, jeglichem Post-und Bahnverkehr verschlossenen Gegenden /nud das alles.einzig, um uns einen Krämer zu .zeigen. . Ja, wenn .er von Gerson 'oder au bonheur de daines — ä Paris sprechen wollte". Ei,