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Neue jüdische Presse · 1916-09-01 · Heft 34 (1.9.1916) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 34 (1.9.1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. bibilfesten Engländer u. a. an Den biblischen Satz: „Du sollst nicht ausliefern einen Knecht seinem Herrn." Auch die jüdischen Studenten von Manchester sandten eine ähnliche Denkschrift ab. Cafe Kaisepgarten am Opemplatz Erstklassiges Farn il ien-Catt Jeden Nachmittag von 4 bis 7 Uhr und Abend von _ 8‘/» Uhr ab W ELünstJ er-BLonzert. PersoLLlre« u Kleine Witteiluuge» Hanau. Der frühereMetzaermeisterAbraham Ochs beging in Gesundheit seinen 91. Geburtstag. München. Anlößitch des Geburtstages des Königs sind u. la. mit dem! ,Lndwrgskreuz ausgezeichnet Morden: die Rabbiner Dr. Meyer-Regensburg, Dr. Freudenthal-Nürnberg, Dr. Stein-Schweinfurt, Fabrikantengattin Bin sw an gcr-Regensburg, Hopfenhändler Stein-BaMberg, Kaufmann Gold sie in - Nürnberg und Magistratsrat Oe st erreiche! - Afchafsenburg. Nürnberg. -Hermann Katz, Sohn von Albert Katz, Jichaber des Eisern. Kreuzes, erhielt nunmehr auch die Dadische silb. Verdienstmedaille. Posen. Geb. Kommerzienrat M i ch a e 1 Herz, Vorsitzender der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, beging den 75. Geburtstag. Wien. Dr. Alfred Stern, der Präsident_der Wiener Kultusgemeinde, beging am 29. August seinen 85. Geburtstag. Stern ist auch heute noch eine Persönlichkeit von einem starken Eigenwillen, der sich! stets rücksichtslos durchzusetzen sucht. Gegenwärtig Wink ihm die Verwirklichung seines seit Jahren betriebenen Planes einer staatlichen Gesamtvrganisation der österr. Juden. Jüdisches Leben hat Stern nicht zu erwecken vcrinocht, denn er ist selbst zu sehr Assimitant. Sein Wien ist die Stadt der Fudentaufen. Auch! eine Organisierung der österr. Juden würde, wenn sie nicht durch Md durch demokratisch ist, an der Verflachung des Judentums und seiner. fortgesetzten Zersetzung nichts ändern, im Gegenteil: es würde unter dem Schematismus einer solchen Organisation manches noch aufleimende jüdische LÄben vernähtet werden. Vlozk. Hier fetertm die jüdischen Turnvereine von Warschau, Kutno, Wlozlawek, Lodz und' Plozk zum ersten Male ein öffentliches Turnfest. Die zweitägigen Veranstaltungen nahmen einen glänzenden Verlauf. Bei dieser Gelegenheit wurde beschlossen, bei den Veranstaltungen amäßlich des demnächstigen fünfjährigen Bestehens des Lodzer Vereins eine Organisation der jüdischen Turnvereine Polens zu gründen. Lodz. Unter dem Vorsitz des Oberregicrungsrates v o n Beruvwitz fand hier eine Sitzung statt, an der sämtliche Rabiner des Kreises, der Kreisarzt Dr. Hübner, der Schulrat Sacobjelski und der Beirat für jüd. Angelegenheiten und Vorsteher der jüd. Presse Dr. Pick teilnahmen. Zweck der Sitzung Mar die Veranlassung der Mitarbeit der Rabbiner bei der Bekämpfung ansteckender Krankheiten. Stellt doch die jüd. Bevölkerung zum Flecktyphus' einen hohen Prozentsatz! Dem Wunsch der Rabbiner, bei allen Maßnahmen auf das religiöse Empfinden der jüdischen Bevölkerung (Sabbatbeobachtung usw.) Rücksicht zu nehmen, wurde seitens der Megierungsvertreter bereitwilligst entsprochen. Kopenhagen. Am 14. Aw haben wir hier einen Mann zu Grabe getragen, durch dessen Heimgang das' dänische Judentum einen Verlust erlitten hat, der schwer zu ersetzen sein wird. Herz^Perlstein ist noch langer und schwerer Krankheit im Alter von 63 Jahren verschieden. Ein Kind unserer Stadt, war er der älteste Sohn des weit über die Grenzen Dänemarks hinaus bekannten, als Zaddik und Lamdon berühmten Josef.Perlstein s. A, des Schwiegervaters des Würzburger Distriktsrabbiners Nathan Bancherger. Wer von den vielen auf glaubenstreuem Boden stehenden Fremden, die nach hier kamen und kommen, kennen nichjt die Perlsteinsche Schul, das Heilige Vermächtnis des Mannes, der im Geiste die ReformgelüsM geschaut hat und in Kopenhagen eine Stätte erhalten wissen wollte, an welcher unsere geheiligten Traditionen einen festen Sitz hüben und ewigen Bestand' finden sollten. -Was Josef Perlstein übernommen, das hat er in wahrhaft glühender Liebe zur Thora und zur Emunoh als heiliges Vermächtnis verwaltet, und als er vor 25 Jahren plötzlich! den Seinen entrissen wurde, da hat einer seiner Söhne das Erbe des Vater übernommen und steht ihm bis zum heutigen Tage als treuer Hütern vor. So lebt des Vaters Geist zum Segen! Vom gleichen jüd. Geiste erfüllt, war auch der eben Heimgegangene Sohn Herz Perlstein. In seiner frühesten Jugend dem Thvrastudium zugeführt, war er dem Kauj- - mannsberuf bestimmt, aber schon stütze erkannte man seine außerordentliche Befähigung als Bal-Kaureh, mtfa so berief ihn die Gemeindeverwaltung K. vor 36 Jahren als solchen für ihr Gotteshaus. Mit seltener Gewissenhastigfeit und hingchender Pflichttreue lebte er dem' bescheidenen Amte, unb wer' Herz Perlstein einmal leinen hörte, der erkannte sofort, baß hier kein alltäglicher Bal-Kaureh amtete. Auch war er mehrere Jahrzehnte hindurch der einzige Mohel für Dänemark und Schweden. Weder Mühe noch Kosten, weder Opfer noch Zeit hat er gescheut, wenn man ihn rief. Unverdrossen war er häufig den arinen russischen Fmmlien nicht allein Retter der seelischen Not, sondern auch der selbstlose Helfer auf materiellem Gebiete. Diese Liebe urü> Verehrung kam' daher auch! hei der letzten Ehrung zum Ausdruck. In gedrängter Fülle standen in der Halle des alten Friedhofs die Männer — unter ihnen die Rabbiner und Vorsteher Kopenhagens — und auf Frankfurter Israelitisches Familienblatt. der Emstore die Frauen, uin zum letzten male dem Manne zu danken, dessen Name dauernd mit dem Bestände der hiesigen Gemeinde verbunden ist. So einfach wie er gelebt, wollte er auch zur letzten Ruhe gebracht werden. In seiner Bescheibeicheit hätte er sich jeden Nachruf und den hier üblichen Chorgcsang verbeten. Sein ältester Neffe Rabbiner Dr. Bamberger aus Wandsbeck, liest es sich' jedoch nicht nehmen, in trefflicher, mit reichen Thorasätzen und Midraschworten geschmückter Rede "dem Schmerze der Familie und der Gemeinde Ausdruck zu verleihen. New-Nork. Rabbiner Max Dr. Klein von d»r AdathJeshurun-Gemeinde ist znnr Präsidenten her Aluminats-Vercinigung des Jüd.-Tycolog. Seminars von Amerika gewählt worden. Die.Universität Nebraska wählte Rabbiner Jacob Singer- Lincoln (Ndr.) znm Professor für Musikgeschichte und -theorie. Rabb. Singer erhielt jüngst den „Kaufmann Kohler-Preis" für seine Arbeit „Geschichte der jüdischen Musik." ~ „VICTORIA“ “ Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Hanta Tel. 2002. |g GütleUtSlraSSB II. Hansa Tel. 2002 Spezialität: Kragen, Manschetten nnd Bernden. leniffefon. Der Mitgiftdoktor. Eine Erzählung von Clemens Berg. (Fortsetzung.) Er seufzte und sah trübe vor sich hi». Marie Höchte auf: Niemals? Worüber um alles in der Welt grämte sie sich denn eigentlich? Daß die neue Verwandtschaft sie nicht mit offenen Armen begrüßen würde, hätte sie recht gut schon früher gewußt. Aber selbst wenn sich ein halbwegs leidliches Einvernehmen hergestellt hätte, die Leute wären ihr doch schnell genug unbequem geworden, und groß Staat zu machen war doch mit dieser pauvern Judensippe wahrhaftig nicht. Mochten sie nur bleiben, wo sie Lust hätten, sie würde ihnen beileibe nicht nächlausen. Am Ende war sie über diese Feindschaft gar nicht unzufrieden; je weniger Beziehungen Max zu seiner Familie unterhielt, desto rückhaltloser mußte er seiner Frau und deren Anhang zu Willen werden. Natürlich tvar Marie schlau genug, dieses vorläufig noch für sich zu behalten, obwohl ihr ein etwaiger Wcherstand ihres Bräutigams sehr wenig furchtbar erschien. Ihr Max, — sie konnte ihn ja um den kleinen Finger wickeln. Sie trocknete ihre Tränen und blinzelte zu ihm hinüber. Der stand noch inimer in tiefster Mißstimmung und starrte durch die Fensterscheiben auf den Weg Humus, auf welchem der Wagen mit seiner Mutter verschwunden war. „Max!" „Was willst Du?" fragte er, ohne sich nach ihr umzuwendcil. Sic schlich sachte an ihn heran und lehnte ihren Kopf an seine Brust. Als er sic anblickte, dauerte es sie wirllich von Herzen, wie bleich er aussah. Zärtlich strich sie ihm die Hare aus der blassen Stirn und bat schmeichelnd: „Nimm's nicht so schwer, Schatz, Du wstst's verwinden." „Ich trag's schon allein," sprach er kurz. Da sich aber ihr Gesicht wieder zuni Weinen verbog, ward Hm seine Schroffheit leid. „Sorge nichts, Marie," begütigte er, „Reue ist eine Empfindung, der ich in Bezug auf meine Individualität jede Existenzberechtigung aberkenne." „Ach, sprich deutsch, Max, das versteh ich nicht." „Auch wenn Du's nicht verstehst, wir verstehen uns." Er küßte leicht ihren Scheitel und sagte mit einem leisen Anflug von gezwungener Heiterkeit: „Und jetzt muß ich zu meinen Kranken." . 18. Kapitel. Amtsrichter Seligsohn saß mit seiner Familie beim Abendbrot. Das geräumige und geschmackvoll modern ausgestattete Speisezimmer war behaglich durchwärmt, der Eßtisch mit blütcnweißem Damast gedeckt und mit allerhand guten appetitlichen Sachen beladen, in den hohen lnlpcnförmigcn Gläsern schäumte edler, tief dunkelbrauner Göttertrank, nnd all' diese Herrlichkeiten übcrgoß das mildeweiche Licht einer schön verzierten kupfernen Lampe, die mitten über dem Tische schwebte. Neben dem Hausvater trontcn rechts und links auf Stühlen mit aufgelegteir' Ledcrfissen seine dreijährigen Zwillmgstöchterlein nnd löffelte» recht manierlich ihr AbendsüPPlein. Der junge Papa warf ihnen verliebte Blicke zn nnd mußte erst von seiner heute ganz besonders zärtlich aufgelegten Gattin durch ein sanftes: Nr. 34. „aber Schätzel, das Filet wird Dir ja kalt!" zum Essen ermahnt werden. „Berflichst, hat die Frau heute die gute Jacke an!" wunderte sich die speiseaustragcnde Dame über ihre Herrin im Stillen. Mit einem Worte, im Hanse Scligsohn schien an jenem gesegneten Abend wieder eine neue Bersöhnnngsaera angebrochen zu sein. - Eben hatte der allzeit sehr gastfreie Hausherr sein Bedauern ausgedrückt, warum seine Frau nicht ein paar Freunde zu solch auserlesenein Mahle gebeten hätte, als die wiedercintretende Zofe. üen Besuch des Doktor Goldniann meldete. Sofort stürzte der Amtsrichter zur Tür, und nsit großem Halloh den Doktor willkommen zn heißen und ihn hereinzunötigen. Auch die Hausfrau, die schnell einen Blick in den gegcnüberhängendcn großen Wandspiegel geworfen hatte (mein Gott, sie ivar ja »och eine hübsche, junge Frau, warum sollte ihr der Doktor nicht den Hof machen wollen), begrüßte den Gast äußerst liebenswürdig. Max mußte trotz allen Stränbcns. Platz nehmen und mittaseln. „Sie haben einen verständigen Magen, Doktor", plauderte Sesigsohn vergnügt, „nicht inimer ist unser Tisch so wohl bestellt wie heute, da mein splendider Schwiegervater uns diesen prächtigen Lachs geschickt hat. Wie schmeckt Ihnen die Sauce? In ihrer Zubereitung übertrifft mein Weibel die bewährtesten Küchenkapaeitäten, und Inas diesen Spargel angeht, so iverdeii Sie seinem llmfang und lieblicher Weiße schnell anincrken, daß er nicht auf Trebanobitzer steiniger Flur gediehen, er ist wie diese famosen Sardinen hier, gleichfalls ei» Geschenk schwiegcrvätcrlicher Güte. Was trinken Sie, Doktor, weiß oder lrot?" „Nur Himmelswillcn," lachte Max, „verführen Sie ein armes Dorfdokterlein nicht znm Schwelgen; ich bitte einfach um ein Glas Bier. Guten Abend Herta und Berta, Ihr habt nrir ja heute noch keine Hand gereicht." „Schämt Euch, Kruppzeug," schalt der Pappe, „sofort gebt ihr dem Onkel Doktor ein Patschhändchen." Die' beiden Blondköpfe duckten auf oen Tisch und sicherten verschämt in sich hinein. Mit einmal richtete sich Herta ein wenig auf, blinzelte durch die Finger nnd rief schelmisch: „Dorfdokterlein!" „Ja'Dorfdoktcrlein!" ahmte Herta ihr sogleich nach. „Herta! Berta!" schmälte ihre Mutter empört. „Wie drollig sie das gemacht haben,' ihnen diese gleichklingenden Namen zu geben," sagte Max. „Das war eine sehr unfreiwillige Drollerie," antwortete der Amtsrichter mit einem lustigen Seitenblick auf seine Frau. „Aber Robert!" „Aber Weibel, was ist dabei Schlimmes, wenn ich dem Herrn Doktor diese harmlose Geschichte erzähle", scherzte der Amtsrichter, dein cs ein Hauptspaß war, seine Frau ein wenig in Verlegenheit zu bringen. „Höre» Sie gutzu, Goldmann! Nämlich, da die Fittiche oe- Kindcr bringenden Langschnabels schon ganz Gebeutene an unser Kammerfenster schlugen, stritten wir, meint Frau nnd ich, mit größter. Hefsigkeit darum, wie dazu erwartende Erbpr.inzeßchen heißen sollte. Meine Frau, die damals in der „Gartenlaube" oöer in „Ucber Land und Meer" einen interessanten Roman gelesen hatte, schwärmte für Herta, ich, der kurz vor meiner Verheiratung gerade — hm — mh — einen interessante» Roman erlebt hatte, stimnitc in einer Anwandlunc scnsimcntaler Erinnerung für Berta, nnd so beharrte» Wir denn jedes mit unerträglichstem Eigensinn ans seiner Willen. . . Aber was tut der liebe Gott! Um nnwenigstens diesen Grund zum Streiten zu nehmen, schickt! er doppelte 'Exemplare, und so dürfen mir uns jetzi nach Belieben mit Herta und Berta freuen." „Ich hin müde," ries Herta, „trag' mich in mcir Bett, Papa." „Trag Du mich auch," befahl Berta und langte mi: ihren Heilten rosigen Händchen nach Max. „Ich mochte wohl," antwortete Max, der von de, Hausfrau einen Wink bekommen hatte, „aber ich weis nicht, wo Dem Bett'chen steht." „Du bist dumm," sprach Berta verächtlich. „Natürlich ist er dumm," bestätigte der Amtsrichter „das will ein Gelehrter sein und weiß nicht einmal wo meiner sieinen Berta Bettchen steht." „Kommt nur, meine Damen, Euer Vater macht Er»! noch unarsiger, als ihr ohnehin schon seid," — daran ließen die Zwillinge sich ruhig von ihrer Mutter ans nehmen und plapperten nisisono jihre gute Nacht! Es war ein hübsches Bild, die große, stattlich Frau stehen zn sehen, ein blühendes Kind auf jede» Arm. Ehe der Amtsrichter ihnen die Tür öffnete

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