Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 33 (25.8.1916)
- Date
- 1916-08-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. der gestritten hatten, drückten sich herzlich die Hand und wären sich fast um den Hals gefallen. Die angenommene Einigungsbasis muß noch ton den beiden Exelutiv-Komitees gutgeheißen werden: niemand zweifelt aber daran, ,daß dieses geschehen wird, und man glaubt, daß beide Organisationen sich unter dem Namen „Indisches Kvngreßkomitee" vereinigen werden." Jüdischer Frauenbund. Aus der letzten in Wilhelmshohe bei Cassel stattgehabten Borstandssitzung ist zu berichten, daß schon wieder zwei bedeutsame Momente in der Arbeit sichl ergeben haben: 1. eine gemeinsame Reise nach! Ostpreußen, 2. eine Reise nach Polen, aus denen ersichtlich' ist, wie die Arbeit des IW. Frauenbundes an Ausdehnung und Würdigung gewvniwn hat. An ^Stelle von Frl. Pappenheims die vom Vorsitz , zurückgetreten ist, leitete die stellvertretende Vorsitzende 'Frl. Werner,die Sitzung. . Im Anschluß an das Protololl kam die Angelegen- ..heit Dr. Gertrud Bäumer-Jüdsicher Frauenbund abermals zur Sprache. Briefe, die hie Stellung des I. F. B. im Bunde Deutscher Frauenvereine klarstellen, und befriedigende Aeußerungen von' Dr. Bäumier werden zur Kenntnis gegeben. - ' Zu Punkt 3 der Tagesordnung „Statutenänderungen" wurde eine Kommission, bestehend aus' Frau Justizrat Ollendorff-Brcslau, Frau Justizrat Meyer-Berlin und der Vorsitzenden, Frl. Werner-Hamburg gebildet, die gemeinsam durchlarbeiten sollen: 1. die Satzungen des Jüdischen Frauenbundes, 2. die Geschäftsordnung der Delegiertenversanünlung, 3. Satzungen für die Ortsgruppen, 4. Geschäftsordnung für den Vorstand. Im Geschäftsbericht wurde besprochen, eine Delegation in den Verband Deutscher Hausfrauenvereine Rhcinimtb und Westfalen schote auf die Anfrage des Oberpräsideuten von Westfalen zu einer Begründung der Nationalftiftung eine Delegierte des I. F. B. nach! Münster zu entsenden. Die Zahl der Anschlüsse an den I. F. B. hat jetzt fast 200 erreicht. Nach Verlesung des Berichtes über die Reise nach Ostpreußen wurde eine Kommiffion zur Schaffung einer ländlichen Haushaltungsschule und in die Kommiffion, die die Entwürfe des „Bund erwerbender jüdischer Frauen" vvrbereiten soll, Frau Rosenblatt- Frankfurt a. M. gewählt. Den breitesten Raum in dpr Verhandlung Uah'iu die Besprechung für den 5. Delegierten tag fein, der einer Aufforderung des Jsr. Ibünr. Frauenvcreins Hamburg zufolge dort vom 26. bis 89. Dezember stattfinden soll. Die Tagesordnung soll, hauptsächlich der Errichtung einer ländlichen Haushaltungsschule für normale gut veranlagte jüdische Mädchen (kein Wohltätigkeitsinstitut) Und dem Bevolkerunqsproblem aewidmet sein. ' Die Angelegenheit einer Verbindung mit dem 'österreichrsch'-ungarischen Frauen bleibt in Fluß!. Aus dem Punkt „Allgemeines" ist zu ferwähnen: 1. die Mitarbeit für die Propaganda über die Wichtigkeit des Postschecks nick der bargeldlosen Zablung, ' 2. die Propaganda für die Tagung des „Deutschen Ausschlusses für Kleinkinder-Fürsorge" im September in Berlin. i 3. die Ausgabe der in, 'goldgelber Ausführung vorgclegten Beamtinnen-Brochen, 4. die Weiterarbeit in der Statistik der Kriegswohlfahrts- - pflege. ■ ' ' Frau May berichtete darauf über ihre Reise in die besetzten Gebiete des Oltens, die sie im- Aufträge des Hilfsbereins der Deutschen Juden und des Jüdischen Frauenbundes unternommen hat. Obaleich Vorsiandsmitglieder des Hilfsdereins der Deutschen Inden schon einige Male in Warschau. Lodz. Wilna usw. waren, wurde doch' die Notwendigkeit einqelehen, eine feit mehr als 20 Jahren in der praktischen Arbeit liebende Frau dortbin zN entsenden, die besonders' die Anstalten besichtigte, die zUm Wohle von Frauen und Kindern geschaffen sind und Frauen Und Kindern minie kommen oder ff-ff mit „Mädchenschutz" in der naNqebenben Fürsorge belassen. In dem Bericht wird besonders bfervoraebnben. daß die polnischen Frauen seit lanaem tatkräftig an die Läsnng dieser tragen bferanoeganaen sind, daß aber die Mfftel besonders seit Kriegsausbruch' von anderer Seite kamm-n nchlsen Die Zerrissenheit Dolens nach der kanfeff'ane.slen wie Nach der nationalen Seite erschwert jede ioffal- Arbeit Frau Map schilderte die Arbeitsstnben für Mädchen in denen sie Weißsticken. Strumpf- und Leinenwebe''ei, Krawattennähen. Bkinneumachen und derartiges lernen, ferner d-n -ffg"dfer- - tigkeitsunterricht der Knaben, ib're Ausbildung rn -ffand- Werkern usw. und d-e Beranstgltungen von lkeeienkalanien Und SoMmerauienthaltrn rür Frauen und M"d'chien s->w-e die qrvße Anrahl van Wöchnerinnemmierkünstcn in Warschau Und Lodz . ' Sie berichtete über die große ^iffeleistnug des Vereins der Deutschen Juden und betonte, daß diese O'rganffation die größte pekuniäre Unterstützung aller Glaubensgenossen jedes Landes verdient. Aus alk-r Welt. We&tiort. Große Begeisterung erweckte auf dem ' 19. Delegiertentaa der Föderation amerikanischer iZsionisten di- Mitteilung, daß Frau Josephs Fels. Mitglied des Exekutidüomitees) eine Miktion Dollar für Frankfurter Israelitisches Familienblatt. die Errichtung einer jüdischen Kolonie in Palästina spendete. , Der Delegiertentag beschloß u. a., eine Gesellsch aft mit einer Million Dollar Kapital zu gründen, deren Ausgabe es^ffein soll, die jüdischen Kolonien Palästinas zu erhalten und seine wirtschaftlichen Hilfsquellen auf geschäftlicher Grundlage zu enmnckeln. . - “. Reu-Aork. Der Organisations-Aus schuß des Amerikan-Jüd. Kongresses hat unter dem Vorsitz von Louis D. Brandeis beschlossen, die Einladung des Amerikan.-Jüd. Komitees zu dessen Konferenz, die sich erst „mit der Frage «eines Amerikan.-Jüd. Kongresses beschäftigen solle", abznlehnen. Der Organisations-Ausschuß erklärte jedoch seine Bereitwilligkeit, drei Mitglieder — Louis! D. Brandeis, Richter Hugo Pam und -Richter a. D. Leon Sanders — auf Einlösung auf die Konferenz zu entsenden, damit sie den Standpunkt des Organisations-Ausschusses darlegen. Der Krieg und die Jude«. Berlin. Feldrabbiner Dr. Steinthal erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Frankfurt a M Durch Berfüaungdes Kriegsministeriums an die Stellvertretenden Generalkommandos ponr 19. Aug. 717. 7. (16. 0 4 «ist für die Begehung der jüdischen Herbstseiertage in den Kriegsgefangenenlagern und Arbeitskommandos folgendes festgesetzt worden: 1. Mn Versöhnungstag Befreiung von jedem Dienst. 2. Am 1. Neujahrstag, sowie am 1. und 8. Tage des Laubhüttenfestes Befreiung vom inneren Dienst, soweit die dienstlichen Verhältnisse es irgend Anlassen und auf Wunsch von sonstiger Arbeit. > 3. 'An den genannte» 4 Feiertagen Abhaltung gemeinsamen Gottesdienstes im Lager oder an den Arbeitsorten. Frankfurt a. M. Alle Befltzer von entbehrlichen Machsorim für die Herbstfeiertage und von S ch o f'oros werden gebeten, diese der „F r e i e n V e r c i n i g u n g für die Interessen des „orthodoxen Judentums", Frankfurt a. M., Schützenstraße 14, zur Verwendung für Feldgottesdienste und Gefangenenlager an den bevorstehenden Feiertagen zu Werfenden. Posen. Auszeichnungen erhielten RechaCohn- Rawitfch, Lilli Kronthal-Posen (Rote Kreuzmedaille 2. Klasse), Unterarzt Max Chaskel, Margarete Salomo (Rote Kreuzmedaille 3. Klasse), Eduard Seclig-Filehne, Max Pfeifer-Koschmin, Feldw. Fritz Brandt-Adelnau, Siegsr. Schufter-Zempelburg n. stud. Harry Rosenthal-Posen (Eiserne Kreuz 2. Kl.). Men. Oberstleutnant M o r i tz M a n s ch. Sohn des verstorbenen Knltusvorstehcrs Dr. Mansch in Lemberg, erhielt vom deutschfen Kaiser das Eiserne Kreuz 1. Kl. Der Kaiser bewilligte dem iGreisler Herma tut H a h n in Bodohcgy und der Witwe Max K o hn in Maroszombät, die sieben Söhne im Heeresdienste haben, Geldgeschenke. Bloch's „Oesterr. Wochenschrift verzeichnet in ihrer letzten Nummer folgende Auszeichnungen an Indens silberne und 3' bronzene Signum laudis, 8 goldene Verdienstkreuze mit der Krone, 5 goldene Verdienstkreuze, 13 silberne Verdienstkreuze mit der Krone, 2 silbermt Verdienstkreuzc, 11 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Klasse, 20 silberne .Tapferkeitsmfedaillen 2. Klasse, 67 bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusammen 156 Auszeichnungen; hiervon 46 an Offiziere des! Soldatenstandes, 19 an Militärärzte und Militärbcamto, 91 pn Personen des! MannschäftsstaWes. Paris. Camille Baruch Levy wurde zum Bri gäbe generjal und' Armand Ulmo znm Oberstleutnant befördert. Personalien «. Kleine Mitteilungen. ' Berlin. Die Witwe des Eebeimen Baurats und Generaldirektors Dr. Emil Rathenmi, Frau Mathilde R a t h enan, hat der Universität '800000 Mark' für eine „Erich Rathenou-Stiftung" gestiftet. Zweck der Stiftung: Förderung und Erforschung der Behandlung und insbesondere der Heilung derjenigen Herzkrankheiten, Hie als' Folgeerscheinung des iakuten Gelenkrheumatisnrus auftreteu. Berlin. Anfang September wird lm Herrenbauke. Leipzigerstraße 3, eine belehrende Ausstellung „Mutter und Säugling" eröffnet, sie bleibt einen Monat für die Besichtigung des Publikums bestehen. Die Veranstaltung geht aus von den Organisationen: Zentrale der Hausfrauenvereine Groß - Berlin, Deutsch - evangelischer FraueWund Ortsgruppe Berlin, Katholischer Frauenbund, Jüdischer FraueWund. und Kirchlich-soziale Frauengruppe. Berlin. Geh. San'tätsrat Dr. Epbrat Stern, Ausschußmitglied des Deutsch-Israelit. 'Gemeindebundes und.Schwiegersohn dessen Gründers Samuel Kristeller, ist. verschieden. Solingen. Anläßlich ihres 80. Geburtstages machte die Witwe des Geh. Kommerzienrates C o p p e l eine Reihe beträchtlicher Schenkungen. München. Die AmisriLter Julius Löffler- Nü'rWerg und Artur Kohler-Würzhurg wurden zu O b e r a m t s r i ch' t e r n befördert. Rentner James Loeb-München wurde vom Kaiser zum ordentl. Mitglied der Kaiser Wilh'elmgesellschaft ernannt. Warschau. In NaschelSk verschied der dortige Rabbiner Bezallel Tau mann, ein Verwandter des Gerer Rebbe. > Lodz. Der Schulinspektor des biestgen KreffeS versammelte die M e l a m d i M, um zu beraten, wie Planmäßigkeit in das Ch'edersystem hineinzNbringen sei. Nr. 33 Es dürfte nicht ferne«'sein, daß die 'Melamdim! sich ihre Schüler zu erwerben suchen und in Wettbewerb zu einander treten. Geordneter Stundenplan, Pausen, Ferien seien einznführen. Auch sollten alle Melamdinr dem Melamdim-Verein beitreten, um so ihre wirtschaftlicheti Und geistigen Interessen gehörig vertreten zu können. Budapest Dr Samuel Kelemen. Vertreter des Komitats Satmar im .Reichstage, fein sehr angesehener Advokat, ist im 55/ Lfebensjab're verschieden. London. Das neue jüdische Krankenhaus in Stepneygreen soll infolge der durch den Krieg entstandenen Verzögerungen vorerst nur als Klinik verwendet werden. Der Bau des Hauses kostete 6000 Pfund. Jaffa. Elan Belkind und Jacob Bacher in Rischon-Lezion sind in Anerkennung ihrer hervorragenden Verdienste bei Bekämpfung der Heuschrecken zu l a n d w i r tschastlichen Sachverständi-gen ernannt und mit der Auszeichnnngsmedaille 1. K l. ausgezeichnet Worden. i. '■ < New-Aork. Louis Marshall, der Vorsitzende des Verwaltnngs'rates .des Jüd.-Theolog. Seminars, gab 150 000 Dollar flir einet .Stiftimg, die für die religiöse Erziehung jüdischer Mädchen in New Hork bestimmt ist. Der Verband der orthodoxen Rabbiner denkt eine Summe von 800 000 Dollar züsammenznbekommen, um die zerstörten Jeschiwans in Litauen und Polen wieder zu errichten. Frankfurter Berichte. Personalien. Betty Schloß Wwe., Schühenstraße 1, feierte ihren 89. G c b n r t s t a g. > Hermann Schönfeld und Frau Johanna geb. Schönfcld, Fahrg. 138, feierten die goldene Hochzeit. Im 78. Lebensjcchre verschied Frau Clementl.ne Fulda geb. Oppenheimer, die Mutter des Dichters Ludwig Fulda. F. SAINT-DENIS, ALLE REPARATUREN an UHREN Gold und Silberwaren, Brillen und Zwicker. H JtailetoR. El - Der Mitgiftdöktor. Eine Erzählung von Clemens Berg. (Fortsetzung.) Ms hätte sie nichts dem Unwillen seines Tones angemerkt, entgegnete Lea sanft, ruhig tmc zuvor: „Natürlich will ich Dir von Lotte Jacob sprechen, der Halbtochter meines Bruders." Sie meinte denDroßhändlcr Ezechiel in Zernowitz. „Das Mädchen besitzt von ihrem Vater her ein. ansehnliches Vermögen, ist jung, hübsch und anmutig, Du selbst hast sie als Student umschwärmt und sie einen begehrenswerten Goldkäfer genannt." Es sprach etwas in Max: „Greif zu, greif zu!" Vor seinen Augen stieg das Bild Lottens herauf, wie er sie bei seiner Ankunft in Kronstadt erblickt hatte; er sah ihre zierliche Gestalt, mit welcher der Mondenstrayl zu kosen schien, sah ihr süßes Kindergesicht von dunklen Locken umringelt; da kicherten die spöttischen Worte Lottens in seinem Ohr: „Was weiß ich, was das Pfund Rechtsanwalt jetzt kosten soll?" Doch plötzlich erblickte er das Bild des Amtsrichters vor sich, bleich, vom Seelenschmerz verzerrt, lieber hungern mit einem geliebten Weibe, als sich schmählich verkaufen. „Das war also des Pudels Kern, die reiche Heirat," pief er mit bitterem Lachen. „Du kommst wie ein Gläubiger, Mutter, heute zu mir, Forderungen einzuheben. Es ist wahr, Ihr habt mich erzogen und gefördert, habt gelitten und gedarbt um mich. Und nun ist's an mir, die langgehäufte fällige Schuld zu-zahlen. Aber die Zinsen sind zu hoch, Mutter, sie betragen mein Lebensglück. Wenn nun Opfer um Opfer, Null für Null aufgcht, sage mir doch, wo steckt da das Gute dabei? Ihr roerdet klagen, daß ich Euch um Eure Hoffnungen betrüge, und ich beschuldige Euch, daß Ihr mich zur feilsten Erniedrigung entwürdigen wollt. Ich soll mich verkaufen. Niemals — ich will auf eigenen Füßen stehen, will, was ich besitze, mir selbst, nur mir und meinem Fleiß verdanken. All' den falschen Glanz, den Reichtum, den Luxus einer bezahlten Ehe, ich mag ihn nicht. Ich gönne ihn denen heimlich gern, die selbst ohne Würde mit ihrer käuflichen Stimdesehre 'Schacher treiben, ich will kein Mitgiftdoktor sein." Er hatte in höchster Erregung gesprochen, all' der Grimm, der ihm seit Jahren die Seele mit Gift beträufelte, stieg in ihm herauf, und dieser Zorn, der um so maßloser, wütete, je weniger er einen greifbaren Feind vernichten konnte, erfüllte mit tödlichem Schreck Lea's Herz. Sje begriff, dieser Gegner 'war unversöhnlich,