Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 32 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4, Frankfurter Israelitisches. FamllieMatt. steht, wird in Kürze in Koristarrtrnopck eine B a » k f i l i a fc uitb in den wichtigeren Hasenplätzen der Lcvante-Ugeiitnrcii errichten, Dy km nun, der hochverdiente Direktor der Hidschaz-Bahn in Damaskus, hat bei der. Gcneralvcrwaltnng der Bahn die Ausbeutung der Wasserfälle pon Tell-Schehab und WaziZon bei Dcr'a, 60 5kilometer von der Bahn, angeregt, und die Verwaltung hat einen Plan ausgearbeitet. Die an Ort und Stelle gesandten Ingenieure haben sestgestellt, das; diese Wasserfälle 900 Pfcrdckräste liesern können. Diese Kraft tvird zum Teil für die Linien Der'«—Damaskus, Afsulc—Der'a und Affule—Jerusalem verwandt rverderr, zum Teil zur Beleuchtung der Städte Der'a, Tiberias, Nazareth', Haifa, Jaffa und Jerusalem. Eine elektrische Straßenbahn wird Affule mit Razaretb .verbinden. Der deutsche Wafferbauingeuieur Weid ist zur Leitung der Bewässerungsanlagen in Syrien berufen wurden. > ,'i Vor zwei Jahren entstand eine türkische Landwirtschafts-Gesellschaft (Tschiftdjiler derucgi). Sie hat ihre Organisation ausgebant und besteht jetzt aus dem Minister des Innern als ersten und dem Minister für Ackerbau und Handel als zweiten Ehrenvorsitzenden. Erster Vorsitzender der Gesellschaft ist ihr Gründer H a m d u l l a h Emin Pascha; stellvertr. Borsitzend. General a. D. Mc hmed Emin Pascha und Generalsekretär der Direktor der Forsten und Minen Abdullah Emin B c y. Das Fachblatt „Jktissiadat Mcdschmnassi" enthält in der letzten Nummer Nachrichten aus perschiedenen Gegenden Kleinasicns, aus denen hiervorgcht, daß, in allen Gebieten eine reiche Ernte bcvorsteht, die, verbunden mit den hohen Preisen landwirtschaftlicher Erzeugnisse, den Bauern einen reichen Lohn ihrer Arbeit verspricht. Viele Arten Feldfrüchte sind in diesem Jahre in. einem viel größeren Umfange an geb aut worden als .früher; so sind, um nur eine Zahl zu nennen, im Milchet Aidin in diesen; Jahre 29 727 Döinon Kartoffeln gepflanzt worden gegen 3300 im Vorjahre. Aus aller Wett. Großbritannien. London. Auf dem am 23. Juli im Pavillon-Theater abgehaltencn S ch c k e l t a g kam es zu stürmischen Auftritten, da außer den Rednern Nach!um S »ko low, Prof. Ucitzmanu iusw. auch! Josef Cowen, der Vorsitzende der englischen zionistischen Föderation, auf dem Podium erschien. Cowen hatte nämlich kürzlich an die Juden von Whitechaple eine Aufforderung erlassen, freiwillig in das englische Heer einzutreten. Da Cowen das Podium nicht verließ» so stieg die Aufregung so weit, daß . eine Abhaltung der Versammlung unmöglich war. Da das englische Heer sie gesetzlich nicht anfnehmen darf, so weigern sich? die russischen Juden mit Recht, —sich freiwillig zu melden. Der Krieg tut* die Juden. Frankfurt a. M. Der 21jährige Fliegerleutnant Wilhelm Fxankl, ein gebürtiger Hamburger, erhielt lunch dein Eisernen Kreuze 2. und 1. Klasse nun auch den Orden Pour le Mörite. Dieser Nachricht sei hinzugefügt, daß, wie uns mitgcteilt wird, Frankl sich' vor einigen Monaten taufen ließ,. Bei seinem „Steigen" scheint dem Herrn das Judentum ein unbequemer Ballast gewesen zu sein! Frankfurt a. M Unteroffizier Referendar Paul Bock und Unteroffizier Leo Rapp erhielten das Eiserne Kreuz. . Köln. Oberstabs- und Divisionsarzt Dr. Martin Roscnth'al. von der 14. Jnfant.-Division, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2. Klasse, fiel in Ausüdung seines Dienstes. St. Ingbert. Ernst Beer, Binder de? mit dem" ' Eisernen Kreuz 1. Klaffe ausgezeichneten Leutnants Otto Beer, ist zum Leutnant befördert worden. Auch? der Vetter Fritz Beer wilrde zum Leutnant befördert. vresla«. Unteroffizier Referendar Fred Moses- Breslau, Vizefcldw. Karl Dresdner -Beuthen, H ans Rudolf Zweig-Kattowitz, Ossizierstellv. Rechtsanw. Gg. Gvldstaub-Loslau, Eugen .Schneemann- Myslowitz und Assessor Dr. Haus Schlesinger- Oppeln erhielten das Eiserne Kreuz. Krufchwitz. Unteroffizier Wilhelm Meyer, Sohn des verstorbenen David Meyer, erhielt daS Eiserne Kreuz 1. Kl. Wie«. Bloch's „Oesterr. Wochenschr." verzeichnet fotzende Auszeichnungen an Juden: 2 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 3 Militärverdicnstkrcnze 3. Klasse, 1 silbernes Signum landis, 2ö bronzene Signum landis, 13 goldene Verdienstkrcuze mit der Krone, 3 goldene Berdienstkreuze, 40 silberne Verdienstkreuze mit der Krone, 1 silbernes Verdienstkreuz, 8 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Waffe, 24 silberne Tapferkeitsmedaillen 2." Klasse, <67 bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusammen 187 Dekorationen; hiervon 53 an Offiziere und Kadetten des Soldatcnstandes, 20 an Militärärzte und Mlitärbeamtc, 114 an Mannschaftspersonen. Posen. Leutnant Dr. Bernhard Iaffe erhielt dcS Eiserne Kreuz 1. Klasse. Eduard Alexander, Martin Wiener Willy Reich und Josef Abraham erhielten das Eiserne Kreuz 2. Klaffe. Personalien ». Kleine Mitteilnugen. Berlin. Oberlehrer D r. G u st a v A l t m a n n ist vom; Borstarrd der Jüd> Gemeinde zum Direktor des Auer-' bachschcn Waisenhauses.gewählt worden. Berlin. Direttor Glück, der lange Jahre das! Berliner Apollotheater leitete und später in Düsseldorf wirkte, ist in München gestorben. ' Frankfurt a. 9R. Max Bertuch. Sohn von Martin . Bcrtnch, Langestr^ 30, hat eine neue Operette vollendet. Sic heißt „Der Mann im Mittelalter" uild wird zn Anfang der Wintcrspielzeit zur Urauffnh'rnng gelangen. Ma. Bcrtnch ist gegcnwärttz Kapellmeister aut Theater Des Westens in Berlin. ' Rülzheim iPfalzl. Die Trauerkunde von dem Hinschciden des Hauptlehrers Kahn hat allgemein Betrübnis hcrvorgerufen. Durch sein mildes, herzliches Wesen hatte vr sich! bei Juden und Christen Zahlreiche Verehrer erworben. Bon seinen Schillern und Schülerinnen wurde er rinrigst geliebt. Der jüdischen Gemeinde war er ein treuer Führer und Berater. > Die Beteiligung an der letzten Ehrung tvar eine ungewöhnlich tzroße. Es sprachen RaMncr Dr. Steckelmacher, Lehrer Teitelmarm, der Ortspfarrcr, der Bnrgwmcistcr Hauptmarur S ch ö u e >v a l d und der christliche Wroukc. Marcus Joseph, Vorsteher der jüd. Gemeinde, ist v e r s ch i e d e n. Elberfeld. Amtsrichter Rosenthol wurde zum Amtsgerichtsrat ernannt. Pose». Solomon und Jette Borchardt in Strclno feierten die goldene Hochzeit. Louis Schneider in Schneidemüht wurde zun; Stadtrat gewählt. Budapest. Ein ganz unverstän blich esUrteil wird aus Dees gemeldet: Der dortige Gerichtshof loerurtciltc Frau Leopold Moses aus Jklaud zu drei Monate» Gefängnis und 200 Kr. Geldstrafe, tvcil sie in Jklaud ohne Einkanfsschein — siebzig Eier znsammengckaust hatte, um diese in-Klausenburg wieder zu verkaufen. Die Eier wurden ihr genommen, und nicht genug damit wurde sie nun wegen „Preistreiberei" zu der ungewöhnlich hohen Strafe verurteilt. Man wird uns Inden das Gefühl erlauben dürfen, daß sich Mich hier ein starker Antisemitismus geäußert hat Demi anders erscheint das Urteil nicht verständlich. Uni sich zu ernähren, hatte die Frau die Eier tnühselig zusaminengekanft, i— nitb tvenn sie dabei gegen irgend eine Verordnung verstieß, so tvar sie mit der Wegnahme der Eier' gemig bestraft. London. Sowohl der Redakteur als auch der Verleger uttd das Sctzerpersonal der jüdische» Zeitung ,.T h e W o r - kcrs Friend" sind wegen Veröffentlichung eines die Truppenmiwerbung ungünstig heeinftnssendcn ükrtikels zu Gefängnisstrafen von 1—6 Monaten verurteilt worden. Der Mitgiftdoktor. leuülefon. ü Sine Erzählung von Clemens Berg. (Fortsetzung.) Da wußte Frau Loa, daß der Mann die Wahrheit gesprochen hatte und fragte nichts mehr, — aber den Schneider überkam eine fürchterliche Angst vor der Plötzlich s > stillen Frau, und er lief davon, als habe er selbst etwas Böses getan. Sorgcilschtver geleitete Hanna ihre Mutter hinauf in die bescheidene Wohnung. In der Hintcrstnbe, dev einzige», tvelche erleuchtet war, saß der Kantor und unterrichtete seine beiden' mittleren Töchter. Kaum, daß seine Frau den Fuß über die Schlvcllc gesetzt hatte, rief er sie an: Gut, daß Du kommst, Mutter, mir ist recht schwer ums Herz, man hört auch gar so lange nichts von unserm Jungen!" „Willst Du nicht die Lichter anstecken?" mahnte Frau Lea sanft. Der Kantor gehorchte ein wenig beschämt, doch der feierliche Aktns, air welchen! sich sonst die ganze Familie jn andachtsvoller Lust Beteiligte, ging an diesem Abend ohne Fröhlichkeit vorüber. Des Kantors Stimme klang matt, und so sehr sic sich selbst auch darum zürnte, auch in Lca's Seele fand heute das helle Fest keinen Wiedcrschein. Wie der Kantor das brennende Kerzenstümpfchen, welches er während der ganzen Zart seines Gesanges in Hände» gehalten hatte, verlöschte, seufzte er tief und sagte: „Es geht etwas vor mit dem Jungen." „Ich >vcrdc heute, nacht him,Verfahren", sprach Frau Lea ruhig. „Nim gar, nnrst Du Dir die Nacht vcrstören, und wo willst Du so schnell eine Gelegenheit finden?" äußerte der Kantor besorgt. „Der Bauernfritz ans Zcrirowrtz ist hier, der fährt heut nacht nach Kronstadt", rief Hanna, „der hat der Mutter die Fuhre ängeboten." Letzteres tvar eigentlich eine kleine Unwahrheit, aber das kluge Mädchen wußte recht gut, es koste sic nur iventze gute Worte an den Nr. 32. ehemaligen Burschen des Sekretärs, ihn zu diesem Anerbieten zu bewegen. Fritz, der seinem früheren Feldwebel)auf Tod und Leben anhing und mit der feinen Diplomatie der Untergebeilen recht wohl d.ie Beziehungen ahnte, welche zwischen seinem früheren Herrn und Hanna hätten sein können, ivar schnell bereit, ihre Mutter mitzunehmen: So fuhr denn Lea einige Stunden nach Mitternacht nach Trebanobitz zu ihrem Sohne, nrit vollster Betvilligung ihres Gatten. Einen anderen Willen , als den seiner. Frau kannte der Kantor überhaupt nicht, überdies hatten ihnr' noch Frau und Tochter alle möglichen Gründe zu dieser Reise vorgestellt, nur nicht die wahre Ursache, denn der Kantor hätte den Schneider viel lieber gespießt, che er ihm ein Wort zunr Nachteil seines angcbcteteir Goldjungen geglaubt hätte. Siebentes Kapitel. ' Hans war nicht wenig erstaunt, als er am andern Tage irr der achten Morgenstunde sich anschicktc, irr den Dienst zu gehen, Herrn Ezechiels Kutsche vor der Tür des Schmidhschcn Hotel garni halten zu sehen. Er erkannte die Insassin sofort und riß eifrig den Schlag auf: „Frau Goldmann, tvas führt Sie hierher?" „Ich komme nach meinem Jungen seh'n." .Aber statt ihr beim Aussteigen behülflich zu sein,, wie,Lea erwartete, stand Hans vor ihr ratlos, verlegen und stotterte: „Sie wissen nicht? Max wohnt nicht mehr bei mir, er logiert seit Wochen in der Apotheke." „Jn der Apotheke?" Sic schwieg bestürzt, aber ihre dunklen, noch immer schönen Augen fragten um so beredter: Hättest Du das nicht verhindern können? „Es ist nicht nreine Schuld", staminelte Hans, „wir haben uns nicht immer vertragen können, das heißt, ich war das Karnickel, die Räumlichkeiten reichten auch hier nicht aus." ' „Fahr' zu Fritz nach der Apotheke", rief Frau Goldmann. Hans log viel zu ungeschickt, als daß er selbst sich über den Eindruck seiner Ausreden auf Frau Goldmann hätte täuschen können. Er versuchte nur. noch schwach, sie airfzuhalten. „Wollen Sie nicht ivenigsteirs einen Schluck Kaffee bei Jiiir einnehmen?" bat er. „Sie sind die ganze Nacht gefahren und ..." „Nein, lieber Hans", lächelte sic trübe, „ich danke — los Fritz." Der Wagen hielt vor der Apotheke. Frau Lea stieg -in des Doktors Wohnung hinauf und klingelte. Ein langer junger Mensch, der das Aussehen eines Dieners hatte, öffnet ihr und bedeutete sie mit stark polnischer Betonung „Doktorr ist iveggefahrcn." Krach flog die Türe wieder ins Schloß. Mit Frau Lea war aber schlecht zn spaßen. Einen Ruck zog sie an der Klingel, daß ihr Schall Tote erivcckt hätte. Abermals schlurfte der lange Diener herbei, aber jetzt behielt Lea die offene Tür in der Hand, und der stnmpsiiäsigc Haushüter bekam in ganz gutem Polnisch eine solche Fülle schlechter Komplimente über die pflichtwidrige Ausübung seines Anrtes zu hören, daß er heulend davonfloh. Der Zorn und die Erregung hatten der ziemlich erschöpften Frau einen guten Teil ihrer Kräfte wieder wachgerufcn, sie schritt ohne weiteres durch die nächstbeste Tür, setzte sich und sah sich prüfend um. Das Zimmer war geräumig, sogar mit einem gewissen Luxus ausgestattet. Frau Lea anerkannte die überall waltende peinliche Sauberkeit. Nur die zahlreichen Stickereien, die in Gestalt von Kissen, Fußbänken, Zeitungshalterir und anderen Allotria noch die Einrichtung überladen erscheinen ließen, mißfielen ihr von Herzensgrund. Sie haßte die Hand, tvelche diese bunten Schnurrpfeifereien angefertigt hätte; alles dies widerstrebte aufs Tiefste ihrem puritanischen Sinn. Jetzt öffnete sich die Tür, und der Apotheker, dm Lea recht gut kannte, trat herein. „Guten Morgen, Frauchen", rief er sehr freundlich, dabei Lea, die ihm irgend eine Erinnerung weckte — er entfall» sich nur für den Moment nicht recht des Wie und Wo — eingehend mit gemütlicher Dreistigkeit betrachtend: „Sic ivartcn wohl auf den Herm Doktor?" „Jawohl." „Leider ist der Herr Doktor über Land gefahren... Werden Sie Zeit haben, auf ihn zu ivartcn, wenn nicht, schicke ich den Herrn Doktor zn Ihnen." „Besten Dank," sagte Lea, „ich habe Zeit." Nun war der Herr Apotheker sehr neugieriger Natur ünd hätte gar zu gern gcivußt, wer die Unbekannte sei. „Sind Sic selbst krank?" begann er mit süßenr Lächeln.