Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 31 (11.8.1916)
- Date
- 1916-08-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692975-2693005--09557-2704788- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4. Nr. 31. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. Mischuah (U. Hirschberg); IIV2 Uhr: Gemorah (B. Machelsohn); 4Vs Ühr: Gemorcch (S. 'Schachnowitz); 61/t Uhr: Gemorah (Dr. S. Posen). Sonntag 7 Uhr nachm.: Dinim (B. Rachelsohn); 8% Uhr nachm.: Gemorah' (Dr. S. Posen). Dienstag, 9 Uhr abends: Gemdrah (D'r. M. Lange). ' Mittwochs 7 Uhr abends: Jjob' (Drirektor Dr. Lange); 8 Uhr abcNds: Sefer Schenwel (Lehrer Unna). Donnerstag, 9 Uhr abends: Sprechshinde der Lehrstellenvermitllnng. Agudas Jisroel Madch'engruppe. Sonntag, 4 Uhr: Tanro (Ai Hirschberg). Montag, 9 Uhr: Turnen (Frl. Leyh). Dienstag, 8Vs Uhr: Französisch (Frt. Seidel); 8Vi Uhr: Französisch (für Anfänger) (Frl. Labensch). Mittwoch- 7 Uhr: Jjob (Dir. Dr. I. Lange); 8% Uhr: Jeschajohn (Oberlehrer Kaufmaim). Donnerstag, 9 Uhr: Stenographie (Frl. Jda Katz). »sak Nobel s. «. Wieder hat der Krieg mit jähem Schlag einem jungen, blühenden Menschenleben ein Ende gesetzt, von dem sein Volk, seine Mitwelt noch Bedeutsames erhoffen durften. ' Jsak Nobel ist in den Kämpfen vor Verdun gefallen. Der so jung Verblichene, ein Bruder des hiesigen Rabbiners, war einer, der noch' durchaus in der Entwicklung, in der Vorbereitung, in der Selbstbildüng sich befand. Er hätte, den Traditionen seines Elternhauses treu, den Rabbinerberuf sich' erwählt, und stand als der Krieg ihn unter die Fahnen rief, vor dem Abschluß seiner Universitätsstudien. Aber obwohl er so noch durchaus ein Schüler, ein .Lernender war, hatte er doch bereits gezeigt, daß man teäji hätte, schöne Hoffnungen in ihn zu setzen. Der heiße Eifer seines Strebens, das tiefe .Bewußtsein von der Würde und Bedeutung des Berufes, dem er sein 'Leben widmen wollte, die Aufrichtigkeit und Lauterkeit seines Charakters, all dies verbunden mit reichen geistigen Gaben gehen einem jeden, der ihn kannte, die Ueberzeugung, daß hier einer heranwachse, der späterhin die Aufgaben, die er sich gestellt erfüllen und ein Leben voll reichen Wirkens und Schaffens, voll hohen Strebens und reinem Wollens sich gestalten werde. Gr besaß eine starke Fähigkeit Rednerischer Darstellung, die zudem durchglüht war von einem sprühenden Temprament und seiner feurigen Begeisterung und in dem jungen feurigen Redner durfte man schon den künftigen Kanzelredner von hohem Ruf sehen. Und zu blledem trat seine tiefinnerliche glühende Liebe zu seinem Volke und zu seiner Lehre hervor, eine Liebe, die ltarrk Und umfassend war und der nicht Jüdisches fremd blieb. (Eg war der starke Wille, der diesen Jüngling beseelte und antrieb, später sein ganzes Leben in den Dienst seines Volkszu stellen und Mitwirken zu dürfen am großen Werke seiner Erlösung und Befreiung aus der entwürdigende« Mot seiner gegenwärtigen Lage. In einer regen Tätigkeit, für den zionistischen Gedanken bekundete er diesen Willen. Ein reiches jüdisches Wissen bildete die feste Grundlage dieser Liebe und gewährte ihren Bestand und ihre Vertiefung. Und' so durfte das Judentum mit Hoffnung und Vertrauen der Zukunft Jsak Nobels entgegercklicken.. Und.nun ist er dahin, gefallen im' Kampfe fiipt das Sein und die Größe seines Vaterlandes und mit ihm begraben ist alles, was an Kraft, Begabung und Wollen in ihm bebte und schuf. Was aber unvergänglich-bleibt, sind die großen ewigen Ideen, denen er sein Leben weihen wollte, ist all das Reine, Edle und Sittliche, das er in sich barg. Und wenn es ihm auch jnicht vergönnt ftvar, über die Zeit seiner Vorbereitung hinauszukommen und die großen Ziele, die er sich' gestellt hatte, zu erreichen, haß er sie sich' gestellt hat, daß er so Großes und Edles gewollt und erstrebt hat, das ist ein Ruhm, her Wer seinen frühen Tod fortlebt und der darum nicht geringer, sondern durch seine Tragik nur verklärter wirddäU «r nicht zur Erfüllung und Entfaltung gelangen durfte. In diesem Ruhw und in den ewigen Idealen, von denen das Leben Jsak Nobels geleitet ward, lebt der so jung uns Entrissene für immer fort. T Cafe Kaisergarien am Opernpl&tz Erstklassiges Familien-Cafö Jeden Xachmittag tob 4 bis 7 Uhr und Abend von . 8V* Uhr ab WM" “’W Der Mitgiftdoktor. Feuilleton. Ü <Eine Erzählung von Clemens Berg. (Fortsetzung.) 6. Kapitel. Sabbat Chanuka neigte sich zur Rüste. In Kronstadt, war heute große Illumination angesagt. An den Fenstern der Judenhäuscr sollten nach cingetretener Dunkelheit bunte Helle Lichtlein, je sieben an der Zahl, in lleinen Leuchtern prangen, und cs gab einen hübschen Effekt, wenn sie die von Dezembereisblumen bedeckten Scheiben sanft erlemhteten. ' Einstweilen aber schwelgten nur die Kinder, die größten Enthusiasten des Ehanukafestes, noch in der Vorfreude dieses Genusses, denn draußen dämmerte noch Tageslicht. Die liebe JWenschaft, soweft die Geschäfts- I lpelt jn Anbetracht kam, trippelte vor den Türen auf und J ab. Jn einem Viertelstündchen oder mehr, wenn das Habdalahgebet vorüber, wollten die Allcreiftigsten ihre Läden wieder austun und nach den Wohltaten des lieben Sabbats: als da waren: Gebet, Ruhe und bessere Kost, ihr Tagewerk mit frischem Mute beginnen. Auch die Frauen und Mädchen, zum Tell noch in ihren Festgewändern, benützten die Dämmerung, um. sich zu erholen und was damit wohl gleichbedeutend, mit einander zu lachen und zu schwatzen oder sich gegenseitig mehr oder minder wohlwollend zu beurteilen. Aus einem Hause her vernahm man den Gesang einer dünnen, zitternden Äreisenstimme, die, was an ihrer Schönheit abging, durch Inbrunst zu ersetzen suchte: Herr, der Dü den Königen Sieg verleihst, Rette mich aus Feindes Händen, Der Du David Deinen Knecht befreist. Straf' sie, die die Wahrheit schänden. Manch einer auf der Straße summte die Melodie leise nach, und mit ihrer hellen Silberstimme fiel des Kantors Hanna ,in die Gegenstrophe ein: Mache sie den starken Bäumen gleich, Deines frommen Volkes Söhne, Unsre Töchter b.iüie anmutsreich Zierlich wie der Tempelsäulen Schöne. „Vater Abraham hält noch nicht so weit", sagte sie lächelnd zu ihrer Mutter. „Das macht, weil er höher wohnt als wir, darum wellt der Sabbat bei ihm länger. Siehst Du", fuhr sie zu ihrer Jüngsten gewendet fort, die sich zärtlich an sie schmiegte, „siehst Du die Keine rosige Wolke dort, — dort fern am Abendhimmel? Das ist vielleicht der Engel, der den Sabbat wieder in die Himmelspforten läßt. Der zögert noch über der Erde, noch ein bischen, 0 noch c.in bischen, adieu — nun schließt der Engel zu, und die Nacht kommt herunter auf die Well." „Gut Woch!" — „Gut Jahr!" Diese schöne Antwort erhielt Löbel Abraham, der Schneider, der hier mll seinem Gruß fünftausend Prozent zu verdienen bemüht war. Löbel Abraham, des alten Sängers einziger Sohn, ein schon recht bejahrter Herr, war eine sehr gewichtige Persönlichkeit im Städtchen, dje lebende Chronik Kronstadts und sämtlicher umliegenden Ortschaften. Getreu seiner Sprichworte, daß alle Schuster zerrissene Schuhe tragen und kein Konditor Süßes speisen mag, hätte er sich nicht verheiratet, dieweil er außer dem ehrsamen Schneiderhandwerk noch dem viel einträglicheren Metier eines Schadchen nachzugehen liebte. Er ertrug das fteudenarme Los des Hagestolzen mit Laune und guter Miene, denn, so lernte der Wackere: „Hätte ich eine Güte genommen, so käme wohl der und jener Angeführte zu mir (und klagte: Warum hast Du mir Deine nicht angetragen?, und hätte ich eine böse Sieben, erwischt, so gäbe das ein böses Beispiel ab und würde m. ir die besten Kunden verjagen." Was Herrn Löbel Abrahams Aeußeres anbelangt, so konnte man ihm eine gewisse Aehnlichkeit mit zwei in der Weltgeschichte Hoch berühmten Männern nicht absprechen. Jn erster Linie mit dem in ewiger Jugendschöne prangenden Aleibiadcs, das heißt erwähnte Aehnlichkeit erstreckte sich nur auf eine pikante Eigentümlichkcit der Redeweise, indem der den Frauen so gefährliche Griechenheld just wie unser tugcndsamer Löbel Abraham beim Sprechen mit der Zunge anzustoßen pflegte. Jn zweller Reihe aber zeigte die Gangart des braven Schneiders eine ganz hervorstechende Uebereinstimmung mit Andreas Hofer, von welchem es, wie jedermann bekannt, in dem schönen Volksliede mit aller Bestimmthell heißt: „Sie Hände auf dem Rücken Andreas Hofer ging." Ob der biedere Gastwirt vonPasseier auch gleich dem edlen Schadchen von Kronstadt stets den Hut,im Nacken trug, bleibt ungewiß, sicher ist, daß -ihn keine Pcies schmückten, wodurch sich denn Löbel Abraham wiederum sehr vorteilhaft von Andreas Hofer unterschied. Alles in Allem, war der Schneider eine sehr brave Haut; er ernährte mit Fleiß und Mühe sich und seinen alten Vater und tat ungereizt niemandem etwas zu Leü>e. Hier auf dem Marktplatze feierte er als allgemeiner maitre de plaisir schöne Triumphe. Er ging umher, Schwänke und Schnokes erzählend, und ließ wie ein in der Sonne ruhender gut gelaunter Pudel, der die Spatzen, die ihm aufs Haupt fliegen, wohlgemut abschüttelt, kleine Neckereien der Bekannten gutwillig über sich ergehen. „Löbel", rief ein junger Mann, „wenn Du mrr 'ne Lüge sagst, geb' ich Dir einen Fisch." „Du hast mir doch zweie versprochen", war die prompte Antwort, und unermeßliches Lachen verfolgte den lustigen Schneider zu einer, anderen Gruppe. Nur an Frau Lea Goldmann ging er geflissentlich vorüber, er wich ihr sogar mll großer Beharrlichkeit aus. Das siel manchem auf, und .eine Nachbarin fragte- Frau Lea, ob sie oder ihr Mann, der Kantor, den leicht empfindlichen Schneider beleidigt hätten. „Behüte", wehrte Frau Lea ab. „Weder ich noch mein Mann haben Reb Löb mit Wissen etwas Böses zugefügt. Ich wundere mich selbst, was ihm heute in die Krone gefahren ist, Er ist launisch, mitunter grollt er mir noch von anno dazumal her, als ich noch ein junges Mädchen war und ihm manche mir zugedachte Partie verdarb." Der Zufall wollte, daß der Schniollende doch jetzt dem Kantorhause nähergetreten und mit seinen scharfen, stets auf der Wacht auflauerndcn Ohren Frau Leas letzte Worte recht deutlich vernommen hatte. „Mboh!" sagte er und machte eine Bewegung, die ganz und gar nicht in Meiers berühmten Buche: „Die Kunst den Damen zu gefallen, oder der Gentleman wie er sein soll", vorgesehen, er spuckte nämlich höchst despektierlich aus. „Mboh!" wiederholte er, „was habt Ihr ausgenommen für eine Partie mit Eurer großen Schönheit und Klugheit? Spaß, das kleine Kantorchen, das Euch nichts wie lauter Mädchen in die Welt gesetzt hat." Schallendes Gelächter ringsum, selbst Frau Lea lachte mit, obwohl sie doch alle Ursache hatte, lvegen dieser vernichtenden Kritik über den Vater ihrer Kinder recht ungehalten zu sein. Aber wer wird bei jedem Stoß Empfindlichkell zeigen. Frau Lea war sogar nicht abgeneigt, ihren alten Gegner zu versöhnen. „Und meinen Sohn rechnet Ihr gar nicht", ftagtc sie, „meinen Doktor, he? Laßt's gut sein, Reb Löbel, an der Heirat meines Sohnes werdet Jhr's verdienen, was Ihr an nur einst Schaden gehabt habt." „Spaß! es ist viel Brache an Eurem Sohn", brummte der Schneider. „Was sprecht Ihr da?" fragte Frau Lea und runzelte die Stirn. „Ihr' seid ein noch viel närrischer Mann, als Ihr Euch gewöhnlich zeigt. Und ich rate Euch, erinnert Euch der Mahnung des Weisen, die wahrlich auf unnütze Schwätzer wie Ihr gemünzt scheint: Bei vielen Worten unterbleiben Fehler nicht, wer seine Lippen zügelt, handelt llug." Es' war nicht erfreulich, den Schneider, nach dieser Zurechtweisung anzuschauen; seine Freunde fürchteten sogar ein Schlaganfall werde dem Schwergekränktcn auf der Stelle den Garaus bereiten. Denn sein Gesicht hatte sich noch röter gefärbt als das Purpurwollentuch, das seinen Hals umhüllte, und die Augen traten ihm vor, als wollten sie jählings ihren Höhlen entfallen. Der Zorn reckte und streckte das Männlein, daß es schier größer erschien, und mll drohender Sttmme sprach er kampfesmutig zu seiner Gegnerin: „Ich könnte Euch eine Antwort geben, Frau Lea, eine Antwort, daß Ihr Euch auf beide Augen legen würdet und weinen, aber Ihr dauert mich zu sehr, es erbarmt mich, weil auch ich des Weisen gedenke, der dereinst sprach: Ein weiser Sohn erfreut den Vater, aber ein törichter Sohn ist das Herzeleid der Mutter." Frau Leas Körper überflog ein Frösteln, jenes unheimliche Gefühl, das der Volksmund schaurig genug dahin deutete: der Tod laufe einem über das Grab. Aber mit der Wißbegierde, welche ein Ende mit Schrecken dem Schrecken ohne Ende vorzuziehen strebt, nahm sie sich zusammen und sprach beherzt: „Es heißt zwar: schwach ist das Gleichnis im Munde der Toren, und Eures Mitleids, so Gott will, bedarf ich nicht, aber ich merke schon, Ihr habt mir eine unangenehme Nachricht zu überbringen. So seid denn vielmals gebeten und tretet mit mir ins Haus, denn die Angelegenheiten meiner Familie sind nicht die Angelegenheiten der Gemeinde." - ■ Sie schritt voran und Löbel folgte ihr hinterdrein. — Schnell entschlossen, verstellte Hanna Goldmann den Eingang der Tür mit ihrer vollen, stattlichen Person, sie kannte vortrefflich die Neugier ihrer Kronstädter Mitbürger, denen wie den Leuten in Paris und Loirdon und. auch anverswo ein bischen Sensation und Stadtswndal ein willkommenes Vergnügen gewährte. Im Hausflur sprach Löbel mit fliegendem Atem: „Euer Sohn ist ein Taugenichts, der weiß, wie angenehm heimliches Brot und gestohlene Wasser schmecken. Ich habe ihn gestern gesehen mit einer langen Uhrkette von - gelben Haaren, ein Lachen geht einem an, die hat er von der Apotheker°Mamsell, die ganze Stadt mokiert sich über die beiden. Ihr wißt's ja auch, Wie bei den Mucha's der Apfel nicht weit vom Stamme fällt, und tvenn Jhr's zulasset, wenn Euer . Sohn mit dem vorsicb nehmen lvill, was der lange Leuteschinder, der K H. Brille Vom de D - 8g wig £ jiid. 1 Handa (Lotha (Adolf (Rubel R, Greisb Proph G die, d sind. 3 Außen wie, w Bollw« auf de Kapita Juden erfülle So wi natürl und dl ganzen dem jg tung e jüdisch, empsin der jüi Aufga! R< Juden bei bei Erwäg Sabba kann. B Juden jüdisch« unter! Landw W Für ca. 15 sofort tücht-, welches die Pfl sichtig» zu übei und 90 Nähen Frau Wiel