Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 27 (14.7.1916)
- Date
- 1916-07-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27. Seite 4 BKQI|QP«I Q6t«tiul](|CI MMlUeNUtMl Der bekannte Zionist Hillek Slatopolski ist in Kiew zu einem Monat Haft verurteilt worden, weil bei ihm zionistische Schriftstücke vorgefunden wurden. Die «eue« Mische» Flüchtliugsschare«. Die „Allg. Jüd. Ztg." in Budapest meldet in ihrer Nummer vom 8. Juli: Ans Körösmezö ist vorgestern eine, große Anzahl dortiger Glaubengeiwssen geflüchtet. Sie kamen bis Satmar. Die Satmarer Stadtbehörde wollte ihnen jedoch sonderbarerer Weise den Aufenthalt nicht erlauben. Erst Bemühungen bei der Regierung in Budapest zwangen die Stadtbehörde, chre Weigerung anfzngcbcn. Ani Budapester Rakozer Bahnhof hielten heute und gestern drei Flüchtlingszüge mit zusaimnen mehr als 2000 Personen. Sie kanten über Bi st ritz aus der Bukowina. Das Stationskommando hatte für die Flüchtlinge Gulasch vorbereitet, — doch, obgleich sic seit zwei Wochen kein Fleisch genossen hatten, verweigerten sic cs, da cs „tresoh" war. Umso gieriger verschlangen sie das ihnen gleichfalls vom Bahnhofskommando gereichte Brot sowie Tee, Eier und Milchdie die neolog. israelit. Gemeinde reichen ließ. F. SAINT-DENIS, TtrsSSS,*, ALLE REPARATUREN an UHREN Gold und Siiberwaren, Brillen und Zwicker. Der Krieg uud die Jude». Frankfurt a. W. Der Kaufmann Karl Kahn, Liebigstr. 27b, spendete der Stadt 20OM Mk. für bedürftige Hinterbliebene Frankfurter Krixger. Vizefeldw. I n l i n s L i ch t e n st e i n / Sohn der Witwe Aron Lichtenstein, Hermeswcg 18, und Vizewachtmstr. Alfred Kahn, Sohn des Kommerzienrats Beruh. Kahn, erhielten das Eiserne Kreuz. Alrankfurt a. SB. Sollt Grünewald, Sohn von D. Grünewald, Luisenstr. 35a, erhielt das Eiserne Kreuz.- ' Frankfurt a. M. Professor Dr. Schoenflies erhielt den Titel Geheimer .Re gicru ngsrat und Professor Edinger den Titel Geheimer Medizinal r a t. verwange» (Baden). Arthur Kirchheimer erhieltdie badische Verdienst in e da i l l c, Sally Kirchheimer die badische TapferkcitsMedaille. Beide sind Söhne des Herrn Leopold Kirchheimer. SnaenHeim bei Fürth. Rcchtspraktikant Dr. Julius Sch lost ist unter Beförderung^ um Oberleutnant mit dem Eisernen Kreuz Kl. ausgezeichnet worden. Kreuzburg. Leutnant Fritz Tockus erhielt das Eiserne Kreuz. Leipzig. Dem Jahresbericht der Nikolaischule entnehmen wir folgendes : „Am 8. Mai erlitt bei den Kämpfen um , . . im Alter von 25 Jahren als Einj.-Freiw. (Ersatzreservist) den Tod für Vaterland -er Kapellmeister Kurt Zernik. In dem jungen Künstler, dessen hervorragende Begabung noch Großes versprach, betrauern alle, die ihn kannten, auch einen edlen Menschen. . . Im Sommer 1911, als er die Kurkapelle in Bad Liobeustcin leitete, wurde ihm eine Stelle als erster Kapellmeister an einer deutschen Hosvper in Aussicht gestellt. Der Ausbruch des Krieges .vernichtete mit einem Mal alle Zukunftsplänc. . . Als eine Befreiung aus dem nervcuzerrüttenden Stellungskrieg zu erwarten ist, atmet er auf: „Heute sollte ein kleiner Sturmangriff stattfinden, zu dem nur Freiwillige ausersehen waren. Liebste Mutter, sei mir nicht böse, daß ich mich auch dazu gemeldet habe. Aber 7 Wochen hin ich nun schon hier draußen, ohne irgend etwas getan zu haben, immer in der Erwartung, dast eine Aendernng der Lage von feindlicher Seite erfolgen könnte. Das spannt die Nerven mit der Zeit -furchtbar an und — ab.^So hat denn der bloße Gedanke, daß es endlich mal vorwärts gehen sollte, erfrischend und belebend gewirkt." Bor der Mutter, die sein Verhalten wohl nicht ganz begreifen könne, rechtfertigt er sich mit dem Hinweis, daß er „sich als Jude doppell verpflichtet fühle, sich mit seiner ganzen Person in den Dienst seines deutschen Vaterlandes zu stellen." BreSla«. UnterosfizierRabb.-Kand.Isidor Sklarz, Offizierstellv. Rechtsanw. Art. Nestel, Vizefeldw. Dr. Martin Ehrenhaus und Sicgfr. Weiß erhielten das Eiserne Kreuz. Hamburg. Der Israelit, humanitäre Fr au ende re in hat sein Erholungsheim in Segeberg für die Zeit von Mitte August, bis Mitte September ds. Js. für etwa 35—40 Kriegsteilnehmer, die Wert auf rituelle Verpflegung legen, zur Verfügung gestellt. Heeresentlaffene bedürftige Kriegsteilnehmer, die von diesem Anerbieten Gebrauch machen wollen und mlf rituelle Verpflegung rWert Legen, wollen ihre Anträge au das ZentraöKomitee der deutschen Vereine, vom Roten Kreuz, .Abteilung 9, Bäder- und Anstaltsfürsorge, Berlin 66, Leipzigerstraße 3, Herrenhaus, Zimmer '17a, richten. Königsberg. Stabsarzt Dr. Max Auerbach erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. Wie». Bloch's „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in ihrer letzten Nummer folgende Auszeichnungen an Juden: 4 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 4 Mili-- tärverdicnstkreuze 3. Klasse, 7 silberne Signum laudis, 35 Signum laudis, 5 goldene Verdienstkreuze mit dev Krone, 6 goldene Verdienstkreuze, 9 silberne Berdienstkrcuze mit der Krone, 1. silbernes Verdienstkreuz, 3 silberne Tapferkeitsmedaillcn 1. Klasse, 20 silberne Tapserkeitsmcdaillcn 2. Klasse, 37 bronzene Tapferkeitsmedailleu, zusammen 131 Auszeichmmgen; hievon 41 an Offiziere und Kadetten des Soldatenstandes, 25 an Militärärzte uub Militärbcainte, 65 an Mannschaftspersoncn. In der „Neuen Freien Presse" fand sich folgendes Inserat : '• „Tüchtige Kontoristin, perfekte Maschinenschreiberin und Stenegraphin (Christin), wird ausgenommen. Offerten wollen persönlich' beini Roten Kreuz, Atineralwasserzentrale, Wien, 4. B., Gnßhmisstraße Nr. 29, überreicht werden." H. Wiere, Optiker, Liebfrauenstr. 1. Brillen, Plncenez, Operngläser, Feldstecher) in jeder opt.-mechan. Spielwaren / Preislage Eisenbahnen, Dampfmaschinen, Laterna-Hagica, Kinsmatographon etc. Perso»alie» «. Kleine Mttteilimge». Berlin. Geh. Sanitätsrat Professor Dr. Alber.t Fracnkcl, eineKtutorität auf dem Gebiete der; Herz-und Lungenkrmlkheiten, ist — 68 Jahre alt — verschieden. Bis vor cimgcn Monaten leitete er als Direktor die Abteilung des städtischen Krankenhauses am 'Urban. Früher lehrte er auch in der Universität, stellte aber seine Tätigkeit lvegcn der damals aufgekommcnen antisemitischen Strömung ein. Seine Frau, eine geborene Strastmanu, verschied vor einigen Monaten, und seitdem kränkelte er. Nörölingen. Leopold Ascher, der Jahre hindurch Vorsteher der hiesigen jüdischen Geineinde war und sich infolge seiner nicht nur in Gesinnung, sondern auch in Betätigung streng traditionell-jüdischen Lebensführung der höchsten Achtung erfreute, ist — 65 Jahre alt — in Winterthur verschied cu. Ludwigshafen. Dr. PhilipvBaum wurde zum Professor an der hiesigen königl. Obcrrealschstle und Dr. Paul G u t m a n n zum königl. .Reallehrer in Rothenburg befördert. Rakel. Nabb. Dr Perlitz beging sein goldenes D o k t o r j u b i l ä u m. Er iourde 1839 in Smichöw bei Prag geboren und studierte in Breslau. Seine Doktorarbeit lautete: „Uebcr die Grundlagen der Carthesicnischen Ethik." Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind zu nennen: „Philosoph. Ansichten Jbn Esras" (1867 inr „Ben Chanauja"), .Saudin und Jbn Esra hinsichtlich der Philosoph. Exegese" (1868 in Sonnenscheins „Homilet. .Monatsschrift", Prag), „Immortellen aus Bibel und Talmud.(1878 in der Wiener „Neuzeit") und „Rabbi AbahU, Charakter- und Lebensbild eines palästinensischen Juden" (Brann'sche Monatsschrift). Posen. Stadtrat Schleyer erhielt den K r o n e n - orden 3. Klasse. Warschau. Zu den Stadtverordnetenwahlen ließen sich - 50 0M bis 55 000 Wähler ciutragen. Diese verteilen sich auf 6 Kurien wie folgt: In Kurie 1: 1235 Polen und 763 Inden, Kurie 2: 324 Polen und 159 Juden, Kurie 4: 2085 Polen und 2851 Juden, Kurie 5: 1298 Polen und 851 Juden, Kurie 6: 8971 Polen pnd 7941 Inden. Es ist ausgerechnet worden, daß, wenn die Beteiligung auf beiden Seiten die gleiche Ivärc, 93 Polen uud 37 Inden in die Stadtverordnetenversammlung cintrete» Ivürden. Warschau. Der Gouverneur von Kiew hat den jüd i sch c nH a n d w c r ke r » von B e r d i t sch c tu das Recht, sich an den Wahlen zur dortiger» Händclskamiiicr zu beteiligen, entzogen. Die Handtverkerr reichten Beschwerde beim Senat ein — doch der Senat wies die Beschwerde ab. Zürich. Der jüngst in Küßnacht verstorbene Moritz Guggenhcim — gcb. 1853 in Lengnau, Teilljaber der Firma L. Levis & Este, in Bradford, dann in Paris wohrchaft — hinterließ dem Israelit. A l t e r s a s y l in Lengnau 50 000 frs. Paris. Nach dem Jahresbericht der israelitischen Gemeinde sind ihre sinanziellcu Verhältnisse sehr ungünstig geworben; verminderte Einnahmen und verinchrtc A,»sgaben. 735 355 frcs. Ausgaben .standen inr vergangenen Jahre rmr 604 224 frcs. Einnahmen gegenüber. London. Lucieu Wolfs, der bekannteAssimilator hat sich in letzter Zeit stark innerhalb der hiesigen Ost-' jrrden betätigt, indenr er vorgab, auf diese Weise seine Liebe für die Demokratie und,die breiten jüdischen Massen zu künden. Chief-Rabbi Ga st er. der wahre Freund der jüdischen Massen, hat öffentlich' nachgewiescn, wie indes Wolf in Wirklichkeit handelt. Durch G a st e r s Auftreten dürften W o l f f s Politische Absichten vereitelt worden sein. Petersburg. Am 20. Juni sprach Äbg Fried mann in der Duma über die Beziehungen der Regierung zu den llcincn Völkern. Er sagte, dast der Krieg rintcr dcinSchlagtvort der Befreiung der kleinen Völker von der Megierung begonnen wurde, dast aber sänitlichc llcine Völker nur noch mehr unterdrückt worden seien. Den Inden gegenüber tritt rnan aber gar mit den Füßen die einfachsten menschlichen Rechte nieder; wie man gegen sic verfährt, das schändet die Ehre von ganz Mustland. Rew-Nork. H e r m a n n Bernstein, der Nachfolger des verstorbenen Dr. Joseph.Jacobs in der -Herausgabe des „The American Hebrevi" kam 1893 aus Rußland nach hier. 1898 veröffentlichte er einen Band Gedichte in englischer Sprache, 1902 seine Geschichten aus denk jüdischen Leben unter dem Titel „In the Gates .of Israel" urrd 1905 seine jüdische Novelle „Contrite Hearts". Er hat die Werk Maxim Gorki, Leonid Andrejew, Leo Tolstoi und Graf Witte ins Englische übertragen. Während des Krieges war er zweimal im europäischen Kriegsgebiete, um die Lage der Juden zu studieren. 191)4 begründete er die jüdischnationale Tageszeitung „The Day". Auch war er Sekretär des „American Jewish Committee". Im Alter von 104 Jahren verschied hier Samuel Arenson, Großvater von 73 Ändern, Urgroßvater von 9 Kindern und flnirgrostbater von 9 .Kindern. Er erlebte 1881 den Pogrom von Kischincw und 1895 den von Kiew. New Nork. Jacob H. Schiff spendete 50W0Doll. zur Gründung eines Verlages, der in engl. Sprache Uebersctzungcn der .jüdischen Literatur bringt. . Chicago. Prof. Albert A. Michelson, Leiterder Abteilung für Physik an der .hiesigen Universität, ist als Vizepräsident der „Anrcrikan. Philosoph. Gescllschast" rviedergewählt worden.- Frankfurter Berichte. Ortsgruppe des Jüd. Frauen-Bundes. Die Ortsgruppe entsandte am 25. Juni eine Vertreterin und Bundcsmitglied nach Bingen, um die dortigen jüdischen lFraucnvereine auf die Ziele und Zwecke der. Organisation und auf den Vorteil des Anschlusses an diese sowohl für die Arbeit als auch siiv die Vereine selbst aufinerksani zu machen. Irr Bingen besteht außer der» beiden dort ständig wirkenden jüd. Frauenvereinen, die sich vornchnrlich der Familienfürsorge widmen, z. Z. noch eine jüd. Kricgsfürsorge. Die Besprechung mit den Vorständen ergab ein schönes Bild für das verständnisvolle Interesse und die Liebe, mit der die dortigen Damen bei der Sache sind: Die Vorstände stellten nach stattgehäbtcr Besprechung mit der Dclcgierte» den Beitritt ihrer Vereine in Aussicht und baten mit eine Rednerin, die demnächst in Bingen in größerem Kreise über die Fürsorgearbeit im allgemeinerr sprechen solle. Mirfon. IS Der Mitgiftdoktor. ^Eine Erzählung von Clemens Berg. (Fortsetzung.) ....Weißt Du noch, Hans", fragte der Doktor, „>vie wir mit Kurt pon Dalwig die große Fehde vollführten?" „Gedenkst Du der Kinderei auch noch?" lächelte Hans und füllte des Doktors Glas. „Nie werde ich diesen Tag vergessen!" rief der Doktor erregt. „Dalwig hatte mich beschimpft, und ich voll Wnth" — „Urrd .Du kleine Borste lvarst nahe daran, ihm Dein jämmerliches Brodmesser in den Hals zu stoßen, da packte ich Dich und warf Dich zur Tür hinaus." „Ja, aber den feinen Baron prügeltest Du so lange, dis er sich entschloß, mir vor der gairzen Klasse zu revoziren. Du dicker Goliath hattest eigentlich gar feilt Recht, mir ineinen Gegner Ivegzunehmen." „O doch", erwiderte Hans und dehnte sich behaglich, denn exstens konntest Du kleiner Bosheitsteufel wirflich ein Unheil anrichten, und zweitens hätte ein wohllöbliches Provinzialschulkollegium alsdann den jungen Baron von Dallwig auf jeden Fall als ein unschuldig und fehlerfreies Lämmlein befunden, Dir aber, mein lieber Max Goldmann, sicherlich das consilium abeundi erteilt." „Was war das? Höre doch, soeben rvurde hier draußen gleichfalls der Name des schöne» Dalwig genannt". Hans erhob sich vorsichtig und trat an das Fenster, dessen breiter, dimkelgraiilcinener Vorhang das ebenerdig gelegene Zimmer vor den Späheraugcn der Straßenpassanten verbarg. Den Finger vor den Mund legend mit geheimnisvollen St! St! bedeutete der Sekretär den Doktor, sich ihm zur Seite zu stellen. . „Laß mich niit Dalwig iir Ruhe", sprach draußen eine Helle, scharfe Mädchenstimme, deren fast zu hohe» Tönen die Lauscher einen starken Unwillen abmerken konnten.' „Ich wollte, er käme überhaupt nicht mehr. Der Mensch bringt mit seinen albernen Besuchen mich nur unnötig ins Gerede." „Aber Mariechen", klang es mit sanftem Vorwurf zurück, „Du hast ihn doch gern." „Damit ist mir locirig geholfen", antlvortete Aiarieche», und der offenbare Zom steigerte ihren Sopran um »roch eine Terz hinauf, „ivenn ich Ivarten soll, bis mich Kurt Dalwig heiratet, iverde ich einen grauen Zopf bekommen." „So nimm Deinen Onkel", mahnte die' sanfte Stimme wieder, „dann wärest Du gut versorgt." „Den granköpfigeir Pillendreher! Wenn Du.nichts Besseres mir'zu raten iveißt, Du bist, wirklich recht einfältig", entgegnctc der Sopran mit hellenr Lachen. ,,Geh', Frieda, ein Schlag von einem Jungen wäre mir ieber denn als der Kuß dieses niederträchtigen Alten."