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Neue jüdische Presse · 1916-07-07 · Heft 26 (7.7.1916) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 26 (7.7.1916)
Date
1916-07-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 26. unb Feldwebel Bruno Brann, Sohn des Mühlenbcfitzers B., das Eiserne Kreuz 1. KL. Wie«. Bloch's „Oesterr. Wochenschrift" bezeichnet in ihrer Letzten Nummer folgende Auszeichnungen an Juden: 2 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 1 Militärverdienstkreuz 3. Klaffe, 3 silberne Signum laudis, 32 Signum laudis, 5 goldene Verdienstkreuze mit der Krone, 11 goldene Verdienstkreuze, 25 silberne Berdienstkrcuze mit der Krone, 5 silberne Verdicnstkreuzc, 6 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Klaffe, 28 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Klaffe, 46 bronzene Tapferkeitsmcdaillen, zusammen 164 Auszeichnungen; hievon 46 an Offiziere und Kadetten des ^Soldatenstandes, 17 an Militärärzte niid Militärbeamte und 101 an Mannschaftspersonen. «arieubad. Ein Erholungsheim für israel Kriegswaisen ist hier begründet und mit 10 Knabeu im IWter von 6—10 Jahren eröffnet worden. Regierungsrat Professor Dr. Heinr. Kisch, Bankier Fritz Buxbaum usw. gehören dem leitenden Komitee an. . «. ftleine «tttellrmge». Berlin. Die Witwe ' eS Generaldirektors Dr. Emil Rat Henau, Mathilde Rathenau, 'hat der Universität Berlin eine Schenkung von 200000 Mark zur Errichtung einer Erich-Rathenau-Stiftung gemacht. ' Hirschberg. Rabb. Dr. Max Dir am, der mehr als drei Jahrzehnte hier amtierte, ist im 65. -Lebensjahre verschieden. Breslav. Wie der 'ieflgen „Jüd. Volkszeitung" berichtet wird, .weilte Herr Aron Kober als Vertreter der Agudas Jisrocl in Lodz, um Mr deutsche Kohlengruben jüdische Arbeiter anzuwerben. Auch verhandelte er mit dem dortigen Jüd. Hilfsvercin wegen Eröffnung eines Arbeitsvermittlungsamtes. , Wie«. Realschulprofeffor Alois Kornitzer wurde bei seinem Uebertritt in den Ruhestand mit dem Titel Regierungsrat ausgezeichnet: Rew-vork. Wie , Die Wahrheit"" mitteilt, hat die hiesige Rabbi Jizchok Elch änan-Jeschi w ah von der Regierung das Recht erhalten, ihren Absolventen den Titel Doktor der Theologie zu -verleihen. Frankfurter Berichte. Personalien. Im Alter von 54 Jahren verschied Herr Michael Bing, eine Persönlichkeit von einer ganz eigenen Note. In seinen Jünglingsjahren überfiel ihn eine heimtückische Krankheit,, die 'seinen Körper für die Zeit seines Lebens zu einem gebrechlichen machte, — und trotz dieser für einen regen, hoch begabten Geist besonders schwer fühlbaren Hemmnisse war Michael Bing Herr seines Jchs. Heiterkeit und Güte waren bei ihm etwas so Natürliches, daß ihnen niemand die ungewöhnlich starke Selbstbeherrschung anmerkte, aus der sie kamen. Oder welche eiserne Stählung gehörte für ihn dazu, zu jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung nie des Morgens und des Abends den Gottesdienst zu versäumen, vor dessen Beginn er stets bereits anwesend war. Diese SÄsterziehung verband sich bei ihm.mii einer ausgebreiteten, hoch entwickelten jüdischen und allgemeinen Bildnis. Nach' dem Besuche der hiesigen Realschule der Israelit. Religionsgesellschäst hatte er sein jüdisches Wissen an der berühmten Jeschiwah in Prestburg.vertieft. Auf wissenschaftlichem Gebiete war er besonders in der Chemie und in der Physik sehr bewandert. Als vor einigen Jahren auf dem Feldberg das Observatorium eingeweiht wurde, fand auch er den Weg aur.hen Berg hinauf, und Geheimrat Hergesell unterbrach seine Festrede, indem er auf ihn wies und seiner Bewunderung für einen solch' ungewöhnlichen Enthusiasmus Ausdruck gab: So war Michael Bing «hc geschlossene Persönlichkeit, einzig geleitet von.dem StrLoen, ein vollwertiges Dasein im Geiste jüdischer Welt und Lebensanschauung zu leben. Adolf Heymann und Frau Therese geb. Maas, Eschersheimer Landstraße 04, feiern am Samstag, 8. Juli, das Fest der goldenen Hochzeit. Jaques Oppenheim beging am 6. Juli sein 25jähriges Ge sch ä f ts j ub i lä u m im Hause Beer, Sondheimer & Co. Kleine Notizen. Die Israelitische Gemeinde plant auf ihrem riedhos eine Ehrenabteilung für gefallene riegsteilnehmer mit einheitlichen künstlerisch ausgeführten Grabsteinen, die -für Unbemittelte, kostenlos er. stellt werden sollen. _> „VICTORIA“ Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Hann Tel. 2002. }g GllllEOtStraSSE 18. HangaTel 2002 Spezialität: Kragen. ftfanechetten nnd Hemden. Mtetou. EH Der Mitgiftdoktor. Eine.Erzählung von Clemens Berg. (Fortsetzung.) Zweites Kapitel. Bon der Ankunft des Helden in Trebanobitz. An die Rückwand des Bahnhofsgebäudes in Krcuzburg stößt ein breiter, spärlich mit Birken bepflanzter Platz, auf dem die verschiedenarftgsten Fuhrwerke der Mr«WffHk» FMkilkMW. Passagiere harrten, die da kommen wollten. Hier gab es ehrwürdige, vor Alter halb wackelige Landesequipagen, gleich bejahrten Tanten anzuschauen, leichte Korbwäglein, von zierlichen Ponnys halb spielend gezogen. Daneben hielt in vornehmer Ruhe ein hoher Gig mit schneidigem Apfelschimmel bespannt, über den ein Diener sorglich eine warme, wappenbestickte Decke breitete. Wenige Schritte entfernt warteten noch Bretterwagen, hölzern und knorrig wie ihre Bauern, die mit gut polnischen Kernflüchen und Schimpfreden einander die Zeit vertrieben. Die Bahnhofsühr schlug schallend die fünfte Stunde des Nachmittags. Zwei Minuten später fuhr der Zug ein, und sofort füllte sich' der Platz mit Ankömmlingen, die die Wagen bestiegen, um ihre Reise auf dem Landwege fortzusetzen. Vom Bock einer der alten Landtänten sprang ein behender, strammer Kerl und beobachtete einen jungen, gutgekleideten Herrn, der mit offenbarer Ungeduld suchend umherblickte, als der Kutscher, dicht an ihn herantretend und höflich die Mütze ziehend, ihn anredete: „Gelegenheit nach Zernowitz, Herr?"" „Danke, nein, nach Trebanobitz will ich."" „Herrjeh, da sind Sie's doch, Herr Doktor Goldmann."" „Allerdings, der bin. ich. Woher kennen Sie mich?" „Ich werde Sic nicht kennen? ' Ich bin ja der Bauerfritze von Ihrem Onkel, deni Herrn Ezechiel."" „Alle Wetter der Fritz, hast Du Dich verändert!"" Der Bursche streckte sich. „Ja, so wird man bei den Preußen."" Der Doktor sah wohlgefällig auf den hübschen Burschen. „Also schon Soldat gewesen? Sich, darum beneide ich Dich. Gehört der Wagen zu Dir? Richtig, nun kenne ich auch Eure alte Karätc wieder. Tausend, Ihr habt ja andere Pferde."" „Schon lange, Herr Doktor. Die Liese fährt den Bierwagen jetzt, und den Wallach hat längst der Schinder. Aber nun muß ich doch gleich dem Herrn Sekretär Scholz melden, daß Sic gekommen sind." „Dieser Scholz > Wo "zum Henker bleibt der Mensch?"" „In der Poststube sitzt er; der Herr Postrat hält ihn dort festgeschraubt." „O weh! Und Dir hat Scholz anscheinend, den Auftrag gegeben, mich zu erwarten?"" „Befohlen hat er, der Herr Sekretär. Er war nämlich mein Feldwebel." Jetzt stellte sich Fritz breit dem Bahnhofsgebäude . gegenüber und pfiff kunstgerecht das Signal: „Schützen, Schützen, kommt zurück." Von einer Fensterscheibe her trommelte etwas im Takte zur Antwort. „Geht langsam vor, geht langsam vor", summte Fritz. „Er wird gleich kommen, Herr Doktor." „Das kann noch lange währen"", rief Dr. Goldmann verdrießlich.. „Wieso hist Du denn hier,' Fritze?"" „Ich komme eigentlich von Trebanobitz. Ich habe die Lotte! abgefahren." „Die Lotte, das war der Wildfang bei Euch?" „O Herr, das ist ein Mädel wie die liebe Sonne. Anr liebsten möchte man sie immer behalten." „Schau, was die schwarze Lotte einen warmen Verehrer an Dir hat", spottete der Doktor. „Wird man sie nicht bald verheiraten?" „Kann sein. Wer die kriegt, mag sein Leben lang lachen", versicherte Fritz ernsthaft. Und sein allerpfiffigstcs Gesicht aufsetzend, näherte er zutraulich seinen Kopf dem des Doktors und flüsterte ihm ins Ohr: „Halten Sie sich zu, Herr Doktor, da gibt's Geld die schwere Not." Der Doktor sah finster nach dem Sprecher. „Und Du glaubst, ich wäre auch ein so geldhungriger Lumpenkerl, der sich die schwere Not aufschwatzen ließe?"" fragte er scharf. Aber Fritz wurde der Gegenrede überhoben, denn des Doktors lieber Freund Hans Scholz kam hcrbeigegerannt und Preßte ihn unter tausend Entschuldigungen und Willkommensworten in seine Arme. „Wenn Du mir böse bist, erschieße ich mich"", beteuerte er, „aber glaube lieber an meine Unschuld. Hätte nicht Dalwig den glorreichen Einfall gehabt, den Alten zur Kneipe zu holen, ich wäre weiß Gott noch nicht losgekommen."" „O popoi, das also ist Dalwigs Gig. Herr von Dalwig, der mir einen Dienst leistet."" „Ja, Mäxlein, aber gräme Dich darum nicht, das wird Dir. kein zweites Mal wieder begegnen. Er kehrt übrigens Heut Abend auch in Trebanobitz ein, Dein früherer Erbfeind." „Dalwig? Wen oder was sucht er dort?" forschte der Doktor. „Den Apotheker, der hat eine hübsche Nichte. — Aber nun vorwärts, laß uns-einstcigen! Heda Fritze, Du drehst doch uns zu lieb noch einmal um. Dein Herr wird schwerlich seinem eigenen Neffen den Wagen vorenthalten wollen." „Im" Gegenteil", nickte Fritz. „Wo soll ich fahren, Herr Feldwebel, über den Wald oder durch die Chaussee?"" „Durch den Wald", entschied Max. ■ „Uff", rief der Sekretär, drückte sich bequemer in die Kissen des Wagens und faßte des Freundes Hand: „Jetzt erzähle Mensch. Wie kamst Du zu dem gesegneten Entschlüsse, durch Deine Niederlassung in Trebanobitz die trüben Tage Deines dort kläglich vegetierenden Heilbruders zu erhellen? Junge, ich könnte Dich küssen dafür. Mir bangte sehr. Du würdest in Berlin bleiben." „Berlin", seufzte der Doktor,. „Berlin gibt Steine, aber kein Brot. Das Assistentenleben ist dort kein lustig Leben, und einträglich ist es noch viel weniger. Du weißt, uni über eine traurige Tatsache mit eiueni noch viel traurigeren Witz hinwegzukommen, der nervusrerum war bei mir immer der nervus rarum." „O Max, Du bleibst ewig der Alte. Uff, das Aechzen und das Krächzen hat er noch nicht abgetan. Mann, Dir kann doch geholfen werden"", neckte Hans. - „Uebcr ein kleines, und man wird Dich more majoruni mit einer schweren, reichen Jungfrau vermählen." „Wenn Du mich nicht erzürnen willst, schweig"", brauste der Doktor auf. „Diese elende Scelenschacherei!- Verschonet mich in sieben Teufels Namen. Ich habe während meines letzten Verweilens in Kronstadt das Lied von der großen Mitgift zum Ueberdruß gehört, daß mir noch heute die Ohren davon gellen."" Aber schon reute ihn seine Heftigkeit, und sanfteren Tones sprach er: „Gern wäre ich Schiffsarzt geworden, aber bei meiner Konstitution. — Ja, hätte Natur mir Deinen mächtigen Teutonenkörper gespendet." „Nicht doch", tröstete Scholz, „Du bist ein ganz hübscher Junge, Du hast so etwas Bleiches, Interessantes." „Die ganze Jntercssantigkeit ist für den Pstoppen, wie Onkel Bräsig sagt. Kräftige Glieder und höher Wuchs bilden des Mannes schönste Zierde, aber bei unserer Rasse, — das liegt im Blute. — Was ist das?"" unterbrach er sich, „seit wann habt Ihr den Wald erleuchtet?" „Wo?" fragte der Sekretär. „O, Du kurzsichtiger Bücherwurm, das ist das Licht der Wagenlaterne, die wir mit uns führen." „Da hast Du's", brummte Max ärgerlich und rückte den Kneifer auf die Nase. -„Armer Krüppel, als der unser einer durchs Leben schlottert. Wir haben Augen, die sehen nicht, die Mehrzahl unserer Organe taugen nichts; wir haben nur ein Gehirn, und das ist alles."" Der Sekretär lachte. ~ „Es saß im Omnibus ein Melancholikus, der hatte Lackstiefeln an"", sang er lustig. Der Doktor stimmte mit ein und war wieder guter Laune. „Laß doch aufmachen, Hans, es ist schrecklich heiß"", bat er. Fritz schlug den Wagen zurück. Der Wald war. zu Ende. Man fuhr schon über Trebanobitzer Gebiet. Der Kirchturm der Stadt ward sichtbar, und auch die Rathausspitze konnte man gewahren. Ein Trupp Landarbeiter kamen ihnen von den Feldern entgegen, Hacken und andere Geräte über den Schultern. Als sie den: Wagen auf Worte nahe waren, grüßten sie in polnischer Sprache hinein. Die Freunde dankten .mit „guten Abend." „Es ist ein hübscher Menschenschlag hier"", bemerkte der Doktor, „sicher ein Ergebnis der vielen Liebesheiraten." „Wo denkst Du hin?"" rief Scholz. „Der oberschlesische Bauer ist habgierig wie ein 'Hamster und heiratet nicht, Ivenn das Weib seinem Besitz nicht Gleiches zu Gleichem bringen kann. Aber", fuhr er nachdenklich fort. „Du bist auch nicht ganz im Unrecht. Wir haben Fälle und Unfälle von Zuchtwahl hier mehr als zuviel. Da rollen nnr in Trebanobitz ein. . Vorgesehen, Fritze, daß Du nicht zum andern Tor Ivieder rausfährst." „Spotte Du imr", stützte der Doktor wieder. „Doch wer weiß? Ehe in Berlin der tausendvierunddreißigste oder so rum>. tue ich vielleicht doch besser daran, in Trebanobitz der zweite zu sein."' Bor einem Gasthaust hielt der Wagen. Der Chronist schreibt mit Fleiß „einem Gasthaust"; Achtung, wo sich's gebührt, Trebanobitz hatte deren - vier. Gleichzeitig gibt dieser Stümper eines Chronisten den teuer» Lesern unumivmchen die allertiefste Beschämung über sein klägliches Unvermögen kund, ihnen das Aufsehen zu schildern, welches Herrn Ezechiels Karosse samt« ihren beiden

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