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Neue jüdische Presse · 1916-07-07 · Heft 26 (7.7.1916) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 26 (7.7.1916)
Date
1916-07-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Kr. 26. großen berechtigten Forderungen, die die Warschauer Judenheit im Interesse einer ökonomischen, politischen und nationalen -Existenz stellen muß, auszusprccheu und zu vertreten. Dann darf es mit der Gesolgschaft des größten Teiles der jüdischen Wähler rechnen und darf auf einen befriedigenden Erfolg seiner Tätigkeit hoffen, der für die künftige politische Stellung des polnischen Judentums von größter Bedeutung werden muß. Sehr Großes steht auf dem Spiele; mau nmß zu der Warschauer Judenheit bas Vertrauen haben, daß sie sich der Bedeutung des Moments bewußt ist und die begonnene Politik der Solidarität und Geschlossenheit bis zum erfolgreichen Siege fortsetzen wird. Das Buch vom polnischen Jude«. Selten erschien ein Buch zu so zeitgemäßer Stunde, selten war eiires geeigneter, einem immerempfindlicher werdenden Bedürfnis Abhilfe zu leisten wie das söeben vom „Jüdischen Verlag" publizierte „Buch vom polnischen Juden". Schon vor dem Kriege, ganz besonders aber seitdem infolge der Okkupation der westrussischen Gebiete durch Deutschland die Ostjudenfrage zur aktuellsten und bedeutsamsten jüdischen Frage der Stunde geworden ist, .empfand man immer schmerzlicher den Mangel guter Übersetzungen aus der jiddischen und hebräischen Literatur, vor allem ' solcher, die dem Leser einen wirklichen Einblick in das Leben und Wesen des Ostjudentums zu geben vermocht hätte. Was an Uebersetzungen ostjüdischer Dichter und Schriftsteller da war, war doch ziemlich wenig und war zum großen Teil auch charakteristischer für die individuelle Eigenart der Autoren als für das Gesamtwesen der Ostjudenheit. Man mußte eben schon die gesamte oder doch zumindest einen großen Teil der ostjüdischen Literatur kennen, uni daraus Erkenntnisse und Einblicke in die den Individualitäten der einzelnen Schriftsteller zugrundeliegende, sie alle übergreisende ostjüdische Wesensart gewinnen zu können. Da aber für eine solche Kenntnis der ostjüdischen Literatur dem deutschen Judentum und vor allem auch der nichtjüdischen Oeffentlichkeit die nötigen Voraussetzungen fehlen) so bestand in erster Reihe oas Bedürfnis nach einem Buche, das durch eine verständnisvolle Auswahl aus der ostjüdischen Literatur ein Bild von dem Leben und Charakter der Ostjudenheit zu bieten vermöchte. Einige Bücher (Ghettogeschichten, das Ghettobuch usw.), die das versuchten, mußten als verfehlt bezeichnet werden, weil ihren Herausgebern das nötige Verantwortungsgefühl und auch das nötige Wissen fehlte. Umso mehr darf man sich freuen, vom „Buch vom polnischen Juden" sagen zu dürfen? daß es den Zweck, den es sich gesetzt hat, durchaus erfüllt. Was die beiden Herausgeber, S. I. Agnon, der feinsinnige und auf dem Gebiete der jüdischen Literatur bewundernswert kenntnisreiche junge hebräische Dichter, und Dr. A. Eliasberg, der verständnisvolle Leiter des „Jüdischen Verlags", in diesem Buche bieten, ist in der Tat eine vortreffliche Zusammenstellung aus allen Gebieten der ostjüdischen Literatur, die dem Leser einen Einblick in die ostjüdische Lebens- und Wesensart verlecht, wie ihn in dieser Vielseitigkeit und Eindringlichkeit . keines der zahlreichen, in letzter Zeit über die Ostjuden erschienenen Bücher und Darstellungen zu geben vermag. Nur derjenige, der das ungeheure Material kennt, das für die Auswahl in Betracht kam, und der weiß, wie außerordentlich schwierig es ist, Westeuropäer mit der Eigenart des Ostjudentums einigermaßen vertraut zu machen, wird verstehen, welcher Eifer, welche Mühe und welch feinsinniges Verständnis in dieser Leistung enthalten ist. Aus allen ihnen zur Verfügung sichenden Quellen haben die Herausgeber geschöpft: aus den Schriften der großen ostjüdischen Dichter, aus alten Chroniken, aus den Legenden der Ahnen, - den Erzählungen oer Chassidim, aus den populären humoristischen Geschichten, ben volkstümlichen Sprichwörter» und Anekdoten. Neben den modernen Schriftstellern Perez, Sokolow, Frischmann, Agnon, begegnet man dem alten Meier Diek und den Lebenserinnerungen Salomon Mainrons; ursprünglich deutsch geschriebene Beiträge wie die schönen Erzählungen „aus dem Leben des heiligen Rabbi Mvrdche Leib von Sasaw" von Martin Buber wechseln mit — im Ganzen recht guten — Uebersetzun- Wasttzrrrwr JsraeMsches FamiltenNaL. geir aus dem Hebräischeil und Jiddischen; neben historischen Berichten aus der reichen Vergangenheit des polnischen Judentums stehen kurze Schilderungen aus seinem gegenwärtigen Leben, und ein jedes Stück bereichert den Leser um den Einblick in ein ileues Gebiet des polnisch-jüdischen Lebens. Daß die Herausgeber bei aller Gründlichkeit in oer Berücksichtigung des Materials, das sie für diese Auswahl benutzt haben, sich doch in ihrer Darstellung bestimmte Schrailken gezogen haben, ist ein Beweis mehr für das feine Verständnis, das sic in ihrer 'Arbeit leitete. Solcher Schranken setzten sie zwei; zunächst hielten sie sich nur an das polnische Judentum, und sodann zogen sie in erster Reihe das alte, ghettojüdischc Leben in Polen heran, wie es heute zunr großen Teil bereits ins Wanken gekommen, vielfach durch die modernen Lebensformen beseitigt ist. Beide Begrenzungen waren notweildig. Denn zwischen dem polnischen Judentum und demjenigen der anderen Hauptgebiete des Ansiedlungsrayons (vor allenl Litauens) bestehen seit geraumer Zeit starke Differenzen, und man hat Durchaus das- Recht, von einem Typus des polnischen Juden innerhalb des gesamten Ostjudentums zu sprechen. Was aber die hauptsächliche Betonung des in den traditionalen Formen sich bewegenden ofljüdischen Lebens betrifft, so ist diese Beschränkung noch richtiger und notwendiger als die erste; denn einmal ist die Kluft zwischen der traditionalen ghettojüdischen Kultur und der in den anderen Lebensformen sich bewegenden so groß, daß der Versuch, von beiden in einem Buche ein Bild zu geben, notwendigerweise zur Zersplitterung und Trübung hätte führen müssen. Sodann aber ist noch das moderne ostjüdische Leben zu wenig ausgereift, zu sehr im Werden begriffen, als daß es schon möglich wäre, ein unifassendes Bild seiner Eigenart heute zu» bieten. So wurde durch die freiwillige Beschränkung auf das altjüdische Leben die Einheitlichkeit und Harmonie des Buches gewahrt, und wenn der Leser so auch von den modernen Regungen und tiefeingreifenden Umgestaltungen jm ostjüdischen Leben nichts in dem Buche hört, so erhält er doch Einblick in die geschlossene große Welt des polnischen Ghettojudentums, und dieser Einblick bildet auch die Voraussetzung für das Verständnis all der modernen Prozesse innerhalb des polnischen Judentums, die ja alle von dem traditionalen altjüdischcn Leben ihren Ausgangspunkt nehmen. Es wären vielleicht im einzelnen manche Lücken und Mängel des Buches zu erwähnen; aber sie verschwinden fast völlig im Rahmen des Ganzen. Als Ganzes aber ist das „Buch vom polnischen Juden" eine wertvolle, bedeutsame und reife Gabe, für die man den Herausgebern zu Dank verpflichtet sein muß. Neue Beftimmnugeu über das Privatschulwese» itt der Türkei. (Fortsetzung.) Z 16. Die verantwortliche» Leiter von den im L 1, ßlbsatz 2 aufgeführten Unterrichtskurseil .sind nicht zur völligen Erfüllung der in den §§ 11 und 12 aufgeführten Gesuchs- und Erklärungsbestimmungen. verpflichtet, wenn ihre Kurse bestimmt sind:'für Arbeiter, Lehrlinge und Personen, die das Schulalter überschritten haben, ferner für Leute, die das Maschinenschreiben lernen wollen, kurz, wenn sie für die Erwerbung derartiger Kenntnisse bestimmt sind, und wenn deren Studiendauer zwei Jahre nicht überschreitet. In diesem Falle genügt es, dem diesbezüglichen Gesuche' Bor- und Zuname, sonstige Standesmerkmale und Wohnort des veraMwortlichen Leiters und bei Ausländern auch noch die Staatsangehörigkeit Leizufügen, ferner in welchem Dorfe oder Stadtviertel der Unterrichtskurs eröffnet werden und worin der Unterricht bestehen soll. Dem besagten Gesuche sind des weiteren noch beizufügen: beglaubigte Abschrift des osmanischen Staatsangehörigkeitsausweises des Gründers und wenn er Auslänber ist, von seinem zuständigen Konsulat beglaubigte Abschrist des Staatsangehöriakeitsausweises, sein Führunsattest, sowie eine Liste der am Lehrer fungierenden Personen mit Angabe ihres Vor- und Zunamens, Wohn- und Herkunftsortes nebst beglaubigter Abschrift von Zeugnissen über ihren Studiengang oder von Befähigungsnachweisen und je?in von der Lokalbehörde ihres Wohnortes beglaubigtes Führungsattest und bei Ausländern außer den erwähnten Dokumenten je ein von ihrem Ortskonsulat beglaubigter Staatsangehörigkeitsausweis. Auf diese Grundlagen hin werden jwer die.obengesagten Unterrichtskurse die Prüfungen und Untersuchungen vorgenommen, die betreffs der zu eröfftienden Schicken seitens der zuständigen Lokalbehörden und der Direktion des Unterrichtswesens ausgeführt werden müssen, und daraufhin wird auch die diesbezügliche Ermächtigungsurkunde ausgehändigt. 8 17. Die Befugniserteicklug zur Eröffnung von privaten Lehrer- und Lehrerinuenseminaren hängt von einem derartigen Nachweise ab, der das Unterrichtsministerium völlig zufrieden zu stellen vermag, und zwar hinsichtlich des Vorhandenseins eines Lehrkörpers, der außer der Lehrpraxis noch Pädagogik, Osmanische Sprache und Literatur, Geschichte und Geographie, Mathematik und die Grundzüge der Wissenschaft (mebadi-ji sünun) zu lehren vermag. 8 Der Unterricht, die allgemeine Organisation, die Art der Leitung, die Baulichkeiten, die Ausstattung und die Höhe des Schulgeldes privater Lehrerimb Lehrerinnenseminare bedarf der Prüfung und Billigung des Unterrichtsministeriums. 8 19. Der Lehrkörper privater Lehrer- und Lehrcrinnenseminare »mß in den erforderten Fächern unbedingt Hochschulbildung genossen haben. Ucber die Befähigung von Leitern und Lehrern, die neu ernannt werden sollen^ ist ben Direktionen des Nuterrichtswesens detaillierter Bericht zu erstatten. 8 20. Bei der Verränderung des Grades der Schalle, bei der Uebertragung der Gründereigenschaft auf einen andern und beim Wechsel des verantwortlichen Leiters ist die Richtigstellung der Eintragung und zugleich die erneute Ausstellung der. Ermächtigungsurkunde erforderlich- Jm Falle der Uebersiedelung der Schule in ein anderes Gebäude, des Namenswechsels, der Vornahme von Veränderungen hinsichtlich der 'Lehrer oder des Lehrprogramms und der Lehrbücher, ferner im Falle derartiger Veränderungen wie Aufnahme von externen Schülern in interne Schulen Und von internen Schülern in externe Schulen, Umwandlung von Jnternatschulen in Externate oder von Externatschulen in Internate und von Knabenin Mädchenschulen oder Mädchenin Knabenschulen, sowie Eröfftiung von Zweigschulen, ist nebst Richtigstellung der Eintragungen auch in kurzgefaßte Einführung der stattgehabten Veränderungen an der hierfür in der Brmächtigungsurkunde vorgesehenen stelle erforderlich,. Die Gründer.oder verantwortlichen Leiter sind daher verpflichtet, sich wegen dieser Angelegenheit an das Oberpräsidium oder an das Regie- 'rungspräsidium selbständiger Regierungsbezirke in Gestichen zu wenden. Es werden dann seitens der Direktion des Uickerrichtswesens, je nach dem Ergebnis der Prüfungen und Unterstichungen, die nach Gepflogenheit vorznnehmen sind, die erforderlichen Formalitäten erfüllt. (Fortsetzung folgt.) Aus dem türkische» Reiche. Auf Veranlassung von Ahmed D s ch e m a l Pascha, dein Führer der 4. türkischen Armee, ist als Sachverständiger für den Ban Von Bewässerungsanlagen Herr Weid aus Deutschland beriifen worden. Es wird seine Aufgabe sein, den Wasserhaushalt in den.Provinzen Aleppo, Damaskus und Beirut sowie im Sandschäk Jerusalem zu regeln, versumpfte Landstriche, die in größerer Ausdehnung Vorhänden sind, zil entwässern, den Gefahren durch Ucberschweinmiing p.orzubeugen und dafür neue Bewässerungsanlagen zu schaffen, die weitere Gebiete der Kultur erschließen werden. Ueber die zur F ör d er u n g de r L an dw irtschaft getroffenen Maßnahmen hat sich! der Minister A h in e d Nessimi Bey ausführlich geäußert. Nach seinen Darlegungen sind zunächst Saatgut im Werte von 20 Millionen Piaster und zahlreiche Arbeitstiere wie mich Saaten von Kartoffeln, Mais, Reis, Bohnen u. a. an die Bevölkerung verteilt worden, die bei den Bestellungsarbeiten eine wirksame. Unterstützung durch die Arbeitsbataillone des Heeres gefunden hat. Dazu gelangten mehr als 13 000 landwirtschaftliche Maschinen während der Erntezeit zur Ausgabe. Leider wurde die Ernte des vorigen Jahres durch, Trockenheit, Hägelschlag, Uebcrschwemmungen, Heuschrecken und Pflanzenkrankheiten stark beschädigt. . In diesen: "Jahre wurden alle Arbeiten noch in weit größerem Umfange durch den Staat unterstützt. So wurde Saatgut im Werte von "35 Millionen Piaster beschafft, zahlreiche Dampfpflüge neben Arbeitsvieh. eingeführt und die große Ebene von Konia in Bestellung genommen. Die große fruchtbare kklikische Ebene, die Tschukur Oioa von Adana, wird mit Mais besteckt, wie auch dem Anbau von Reis im ganzen Lande eine große Ausdehnung gegeben wird; sine große Reisschälanlage wird in Brussa errichtet. Zum Kampf gegen die Heuschrecken wurden unter der Leitung eines deutschen Fachmannes 13 Arbeiterbataillone in den Dienst gestellt; bis Ende Oktober v. I. waren gegen 10 Millionen Oka Heuschreckeneier (1 Oka — 1,28 kg) eingesammelt und vernichtet. In Konstautinopel ist eine besondere Zentrale' zur Bekämpfung schädlicher Insekten und Pflanzenkrankheiten und ein« besondere Abteilung für das bisher stark vernachlässigte Forstwesen errichtet worden. Auch ein Museum wurde begründet, das alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse zur Anschauung bringt. Gleichfalls einem deutschxn Fachmann anvertraut ist die Beratung hinsichtlich des Anbäucs der Zuckerrübe uiw der Anlage von Zuckerfabriken. Geplant ist die Bildung einer Kommission zum Studium aller wichtigen wirtschafckichen Fragen, ebenso die Errichtung einer Reichshändelsstecke, die in einiger Fühlung mit den verschiedenen Handelskammern arbeiten soll. Den Botschaften im Auslände werden Handelssachverständige beigegeben werden, andererseits werden besondere Kommissare in die türkischen Provinzen enffandt werden. Ferner werden die bestehenden Handelskammern neu gebildet und' weitere Kammern an anderen Orten errichtet werden. Zahlreiche junge Leute socken zum Studium des Handels in das Ausland geschickt werden. Besondere Aufmerksamkeit soll der türkischen Schiffahrt zugewendet werden. Die Anwendung des neuen Zolltarifs wird den Abschluß vorteilhafter Handelsverträge ermöglichen. Zur Förderung einer eigenen Industrie sollen besondere Fachschulen errichtet werden, wobei man den Anfang mit Elementarschulen »lachen und erst später zu höheren Unterrichtsstufen übdrgehen wird,

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