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Neue jüdische Presse · 1916-06-30 · Heft 25 (30.6.1916) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 25 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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1 Nr. 25. Seite A ßwnflröer WvVkWfcheU FamillerGall. Aber auch an einen Warner fehlte es nicht. Der. Ketzer erstand im eigenen Lager, Frau Goldmanns leiblicher Bruder, der Großhändler Ezechiel, ein geachteter und angesehener Mann, der in dem nur.wenige Meilen entfernten Zernowitz wohnte, besuchte eines schönen Freitags seinen Schwager und kam ohne die geringsten Präliminarien sofort zur Sache. „Höre, Goldmann, Du möchtest lieber davon abkommen. Deinen Max dem Studium zu widmen. Stipendien hin Stipendien her, alle Hilfsqucillen abgerechnet, wird Dich Dein Vorhaben noch einen Heidengroschen kosten. Warum nullst Du Dir auf Jahre ] hinaus so wehe tun?". Da hatte der gutmütige Warner schön in ein Wespennest gestochen. Der kleine Kantor stellte sich auf wie ein hmigriger Löwe und schwur, nichts in der Welt solle ihn davon abhalten, seinen Sohn einem gcach- K teten und erhabenen Berufe zu weihen. Da sei Gott davor, daß man ihn etwa der bösen Absicht verdächtige, andere um ihre Hilfe anzugehen; er und seine gute Frau Hätten seit Jahren für diesen Zweck ein weniges von ihrer Armut zurückgelegt. Unter welchen Entbehrungen und Abdarbungen sagte er freilich nicht, das weiß nur der, der die Elternherzcn schuf, allein. Der getreue Eckart war jedoch nicht so leicht abzuweisen. Er wollte das ersparte Sümmchen als Mitgift für die Töchter angelegt wissen. „Eure Hann", sagte er, „ist mit Recht ein schönes Mädchen, man wird Euch Geld mit ihr ins. Haus tragen. Wer besser ist besser! Und die drei andern, sie sollen leben, wollen doch auch ' bedacht werden!" „Dafür wäre dann der Max einmal da", warf Frau Lea ein. Jetzt wurde der Großhändler ernstlich böse: „Versorge jÄer nach bestem Können seine Kinder selbst und verweise sie nicht auf späterhin auf die milde Hand ihres begünstigten Bruders. Das haben meine Augen oft gesehen: Was Eltern geben, gedeiht ihren Kindern zum Segen; aber was ein Bruder gar schnell mit halbem Herzen den Geschtvistcrn von dem Seinigen äbläßt, wird leicht ein Almosen sein. Ihr vernagelten - Menschen Ihr, ist denn der Eine da nur Euer Fleisch wch Blut? Wenn Euren Jungen der rechte Geist beseelt, wird er in jedem Stande Brot und Ehre finden, darum bedenket es besser und fürchtet Euch vor der Sünde, Eure Töchter jenem Bevorzugten zu Lieb in Schoden zu bringen." f] ' Keine schlimmeren Tauben, als die nicht hören |T wollen. Der gute Ezechiel predigte mnsonst. Aber wäre» | auch sämtliche zwölf Propheten, große und lleine, mit W. allen Waffen der Dialektik und Rhetorik dareingefahren, jtf der Kantor und seine Frau hätten ihren Willen dürchgesetzt. Mit dreiundzwanzig Jahren legte Max Goldmann am Simches-Thorafeste dem vor Freude weinenden f! Vater seine schön in rotes Leder gebundene Doktorarbeit! ' in die zitternden Hände, ü,!' (Fortsetzung folgt.) ji- ■’ - ~~; Die Töchter des Rabbi Gersou. Nach ««er wahren Begebenheit aus der Zeit des Russeneinfalls in Galizien.! Bon Heinrich Bachrach. ■r (Fortsetzung.) Unaufhörlich zog der Strom der zurückgchenden jij Oesterreicher durch die Straße. Erst gegen Abend wurden . die Reihen lichter. Fußkranke und Verwundete waren f:- es meist, die zuletzt kamen. Mirjam, die jüngste Tochter;0. Rabbi Gersöns, hatte den ganzen Nachmittag Wasser vom i|j Brunnen her beigetragen; kaum daß die durstigen Krieger den einen Eimer ausgeschöpft hatten, stand schon wieder |“s ein anderer voller da. Rabbi Gerson hatte vom Fenster jt'- aus zugesehen, wie die kaum 14jährige mit starken Armen den Eimer aus dem tiefen Brunnen zog, wie ihre $ Zöpfe int Winde flatterten bei dem geschäftigen Hin- und Herlaufen, wie ihre Augen strahlten bei jedem Dank, '“r den ihr die Soldaten zuriefen. Nun sprengten nur $ noch ab und zu einige Reiter durch die Dorfstraßc, E der volle Eimer stand schon lange unberührt, da trat Ij Mirjam mit leuchtenden Augen und roten Wangen in h die Stiche. A 5-1 - Rabbi Gerson schickte sich gerade au, ins Bethaus zu gehen. Mirjam schmiegte sich an ihn; sie empfand, daß sie ejn Lob verdient hatte, und ein Lob des Vaters ging, ihr über alles. „Mein, liebes Kind", sagte Rabbi Gerson und strich ihr über das schwarze', glänzende Haar, „bewahre Dir. Dein gutes,,.-braves Herz/ Fallende stützen und Leif. sa i nt-den is. -StftaBBft ALLE REPARATUREN an UHREN Coldund Sllborwaren, Brillen und Zwicker. dende erquicken ist ja eine der höchsten Pflichten des Judentums, und mehr noch der jüdischen Frau. —' Eine esches chail wirst Du werden, eine echte jüdische Frau!" Er tätschelteihr noch die Wangen, nickte Esther, die mit dem Herrichten der Sabbatlampen beschäftigt war, freundlich zu und ging dann hinaus, aufrecht und stark, mit großen, bedächtigen Schritten. „Wird Mutter entzünden?" fragte Mirjam. „Nein", entgegnetc Esther, „Mutter ist zu schwach, sic kann nicht aufstehcn, ich werde es tun." Nachdem Rachel, die achtzehnjährige, herausgekommen -war, brannte Esther die Lichter an, breitete die Hände vor den Flammeit aus und betete. Rachel hätte den Kopf gesenkt und sprach die Worte leise mit. — Das Gebet war zu Ende, Rachel schlich wieder hinaus, aber Esther stand immer noch und starrte mit gläsernen Augen in den Lichtschein. Ihr Gesicht war blaß und starr wie aus Marmor, ihre Lippen bewegten sich leise, ihre Brust hob und senkte sich zuweilen stürmisch. „Wie schön Du bist, Esther", sagte Mirjam, „wenn Du so stehst und das Licht auf Deinem Gesichte liegt, dann könnte man Dich für eine Heilige halten." Stürmisch schloß Esther das 'Mädchen in die Arme. „Weißt Du", sagte Mirjam und schmiegte sich an die Schwester, „wenn ich zwanzig Jahre alt bin, dann, möchte ich auch so sein wie Du, so stark, so schön und so klug!" Esther küßte sie. „Heute abend", plauderte Mirjam weiter, „bin ich gar nicht so glücklich wie sonst am Freitag abend. Jedenfalls, weil Mutter im Bette liegt! Wie schön war das doch sonst Esther! Die ganze Woche habe ich mich auf den Freitag abend gefreut! Wenn die Stube hell erleuchtet war und der Ofen eine so mollige Wärme verbreitete, wenn man schon auf dem Hausflur die guten Sachen roch, die Mutter gekocht hatte! Wenn wir alle unsere neuen Kleider anhatten, Mutter das weiße Häubchen auf dem Kopfe und der Vater in dem schwarzen Rock mit der weißen Halsbinde! Wie anders war doch sonst alles; Esther! — Ganz traurig bin ich auf einmal geworden, am liebsten möchte ich weinen!" — ' Unwillkürlich dachte Esther san die Worte des -Vaters: „Mit dem Hauche ihres Mundes suggerieren sie uns ihre Qual!" 'und ein Frostschauer überlief sic. Kosend strich sie über den Scheitel des Mädchens. „Hast Du mich lieb, Mirjam?"! Mirjam schlug die großen, braunen Augen zu ihr auf. E. „Und ob!" * „Dann lasse Dir, wenn Vater vom Bethause zurückkommt, nicht merken, daß Du traurig bist. — Du weißt ja, am heiligen Sabbat will Vater muntere Gesichter sehen." — Mirjam nickte. Ein Weilchen blieb alles still. Immer noch eng aneinander geschmiegt saßen die beiden Schwestern da. Plötzlich frug Mirjam: „Warum siiü> heute so viele Soldaten durchgekommen?" „Ich — weiß es nicht, Mirjam." „Lobs Sarah sagte, die Oesterreicher wären ausgerissen, und die Russen würden nun bald hier sein. — Glaubst Du das, Esther?" „Woher will Sarah denn.das wissen?" „Ich habe nicht darnach geftagt. Ich fürchte mich auch nicht, wenn die Russen kommen. Meinst Du, daß ich auch Wässer auf die Straße stellen soll, wenn die Russell durchziehen?" — Die Haustüre ging. Die beiden Mädchen sprangen auf. „Der Bater!" . Gleich darauf trat Rabbi Gerson ins Zimmer. Hinterher kam Rachel. Die Mädchen neigten die Köpfe. Rabbi Gerson legte segnend die Hände auf ihre Scheitel. „Gott segne Euch, wie er Lea, Rachel iurd Rebekka einst gesegnet hat!? Dann..küßte er sie nacheinander auf die Stirne. „Wir wollen zur Mutter gehen!" Diekranke Frau lag müde in den Kissen. Esther kniete am Bette nieder, und die beiden anderen Mädchen folgten. v ' - Eine Heiße abgezehrte Hand legte sich auf ihre Köpfe. Mirjam setzte sich zu der. Kranken aufs Bett. „Wirst Du bald wieder gesund werden, Mutter?" Die Frau nickte und zog das Mädchen an sich „Mein liebes, gutes Kind!" Der weichherzigen Rachel kamen die Tränen in die Augen. Sie ging schnell hinaus. Rabbi Gerson setzte sich an das Bett seines Weibes und las das hohe Lied der Frau: „Wer ein wackeres Weib gefunden, weil über Perlen geht ihr Wert!" — „Geht nun essen", sagte seine Frau, als er geendet hätte. „Und Du — Mutter?" fragte Esther. Die Kranke schüttelte den Kopf. „Ich kann nichts jesien!" „Mutter", sagte Mirjam, „iß doch etwas, Mutter. Ich will Dir's bringen. Nur ein wenig Suppe, Mutter?" Wieder schüttelte die 'Frau den Kopf. Rabbi Gerson und Esther waren hinausgegangen. Mirjam-saß noch auf der Bettstelle. „Mutter", Hub sie wieder an, „liebe, liebe. Mutter, iß doch etwas — ein klein wenig nur, Mutter, — weil doch heute Sabbat ist und — weil es mir auch , gar nicht schmecken wird, wenn Du nichts essen wirst." Ihre Stimme war in Schluchzen übergegangen, und die Hellen Tränen liefen ihr über die Wangen. Frau Hanna faltete die Hände im Bett. „Wie danke ich Dir, himmlischer Vater, daß Du mir solche Kinder befcheert hast!" Mit zitternden Händen wischte sie dem Mädchen die Tränen ab. (Schluß folgt.) Bunte Chronik. Gut abgefertigt. Ein General besichtigte in Gesellschaft einiger Geistlichen ein Bild, das Jakobs Traum darstellte. Spöttisch lächelnd wandte sich der General an seine Begleiter: „Meine. Herren, warum stiegen die Engel auf der Leiter so umstäiidlich hinauf und herab und sind nicht mit ihren Flügeln geflogen." Schnell gefaßt erwiderte ihm einer der Geistlichen: „Diesmal ging es nicht. Sie hätten einen General, der viel fluchte, in die Hölle befördert und sich dorten. die Flügel verbrannt." . IO flfen hnolier f> meklntt»Anlage I Weabaßls a. 8. Telefon 123. (Anschluss mitFrankfurtj. ■ Bewährteste T*p^fcbF»lnl0Ung (100,000 qm jährlich) I eowU unübertroffene Bettenu. Bettfenernrelnlffuno mittelst Druckluft and Wssserdampf. Wokye«-Sale»der. ^Zeitangaben noch dem Losch.) Samstag, 1. Juli (— .30. Si-ww.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M 8 Uhr -r.O Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. in Uhc 40 Min. in Berlin 10 Uhr 35 Mm. Wochenabschnitt: Chukas. — Die rote Kuh. Mrjams Tod. Der Wassermangel. Moses, schlägt die Felsen. Ahrons Tod. Die kupferne Schlange. Besiegung der Länder Emori und Besan, Siegeslieder. SchabbosRausch-Chaubesch. Wochengottesdienste in Frankfurt ä. M. Morgens: Ofli Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindau 6SA, Königsteinerstr.?Vr, Hauptsynagoge 7 Uhr. Abends 8V4 Uhr in den meisten Synagogen (Bockeilheim, Unterlindau 8 Uhr, Königsteinerstr. 7 Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr). Spende«. Bei der Nationalfondskommission (I. Heimann, Zeil 21, Postscheck 7767) gingen ein: Spendenbnch. Unterzahlmeistcr Jos. L. Oppenheimer n. Fran anl. der Geburt ihrer Tochter Betty 25.— Mk.; N. N., Wette 5.—Mk. Güchseuleerung. Dr. Schwarzschild 4.60 Mk.; Pineas.1.— Mk.; Sal. Stiebe! 2.28 Mk.; Wolf 1.28 Mk.; Frau Schämes 2 — Mk.; N. N. 3.— Mk.; Dr. P. Grüwbaum 4.— Mk.; M. Lieber 12.— Mk.; Marburg 1.— Mk.; A. Rubinstein 2 — Mk.; A. Soerbacher 1.40 Mk.; Fran Dr. Horovitz 1.71 Mk.; Hotel Ullmann 3.59 Mk.; Frau Elsbeth Seelig 2.—Mk.; Reiuinger 1.— Mk.; Sal. Wolpert 6.50 Mk.; Grünblatt 2.77 Mk.; Dr. David 1.40 Mk.; S. Levita 2.23 Mk.; Frl. Schiratzky 2.64 Mk.; diverse 7.04 Mk.; Jos. L. Oppenheimer ,21.60 Mk.; Jsaae Heimann 16.50 Mk.; E. Lion 1- Mk. Beim Franks. Jsr. Familieichl. gingen ein: Palästina Notstands-Aktion. - Jenny Grünäbanm 3.— Mk. . > - .

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