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Neue jüdische Presse · 1916-06-30 · Heft 25 (30.6.1916) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 25 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite r Nr. 25 WWEWa MMMWS» SMllienMS. > Mmlier ä £äilscli I Tel.Hansa8148. Frankfurt a.U ,Liebfrauenberg88. I Specialhaus für Unterkleider und Strümpfe. I Niederlage echter Dr. Lahmann-jjjfäsche. W Bndatzeft. Dr. IuliuS Gabor, Anwalt der hiesigen Israelit. Religionsgemeinde, ist zum Major« Auditor befördert worden. Es ist der erste Jude dieses Ranges. > ■ Josef Friedmann aus Tab ist als Flieger mit dem deutschen Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet worden. , New-Aork. Ein Bazar zugunsten der notleidenden Juden in den Kriegsgebieten brachte rund ISO OOO Dollar. PerMatte« «. Kleine MitteU»»ge«. Schlüchtern. Stadtrat Biktor Wolf, der während seines Lebens außerordentlich viel Gutes au Arme tat, vermachte su. a. der Stadt 25 000 Mk. mrd der jüd. Gemeinde 1000 Mark. . Posen. Die jüdische Unterkunftsstätte gewährte iu ihrem ^gelaufenen Geschäftsjahre 1021 Soldaten, 637 Männern, 71 Frauen und 1 Kind Abendtee, Nachtlager, Frühstück und Bad, manchmal auch Kleidungsstücke. Die Ausgaben betrugen 3928 Mark. Wien. Hier verschied Rabbiner Jtzchok Mannsohn aus Je zier na (Galizien), genannt der Osschoner Rabbi, im 73. Lebensjahre. Er war ein Enkel des berühmten „Risschener Rabbi" in Sadagora. Der Belzer Rabbi ist mit einem 19 gliedrigen Gefolge in Marienbad .eingetroffen. Wie«. Hier verschieden Professor I.Bernhard Straß.er, dessen Vater Rabbiner Eleasar St. in Vag- Ujhely vor etwa 100 Jahren als erster Rabbiner in Ungarn deutsch predigte, uiw Alexander Landesberg, Redakteur der Oesterr. Volkszeitung. In Tulln trat Hermann Eisenstein, der Vorsteher des — Minjan-Vereins, aus dem Judentum aus. In Preß,bürg verschied Michael Kunstadt, seit vier Jahrzehnten Kantor der orthod. Kultusgemeinde, und in Mähr.-Ostrau Frau. Rabbiner Dr. Jakob Spira, .Alwine geb. Tauber aus Prerau, die sich als echte .Rabbinersfrau aller Bedrückten und Kranken stets hilfsbereit annahm. Kopenhagen Die Familie Melchior, eine der angesehensten und ältesten dänisch-jüdischen Familien, feierte den 100. Geburtstag von Moritz Melchior (gestorben 1884), der zu der Entwicklung des Handels und der Schisfahrt in Dänemark viel beigetragen hat. Konstantinopel. Petroleumvorkommen in S y r i e n. Die vor 15 Jahren durch die „Vereinigten Petroleumwerke A.-G." in Peine in Syrien ausgeführten Bohrungen hatten zu keinem günstigen Ergebnis geführt, ebensowenig wie ein von mehreren einheimischen Unternehnreru von Haifa aus geleiteter Versuch. Bor fünf Jahren wurde dann die „Syrean Exploration Co. Ltd." mit einem Grundkapital von 110 000 türk. Pfund gegründet. Umfangreiche Schürfungen, die im Gebiet von El-Makrim, 125 1cm von.Haifa, im Gange waren, mußten infolge des Krieges abgebrochen werden. Bor kurzem ist nun der .„Standard Oil Company" eine Konzession auf Bohrungen im Mütessariflisk Jerusalem erteilt worden. Errichtung einer landwirtschaftlichen Schule. Im Kasa Sur (Tyrus) der Provinz Beirut ist eine landwirtschaftliche Schule eröffnet worden. „N. O." Cafe KaSsepgarten am Opernplatz Erstklassiges Famillen-Cafö Jeden Nachmittag von 4 biß 7 Uhr und Abend von ' 8 V* Uhr ab SW" Blüustler-Konasert. "MS Frankfurter Berichte. Kleine Notizen. Die Suppenanstalt für israelit. Arme, Theobaldstr. 5, bittet junge Damen zur f r e i w i l l i g e n Hilfe beim Austeilen des Mittagessens. Gefl. Anmeldungen :,8rou Anna Jsaae, Staufenstr. 31, Tel. 1570 Taunus; Frau Maly Straus, Theobaldstr. 5, Tel. 2454 Hansa.. Die Zion. Jugendgrnppe veranstaltet jeden erstell und dritten Donnerstag im Monat, ohendtz 9 Uhr, jjni Kursaal Milani eine Zusammenkunft. Personalien. M o r-i tz Löllbach, Kultusbeamter au der Hauptsynagoge, und. dessen Ehefrau Mathilde geb. Kaufmann, Hebelstraße 231, feiern am 8. Juli die silberne Hochzeit. „Mo«tesiore"-Bere?n. Die erste gesellige Zusammenkunft dieses S.ommerhalbjahres war sehr zahlreich besucht und bezeugte, daß diese Einrichtung auch durch den Krieg nichts an ihrer Beliebtheit und Zugkräftigkeit eingebüßt hat. Nach einleitenden Worten des Vorstandsmitgliedes Sigm. Singer, hielt Rabb. Dr. H o r o v i tz einen äußerst fesselnden Bortrag über die Sprüche der Väter. Daß ein solcher Stoff niemals erschöpfend genug behandelt werden kann und stets neue geistreiche Anregungen bietet, ist eigentlich selbstverständlich. Die dankbaren Zuhörer begrüßten es daher freudig, daß daß;der verehrte Referent auch für die folgenden Samstagnachmittage dieses Thema weiter zu behandeln versprach. Einer der feldgrauen Gäste erzählte dann lnanschaulicher Weise über seine Erlebnisse an der Front. Der iganze härmonische Verlauf der Veranstaltung läßt mit Bestimmtheit hoffen, daß die Samstagnachmittage sichauch in diesem Jahre der größten Beliebtheiterfreuen werden., Almosenkafte« her IsraelMsche« Gemeinde. Der Verein vereinnahmte im vergangenen Jahre 271071 Mk. (Spenden 74 447 Mk., Jahresbeiträge 18104 Mark, Beiträge für Spezialfälle 125 009 »Mk., Zinserträgnisse und Zuschuß aus der Reserve 53509 Mk.) und verausgabte 371071 Mk. (Quartalsspenden, monatliche u. sofortige .Unterstützungen an 1641 Familien und alleinstehende Bedürftige 258011 Mk., Berwaltungsspesen 13059 Mark). Auch im vergangenen Jahre galt die Aufmerksamkeit des Vereins der Fürsorge für verlassene und -schutzbediftftige Kinder; unter seiner Sammelvormundschast befanden sich 157 Kinder. Die Kommission für jüdische Kinderfürsorge nahm 60 Kinder in ihre Obhut. Der Mmosenkasten leistete für deren Unterbringung einen Zuschuß von 7247 Mark, die Kommission einen solchen von 9175 Mk., za welch' letzterer Summe der Israelit. Hilfsverein wesentlich beitrug. Drtsgruppe des Iüd. Fraueu-BnndeS. Frankfurt «. «R. Am 5. Juni entsandten wir eine Delegierte »ach der inederrheinischen Stadt Oberhausen. Diese nahm Gelegenheit, in einer Besprechung mit den Vorstands-Mitgliedern des dort. Israelit. Frauenvereins den Damen die Zwecke und Ziele des Jüdischen Frauenbundes näher zu erläutern. Der Vorstand des Oberhausener Frauen-Bereins, der vortrefflich auf allen Gebietci der sozialen Fürsorge arbeitet, beschloß, seinen Mitgliedern den Beitritt zum „Jüdischen Frauen-Bnnd" vorzuschlagen und diesen Schritt aufs wärniste zu befürworten. Zu Kenrcrken ist, daß der .Oberhausener Frauen- Verein eine Jugendgruppe besitzt, in der. die Tächter der Bereinsmitglieder gemeinsanl mit deren Schutzbefohlenen, den im Erwerb stehenden jungen Mädchen, sich zur Arbeit und Erholung zusammenfinden. Ausschuß der israelitischen «emeinde. Der Ausschuß tagte Mittwoch. 28. Juni, abends. ' Zunächst wurden die 4000 Mk. bewilligt, die für die Erneuerung der Heizanlage in dem an die Stadt vermieteten alten K r an kenhans geb ände erforderlich sind. Sodann wurden der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin» ans drei weitere Jahre 1500 Mk. jährlich bewilligt. Die Ermäßigung der Platz gebühren .in der Hanptsynagoge wurde gutgeheißen, da dadurch' «nicht die Vermietung einer Anzahl in den letzten Jahren freier^ Plätze wahrscheinlich ist. Der letzte Gegenstand der Tagesordnung betraf die Teuerungszulagen fiir die Angestellten der Gemeinde mit einem Gehalte bis 5300 Mk. Diese Zulagen beziffern sich auf 10 bis 25 Mk. monatlich, vorläufig bis zum 30. September. Die Versammlung gab hierzu ihrü Einwilligung. Der Vorsitzende verlas ein Schreiben des Polizeipräsidenten, das die' Mitglieder der israelit. Gemeinde auf die Volksspende für die deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen hinweist. Er verlas .ferner ein Schreiben des Vorstandes, das den Ausschuß um die Wahl eines Mitgliedes in die neu gebildete Lebensmittelv e r s o r g u n g s k o in m i s s i on ersucht. Diese Kommission besteht >aus je einem Mitglied«: des Vorstandes, des Ausschusses, der Ritualkommission, aus Rabbiner Dr. Nobel und dem Syndikus Justizrat Dr. Bär. Der Ausschuß wählte H u g o F r ä n k e l. Dieser ergriff die Gelegenheit, um die Wichtigkeit dieser Kommission zu beleuchten. Die Fet tfrage hat sie bereits durch Verhandlungen mit der Regierung zufriedenstellend erledigt. Gegenwärtig unternimmt sie die erforderlichen Schritte hinsichtlich der Versorgung mit Wnrstwaren. Die Fleischkarte enthält die Rubriken „Rindermetzger" npd „Schweinemetzger". Bei letzterem deckt die christliche .Bevölkerung ihren Wnrstbedarf. Es wird erstrebt, daß fiir die rituell lebenden Juden die Rubrik „Schweinemetzger" für die unter ritueller Aufsicht stehenden Wurstwarengeschäfte ihre Anwendung findet.*) i Sanitätsrat Dr. Hanauer brachte noch die Frage! der Verwirklichung des beabsichtigten Ge m e i n d e - Jahrbuches nitb Dr. Mainzer die Durchführung der Kriegsstatistik zur Rede. Waschen, Fänbon und Fagonntenen allen Art Hennen- und Damenhüte. -Abholung and Lieferung frei ins Hans. — L. Krämer SÄE»« letndeton. Der Mitgistdoktor. Eine Erzählung von Clemens Berg. Erstes Kapitel. Von der Herkunftdes Helden. Sie hatten alle ihre Hoffnungen auf ihn gesetzt. Er war ja der einzige Bub' unter neun Kindern. *) Soeben erfahren wir, daß die Wurstfiage ihre Erledigung gefunden hat. Man lasse sich von nächstem Montag ab bei einem der unter Aufsicht stehenden Wnrstwarengeschäfte ans Grund der Fleischkarte eintragen. Die Redaktion. - ST. Wlere, Optiker, Liebfrauenstr. 1. Brillen» Piucenez, Operngläser, Feldstecher! in -jeder opA-mechan. Spleiwaren I Preislage Eisuibabnui, UanpfiaseliiiiM, Latiraa-Ibgiea, KimnatograyhsD sie. Zwar starben ihnen vier in zartester Jugend, und der Nachbar, Klempnermeister Scholz, schüttelte jedesmal verwundert den Kopf, daß des Kantor Goldmann's Frau gar so herzbrechend weinte, wenn ihr abermals ein kleines Mädel hinausgetragen wurde auf Nimmerwiedersehen. Wie mochte die sonst so kluge Frau Lea nur darüber so jammern! Kantors hatten doch solch bleiche, schwarzhaarige Dinger noch mehr als genug. Lieber Himmel! königlich fiel die Summe ohnehin nicht aus, mit der das Handvoll Juden in Kronstadt, ihrer 250 an der Zahl, und keineswegs nur streitbare Männer, sondern Weiber und Kinder, viel Kinder, kurz alle Seelen eingerechnet, ihren Kantor zu honorieren pflegten. Denn der Meister Klempner kannte das lucus a non lucendo natürlich nicht, aber er empfand es ganz richtig, außer, daß die Kantorleute von Geschlechts wegen sich Goldmann nennen und schreiben durften, anderes Gold hatten, sic wahrhaftig keines aufzuweisen. Höchstens das, daß der Kantor seinen Erstgeborenen, den Max, von früh bis spät „mein Goldjunge" rief. Der Max, das war des Hauses Glanz und Herrlichkeit, der Stolz und die Leuchte der Faniilie. Er sollte nämlich studieren. Seit dem Tage, da der damalige unfehlbare Oberhäuptling in dem Stamme derer von „Goldmann", der alle Onkel Reb Löw, ein wohlmeinder, aber herzlich unvorsichtiger Herr, den denkwürdigen Ausspruch getan: „Der Jung' hat einen guten Kops" (zeigt mir doch unter hundert jüdischen Kindern ein, das keinen guten Kops auf sich hätte) — seit dem Tage seiner Barmizwo. also, war dem schmächtigen, blassen Bürschlein die Verpflichtung aufgebürdet worden, die Zukunft der Seinen darzustellen. . Ohne daß er es wußte, ja so recht gegen seine Natur und bescheidenen Willen schuf ihn sein Unstern zum Eitel-Götzen des kleinen Hauses, dem Vater, Mutter, und Geschwister zu jeder Stunde und mit den besten und letzten Kräften ihre Opfer brachten. „Seid brav, Mädchen", flüsterte Frau Lea, „der Max will arbeiten", und gehorsam schlichen Hanni, Faimi, Raum und Sanni aus der Stube, um auf dem zugigen Hausflur mäuschenstill «ihre Zahl zu stricken, besorgt, daß -selbst das Klappern, ihrer Nadeln nicht den fleißigen Bruder störe. Papa Goldmann war ein leidlich hübscher Mann, jedoch auch die böseste Zunge konnte ihm nichts mit dem Vorwurf anhaben, er schreite nach der letzten Mode gekleidet einher. Im Gegenteil, ein neuer Winterrock tat seinem dürftigen Körperlein seit langem not, und daher war er nach umständlicher Benreisaufnahme, daß wirklich zur Erwerbung besagter kostspieligen Hülle ein zwingendes Bedürfnis vorwaltend sei, und nach sorgfälttgster Betrachtung der zahllosen Stoffproben, welche Löbel Abraham, der Hofschneider der Kronstadter Judenheit, mit größtem Entgegenkommen ihm ins Haus brachte, fest entschlossen, jenen Ueberrock zu bestellen. Aber als für die Juden das liebe Hüttenfest und für die Christen. Michaeli in Land kam, war der Bub versetzt worden —& besuchte seit zwei Jahren das Gymnasium in Kreuzburg und brauchte grausam viel Bücher und andere Notwendigkeiten viele —, und da zerfloß des Kantors wohliger Rock zu einem leichten, sehnsüchtigen Traume, und der treue Vater wärmte sich an der Freude, wie sein Goldjunge gar „so gut" lerne. Daß, wenn der Max auf Ferien daheim weilte, jeder gute Bissen mir höchster Bereitwilligkeit in seinem Mund spazierte, schien wohl selbstverständlich, ebenso natürlich, wenn bei diesem, seinem unermüdlichen Rellamenkonzert die halbe Stadt in schöner Assonanz dem Generalbaß des hoffnungsreichen Vaters beistimmte: der Max werde gleich nach der Staatsprüfung mindestens mit dem Medizinalrat beginnen. Kronstadts öffentliche Meinung, die Meier Male, die dickste Geflügelhändlerin weit und breit, verfehlte niemals, so oft sie Frau Goldmann ansichtig wurde, diese zu ihrem talentvollen Söhnlein mit unübertrefflicher Zungenfertigkeit zu beglückwünschen, und: „Ich will's in meinem Vermögen haben, was der Jung mal wird mitkriegen", lautete stets der von einer wahrhaft dramatischen Schwurgeste begleitete Schluß aller dieser Huldigungen. Dann verwies wohl mit sanft ablehnender Bescheidenheit die so Gepriesene der Schwätzerin die närrische Rede, die ooch in ihrem eigenen, eitlen Mutterherzen ein tausendfach verstärftes Echo fand. Hätte Frau Lea nur das finstere Gesicht sehen, wollen, mit dem ihr Goldjunge über die alberne Schmeichelei quittierte.

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