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Neue jüdische Presse · 1916-06-30 · Heft 25 (30.6.1916) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 25 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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- Seite 2>-'- ManWl^ Sk. 25. Antisemiten wünschen uns bestes Glück- und Ge» beiden in der ganzen Welt. - - .außerPolen. - Ferner protestieren die Polen gegen Verwechslung Polens mit Rußland und lehnen jede Verantwortlichkeit der Polen für die russische Ge- . setzgevung mit dem Hinweis ab, daß solange Polen! als unabhängiger Staat bestand, sich dort die' Juden der größten Freiheit und Unabhängigkeit erfreuten. Na, in Bezug aus die Vergangenheit - könnte man über oiese Behauptung noch viel diskutieren und beweisen, daß 'es nicht so glänzend war, wie es die Polen so ohne weiteres hinstellen. Mer mehr als die Vergangenheit.interessiert uns die Gegenwart. Umsonst bemühen sich die Polen, die Verantwortung für die russische Gesetzgebung von sich abzuschieben. Niemandem fällt es ein, sie dessen anzuklagen, zumal die russischen Beschränkungen meistenteils in Kongreßpolen garnicht gütig waren. Die polnischen Chauvinisten' Haben es aber vortrefflich verstanden, auch die gesetzlich garnicht bestehenden Beschränkungen den Juden gegenüber anzuwenden. Besicht denn in Rußland ein verpflichtendes Gesetz, gegen die Juden Boykotthetze zu treiben? Oder ist diese Hetze sogar nach den russischen Gesetzen erlaubt? Und die Beschlüsse, die die polnischen Antisemiten auf dem Lande gefaßt haben, um ureingeseßene jüdische Familien aus ihren Heimstätten zu vertreiben? Waren sie auch dazu gezwungen? Es sind nur Beispiele, die bis in die Unendlichkeit vermehrt werden können. Diejenigen, die die Polen im Auslande verteidigen, haben noch einen mildernden Umstand. Die Russen haben die Polen gegen die Juden „verhetzt." Manche fügen noch zu, die polnischen Antisemiten stünden im Dienste der russischen Regierung, wären nahezu russische Spitzel. Ich betone, daß man so etwas nur im Auslande behaupten kann, in Polen würde es als empfindlichste Beleidigung angesehen werden. Wie bekannt, beteiligten sich an der Judenfresserei ohne Ausnahme alle polnischen bürgerlichen Parteien, an deren Spitze die angesehensten polnischen Politiker standen. Eins ist in der Erklärung wirklich richtig. Me polnischen Parteien sind tatsächliche darin einig, Laß ein freies und unabhängiges Polen keine rechtlichen Beschränkungen gegen die Juden bestehen lassen werde. Ja, die schlimmsten Geizhälse sind edel und freigebig genug, die Opferung ihres ganzen Vermögens für wohltätige Zwecke zu versprechen, nachdem sie der» großen Treffer werden gewonnen haben. Aber der arme Teufel, der schon jetzt vor Hunger stirbt, sehnt sich statt der künftigen reichlichen Liebesgaben sogleich nachein paar Mark ä conto. Jedenfalls haben die Polen schon jetzt Unabhängigkeit genug, um die Juden gleichstellen zu können. Seitdem die Russen Kongreßpolen verlassen hoben, also schon länger als ein Jahr, ist niemand da, der sie hetzen würde, denn die Deutschen hindern sie fürwahr nicht, wieviel ihr Herz gelüstet, judenfreundlich zu sein. Was sehen wir aber in Wirklichkeit? In allen polnische» Jnstutitionen sind die Ficken beeinträchtigt. Die Wahlordnung, die das polnische Bürgerkomitee ersonnenhat, hatte zum Zweck, die Juden noch mehr zu begrenzen, als es die russische Stadtverwaltung, plante, die den Juden wenigstens 10—20°/o Vertreter zugesichert hatte. Die polnischen Schulen wenden den Juden gegenüber nach echt-russischer Art einen Prozentsatz an. Das sind wiederum nur Beispiele; um alle Einzelheiten auszurechnen, müßte ich die Geschichte des gegenwärtigen Lübens in Polen schreiben, wozu die Zeit noch nicht gekommen ist. Wenn die Juden in Polen jetzt irgend welche politische und soziale Rechte genießen, verdanken sie es nicht den Polen, — dies geben jetzt die besten Assimllanten zu. Im österreichischen Okkupationsgebiete, wo die Polen auch als Vertreter der zentralen Behörden fungieren, sind sogar die jüdischen Zeitungen verboten worden, obwohl diese in Oesterreich nicht untersagt sind, und obwohl die zentrale Regierung kürzlich die Anwendung der jüdischen Sprache auch in Briefen aus dem Kriegsschauplätze zugelassen hat. Die dort maßgebenden Polen rechnen geradezu darauf, daß die Juden in der jetzigen Uebergangszeit nicht genug Mut haben werden, in Wien dagegen Einspruch zu' erheben. i denn Meschieße,- sich Ai der: „srentden Jitterventiön". zu flüchtend ' " ' ~ r/ .; , Jetzt wird , uns schon der Schlußpassus der Erklärung verständlich sein.: „Polen wird die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden - anerkennen und demnach das. Werk der Verständigung mit den Juden ans eigenem Willen und ohnefremd e -E i n m i s ch u n g vollziehen." In der „fremden Einmischung" liegt eben der Hund begraben. Dies ist düs für uns lang bekannte Lied, welches die polnischen „auswärtigen Minister" abwechselnd in Berlin, Wien Peterburg, Paris, London, Lausanne und. Bern singen. 'Natürlich diejenigen, denen die Redensarten in den Kram passen, nehmen dieses 'Kindergeld' für gute Münze auf. Es ist aber naiv, ernst zu hoffen, diejenigen dadurch irreznführen, die -die Dinge aus eigener Wahrnehmung kennen. '; - S. Hirschhorn, Warschau. Scholaum Aleichem Beisetzung nnd Testament. Ney Jork, 16. Mai. Die Beteiligung an Scholaum Meichems letzter Ehrung machte einen geradezu überwältigenden Eindruck. Es war eine Bolkstrauer; es war. die größte Huldigung, die ein Volk einem seiner Größten bringen kann. Denn der Trauerzug bestand aus mindestens einer Viertel Million Leidtragenden. In den zwei Tagen bis zur Beisetzung hatten die in New Jork anwesenden Vertreter der jüdischen Literatur Ehrenwache gehalten. Dr. Schcmarjahu Lewin, Scholaum Aschj, Abraham Reisin, Jehauosch, David Pinski, Perez Hirschbein, A. Kahan, Dr. Syrkin, Dr. Schitlowski usw. versahen diesen Dienst bei ihrem großen Kollegen. Trauerreden hielten Rabbiner Dr. M a g n e s, Pinski, Jehauosch, Reisin, Asch, Dr. Lewin, Chasanowitsch und Moritz Wints ch e w s k i. ' Das Ameriank.-Jüdische Komitee beschloß in einer großen Versammlung die Sammlung eines Fonds von 10 000 Dollar für die Familie des Dichters. Sein Grabstein wird folgende von ihm verfaßte Aufschrift erhalten: Epitaph. Do liegt a Jud, a poschuter, ' Geschrieben Jüdisch-deutsch far Weiber Un far das proßte Volk is er— Gewen a Humorist, a Schreiber. Dos ganze Leben ausgelacht. Geschlagen mit der Welt kappores. Die ganze Welt hot gut gemacht Un er — oj weh — gewen auf Zores! . Un davke bemalt, wenn der Ojlom hot Gelacht, geklatscht un flegt sich frühen Hot er gekrenkt — dos weiß nor Gott — Beßod, as keiner soll nit sehen. Scholaum Aleichem. .Kennzeichnend, für Scholaum Aleichem ist auch .sein Testament. Er will nicht bei den Reichen und Mächtigen, „sondern mitten unter den jüdischen Arbeitern, unter dem Volk selbst." begraben werden. - „Kein Titel soll auf meinem Grabstein stehen, kein Lobspruch, keine rabbinische Ehrung mir gewidmet werden." Er verbittet sich die „Lächerlichkeit" eines Derrkmals, er wünscht nur, durch die Verbreitung seiner Werke geehrt zu werden. Wehmütig stimmt der Abschnitt im Testament, der damit rechnet, daß sein einziger Sohn und fein Schwiegersohn, von denen er hie tägliche Verrichtung des Kaddischgebetes an seinem Grabe wünscht, oies als „gegen ihre religiöse Ueberzengung" nicht tun könnten und er sie und seine Enkel aufsordert, das jüdische Volk nie zu verleugnen und sich zu einer anderen Religion zu bekehren. Sein Testament schließt mit den Worten: Weinet nicht, erwähnet meinen-Namen in Freuden! Die Hauptsache ist, daß .Ihr in Frieden lebt und nicht einander Haß im Herzen nachtragt. Haltet meinen jüdischen Namen in Ehren, — und Gott im Himmel wird Euch zur Hilfe kommen! Amen. /! A«ttsemitiSrtms in der Polnischen Hochschule. D : .' Die Warschauer sozialistische.Wochenschrift >/)iowa TryHoüna" (Nr. 25 dom 17. Juni 1916) die — nebenbei gesagt^ : — für die Rechte der Juden emtritt, schreibt folgendes : „Die chauvinistische Stimmung der polnischen Bürgerschaft hat ihren, Ausdruck. ebenfalls in den Beziehungen der akademischen Jugend unter einander gefunden.. Eine der häßlichsten Erscheinungen des Chauvinismus, der Antisemitismus, blüht ausgiebig in den Mauern der Üniversität und fängt an, reichliche Ernte zu zeitigen. „Die Zierde des Volkes", diese „künftigen Baumeister Polens"../— die akademische Jugend in ihrer erheblichen Mehrheit. — verrät immer und immer deutlicher.ihre bourgeoise Herkunft immer mehr wurde sie mit. dem Bewußtsein durchdrungen:. daß sie die Rolle der Schützer der Iirteressen der Bourgeosie erwartet. Als Beispiel ^möchte ich eine.kleine, aber, grelle Tatsache, eines aus der unendlichen Ueberschwemmung solcher Facta aufführen. Me bekannt, besteht in der Hochschule ein Verein „Brüderliche Hilfe" eine Jnstutition die ledig- : lich philantropische Zlvecke verfolgt. Als .sich einer der . Kollegen, der zu dem Teil der Studenten gehört, welche auf her letzten allgemeinen Versammlung der Studentengesamthest von einem „Witzling" mit dem Namen „Araber" bÄacht wurden, an den Vorstand des Vereins wandte, ihm Aufklärung zu gebenwarum seine Aufnahme in die Reihe der Mitglieder abgelehnt worben sei, bekam er vom Vor-. sitzenden folgende Antwort: „Kollege! Die Anzahl Ihrer Glaubensgenossen in unserem Verein erreicht schon 40°„. Mehr können wir nicht aufnehmen. Wir müssen vorsichtig sein". Alle Hinzusügungen sind natürlich, überslüssig." Aus aller Welt. Deutsches Reich. Berlin. Der 18. Juni war ein Ehrentag für den Turnverein „Bar-Kochba". In diesen schweren Kriegslagen, da fast % .seiner vollwertigen Mamischafcu im Felde stehen, war ihm ein Erfolg beschieden, der ihm einen der ersten Plätze in der stattlichen Reihe gleichstrebender Vereine in der Reichshmlptstadt sichert. Es geschah auf dem „Kriegsstafettenlauf Stern-Stern" des Verbandes Berliner Athletik, einer sportlichen Veranstaltung glänzendster Art. Von 54 Mannschaften gingen 47 durchs Ziel, darunter „Bar- Kochba" als 14. (Preis: der vom Sporthaus Kohlmey gestiftete prachtvolle silberne Pokal). In Berücksichtigung des Umstandes aber, daß einige Sportvereine mehrere Mannschaften zu entsenden in der Lage waren (der B. S. C. 4 und der Sportklub Nhärlottenburg drei Mannschaften) ging der Bar-Kochba womöglich als siebenter aus dem Wettlauf hervor. Als Turnverein aber errang er, da nur zwei andere Turnvereine vor ihm durchs Ziel gingen, den drttten Platz. Hannover. Auf 154 Jahre blickt der Wohltätigkeitsverein der Synag0geitgc» meinde Hannover zurück. Sein Vermögen beträgt über 240 000 Mk. In, vergangenen Jahre vereinnahmte er 44 211 Mk. nnd verausgabte 36 506 Mk. Palästina. Jaffa. Der Krieg hat den Unterricht im Hebräischen Gymnasium nicht gestört. Für die ausgeschiedenen Lehrer wurden angestellt: Rechtsanw. Wiener (Türkisch), I. Ch. Brenner (Hebräisch), I. Feldmann (Deutsch) und Jacobsohn (Talmud). Die Zahl der Schüler beträgt 446.. Der Krieg und die Juden. Frankfurt a. tt. Gefreiter Louis Scheidemann aus Michendorf (Mark) erhielt das Eiserne Kreuz. Frantsnrt a. DR. Bizewachtmeister, Rechtsanwalt Dr. Sicgsr. Rvsenthal erhielt das Eis.erne Kreuz. Berlin. Kurt Pfingst-Berlin, Referendar Kurt Rosenbaum-Christburg, Erich Eliel, Richard Eliel, Rechtsanw. Dr. Os car Eliel -Köln und Hugo HeYum-Everstadt wurden zu Leutnants befördert. . MUtenberg. Tabakshändler Klingen st etn in London hinterließ für jüdische Wöhlfahrtszwecke in Miltentenberg 40000 Mk. und in London 150000 Mk. Klotz (Bayern). Lehrer Richard Metzler,Osfiziersaspirant und Ritter des Eisern. Kreuzes, Sohn des hiesigen Hauptlehrers Jonas W., erlitt den Heldentod. Posen. Stabsarzt D r. Late, Referendar Josef Kaskel-Posen, Offiziersaspirant Edwin Schwer, senz-Hohensalza, Walter Hirsch-Schlochau und Arn. Cohn-Argenau erhielten das Eiserne Kreuz. Wie«.? Bloch's „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in ihrer letzten Nummer folgende Auszeichnungen an Juden: 1 Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens, ). Militärverdienstkreuz 3. Klaffe, 6 silberne Signum laudis, 28 Singnnm ilauüis, 6 goldene Bscdienstkreuze mit der Krone, 13 goldene Verdienstkreuze, 20. silberne Verdienstkreuze Mit der Krone, 1 silbernes Berdienstkreuz, .6 silberne Tapserkeitsmedaillen 1. Klasse, 14 silberne Tapferkeitsmed.aillen 2. Klaffe, 41 bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusammen 137 Auszeichnungen; hiervon 44 an Offiziere und Kadetten ' des Soloütenstandes, 17 an Militärärzte und Militärbeamte, 76 an Personen des Mannschaftsstandes. Budapest. Hosrat SigmundL Breitner spendete dem poliklinischen Verein „Charitö", dessen Mittel meist von jüdischer Seite stammen, 200000 Kr. für ein Spital. In seinem Briefe an den Verein schrieb Breitner, daß es jetzt infolge der zerstörenden Gewalt des Krieges eine doppelt ernste Aufgabe sei, für die Gesundheit der Nation zu sorgen. ■ . .

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