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Neue jüdische Presse · 1916-06-16 · Heft 23 (16.6.1916) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 23 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23. Seite 3. WaMM» Wtt«etSWS> FaMlimMK. und Kadetten des Soldatenstandes, 10 an Militärärzte und MilitärbLamte, 81 an Personen des Mannschaftsstandes. Paris. Der Präsident der Republik und seine Frau besuchten in der Synagoge Rue de la Victorie eine Trauerfeier Ehren der im Felde gefallenen Advokaten. | Kopenhagen. En Lebensmitteltag zugunsten der Jude» iii Polen brachte hier 10 000 Kr. und in Stock-;- holm 25 000 Kr. j jed. Alt u. Preislage kauft » man gut und preiswert lm Trauring-Eck 1HJ Frankfurt a. M., Trierische Gasse 31. Ecke Töngesgasse,vls-k-vls d. Hasengasse. P* Pla(ie«h Uhrmacher * * * * «WBW1, nna Goldarbeiter. Persoualie» rr. Kleine Mitteilnuge«. Berlin. Universitätsprosefsor Dr. Lewin Goldschmidt Nick Frau haben rund 400000 Mk. der Stadt zur Beschaffung guter und billiger Wohnungen für Arbeiterfamilien, die sich 'verpflichten, keine Untermieter aufzunehmen, hinterlassen. - - Berlin. Der jüngst verstorbene Geh RegierungSrat Dr. Adolf Zrank war der Begründer der deutschen Kali-Industrie. , Geh. Medizinalrat Dr. Hirschverg wurde zum Ehrenmitglicde der Berliner medizinischen Gesellschaft er-- nannt. Leipzig. P osefsor Dr. Ad ler, Rektor der Handelshochschule, ein Bruder des verstorbenen Lübecker Rabbiners Illexander S. A., erhielt den Titil G e h e i m e r H o f r a t. A. ist erster Vorsteher der jüdischjen Gemeinde. Samter. Im Alter von 76 Jahren verschied Moritz H o l l a c n d e r, Vorsteher der jüd. Gemeinde. Dresden. Dr Eugen Gärtner aus Nürnberg, Schüler der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, jist hier als zweiter Rabbiner gewählt worden. < ■ Braunschweig. Dr. Rieger - Hamburg ist zum L andcsrabbiner von Braunschweig gewählt worden. - Schwerin i. M. Die La desbebörde hat die Magistrate zu Schwerin, Rostock, Güstrow und Parchim ermächtigt, den rituell lebenden Israeliten von dem sogenannten Kranzfett geschachteter Rinder R o h f e t t in einer Menge verabfolgen zu lassen, welche 3 7 5 Gram m (= 250 Gramm Feintalg! fiir den Kops Und die Woche nicht übersteigt. Die betreffenden jüdischen Schächter sind von dem Landesrabbiner angewiesen worden, zu '.überwachen, daß von dieser Erlaubnis nur die schon bisher streng rituell lebenden Israeliten Gebrauch machen. Lemberg. Als Nachfolger für den jüngst verstorbenen Rabbiner Moses Babad /. Akömmt in erster Linie Rabb. S ch in e l k e s -Przemysl in Frage, der, als er voriges Jahr mit seiner Gemeinde gezwungenermaßen hier weilte, sich große Beliebtheit erwarb. Auch für Rabb. Lewin-Sambör wird Stimmung gemacht. Der Sitz des Oberrabbiners Caro s. A. ist noch immer frei. Dr. Chajes-Triest hat Aussicht, zu seinem Nachfolger berufen zu werden. Warschau. Btalik's 25 jähriges Schriftstellerjub iläum gab der Judenheit des Ostens Veranlassung zu zahlreichen Ehrungen dieses bedeutenden hebräischen Dichters. So gründeten Moskauer Zionisten einen Bialik-Fond zur Herausgabe von Kinderliteratur in hebräischer Sprache, für welchen Zweck bereits stattliche Beträge eiNgingen. Konstantiuopel. Isidore Bey Gallimidi ist zum Kanzleichcf im Ministerium des Aenßcrn ernannt worden. New-Aork. An 60000 jüdische Schneider des Damenmäntelgewerbes traten am 1. Mai in den Ausstand. Infolge des flauen Geschäftsganges hätten nämlich die Unternehmer den Zeitpunkt für günstig erachtet, die Arbeiter zu drücken und besonders ihre Gewerkschaft zu vernichten. Da aber die Gewerkschaft seit dem letzten großen Ausstande in sechD Jahren eine beträKliche Reserve gesammelt hätte, so konnten die Arbeiter mit dem Ausstand antworten. Die Nichtorganisierten Unternehmer begannen bald Verhandlungen, und am 12. Mai,waren bereits puiid 10 000 Arbeiter unter günstigeren Bedingungen zur Arbeit zurückgekehrt. Die öffentliche Afeinung steht auf der Seite der Arbeiter. Der Uusstand wird ivohl darüber entscheiden, ob zu dem „Schwitzsystein" zurückgekehrt werden soll. New-Aork. „Amerikan Hebrew" wird jetzt von Hermann Bernstein redigiert. ' l Lomler & Laitich Tel.Hanga8l48. Frankfurt &.M., Liebfrauenberg',33. Specialhaus für Unterkleider und Strümpfe. Niederlage achter Dr. Lahmann-Wäscha. I Zygw««d Rappaport. Zygmuild Rappaport, der galisische Jude, ist als Kriegsfreiwilliger im preußischen Heere gefallen. Sein Schicksal gehört zu denen, die auch dem nahestehenden Freund oft unverständlich bleiben. Was trieb ihn, den galizischeir Juden, ungeachtet so vieler Schwierig-! keiten mit allen Mitteln seine Aufnahme ins preußische Heer zn erwirken? Was! trieb ihn dazu, wo nichts ihn zwang, seinen Laden im Stich'zu lassen und alles aufs Spiel zu setzen, was trieb ihn, der stets nur an das Schicke sal seiner jüdischen Brüder und' an Mcez Jisroel dachte. für einen Staat fein Lebest zu geben, der ihm zwar Wohnrecht gewährte, dem! er aber nicht einmal angehörte, und mit dem ihn, wie es den Anschein hatte, nichts verband? Rappaport war nichts als Juda Tag und Nacht erfüllte fein anderer Gedanke seine Seele als der jüdische. Und alle Sorgen des täglichen Lebens vergaß der Kaufmann über der Sorge um die Zukunft des jüdischen Volkes So.sehr war er erfüllt von der heiligen Idee, — daß man ihn für besessen von ihr hielt. Er war der Radikalsten einer, — 'aber er war es nicht aus Theorie und noch weniger aus Parteidogma, er war, es, weil nichts als Jude in ihm war, und mit ostjüdisch-ungebrochener Leidenschaft diente er der Idee „von ganzem Herzen und von ganzer Seele, und wenn er aufstand, und wenn er sich niederlegte." So war er wie selten einer: Jude! Nicht aber einer, der erst durch den Zionismus wieder jüdisch werden wollte. Es gab keine Faser an ihm, die nicht von dieser Inbrunst gezittert hätte. Ein Parademarsch deutscher Pfadsinder konnte ihm Tränen entlocken: ,Mann werden wir eine solche Jügeild haben!" Aber er war kein Mann unfruchtbarer Sehnsucht: er arbeitete. Was er geschaffen hat, kann nur der beurteilen, der an seiner Seite stand. Er war organisatorisch ein Genie. Liber nicht das war das Wertvolle allein: er hat in dem Bezirk, der ihm erreichbar war, mit seinem lauteren Feuer das Judentum revolutioniert. Wie feiner zog er den Haß und die Verfolgung und auch die Furcht der Lauen und Halben im Judentum auf sich,. Aber er wich bucht ans, und nichts konnte ihn beirren. Er hatte auch unter den Zionisten viele Gegner, — denn sein Wille war hart und unbeugsam und duldete kein Kompromiß. Nur langsam setzte er sich durch. Erstaunlich war es, wie er \mit seiner Arbeit wuchs, und wer ihn in den Kämpfen der letzten Jahre sah!, erinnerte sich nur schwer daran, wie er vor 10 Jahren aufgeregt und stotternd ganz wirre Worte in Diskussionen warf. Rappaport ist außerhalb des oberschlesischen Gruppenverbandes ivenig bekannt geworden. Ec war ein stiller Kaufmann, kein Student und hätte keine Korporation hinter sich. So blieb sein Wirkungskreis beschränkt, und stets zog er cs vor, der Zweite zn sein. Aber die wenigen, die ihin nahestandeii, wußten, was sie an ihnt hätten. Ich setzte nicht mindere Hofftinngen ans ihn als die Soziäldemokratie ans den Juden Frank; denn er vereinte ein restlos leidenschaftliches Volljudentum mit einer organisatorischen Kraft, die ihn iveltenfern hielt von Formalismus, Theorie und Wirklichkeitsfremdheit. Sein praktischer Blick und sein Sinn für die realen Dinge, in denen er fest mit beiden Füßen stand, hobeir ihn weit über das gewohnte Matz. Und wäre er an den rechten Ort gestellt worden, so hätte er, .daran zweifle ich nicht, der Zionistischen Organisation einen jteuen Aufschwung und eine ungeahnte Neubelebnng gegeben. Das hat er nicht mehr erleben dürfen, — und was wir, so oft, darüber sprachen, ist Träumerei geblieben. Er blieb beschränkt auf ein kleines Gebiet. Er, der nichts kannte als den Drang zur Hingabe für die Gesamtheit, mutzte sich mit Vereinstätigfeit für kleine Teile begnügen. Er, der sein Leben dem Kampfe für das jüdische Volk geiveiht hätte, mußte gegen Stadträte kämpfen! Das Dimensionale an Hingabe und Aufopferung in ihm fand kein würdiges Objekt. Der Tod des Kriegers war ihm vorausbestimmt, und er wünschte sich keinen anderen, — aber da er nicht als Jude für sein eigenes Volk, sein eigenes Land kämpfen durfte, blieb seine Sehnsucht ungestillt. Vielleicht war es das, was ihn in den Krieg trieb. Er erlebte ihn inmitten des Volkes, das seine nationale Sehnsucht am meisten zu verwirklichen schien: denn bei keinem fand er die Hingabe für Haus und Herd, bei keinen! die nationale Erhebung, bei keinem die nationale Jugend so wie bei diesem. Darum liebte er dieses Volk, iir dessen Mitte er als galizischer Jude wohnte, — und vielleicht zog er deshalb mit ihm hinaus. Wir trauern nicht um ihn, den ein früher Tod vor allzuviel Erschütterungen bewahrt hat, —} wir trauern um die Zionistische Organisation, die ihn verlor, wir trauern um unser Volk, dessen Stützen dieser Krieg zerschmettert — hier und dort und überall. Heinrich Margulis. Waschen, Färben und Faponnteren H aller Art Herren- und DamenhÜte. ■ — Abholung und Lieferung frei ins Hans. t, Ifutn «m a«i Erlanger Haehf. Kafserhofstr.14 Frankfurter Berichte. AgudaS Jisroel - M ädchengruppe. ' Es ist in diesem Sommer vielen jungen Mädchen, die an Wochentagen regelmäßig und angestrengt arbeiten, weniger als in normalen Zeiten ermöglicht, sich zum Ausgleich ihrer intensiven Tätigkeit längere Zeit zu erholen. ' Um den jungen Mädchen doch eine kleine Erholung zu ermöglichen, wird die Agudas Jisroel-Mädchengruppe ab Donnerstag, den 22. Juni ig kleinen Zeitabständen, an Wochentagen abends kleinere Ausflüge in die Umgegend Frankfurts unternehmen. Infolge der Sommerszeit hat man nach. Geschaftsschluß noch mindestens drei Stunden Tageslicht. Die große Anzahl von hübschen Ausflugsorten in der nächsten Umgebung Frankfurts und die glänzende Tranv- und Waldbahnverbindung mit den Vororten bilden zum Glück sehr gute Gelegenheit, sich nach der Arbeit iM Freien zu erholen. Am Donnerstag, den 22. Juni wird der erste Ausflug nach der Gerbermühle stattfinden — die näheren Angaben sind im BereinskaleNder dieses Blattes enthalten und wir wollen hoffen, daß sich rechst viele junge Mädchen daran beteiligen und daß diesem Versuch noch viele schöne Ausflüge nach Ginnheim, Seckbach, Niederrad, Oberschweinstiege, Isenburg usw. folgen werben. Berel» für jnd. Beschichte und Literatur. Zwischen der diesmaligen und der vorigen Generalversammlung lag eine Pause von zwei Jahren, denn im ersten Kriegsjahrc hatte der Verein von einer Tätigkeit abgesehen. Es zeigte sich aber, daß er gut darän tat, seine Tätigkeit wieder ailfzunehmen. Der Besuch der Veranstaltungen war ein guter, und die Mtglieder sind treu geblieben. Ml' dies stellte Rabb. Dr>. H o r o v i tz, der Vorsitzende, in seinem Berichte fesip und auch her Kassenbericht, den Herr Julius Sommer gab, zeigte es. Eine angeregte, lang andauernde Aussprache entspann sich nach der Wiederwahl des Vorstandes über die Propaganda. Es äußerten sich zu dieser wichtigen Angelegenheit Dr. Höxter, Julius Sommer, Hugo Fraenk e £ ■ und Dr. Heinemann und, der Vorsitzende. Auf Grund der Richtlinien der Aussprache wird eine spätere Borstandssitzung praktische Beschlüsse fassen. Koscheres Fett. Die Jsr. Religionsgesellschaft sandte an ihre Mitglieder folgendes Rundschreiben: „Auf Grund einer Verfügung des Reichskanzlers, welche die Kommunen ermächtigt, der besonders schwierigen Lage der rituell lebenden Juden hinsichtlich der Fettversorgung je nach dem örtlichen Bedürfnis entgegenzukommen, hat der Magistrat dankenswerter Weise angeordnet, daß das Micker-Fett der hier geschächteten Tiere für den Bedarf der in Betracht kommenden Kreise freigegeben wird. 11m eine möglichst gerechte wechselweise Zuteilung der verfügbaren überaus geringen Fettmengen durchführen zn können, ist es erforderlich daß zunächst das jeder Haushaltung unserer Gemeinde auf Grund ihrer Fettkarte zustehende Quantum von Fett festgestellt wird. Zn diesem Zwecke ersuchen wir die verehrlichen Haushältungsvorstände, am Freitag, den 9. Juni, vormittags 9—12 Uhr und nachmittags 3—5 Uhr, auf dem Büro unserer Gemeinde ihre Fettkarten vorleaen und sie dort mit fortlaufenden Nummern versehen zn lassen; nach Maßgabe der hierbei zugeteilten Nummern wird es dann möglich sein, das wöchentlich vorhandene Quantum Fett abwechselnd in gerechter Weise zu verteilen. Auf welche Nummern die 'Abgabe von Fett jeweilig erfolgt, wird durch Anschlag in den Borränmen der Synagoge, sowie bei den Metzgereien und Wurstwarenhandlungen unserer Gemeinde bekanntgcgebeu werden. Wir hoffen, auf diese Weise, soweit es bei den durch die Fettknappheit bedingten Verhältnissen möglich ist, die schwierige Lage der Haushaltungen ein wenig zu erleichtern." ff. Wiere, Optiker, Liebfrauenstr. 1. Brillen, Pincenez, Operngläser, Feldstecher! in jeder opt.-niechan. Spielwaren j Preislag» Eisenbahnen, Dampfmaschinen, Laterna-Hagiea. KinematographoD etc. letnßßton, ü Mendel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein. (Schluß.) „Herr Bürgermeister, meine Gustel hat Recht, kommen Sie, wir müssen für den Mendel sogleich etwas tun!" Mit diesem Ausspruch lief er seiner Gustel nach, hielt sie am Aermel fest und begab sich mit ihr hinauf zum Bürgermeister, der Khille die Lösung des großen Rätsels überlassend, was denn eigentlich für Mendel geschehen würde. Die geteilten Stimmen hierüber hatten sich noch lange nicht geeinigt, als der auf den Markt herabeilcnde Wachtmeister eine neue Nachricht brachte, welche die 'Aufregung noch freudiger steigerte. Der Landrat — so berichtete er in großer Eile — habe nicht bloß eigenhändig einen lebenslänglich gültigen Hausirschein für Mendel ausgestellt, der allen Regierungsreskripten Hohn spreche — und solcher Taten waren die Landräte alten Schlages wirklich fähig! — sondern er habe auch beschlossen, sich samt der Landrätin — was sich eigentlich von selbst verstand, — zur älten Malkoh zu begeben, um daselbst den reglementswidrigen Hausierschein eigenhändig Mendel zu übergeben. Der Wachtmeister stürzte voran, den Besuch anzukündigen, und die Khille eilte ihm nach, um den Zug zu sehen und den Triumph Israels zu erleben. Wären die Bauern und der Hahn nicht beim alten Postwagen geblieben, es wäre nicht der mindeste Grund für die Koronower Ehrengäste vorhanden gewesen, sich nicht der Bande zn entledigen und einen Spaziergang ins Freie zn versuchen. Und feierlich war der Zug.

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