Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1916-06-16 · Heft 23 (16.6.1916) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 23 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2692975-2692997--09483-2704706
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 23 Seite 2. _ , Lebens in Polen ist die innere Einheit der Juden das entscheidende und wichtigste. Wir hoffen, daß sich die Warschauer Judenheit der Bedeutung der Stunde bewußt werden und in diesem Bewußtsein genug innere Disziplin und politische Reife besitzen wird, für eine Weile ihre inneren Gegensätze und Zerklüftungen zu überbrücken und angesichts des gemeinsameil, in sich einigen Gegners und der großen Forderung des Augenblicks in voller Geschlossenheit intö Einigkeit austreten wird. In diesem Falle, aber auch nur in diesem,, kann auch der erhoffte und für die politische Geltung so dringend notwendige Erfolg nicht ausbl eiben. Polen und Inden. Das überaus gespannte, feindselige Verhältnis, das seit einigen Jahren infolge der antisemitischen Politik der polnischen -nationaldemokratischen Partei unter der Führuirg Roman Dmowskis zwischen den Polen und Juden herrscht, ist zur Genüge bekannt. Alle Kenner der Verhältnisse sind sich darüber llar, daß dieses Verhältnis nicht dauernd fortbestehen kann, da es beiden Bevölkerungsgruppen sowie dem ganzen Lande zum Schaden gereicht. Daneben aber wurde von jüdischer Seite stets mit Recht betont, daß der erste Schritt zu einer Besserung der Verhältnisse von den Polen ausgehen müsse, da die Juden nie polenfeindlich waren urrd lediglich die antisemitische Politik der Polen den gegenwärtigen Zustand herbeigeführt hat. Es war immer unsere Ansicht gewesen, daß im Falle einer Befreiung Polens von der russischen Herrschaft die Beziehungen zwischen Polen uno Juden allmählich wieder normale und friedliche werden müßten, da einen guten Teil der Schuld an dem Kampfe beider Bevölkerungsteile die russische Regierung trug, ^die beide gegeneinander hetzte. Wir freuen uns daher, das erste Anzeichen einer solchen Besserung der jüdisch-polnischen Beziehungen konstatieren zu können. Das polnische Korrespondenzbureäu in der Schweiz verbreitet nämlich folgende Mitteilung: „Durch den Aufruf des Komitees: „Pro causa judacia" (eines projüdischen Schweizer Komitees, bestehend aus angeseehnen Schweizer Juden und Nichtjuden, über dessen Gründung wir berichtet haben. Die Redaktion), sahen sich die in der Schweiz ansässigen polnischen Organisationen veranlaßt, eine Erklärung in der Judenfrage an das Komitee zu richten. Das Schreiben betont zunächst die Uebereinstimmung der Ziele des Komitees mit den polnischen Interessen, insbesondere in Bezug auf die Bestrebungen, eine ausschließlich jüdische territoriale und nationale Einheit zu bilden. Es wird weiterhin gegen die Verwechslung Polens mit Rußland protestiert und jede Verantwortung der Polen für die russische Gesetzgebung nachdrücklich abgelehnt mit dem besonderen Hinweis, daß, solange Polen als unabhängiger Staat besteht, sich dort die Juden der größten Freiheit und Unabhängigkeit erfreuen. Die polnische Erklärung versichert zuletzt, alle polnischen Parteien seien einig darin, daß ein freies, und unabhängiges Polen keine rechtlichen Beschränkungen gegen die 'Juden bestehen lassen - werde, „Polen wird die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden anerkennen und demnach das Werk der Verständigung mit den Juden aus eigenem Willen und ohne fremde Einmischung vollziehen" Diese Erllärung wurde von dem Komitee „Pologne et la Guerre" in Lausanne und dem Polnischen Preßbureau in Bern gezeichnet." Soweit die Mitteilung des polnischen Korrespondenzbureaus, die volle Beachtung verdient, da die Schweizerischen polnischen Komitees aus prominenten polnischen Persönlichkeiten bestehen, die in Verbindung.stehen mit den in Rußland und Kongreß-Polen wohnenden polnischen Führern. Naturgemäß hat diese Erklärung vorderhand nur platonischen Wert, solange nicht die polnischen Politiker praktisch ihre Geneigtheit zu einer Aenderung ihrer Politik den Inden gegenüber beweisen und bereit sind, die berechtigten Ansprüche der polnischen Judeicheit anzuerkennen. Bis dahin wird es wohl noch gute Welle chaben. Immerhin ist. diese Erklärung interessant und bezeichnend als "das erste Symptom der bei den Polen dämmernden Erkenntnis, daß ihre bisherige antisemitische Politik dringend einer Korrektur bedarf, und als solches Symptom dürfen wir Juden diese Erklärung nur freudig begrüßen. Die Hilfstiittgkett -er Wiener „Israelit. Allianz." Bis Anfang Mai hatte die Allianz in Wien 203816 Kr. für Speisung und Unterstützung der jüdischen Flüchtlinge verausgabt. Von den rund 150 Hilfskomitees erhielten Pilsen 43600 Kr., Budweis 17300 Karlsbad 14100 Kr., Barackenlager in Nikolsburg 52750 Kr. usw. Für Galizien selbst wurden — besonders zur Erhaltung von Volksküchen, zur Anschaffung von Lebensmitteln und zur zeitweiligen Unterstützung der Waisenkinder — 876 766 Kr. verwendet. Die Unterstützungen in den eroberten Gebieten betrugen 305950 Kr. Insgesamt sind d rei Millionen Kr. verausgabt worden, und es gelangen monatlich in Galizien und in Russisch-Polen rund 200000 Kr. zur Auszahlung. Die Spendensammlungen der Allianz ergeben 360000 Kr. Hierzu kam eine Sammlung von 160000 Kr. des Verbandes der Humanitätsvereine „Bnai Brith" und ein Betrag von 50 000 Kr. des. Galiz. Hilfsvereins. Die Hauptsummc brachte das Hilfskomitee in Amerika auf; allein bis Ende 1915 sandte es lVs Millionen Kronen. Ne«e Bestimmungen über das Privatschulweseu iu der Türkei. Erster Abschnitt. Z 1. Privatschulen sind Schulen, bfcreit Unterhaltungskosten von Einzelpersonen und von regierungsseits anerkannten osmanischen Gemeinden, Vereinen und Gesellschaften sichergestellt und die von diesen eröffnet werden. Auch Unterrichtskurse, die auf diese Weise zum Studium einer oder mehrerer Wissenszweige, Sprachen oder Gewerbe eröffnet werden, sind den Privatschplen bcizuzählen. 8 2. Ausländischen Gemeinden, Vereinen und Gesellschaften ist es untersagt, in ihrem eigenen Namen oder unter Worschützung (eines anderen Namens) Schulen zu eröffnen. ' 8 3. Schulen, die von regierungsseits anerkannten osmanischen Gemeinden eröffnet werden, müssen innerhalb des Stadtviertels oder der Dörfer, wo die zur Gemeinde gehörigen .Personen wohnen, liegen; zudem darf ihre Ausdehnung und ihre Bauweise nicht über das Bedürfnis hinausgehen, und sie sind gebunden, von den vorhandenen übrigen Schulen und sonstigen Gemeinde- Gotteshäusern soweit abzuliegen, daß, ihr Lärm Glicht zu hören ist. i 8 4. Für Einzelpersonen mit fremder Staatsangehörigkeit besteht, um Schulen eröffnen zu können, die Bedingung» daß in den Vierteln, wo sie Schulen eröffnen wollen, soviele Untertanen des Staates, dem sie unterstehen, Vorhänden sind, daß dadurch eiu Schülbedürfnis erwiesen wird, und daß in den Ländern jener Staaten das Toleranzprinzip zur Eröffnung von Schstlen durch! osmanische Reichsangchörige herrscht; ferner , unterstehen auch ihre Schiulgebäude den in 8 3 genannten Einschränkungen. 8 5. AMßer Kindergärten dürfen keine für Knaben und Mädchen gemeinsame Internatsschulen eröffnet werden. An Orten, wo sich keine Mädchenschulen gleichen Grades vorsinden, können gemischte externe Schulen unter der Bedingung -eröffnet werden, daß keine Schülerinnen aufgenominen werden, deren 'nationale Sitten dies nicht zulassen. \ 8 6. An den Privatschulen,, wo der Unterricht in einer änderen als der offiziellen Sprache erteilt wird, ist der Unterricht im Türkischen sowie in" osmanischer Geschichte Innd Geographie obligatorisch. Türkisch soll in den Elementarklassen wöchentlich Nicht unter vier Stunden jnnd in den Mittels und Oberklassen nicht unter zwei Stunden betragen; osmanische Geschichte und' Geographie darf auch in der Unterrichtssprache der Schule gelehrt werden. > < 8 7. Jede Schäle soll eisten Leiter oder eine Leiterin haben. Ist der Gründer der Schild, d. h>. die Person, welche die.Schule eröffnet, eine Einzelperson und besitzt er die nötige Qualifikation, so darf er die Direktorstellc persönlich übernehmen. 8 8. In Privatschulen, die von osmanischen Einzelpersonen, Gemeinden, Vereinen und Gesellschaften eröffnet werden, darf, so lange nicht die Ermächtigung seitens des Unterrichtsministeriums vorliegt, kein Ausländer als Leiter und Leiterin, Lehrer ^und Lehrerin, Hilfslehrer und Hilfslehrerin angestellt werden. , 8 9. Die Schulgebäude müssen die nötige Baufestigkeit besitzen, den sanitären Grundsätzen entsprechen und mindestens in hundert Meter Abstand von Orten entfernt sein, die die Moral und die Gesundheit der Schüler schädigen könnten. 8 10. Die PrivatschUlen unterstehen der Aufficht und Inspektion der höchsten Zivilbeamten sowie der Direktoren und Inspektoren des Unterrichtswesens und der Sanitätsinspektoren au den Orten, wo sie liegen. Die Elementarschulen werden äußer von diesen auch von den iw Gesetz für den Elementarunterricht näher bezenhiieten anderen Beamten und von Mitgliedern der (provinzialen) Körperschaften inspiziert. '' (Fortsetzung folgt.) Aus aller Welt. Oesterreich-Ungar». Lemberg. Natthalter General Baron D i l l e r kat an die Bezirkshauptmamischäftcn Ostgaliziens ein Rundschreiben erlaffen, das auf die ungeheure Notlage der jüd. Bevölkerung hinweist und anordnet, daß, dä die jüdischen Hilfskomitees und Gemeinden in ihren Mitteln erschöpft sind, die Bezirkshauptmannschaften Staatsmittel zur Unterstützung verwenden sollen. Schweiz. Bern. Der unter zahlreicher Beteiligung hier tagende „ Delegierten tag des Schweiz. ZionistcNverü'andes nahm folgenden Beschluß an : „Der am 1. Juni 1916 tagende 18. Delegiertentag des Schweiz. Zionistenverbandes steht in der Einheit der zion. Gesamtorganisation ngch wie vor das vornehmste Instrument zur Verwirklichung des Basler Programms. Der Delegiertentag ist der Meinung, daß den zion. Landesverbänden heute die heilige Pflicht obliegt, den Gedankeit der Einheitlichkeit der Bewegung und »och mehr die Einheit des jüd. Volkes als hehrstes Gut der Herzlichen Schöpfung rein und unversehrt zu bewahren." Niederland. y Amsterdam. Im städtischen Museum ist, veranlaßt durch die Niederreißung eines Teiles des Jndenviertcls, der Ui len bürg, eine < Ausstellnng „des verschwindenden Ghetto" eröffnet werden. ' In 9 Abteilungen mit 1548 Äininmern ist hier in größter Reichhaltigkeit und Anschaulichkeit ein Stück jüdischer Kulturgeschichte zusammengestellt. Wir finden darunter einzigartige Kostbarkeiten: So eine Handschrift , aus dem 13. Jahrhundert, mit Gebetenfür die Festtage, die für die kurze Dauer der Ausstellung mit 90000 Gülden versichert wurde. Ein Ghettozimmer mit allen Gegenständen für die Gebräuche fesselt besonders düs Auge. Auch die Bildersammlung, darunter ein bisher unbekanntes Bildnis von Spinoza, ist sehr interessant. Der Krieg «nd die Inden. Frankfurt a. M. Vizefelbwrvel Saemy Rosenberg, Sohn der Frau Rosenberg Wwe., Friedbergcrlandstr. 9, erhielt das Eiserne Arenz. ' Frankfurta M. DieAgudas Jisroel Jugendorganisation (Sitz Frankfurt a. M., Am Tiergarten 'S) widmet sich seit etwa einem Jahre n. a. der Versorgung der jüdischen Soldaten mit gutem Lesest o f f. Zn diesem. Zwecke wurde ein Schriftenversand eingerichtet. Ein Teil der Biich'er wird von der Frankfurter Zentrale an die einzelnen Soldaten direkt versandt, ein anderer wurde an eine Reihe von Feldrabbincr bezw. Hilssseelsorger in Form von lleinen Büchereien zur Verteilung an die jüdischen Mannschaften überlassen. Mit Freuden kann konstatiert werden, daß die Feldleihbücherei sich! wachsenden Zuspruchs erfreut. Die Bücher, die zur Versendung gelangen, sind teils unterhaltender teils erbanender uud belehrender Art. Es sei erneut darauf hingewiesen, daß jeder jüdische Soldat, dessen Adresse der A. I. I. O. mitgeteilt wird, kostenlos die Feldleihbücherci benutzen kann,. Frankfurt a. M. Oberstabsarzt Sanitätsrat Dr. A. Ettlin ger ist mit dem hessischen Militär sani t ä tskreuz am KriegsVand ausgezeichnet worden. , Berlin. BataillonKarzt Dr. E. P i n c z o w e r erhielt das Eiserne Kreuz. Berti«. Sind. phil. Fritz Joseph, Bataillonsarzt Dr. Julius Simon-Berlin, Dr. W. Abramoski- Königsberg und Hugo Schiff-Worms erhielten das Eiserne Kreuz. Breslau. Geora Freund, Feldw.-Leutn. Karl Gerstel-Breslau, Günther Schnabel' und' Laz.-- Inspektor Arthur Wiener erhielten das Eiserne Kreuz. BreSla«. Vizewachtmeister, Rechtsanwalt Jakob Fischer, Muskesier Richard Baschwitz - Breslau und tchwebel Martin Posner-Ottmich erhielten das iserne Kreuz. * i Dr. Willy Bloch wurde zum' Stabsarzt befördert. Refendar Otto Levh-Breslau, Gü. Hollschauer- Friedenshütte und. Fritz Ne iss er -Königshütte starben den Heldentod. Saarbarg. Oberarzt Dr. MarcelMeher, Sohn des Kreisarztes Dr. M. in Metz) erhielt das Eiserne Kreuz. Wie«. Bloch's O e sterr.^' W o ch erfichtst verzeichnet in ihrer letzten Nummer folgende Auszeichnungen an Juden: 1 Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens, 3 Militärverdienstkreuze Z. Klasse, 3 silberne Signum laudis, 25 bronzene Sigmun laudis) 3 goldene Berdienstkreuze mit der Krone, 9 goldene Verdienstkreuze, 29 silberne Verdienstkreuze mit per Krone, 3 silberne Berdienstkreutze, 5 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Klasse, 34 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Klasse, 23 bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusammen . 138 Auszeichnungen; hiervon 47 an Offiziere . ~7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.