Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 21-22 (2.6.1916)
- Date
- 1916-06-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21/22 kranffart« W«e1Wcher FamUienVlatr. Seite 3. Der jüdische Kriegsgefangene. (Eine jüdische Zeitschrift.) Es liegen nns zwei blaue Hefte in Folio-, formst vor. Die Aufschrift kennzeichnet sie als die im-Kriegsgefangenenlager Somorja (Ungarn) erscheinende Monatsschrift „Der jüdische Kriegs-Gefangene", herausgegeben von der Bibliothek-Gesellschaft der jüd. Kriegsgefangenen und von der jüd. Bildungsgesellschaft „Jugend". Das Februar-Heft enthält 36, das Märzhcft 24 mit hebräischen Schriftzeichen dicht beschriebene hektographicrte Seiten. Die gehaltvollen Beiträge unterrichten nicht nur über das äußere Leben im Lager, sondern >auch überchie Stiminung der Gefangenen. Auf her ersten Seite ist ein Protest gegen die Verfolgungen, Grausamkeiten und Knebelungen der Juden durch die russische Regierung abgedruckt.. Von publizistischen Artikeln sind erwähnenswert: „Die jüdische Volksschule" und „Das jüdische Theater in Rußland", ein Aufsatz über Almosen, die Sprachenfrage und eine Resolution der Anhänger der jiddischen Sprache. Die Belletristik ist mit einigen originellen Gedichten vertreten. Einige Stimmungsbilder und ein Feuilleton über Kriegseindrücke schließen das Heft. Das Interessanteste ist natürlich die Lagerchronik. Am 17. Januar sind sämtliche Juden infolge der Verordnung des Kriegsministeriums in eine Baracke überführt worden und haben als Kommandanten den Kriegsgefangenen Saßlawski gewählt. — Am 11. Februar wurde im Lager eigenes Papiergeld'eingeführt. — Am 31. Januar ist die vierte Gruppe von 92 Invaliden, darunter l Jude nach Rußland zurückgekehrt. — Die Bibliothekverwaltung hatte vom 14. Dez. 1913 bis 15. Febr. 1914 25 Sitzungen abgehalten. Auch eine eigene Krankenkasse besteht im Lager, deren Kassenbestand 472 Kronen beträgt. — Am 9. und 10. Januar führte die dramatische Gruppe „Mit dem Stroin" von 'Asch und „Die Sünde" von Wiewiorka und ein musikalisches Divcrtisement auf; Einnahmen betrugen 202 Kronen. In den Pausen konzertierte ein eigenes Orchester. Dem Schauspieler Andrejewski, griechisch-orthodoxen Glaubens, der sich beleidigend über die Juden ausgedrückt hatte, wurde der Bühncnaustritt verboten. Das M ä r z h c f t ist dem 80. Geburtstage Mendele - Mojcher Sesorims gewidmet. Ein handgezeichnetes Bild des Jubilars ziert die erste Seite. Daran schließt sich ein Festgedicht vom Dichter Anski, zu welchen: Feingold die Musik kon:poniert hat. Ein Widulungsartikel, eine kllrze Biograhie und zwei Gedichte geben ein Bild über das Schaffen des großen Dichters. Es folgen ein Gedicht über den Puriinfciertag und als Feuilleton eine Skizze: „Erinnerungen". Der Redaktionsbriefkasten und das Programm des am 19. Mürz stattfindenden Mendcle-Abends schließen die Nummer. Cafe Kaisergarten am Opernplatz Erstklassiges JTamilien-Cate Jeden Nachmittag von 4 bis 7 Uhr und Abend von . 8V* Uhr ab ■T K.u.astler>ELo]izert. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Oldenburg. In der unter Vorsitz des Landesrabbiners Dr. Mannheimer stattgehabten diesjährigen Sitzung des Jüd. Landesgcmeinderates - wurde folgendes beschlossen: 1) Erhebung einer Steuer für die Waise n fü rs o r g e, so daß die dauernde Erhaltung der Lina Schwabc'- schcn Waiseustiftiing gewährleistet ist. 2) K r i e g s z n s ch, n ß der Lehrer, auch der pensionierten. 3) Ein Gesetz betr. Schenkungen an Synagoge u gen: e i n d c n, die bei Auflösung der betr. Gemeinde der Landcsgemeinde znfalle». Oesterreich-Uugar». Lemberg. Dr. Tobias Aschkenasy, Hliuplmann der Landwehr und Präsident der hiesigen Advokatenlammer, ist zum Referenten für jüdische Angelegenheiten beim Generalgouvernement des österr.-ungar. Okkupationsgebietes in Russisch-Polen berufen worden und hat sich nach Lublin begeben. jed. Art xu Preislage kauft man gut und preiswert im Trauring-Eck 'MW Frankfurt zu 91, Trierische Gasse 31 Eeke TÖDgesgasse,vis-ä-vis d. Hasengasse. Fr. FlCtZSCb, nntTooTdarbeUer. Der Krieg und die Jude«. Frankfurt a M. Unteroffizier Erw. R. Joseph, Sohn von Ludwig I., erhielt das Eiserne Kreuz. Berlin. Oberarzt Alfred Singer,Sohn des t es verstorbenen Koblenzer Rabbiners, erhielt das Ritterkreuz des österr. Franz Josef-Ordens. , Dr. Max Lehnrann, Inhaber einer chemischen Fabrik, wurde zum Major befördert und mit dein daher. Ludwigskreuz ausgezeichnet. Berlin. OsfizierstelVertreter Alfred Rosendorff und Leutnant Fritz Ambach-Metz erhielten das Eis. Kreuz 1. Klasse. Breslau. Oskar jPrinz, Fritz u n g e r - Breslau , Kurt Grätz-Freystadt, Dr. med. Karl Grünwald, Stud. Leop, Schutz-Hindenburg, Referendar Harry Wolfs-Groß Strelitz, Paul Falkenstein-Landshut, Walter Fröhlich-Ratib'or und Unterarzt Erich Korn erhielten das Eiserne Kreuz. Fritz Tokuß- Kreuzburg wurde zum Leut na nt befördert. | E r n st B ö h n i s ch und caud. jur. Kurt Friedl ä u d c r erlitten den Held eu t o d. Posen. Alfons Kiwi, Arthur Fuchs-Posen, Lippmauu Treitel-Obersitzko, Robert Lewin- Rogasen, L u d w. S a l o m o n - Hohensalza mrd Otto Cohn- Fraustadt erhielten das E i se r n e Kreuz. Wien. Blochs „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in ihrer jüngsten Nummer folgende Auszeichnungen an Juden: 2 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 4 Militärverdienstkreuze 3. Klasse, 4 silberne Signum laudis, 31 bronzene Signum laudis, 2 goldene Verdienstkreuze mit der Krone» 8 goldene Verdienstkreuze, 19 silberne Verdienstkreuze mit der Krone, 7 silberne Verdienstkreuze, 8 silbcrite Tapferkeitsmedaillen 1. Klasse, 25 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Klasse, 26 bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusaminen 136 Auszeichlrungen: darunter 44 an Offiziere des Soldatenstandes, 16 an Militärärzte und Mlitärbeamte, 76 an Personen des Mannschastsstandes. Major Julius G r ü n f e l d in S t u h l w e i st e n - bürg ist zum Oberstleutnant befördert worden. Aus dem Wiener jüdischen Friedhose wurde Oberstleutnant A d o l f F l e ck e r, der Septcinber 1914 fiel, beigeseht. Wie«. Auf dem jüdischen Friedhofe wurde Major Albert G ü nzburger beigesetzt. Praa. Kommerzialrat Richard Ellbogen und Frau haben 59 090 Kronen für K r i e g s b l i n d e n f ü r - sovge gespendet. Zürich. Nach einer Meldung des bieflgen..Israel. Wochenbl." sei Rabbiner Dr. Bloch in B r ü s s e l, der Bruder des auf dem Schlachtfelde gefallene» Rabbiners von Lyon» in Haft genonünen und zu einer sechsmonatlichen Haftstrafe nach Deutschland gebracht worden. Er habe in einer Predigt den Segen Gottes auf den König herabgefleht und der königlichen Familie eine baldige glückliche Rückkehr gewimrscht. Arnch habe er gesagt, dag den Sieger die zehn Plagen treffen sollten. Dr. Bloch sei wegen seiner feindlichen Aeußerungen schon vorher verschiedentlich von der.Behörde verwarnt worden. London. Die armen Juden des Londoner Ostends haben 59 900 Pfund für die Notleidenden Juden in Rußland aufgebracht, — dagegen der übrige Teil der Judenschaft in Großbritannien nur 119909 Pfund. Persssalieu u. Kleine Mitteiluuge«. Berlin. Dr. S elm ar P ey fer und Dr Martin Saalfeld erhielten den Titel Geheimer San itätsrat und Dr. Sekmnrr Cohn, Dr. Sieg fr. F r e n n d, Dr. Hugo H o r w i tz, Dr. 2t a t h a n Lipp -» m a n u , Dr. L u d w. L ö w e n m e y e r, Dr. Bi a x Löwen stein, Dr. Salomvn Link, Dr. Martin Meyer, Dr. Arnold Nathanson, Dr. Rich. Simon und Dr. Gerhard Rahn den Titel Sanitätsrat. ' Stadtverordneter Salillger - Schöneberg beging de» 75. Geburtstag, Geh. Sanitätsrat Dr. Albert Cohn geb. 1832 in Glogan — die goldene Hochzeit. Mohruuae«. Stadtverord. JakobJakmus beging den 89. Geburtstag. Langenschwalbach. In den: großen Kreise der langjäbrigcn Gäste des bekannten Hotel Roos tvird das Hinscheiden der Frau Elise Roos ^gcb. Stein, Gattin des Herrn Leopold Roos, tiefes Bedauern Hervorrufen. Denn Frau Roos war das Muster einer tüchtigen, umsichtigen und »iicrinndlichcn Hausfrau und eine licbens- Ivürdige Wirtin, die ihren Gästen viele frohe Stundeil bereitete. Neustadt lKreis Küchhainl — Am 24 Mai ist Lehrer Adolf W e r th e i m , 45 Jahre alt, in der Heimat seiner Gattin, in Hann. Münden, zu 'Grabe getragen worden. Das große Geleite z::r letzten Auhestätte legte beredtes Zeugnis ab von der Liebe und Wertschätzung, die der Heimgegangene genoß. Lehrer F a b i s ch - Göttingen, schilderte am Grabe die Verdienste des Verstorbenen um Schule und Gemeinde» seinen Fleiß und Wohltätigkeitssinn. Lehrer Oppenheim, Treysa trauerte namens der israel. Lehrerkonserenz Hessens um den Verlust des wackeren, pflichtgetreuen Kollegen, der mit siechem Körper sich noch im, Dienste des Vaterlandes betätigte und den Unterricht der etwa 199 Kinder zählenden christl. Schule zeitweise mit übernahm. Lehrer NcuhauS - Fritzlar widmete ihm namens der Freien Bereinigung wanne Worte der Anerkennung und Lehrer Wertheim -Münden nahm in tieferschütternden Worten Wschied voi: dem geliebten Bnider. Der Verstorbene war 25 Jahre hessischer Lehrer und amtierte in Korbach, Zimmersrode und Neustadt. Kr. Kirchhain. Obgleich er in Neustadt nur 3 Jahre wirkte, hatte er sich dort einen großen Freundeskreis erworben, sowohlj» jüd. als auch in christlichen Kreisen. Gar viele waren herbeigeeilt, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Ter Magistrat, die christl. Lehrerschaft und der Kriegerverein hatten Deputierte mit kostbaren Kranzspenden eirtsandt. -t-. Posen. Auf Ve-anlassung der hiesigen Amicitw-Loge hat die Großloge f. Deutschland 1l. O. Bne-Brith hier ei» S ch w e st e r n h e i m errichtet, aus dem Schwestern für Krankenpflege abgegeben werde». Es sind in diesem Schwesternheim zunächst eine Oberschwester und drei Schwestern stationiert, die sämtlich ihre Ausbildung, auf Kosten der Großloge erhalten haben. Zum Unterhalt des Schwesternheims tragen die hiesigen Synagogen-Gemeinde, die Amicitia-Loge und die beiden hiesigen jüdischen Krankenverpslegungsvereine bei. Petersburg. Nack hiesigen Zeitunakn gehen die 31 Juden des Ortes L ib'or unter der blöden Anschuldigung vor Gericht, im Herbst 1913 auf die Liborer christliche Bevölkerung einen — Pogrom beabsichtigt zu haben. Mehr als 190 Zeugen sind geladen. Da haben ja die „Schwarzen Hundert" eine ganz neue Bekämpfungsnicthode gegen die Juden ausgedacht! Frauksurter Berichte. Kleine Notizen. Der Verein „M e k o r C h a j i m" veranstaltet an den Sabbaten zwischen Schewuaus und Tischoh b'Aw eine Stunde vor Nacht im Hörsaale einen Midrasch- Schi u r. Der Verein „M o n t e f i o r e" veranstaltet an jedem Samstag nachmittag gesellige Zusamme »künftel die bei. gutem Wetter im Vereinsgarten stattfinden. Zn Pfingsten findet eine zweitägige Fahrt an die.Mosel statt. Anmeldungen werden bis 6. Juni im Büro s ch r i f t l ich angenommen. Zionistische Jugeudgruppe. Das Winterprogramm, von dem an dieser Stelle seiner Zeit berichtet wurde, ist in dem gedachten Rahmen gut dnrchgeführt worden. Es wurde kein großer Wert auf Propaganda, überhaupt auf ein Wirken nach mißen gelegt; der Verein war vielmehr bestrebt, die Kenntnisse seiner Mitglieder zu vertiefen. Hauptziel war, mif dem Ilmweg über die neuhebräische und jiddische Literatur zu den großen jüdischen Problemen zu kommen. Außerdem wurde natürlich die geschichtliche und politische Seite nicht vernachlässigt. . Außer denk früher schon erwähnten Referat und der Chanukahseier wurden bei den regelmäßigen Zusammenkünften folgende Referate gehalten: Das Palästinabuch von Paquet (Frl. Grete Krämer), Map» ein Vorläufer des Zionismus (Herr Daugileikiy), Zuckermann-Mend (Frl. Rosel und Irma Weinberg), Bialik (Frl. Sittah Goitein), Moses Heß (Frl. Grete Krämer) und Mendele (Benno und Sarah Cohn). Gelegentlich schloß, sich den Referaten eine lebhafte Aussprache an. Auch lieferten Saminlungeu für Palästina recht gute Ergebnisse. Für den Sommer sind zwanglose, aber regelmäßige Zusammenkünfte geplant, (l. und 3. Donnerstag des Monats abends 9 Uhr im Kaffee Kaisergarten). Erste Zusammenkunft: Donnerstag den 15. Juni. Freunde und Gesinnungsgenossen sind selbstverständlich dabei stets willkommen. „VICTORIA“ Erste Berliner Wäscherei und Glänz-Plätterei Hania Tel. 2002. |g GUtlBUtSlfaSSG 18. Hansa Tel 2002- SpeziaUtSt: Kragen. Manschetten nnü Hemden- H fßttületon. H Mendel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) Alle erkannten nun die Gruppe. Mendel schritt langsank einher. Er hatte den Gensdarin auf dem Arm, der seinen Nacken umschlungen hielt, aber wie ein schwer Verwundeter den Kopf rückwärts hängen ließ. — Durch die Gemüter aller, die erst jüngst mit Entsetzen gerufen: „Der Gensdarm bringt Mendel Gibbor", flammte eine übermächtige Begeisterung auf im Rufe: „Mendel Gibbor bringt den Schandar!" — Man stürmte allgemein jubclrufend ihm entgegen; aber nicht das besonnene Kreisdoktorchen, sondern Salnie, der stille Mennist, jggte allen voran. Die Tränen liefen ihni unaufhaltsam über das gefurchte, volle Gesicht; seine breiten, langen Rockschöße schlenkerten ihm zwischen den kleinen Beinen und machten wunderliche Figuren in der Luft, als wollten