Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 20 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 20.' WranWrier Fsr«eMsch«A MawilienNE. dienstkveuzeS und der Ehrenmedaille vom Roten Kreuz mitder Kriegsdekoration. Aranffn« a. M. Sanitätsgefreiter A. Schapiro erhiÄt das Erlerne Kreuz. ICigarrsn-HDller, gr. Eschenheimerstr. 31. | Ci-I“"*Te- Partien I erstklassigen Ursprungs. M Pers,»»tte» «. ftleitte MUteilnuge«. Berlin. Der Verein ,.Jsr. Lehrerinnenheim (Groß-Lichterselde, Karlstraße 112 a) ' hielt seine Mitgliederversammlung ab, die in Abwesenheit des .Vorsitzenden von Frau Hauline Münchhausen und Frau' Henriette May geleitet wurde. Nach dem Bericht macht sich die durch den Krieg unterbrochene Propaganda schmerzlich bemerkbar, sodaß von den zahlreichen Petentinnen, die durch' Mter und Würdigkeit vollständig den Anforderungen um Aufnahme entsprochen hätten, nur eine an Stelle einer durch den Tod ausgeschiedenen Insassin ausgenommen werden konnte. Die Zahl von 26 Jnschsinnen ist homit die gleiche geblieben. Das Genesungsheim ist allmonatlich durch! ein oder mehrere ~ Lehrerinnen besucht gewesen. Die Gewinnung neuer Mittel und neuer Freunde ist dringend erforderlich. Ferra« (Italien). Anläßlich seines 60 jährigen Geburtstages erhielt Advokat Läon Ravenna zählreiche Beweise seiner großen Beliebcheit von seiten der italienischen Juden, die an ihm einen tüchtigen Fürsprecher für alle jüdischen Interessen haben. Auch in der zionistischen Well hat sein Name einen guten Klang. Petersburg. David Feinberg, Mitglied des Berwaltungsrates der Jewijh Colonisation Association (,,Jca") ist verschieden. Er hat in .Sachen der jüdischen Auswanderung aus Rußland sehr viel getan. Auf seine Veranlassung begann die Pariser Leitung der „Jca" ihre Tätigkeit in Rußland, und er stand an der Spitze dieser Tätigkeit. Vor Jahren .nahm er in dem argentinischen Kolonisationsvcrein her „Jca" einen leitenden Posten ein. New-Anrk. Es geht die Rede, daß Morgenthau seinen Dosten als Botschafter in Konstantinopel niederlegen und Abraham Elkes, gleichfalls Jude, an seine Stelle treten werde. Odessa. Ein armer jüdischer Uhrmacher Namens Bognor hatte sch soweit heraufgearbeitet, daß er bei seinem jüngst erfolgten Tode 25 000 Rubel hinterließ. Er bestimmte, daß sein Sohn, ein Student, den ganzen Betrag nur ausbezahlt bekomme, wenn er bis zum 25. Jahre Jude bleibe, sonst erhalte er nur ein Drittel, ein Drittel die Universität für ein Stipendium und ein Drittel die Verwandten. Der Sohn llagt nun auf Ungültigkeitserklärung des Testaments, da es seine „Gewissensfreiheit" beeinträchtige. Stornier & Italisch! TeLHansa8148. Frankfurt a.M., Liebfranent)erg[33. > Specialhans für Unterkleider und Strümpfe. I Niederlage echter Pr, Lahmann-Wäsche.! Frankfurter Berichte. Kleine Notizen. Um den religiösen Hausfrauen Gelegenheit zu geben sch über die Verwendung der Kochkiste im Haushalt . unter Berücksichtigung der rituellen Vorschriften d zu uuterrchten, wird der Nationale Frauendienst, : Abteilung Kochkiste (Fähigasse 52), am Dienstag nachm. 4*/2 Uhr in der Jüdischen Haushaltungsschule, Königswar terstr. $tt. 18,. eine Vorführung der Kochkiste und, der Kchlkiste verbunden mit praktischem Vorkochen veranstalten. Kostproben d 10 Pfg. werden ausgegeben. I T_ Ifiin m A1i Erlanger laetaf. Kaiser hofstr. 14 Waschen, Färben und Faponnleren aller Art Herren- und DamenhOtom —— Abholung und Lieferung frei ins Haus. —— I Ißttiffetoa. W Mendel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) Auch vor Salmes Häuschen kommt er. In der Hoffnung, Mendel heräuszulocken, spielt er lustig auf, so recht, um einen Träumer zu erwecken. Doch, da sich die Tür nicht öffnet, versucht cr's mit seiner Stimme und ruft mitten durch die Harmonien: „Mendel, willst Du Dich nit mit mir gesegnen (verabschieden)?" Die Tür öffnet sich, doch nur Salme erscheint und verkündet, daß Mendel sich bereits mit Anbruch des Tages aufgemacht habe. Jankele ist ein wenig verstimmt, daß er Mendel nicht ein Abschiedslied zum Besten geben kann. Aber die geniale Seele tröstet sich schnell und ruft in gutmütigem Scherz: „Nun gut, Salme, so will ich euch das Liedchen Vorspielen, daß ihr cs sollt Mendel Vorsingen!" So ging's denn an diesem frühen Morgen recht lustig her in der Gasse, bis endlich Jankele, als die Sonne höher gestiegen war, die Fidel über die Schulter und den Stock in die Hand nahm und sich bis zum fröhlichen Wiedersehen zur nächsten Hochzeit von der Khille und von seinen! Freunde verabschiedete. Die zur Mittagshöhe hinansteigende Sommcrsoime lagerte wieder in tiefer Stille über dem Städtchen und gab dem guten Wachtmeister, auf der Schwelle des obrigkeitlichen Hausflures betrachtungsreich sitzend, hinreichende Muße, über den Wechsel und die Wandelbarkeit aller Dinge, z. B. die drei Wochen und den Freund Jankele, und dazwischen auch über andere Materien nachzudenken, wie über den Sonntag, der doch eigentlich sein Sabbattag sein sollte, und die Sabbat-Kugel, in deren Mysterium das Christentum noch nicht eingedrungen. Bei dieser Gelegenheit gelangte er auch in seinem Jdccngang zu dem Bewußtsein, daß er nachmittags beim Herrn Bürgermeister im Zimmer werde bleiben müssen, um die Pfeifen für die Kartenpartie zu stopfen, die regelmäßig Sonntags stattfand zwischen dem Herrn Bürgermeister und seinen Gästen, dem deutschen Prediger, der keine Gemeinde hätte, dem besonnenen Krcisdoktorchen, der ihnen das Geld abgcwann und dem Herrn Apotheker, der zugleich Posthalter- Briefträger und Adressenschreiber war. Und so schien cs ihm, daß er eine berechtigte Forderung an das Schicksal habe, sich einen Vormittagsschlummer zu gönnen. Durch einen Blick auf den Hahn vergewisserte er sich von dessen gestrenger Wachsamkeit und zog sich beruhigt in den Schatten des Hausflures zurück. Dann darüber sinnend, daß er gestern hier noch Jankele gegenüber Mit dem Rücken gegen die Wand geschlummert hatte, uiü> daß heute, wo er sich ebenso hinsetzte, die Einsamkeit sein Los sei, verfiel er in ein schweres Atmen, vernahm sein Ohr einige Klänge unbestimmbarer Art aus Jankelcs Fiedel, zu ihm herabtöncnd wie Ahnung eines besseren Daseins. Sein Kinn näherte sich seinem Halse, die Nase seinem Busen, und wenn der Odem alles Lebenden ein Lobpreis ist dem Herrn, so erscholl dieser Lobpreis bald sehr vernehmlich und verkündete bis in die Mitte des Marktplatzes hiimus, wo der Hahn lag, der völlig abwesenden Menschheit auf demselben, daß die gute Obrigkeit wieder schlumnierc. Und still >vie die Obrigkeit war die ganze Welt und verblieb auch so bis nahe der Mittagszeit, wo ein noch viel entsetzlicheres Geschrei als beim Beginn unserer Erzählung die Stille unterbrechen und ungeahnte Szenen herbeiführen sollte. ~ Nicht das Trappeln eines berittenen, wie beim Beginn unserer Erzählung, nein: die Hufschläge eines reiterlosen, entzügelten, im wildesten, scheuen Galopp durch die Gasse entlang dahin donnernden Rosses reißen Hahn, Wachtmeister und Gemeinde mit einem Male aus der Schlummerruhe und verwandeln urplötzlich die Stille in einen einzigen Entsetzensschrei. Das Pferd stürzt im Nu bis auf den Marktplatz vor das obrigkeitliche Haus. Der Wachtmeister, vom Schreck emporgerissen, taumelt aus dem Hausflur hervor ihm entgegen. Das Pferd bäumt sich entsetzt, kehrt um und stürmt in noch wilderem Galopp über den Markt, setzt über den Scharrcn- Klotz, springt über den kurzen Hebel des Ziehbrunnens, jagt mit drei Sätzen über den Bleichplatz, daß die Wäsche ellenhoch hinterher ausfliegt, und ist blitzartig verschwunden, wie es donnerartig herangekommen. Es war ein gemeinsamer Schrei des Entsetzens, mit dem die ganze Besatzung des Städtchens auf die Gasse stürzte, aber nur, um nach einem Blick auf das wilde Ungetüm wieder schreiend zurück in die Häuser zu taumeln. Die Erscheinung war, kauni gekommen, auch schon vorüber. Einen Moment herrschte eine Totenstille, in welcher jedes Ohr gespannt horchte, ob das Entsetzen wirklich vorbei sei; diesem Momente aber folgte nunmehr der - gemeinsame Aufschrei jeder stimmberechtigten und der Stimme wieder mächtig gewordenen Kehle, und noch einmal stürmt aus jeder geöffneten Haustür alles, was Beine unter seinem Leibe hat, hervor und in die Gasse hinein, und die öffentliche, für heute ganz außerordentlich furchtbare Stimme vereinigt sich zu dem einen Schrei: „Der Schandar ist erschlagen!" Und nicht bloß die leicht erregbare Stimme Israels und die noch leichter erregbare seines schönen Geschlechts vereinigt sich in diesem Schrei, sondern auch die paar ruhigen, germanisch christlichen Gemüter, die in unscrm Städtchen unter dem Schatten der Gezelte Jacobs friedlich weilen, sind von gleicher Ueberzeugung durchdrungen. Der Herr Bürgermeister, der sonst gern die Welt sein läßt, ist die halbe Treppe heruntergefallen und steht in Hemdsärmeln, ein halbes Pasch deutscher Karten in, der. einen, und eine Pfeife'ohne Kopf in der andern Hand, höchst erschrocken auf dem Marktplatz. Die junge Frau Bürgermeisterin, die aus gutmütiger ehelicher Treue djc andere Hälfte der Treppe hinunterpurzelte, die der Gatte verschont gelassen, steht schreckenbleich, in einer verwegenen halben Sonntagstoilette, auf freiem Markt und ringt die Hände Aber das vergossene Blut des 'Gensdarms. Auf denselben Marktplatz stürzt alles zusammen, die Weiber, die Kinder und die wenigen jüdischen Männer. Selbst der scheue Salme Mennist ist von dem allgemeinen. Strom widerstandslos hierher geschleudert worden. Der Herr Apotheker und Posthalter, und sogar der deutsche Prediger ist mitten im Gewühl, in welchem alles den Kopf verloren hat; nur das besonnene Kreisdoktorchcn hat noch - so viel Herrschaft über sein Gemüt, daß er dem Herrn Bürgermeister eiligst das halbe Pasch deutscher Karten aus der Hand nimnlt, »m in der allgemein hereingebrochenen Auflösung aller Verhältnisse mindestens den einen Notanker gewinnreicher Zerstreuung vorsorglich vor schmerzlichen Verlusten zu tvahren. „Wachtmeister", schreit der Herr Bürgermeister, „werft euch auf ein Pferd, nehmt Mannschaft mit, jagt hinaus, der Gensdarm ist von den Koronower Räubern erschlagen!" Aber es war gut reden. Der Wachtmeister saß starr wie eine Bildsäule vor Schreck auf. der Schwelle des obrigkeitlichen Flures; ein Pferd war nicht vorhanden, auf das er sich hätte »verfcn können, und das Bischen Mannschaft hätte sich sehr mühsam aus dem Haufen von .schreienden Weibern und Kindern herauswinden müssen, wenn sie wirklich Lust gehabt hätte, Gebiete zu betreten, wo selbst Gensdarmen des Lebens nicht mehr sicher sind. Die Anordnung des Herrn Bürgermeisters hätte den Tumult nur vergrößert, lvie es häufig der Fall ist, wenn die Obrigkeit inmitten der Aufregung das Leitseil der Weltordnung fassen will. Da ergriff denn das besonnene Krcisdoktorchen, das sich einer organisatorischen Ruhe inmitten jedes Weltunterganges rühmte, die Zügel der Ordnung, und wie ein Mann der Tat rief er: „Kommt alle mit, wir wollen hinaus und sehen, was passiert ist!" — Und mutig in den Mittag hinausschrcitcnd, riß er in der Tat die ganze Gesellschaft mit. Bis Nne weit die Begleitung diesem Anführer treu geblieben wäre, das zu erhärten, lag nicht im Willen der Vorsehung. Sie hatte es anders beschlossen, als irgend einer erwartete;' denn noch hatte die Bevölkerung nicht die Grenzmarke des städtischen Gebietes, den Eiruw am Bleichplatz, 'überschriten,. als eine neue Szene sich eröffnete, die Furcht und Bestürzung urplötzlich in begeisterten Jubel umwandelte. In der Ferne, auf dem'Sandweg, der zum nahen Wäldchen führte, sah man eine wunderliche Gestalt sich bewegen. Im ersten Moment ließ sich's nicht erkennen, was das sein mochte. Die gesamte zur Rettung hinaus ziehende Menschheit stutzte, und viele wollten schon die Flucht ergreifen; aber Salme, der beide Hände vor der Stirn hielt, um sich vor den: Sonnenlicht zu schützen, hätte richtig gesehen; und der stille Mennist, der nie ein lautes Wort unaufgefordert sprach, schrie mit so bewegter Stimme, daß es allen durch die Seele fuhr: „Gott sei gelobt! Mendel bringt den Schandar!" Und in der Tat, es war so. - ~ (Fortsetzung folgt.) F. SAINT-DENIS, ALLE REPARATUREN an UHREN Cold und Sllberwaren, Brillen und Zwicker. Was wird am Ende ans mir werden? Bon Schvlaum Aleichem. Uebertragen pon Al Oiffebach. I. ' Wißt ihr, was ein Paradies ist? Ich! weiß es. Das ist der Garten des Arztes Manasse. Nie habt ihr seinesgleichen gesehen. Er ist einzig in unserer Stadt und — ich glaube — in der ganzen Welt. Wen soll ich euch zuerst schildern? Manasse, den Arzt, seine Frau, die Ae^tiii, oder das Paradies. Da imn Manasse, der Arzt, und seine Frau die Aerztin, Besitzer des Gartens sind, so gehen sie vor. Manasse, der Arzt, geht, sei es Sommer oder Winter, mit einem Pelz aus. Ein Auge ist klein, und sein Mund — jo ettoas wünsche ich' euch nicht — ist nach oben gekrümmt. Manasse, der Arzt, sagt selbst, daß ihnt dies der „böse Geist" zugefügt hat. Hoch kann ich nicht verstehen, was der