Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 20 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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»i 20 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Leite 5 böse Geist damit zu tun hat. Es wird wohl eine Angewohnheit sein, die ihm zur zweiten Natur geworden ist. So ist cs a,utch Lei meinem Freund Berl, .der immer die'Lider be-- ivegt, und bei noch einem Freund Welwel, bei dem cs beim Sprechen den Anschein hat, als ob er heiße Nudeln schlürfe. Me mciikdaraus ersieht, ist es nur eine üble Angewohnheit. Obgleich Manasse, der Arzt, einen krummen Mund- Hat. ist er doch glücklicher als zehn andere. Erstens ist er nicht so verwöhnt wie die anderen Aerzte und ist sofort zNr Stelle, wenn man ihn ruft. Zweitens verschreibt er nie. Rezepte, sondern gibt seine eigenen Erfindungen Lum heften. Und was sind seine Rezepte? Ein daukles oder weißes Pulver, das gegen sämtliche Krankheiten Hilst. Einmal hatte it$ Fieber, ititb eine Seite tat mir sehr weh. (Wahrscheinlich, weil ich zu lang«, im Flusse beim Baden verweilte.) Sofort eilte meine Mutter, Manasse, den Arzt zu holen. Er kam, untersuchte mich und sagte mit seinem krummen Mund zu meiner Mutter: „Fürchtet nichts, cs ist nicht schlimm, die Lunge des „Lausbubs" ist nur etwas entzündet." Mit diesen Worten zog er ein blaues Fläschchen aus der Tasche und schüttete den Inhalt in sechs Paprerstreifen. Eines der Pulver mußte ich sofort nehmen, die andern nach je zwei Stunden. Mein Herz sagte mir, daß das Pulver bitter sei. Um das Uebel von nlir abzuwcnden, drehte, ich mich nach allen Seiten herum. Doch es half nichts, — ich inußte es nehulen. Was ich geahnt hatte, bewahrheitete sich, ja noch weit mehr; — es war nämlich ganz abscheulich Als meine Mutter hinaus ging, .sprang ich schnell aus dein Bett, schüttete den Inhalt der andern fünf Päckchen aus und siillte es statt dem Pulver mit Mehl. Meine Mutter ging ab und zu zu unfern: Nachbar Pcsil, der eine Uhr hatte, damit die Zeit des Pulvereinnehmens — Gott behüte — nicht versäumt werde. Nachden: ich das sechste Päckchen Pulver eingenommen hatte, stieg ich völlig gesund und kräftig auS den: "Seit* i „Manasse ist der größte Arzt der Welt. Gebe ihm Gott Glück und langes Leben. Sein Pulver belebt selbst Tode" so erzählte und lobte darauf meine Mutter Manasse' den größten aller Aerzte und wischte sich ihrer Gewohnheit gemäß die Augen ab. Soweit vom Arzt Manasse. Von jetzt ab soll die Rede von der Frau Mauasse, der Aerztiu, sein. - II. Wenn Ihr den Segenspruch der Erneuerung über neu gewachsene Trauben am Rausch Haschonoh machen wollt, so kehrt bei Frau Manasse ein. Doch ganz heil kommt Ihr bei diesem Versucht nicht davon, denn die Trauben sind geradezu gefährlich sauer. Trotzdem verdient sie viel Geld daran. Von noch so schlechten Sachen schlägt sie Kapital heraus, selbst von den Sonnenblumen. Behüt Euch Gott davor eine Sonnenblume aus ihren: Garten auszureißen. Es ist ihr tausendmal lieber, einen Zahn gezogen z:: bekommen, als baß ihr eine Sonnenblume entwendet wird. Doch Gott bewahre den, der sich an einem Apfel oder an einer Birne vergriffen hat, denn dann ist er seines Lebens nicht mehr sicher. , Allein ich kenne mich im Garten ebenso gut aus, als ich als fromnrer Jude mich im Aschre-Gebet äuskenne. Jeden Strauch im Garten ist pnr bekannt, und ich weiß schon von vorne herein, ob das Jahr gut sein wird oder nicht. Ihr werdet tvohl fragen, woher ich den Garten so genau kenne? Glaubt ja nicht, daß ich ein einziges Mal im Garten war. Ist doch der Garten mit einem Stacheldrahtzaun umgeben, und dazu ist:wch ein Hund im Garten. Besser gesagt ein Wolf. Dabei komme einer in den Garten oder einer versuch: es nur,.,— sofort wird der Hund herausstürzen und wie besessen springen und bellen. Jetzt lverdet Ihr fragen, wie ich.xs weiß. Geduldet Euch nur einen Augenblick,, und ich werde es Euch erzählen. (Fortsetzung folgt.) Vereins-Kalender. Samstag. Tal mit d Thora * nach Schluß des Morgengottesdienstes: Vortrag (H. Schwab). — Mckor Chajim, 12:/i Uhr: Sefer Melochim (Prof. Wehl); 4% Uhr: Mikroh-Vortrag (Rabb.-Kandidat Horovitz). Mittwoch. Verein für jüd. Geschichte und Literatur 8Ve Uhr, Frankfurt-Loge: Generalversammlung.! moderne Vorhangand Möbelstoffe, Tischn. Divandpeken etc. Carl Bisehoff 19 Neue Mainzeretrasse 19 am Schauspielhaus. ... Frau Manasse, die so sehr auf den Namen ihres Mannes eingebildet war, ist, wie allen bekannt, eine verfuuht böse Frau. Ihr Gesicht ist immer finster. Sie besitzt eine Männerstimme und hat auch Männerschuhe an. Auch hat sw einen schlechten Ruf in der Welt. Noch nie betrat ein Armer die Schwelle ihres Hauses, und doch ist es voll des Gutem Ihr findet dort allerlei Eingemachtes dw ein, zwei, ja sogar zehn Jahre alt sind. Wenn der Sommer kommt, hat es mit dem Einmachen, das sie vor dem Hause'ausführt, fast gar kein Ende. Unser kleines Städtchen 4>t bann voll Rauch. säst zum Ersticken, denn die Aerztin «st'zu geizig, das Einnunhen mit Holz und Kohle zu bewerkstelligen, vielmehr verwendet sie Dornen und Disteln, die sie in der Umgegend unseres Städtchens qelammelt hat. Wem: Ihr Euch mal bei uns im Sommer elnimdet, Jo werdet Ihr eine Rauchsäule erblicken, und sich verbreiten sehen. Fürchtet Euch nicht! cs ist — Gott oewahre feilt Brand, fonbent rührt bou der Eiumacheret £>cr Frau Manasse aus den Früchteil ihres Gartens her. Nunmehr gelangen ivir zur guten Stunde zu dem Garten, dem schon genannten Paradies. III. . „ In dem Garten findet Ihr alle Arten Frischte, di das Menschenherz tinr wünschen kann: Aepfel, Birnen Kirschen, Pflaumen, Johannisbeeren, Pfirsiche und -Erd beeren. Und was wünscht Ihr noch? Wocheu-Kalender. (Zeitangaben nach dem l.oaeh.1 Samstag, den 27. Mai 24. Ijar.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 50 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 10 Uhr 15 Min in Berlin io 11fr 08 Min. Wochenabschnitt: Bemidbar. — Musterung der Kinder Israel. Die Lagerordnung. Airs dem Prophetcnwort des Sabbat: An jenem zukünftigen Tage schließe ich für sie einen Biind mit dem Getier der Flur, dem jBogel des Himmels und dem Gewürm des Bodens; Bogen, Schwert und Krieg tilge ich von der Erde, und lasse sie in Sicherheit sich niedcrlegen. Sv traue ich dich n:ir auf ewig an. Ich traue dich nur an durch das Recht und feine Verwirklichung, durch die Liebe und durch das Erbarmen. Und ich traue dich mir an durch das Vertrauen, — und dann wirst dil Gott erkenueu. Ransch - Cjhaudesch: Freitag, 2. Juni. Omertabelle: Freitag abend 30. Omer; Samstag 40. Omer; Sonntag 41. Omer; Montag 42 Omer; Dienstag 43 Omer; Mittwoch; 44. Omer; Domierstag 45.Omer. Wochengottesdienste in Frankfilrt a. M. Morgens: t>i/i Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindau 6%, Königsteiuerstr. 7hr, Hauptshnagoge 7 Uhr. Abends 8lk Uhr in den meisteu Synagogen (Bockenheim. Unterlindau 8 Uhr, Königsteiuerstr. 7 Uhr, Haiiptsynagogc 4 Uhr). Spende». Bet der Nationalfondskommissiou (I. Heimann, Zeit 21) giugeil ein: P a l ä st i ii a - N o t st a n d s - A k t i o u. Frl. Dr. med. Julie Bender 5.— Mk.; Reis 20.— Mk.; Sammlung bei der zioirist. Jngendgruppe anl. Vortrags des Herrn Lohn 8.08 Mk.; Dr. Szametz und Frau, Vilbel, gratulieren Schames/Dr. Michael zur Berlobniig 5.— Mk. Beim Frkf. Jsr. Familienbl. gingen ein: B. Jsaacsohn (Büchse) 6.50 Mk. Beim Verband jüd. Frauen für K u l i-u r a rbeit in Palästina (Frau Jda Wolf, Heinestratze) gingen ein: Brüder Horovitz zum 16. Mar 15.— Mk.: Frau Dr. M. Horovitz 3.— Mk.; Frl. Sophie Horovitz 3.— Mk.; Frl. P. Zuckennann 3.— Mk.; Frl. Grete Krämer 5.— Mk.; N. Nt 5.— Alk.; Frau 'Auguste Wohlfahrt 30.— Mk.; Frmi .Heinz Schottensels 20.— Mk.; I. C. 100.— Mk.; In lins Werner 50— Mk.; Jsaac Heymann 20.— Mk.; Max Wolf 20— AN.; Dr. Isaak Heinemann 151— Mk.; Geschwister Sondheimer 300— Mk.; Herr und Frau Julius Goldschmidt 25.— AN.; Teilbetrag der Palüstinaspende der Synatzogenbesucher Bockenheim an den letzten Pessachtagen 52.— Mk.; Teilbetrag der Palästinaspende der Synagogenbesncher der Wcstendsynagoge an den letzten Pessachtagen 250.— Mk. Frankfurter FamMetmachrichle«. Geboren. Ei» Sohn Willi Nathan (Schlesivger), Mylinsstr. 55. c B a r m i z w o s. 'Alfred Rapp, Hcrinesweg 30, Synagoge Friedb. Anlage. — Ludwig (Eisen, Elkenbachstr. 42, Synagoge Börneplatz. ' Gestorben. Antonie Simon geb. Strauß, Feiierbachstr. 5. — Hedwig Schönfeld geb. Posen. Auswärtige Familieunachrichte«. Verlobte. Hertha Snßmann, Breslau mit Referendar Rudolf Pick, Berlin. — Herta Hirschfeld, Schwctz mit Georg Tariwwski, Berlin. — Gertrud Saalfeld, Stettin mit Heinr. Warszawski, Bromberg. — Aenne Helft, Bleicherode mit Karl Mannheimer, M.-Gladbach. — Hetty Leiser, Filehne mit Willy Cohn,Posen. Gestorben. Alexander Cohn, 75 I., Hohensalza. — Jda Oppenheimer geb. Benario, Buchen. — Julie Belmont geb. Miller. 65 I., Alzey. — Ernst Rothschild. 33 I., Barnwir, im Feld. — Charlotte Rosenthal geb. Atäudle, München. — Simon Weil, 33 I., Hanau, im Feld. — Adolf Simon, 30 I., Wiesbaden. — Julie Rosenthal geb. Sternberg, 50 I., Limburg. — Rosalie Ginsberg geb. Berg, 85 I.; Fanny Weil geb. Herz, 76 I.: Rosalie! Neumann geb. Mtiiiaiin, 70 I., Berlin. — Adolph Cohn, 60 I., Glogau. — Henriette Liebert geb. Herrschet, <4 I., Wriczen. — Rosalie Joseph geb. Cohn, 84 I., Bandsburg. — David Grau, 78 I., Berlin. — Simon 'Altschul, 69 I., Straßburg.__ Eingesandt. Zu der von uns in einer -er letzten Nummern gebrachten Notiz wird uns geschrieben: Nach der Verfassung der Frankfurter Gemeinde sind die konservativen und liberalen Elemente und deingcmäß ihre räbbiinschen Vertreter gleichberechtigt. Der dort gebrauchte Ausdruck betrifft nicht das Verhältnis zu den gegenwärtig in der Gemeinde wirkenden Rabbinern. Offenbacher Draeklaftanlage €}. m. b. H. ii. n r - i.ii. iii Taunusstrasse 77 Oflenbach am Hain Fernsprecher 123 Unüberirogens 7eppickreimgung mittelst Druckluft. Qualität: Smyrna und Perser . . . Preis pro gm 50 Pfg. Velours und Axminster . . „ „ „ 40 „ Brüsseler und Tapestry . . „ „ 35 „ Manilla und Wolle ... „ „ „ 30 „ — Unübertroffene Bettenand Bettfedern-Relnlgans — mittels Druckluft und Wasserdumpf. Bin jeder Versuch fahrt zur dauernden Benutzung uiserer in hygienischer Beziehung einzig dastehenden Einrichtung. Die Reinigung eines Deckbettes kostet . . 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