Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 20 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Seite 3. bei. Sie zeigte durch den. Rahmen, in dem sie erscheint, beschränkt in ihrer Darstellung, die große weltkulturelle Bedeutung des Judentums in einer Zeit, die mehr von Kanonen .und Granaten, als von Kultur und Aufbau weist. Daß wir uns gleichwohl der weltumspannenden Kulturaufgaben unseres Volkes in diesem Augenblicke erinnern, daß wir unter dem Donnern der Kanonen und unter dem Surren der Fliegermotoren die Vereinigung von Nationalismus und Weltbürgertum fühlen und klar erkennen, das' ist ein uraltes Erbteil des jüdischen Stammes, das wir unseren Enkeln für alle Zeiten hinterlassen wollen und müssen. Heinrich L o e w e. ZI. Wier©, Optiker, Liebfr auenstr. 1. Brillen, Pincenez, Operngläser, Feldstecher) in jeder opt.»mechan. Spielwaren j Preislage Eisenbahnen, Dampfmaschinen, Laterna-Magica, Kinematographon etc. Nene Stadtordnung für die Landeshauptstadt Warschau. Schon seilt einigen Monaten wußte man, daß das Warschauer Bürgerkomitee damit betraut sei, zur Reorganisation der städtischen Verwaltung eine Wahlordnung auszllarbeiten, die die. Berücksichtigung aller Bcvölkerungsklassen und Interessengruppen enthalten sollte. Es wurde behauptet, daß nach dem neuen Projekt des Bürgerkomitees nur diejenigen wählen könnten, die mindestens 25 Jahre alt sind, die polnische Sprache in Wort und Schrift beherrschen, eine Wohnung auf eigenen Namen besitzen oder aber eine Mittelschule ^besucht haben. Jedoch ist der Zivilverwaltnng ein endgültiger Vorschlag nicht gemacht worden. „Unter diesen Umständen hat die Verwaltung geglaubt", wie sie in einer amtlichen Erklärung vom 9. ds. MtH, mittcilte, „nicht länger untätig einer Entwickelung Zusehen zu sollen, die infolge ihres schleppenden Ganges und ihrer unklaren und unbefriedigenden Ergebnisse die städtischen Interessen Warschaus und seiner Bevölkerung ernstlich zu gefährden geeignet ist." Die Verwaltung erließ an demselben Tage eine Stadtoronung für Warschau nebst einer Wahlordnung für die Stadtverordnetenversammlung (Stadtrat). Aus dem umfangreichen Erlast heben wir folgende allgemein interessante Punkte heraus: „Die Landeshauptstadt Warschau hat Korpora t i v n s r e ch t e. Sie hat das Recht der Selbstverwaltung unter staatlicher Aufsicht nach näherer Bestimmung der Verordnung. Der Magistrat besteht aus dem Stadtpräsidenten, zwei Bürgermeistern soivie zwölf ehrenamtlichen Ratshcrren. Es gehören dem Magistrat ferner an: der Miliz-Vorsteher, der Stadt-Kämmerer, der Stadt-Syndikus u. a. Zum Stadtpräsidenten ist der Fürst Zdislatv Lubomirski, zum Bürgermeister Ingenieur Drzewiecki ernannt Ivorden. Die Ratsherren werden von der Stadtverordnetenversammlung, die aus 90 Mitgliedern besteht, nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt. Außerordentlich wichtig ist die Wahlordnung,' die in Berücksichtigung des national-gemischten Charakters der Bevölkerung Warschaus zwar der Majorität zu ihrem Rechte.verhilft, aber auch den Minoritäten die Möglichkeit ausreichender Vertretung verschafft. Die Wahlen werden nach den Grundsätzender Verhältniswahl (Proportionalwahl) vorgenommen. Das aktive Wahlrecht ist an folgende Voraussetzungen geknüpft: Staatsangehörigkeit im Königreich Polen, vollendetes 25. Lebensjahr, männliches Geschlecht, ununterbrochener Wohnsitz in Warschau seit mindestens 2 Jahren (Verschickung durch die russische Regierung (!) und Abwesenheit infolge des Krieges gelten nicht als Unterbrechung). Das passive Wahlrecht hat zur Voraussetzung: 1. die Vollendung des 30. Lebensjahres,' 2. männliches Geschlecht, 3. bürgerliche Unbescholtenheit, 4. Beherrschung der polnischen Sprache in Wort und Schrift. Alle Wähler werden in 6 Kurien eingeteilt, von denen jede 15 Stadtverordnete zu wählen hat. 1. Kurie: Haus- und Grundbesitzer. (Das Wahlrecht steht in dieser Kurie au.dji Frauen zu, die sich durch männliche Bürger zu vertreten haben.) WanVfmS« WrdEtischiA FamüienMltt. 2. Kurie: Größere Handels- und Jndustrieunternehmungen. 3. Kurie. Gelehrtenberuse. (Hier entscheidet jedoch bei den Wahlen die Stimmenmehrheit.) Die katholische Geistlichkeit wählt einen Verordneten (die jüdische und protestantische gar keinen), die Juristen drei, die Lehrer drei, die Mediziner drei, die Techniker drei, die übrige Intelligenz zwei. - 4. Kurie: Kleine Industrie-, .Handwerks- und Handelsunternehmungen. 5. Kurie: Wähler, die zur Wohnsteuer veranlagt sind. 6. Kurie: Alle übrigen Wähler. Jeder Wähler hat nur in einer Kurie Wahlrecht. Die Wahlen sind geheim und werden von einem Kaiserlichen Wahlkvmmissar mit Hilfe eines Wahlausschusses nach den Weisungen des Warschauer Polizeipräsidenten vorbereitet und geleitet. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Berlin. Aus der jüngsten R e p r ä s e n t a n t c n s i tz u n g der j ü d. Gemeinde sei folgendes erwähnt: Den unter Aufsicht der Gemeinde stehenden Metzgern tvird die Zahlung der Beiträge für die Dauer des Krieges erlassen. Ferner wurde vorbehaltlich beschlossen, den Grvßschlächtern für jedes geschachtete Rind pro Pfund 10 Pfennig zu zahlen. Zuschüsse wurden bewilligt: Reliqionsvcrein Beth Zion 12 000 Mk., Agudath Achim Pankow 4000 M, Religionsverein Karlshorst 1192 Mk., Verband der deutschen Inden 7200 Mk., Lehranstalt s. d. Wissenschaft d. Judentums 1916/18 12 000 Mk., 'Verein für Arbeitsnachweis 3000 Mk., Llrbeiterkolonic, Weißcnsee 3000 Mk. nsw. usw. 8. Papenburg. Der Umstand, daß der Verkauf von Fleisch am Freitag in Gemäßheit der Bekanntmachung vom 28. Oktober 1915 verboten ist und durch das späte Nachtwerden am Samstag das Anstragen bezw. Verkaufen von Fleisch zM>lliimöglichkeit gemacht wird, hat die jüd. Schlachter, welche auf dem Boden des gesetzestreuev Judentums stehen, in eine sehr mißliche Lage versetzt. Gerade in hiesiger Stadt, .in welcher das Schlachtergewerbe überwiegend in den Händen der Juden ruht, machten sich die Folgen jener Bekanntmachung in äußerst störender Weise bemerkbar. Es ist deshalb vom religiösen wie vom geschäftlichen Standpunkt aus doppelt freudig zu begrüßen, daß es dem Lehrer Strauß gelungen ist, eine Entscheidung des Regierungspräsidenten herbeizuführen, wonach in der Stadt Papenburg anstatt Freitags fortan von .Donnerstags nachmittags st Uhr bis Freitags nachmittags 1 Uhr Fleisch nicht verabfolgt tverden darf. Es bleibt somit den jüdischen Schlachtern von Freitags mittags 1 Uhr noch hinlänglich Zeit, ihrem Gewerbe ohne Sabbat-Enttveihung zu obliegen. Die Art, wie hier das religiöse- Empfinden seitens hoher Verwaltungsbehörden geachtet tvird, verdient die weitgehendste Anerkeilnung. . ' vesterreich-Uugar«. Wie». Der auf der Generalversammlung der „O esterr- Israelit. Union" erstattete Bericht verbreitete sich auch Aber das „Oesterr. Zentralkomitee zur Wahrung der sta atsb ürgerl. Interessen der jüd. Bevölkerung im östlichen Kriegs g eb ie t." Durch Vereinbarung mit der Union seien diesem Zentralkomitee für ein Jahr jene Rechtsschntzangelcgenheiten aus .Galizien überlassen worden, tvelche grundsätzlichen und allgemein politischen Charakter tragen, wägend Einzelbcschwerden auch fernerhin der Union überlassen bleiben. Der Sekretär der Union ist auch Sekretär des Zentralkomitees. Als ein, tveittragender Erfolg des Zentralkomitees dürfte es verzeichnet werden, daß, das Armee- Oberkommando sich bereit erklärte, in allen kulturellen und religiösen Angelegenheiten der Juden Galiziens die konsultative Mitwirkung des Komitees .in Anspruch zu nehmen, haß für diese Angelegenheiten ein jüdischer Referent am .Sitze des Generalgouvernements zugesichert tvurde, und daß auch die Behandlung der Juden Galiziens durch einzelne amtliche Organe bereits eine günstige Blenderung erfahren hat. Die wichtigste Aufgabe toerde während der Friedensverhandlungen zu lösen sein, bei denen das Komitee gemeinsam mit gleichartigen Organisationen des deutschen Reiches anstreben müsse, daß der Friedensvertrag die Gleichberechtigung der Juden in Polen dauernd gewährleistet und die Aufhebung der Ausnahmegesetze in Rußland durchsetzt. Auf diese Aufgabe habe Signtund Mayer, der Ehrenpräsident der Union, in einem Memorandum hingewiesen. Lemberg. Stadtbalter General v. Dill er empfing anläßlich seiner Anwesenheit in Lemberg eine Abordnung des jüd. Rettnngskomitees bestehend aus Univ.-Professor Dr. Scharr, Oberlandesgerichtsrat Dresdner ^.Prof. Dr. Bromberg, Advokat Dr. Ringel und Rubenzahl, die ihm eine ausführliche Schrift über die traurigen materiellen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung in den vom Kriege heimgesnchten Ortschaften überreichten. Der Statthalter versprach wohlwollendste Prüfung. Schweiz. Zürich. Das hier soeben gegründete Komitee „Pro Causa I nd aic a" bezweckt die Forderung der Gleichberechtigung für das gesamte jüdische Volk und die der kolonisatorischen 'Auswanderung derjenigen unter ihm, die nach eigener kultureller und wirtschaftlicher Existenz streben. Die angesehendsten Juden und Christen haben ihre Unterschrift gegeben. Präsident des Komitees ist I. Treyfus-BrodskY-Basel, Präsident des Schweiz. Jsr. Gemeindebundes. jed. Art tu Preislage kauft man gut und preiswert im Trauring - Eck 'VI Fraukfnrt a* 91, Trierische Gasse 31. Ecke TÖBgesgasse,vts-ä-via d. Hasengasse. Pp PlAfBCpfl Uhrmacher * * * * *©U6SWII, und Goldarbeiter. Der Krieg und die Juden. Crefeld. Der K. C. im Kriege. Nach den bis 1. Mai cingegangeiien Kriegsadressenineldungen stehen von über 1000 Mitgliedern des K. C., unter Einrechnnng der Gefallenen oder infolge Verwundung oder Erkrankung al-s dicnstnnbranchbar Entlassenen, 850 im Heeresdienste. Hiervon gehören bezw. gehörten dem Feldheer bereits über 690 an. 231 Kartellbrüder haben ihre Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse, einer mit dem Eisernen Ksreuz 1. Klasse, 61 sonstige Kriegsauszeichnungen gemeldet. Zu Offizieren des Beurlaubtenstandes wurden 40>K,C.er toährend des Krieges befördert: 33 K. C.er im preiißischen Heere, einschließlich des württembergischen Kontingents, 7 nn bayerischen. 2 K. C.er wurden zu Feldwebel-Leutnants befördert. AöhNnaen «Baden). Unteroifizier Louis Kahn, Sohn des ReligionSlehrcrs. Isidor Kahn, erhielt das E i s. K r e u z. Fürth. Leutnant, Ingenieur Hugo Marx erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. . Fürth. Maier Bendit, Kommerzienrat Martin U l l m a n n, Kommerzienrat Adolf H e y in a n n - Fürth, Direktor Dr. Rudolf Cohen, Karl Landers;, Amtsrichter Julius Löffler, Leutnant Martin K a u f f m a n ii - Nürnberg, Stabsveterinär Dr. Jakob S tr a u ß- Aschafseiiburg. Kommerzienrat Herm. Reiß, Kommerzienrat Karl Selig- Würzburg, Eduard Sonder, Max Stern -Kitzingen erhielten das Ludw i g s k r c u z. Dresden. JuMzrat Dr. Felix Bondi, Fabrikdirektor Franz Pick und Berta Frank erhielten das bayer. L u d w r g s k r e n z. München. Albert Landauer, Heinrich Meyer, preuß. Kesaudtschaftsattachs Max Freiherr v. G o l d s ch m i d t - R o t h s ch i l d, Ing. Dr. A l f r e d W e r t h e i in e r, H e i n r. Cohen, Bankdirektor Dr. Alfred Wolsf, Direktor der Kriegskreditbank Julius K a u s m a n n, Oberlandesgerichtsrat Dr. Paul H o m - burger, Stabsarzt Dr. Eugen.Selz, Hofrat Dr. Eugen Dornberger, Kommerzienrat Alfred Königsberger, Joseph Müller, Max Weinmamt sind mit dem Ludwigskreuz ausgezeichnet worden. Berlin- Kurt Böhm. Dr. med. Emil Löwisohn, Willy Pagorsky, Felix Peritz, Heinz Rieß- Breslau, Kurt Freudenthal -Benthen, Erwin Fränkel-Bisniarckhütte, Otto Rachwalsky -Glatz und Assistenzarzt Dr. Ernst Frankel- Oberglogau erhielten das Eiserne Kreuz. Köln. Religtonslehrer O pzierstellvertr. Max Baum erhielt das Eiserne Kreuz. Wien. Btochs „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in ihren beiden jüngsten Ausgaben folgende Auszeichnungen an Juden: 3 Ritterkreuze des Franz Josef- Ordens, 4 Militärverdienstkreiize 3. Kl., 51 Singnüm laudis, 18 goldene Berdienstkreuze mit der Krone, 11 goldene Berdienstkreuze, 49 silberne Verdienstkreuze mit der Krone, 17 silberne Berdienstkreuze, 17 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Kl., 53 silberne Tapferkeitsvedaillen 2.'Kl., 68 bronzene Tapferkeitsmedaillen. Budapest. Im S tzungs'aale der Oberstadthauptmannschast wurden der Witwe Jakob Gold stein geb. Rosa F e l d b a u r feierlichst eine Bronzene Statuette und 500 Kronen im Aufträge des Königs, an den sie sich als Mutter von sieben im Felde stehenden Söhnen in ihrer bedrängten Lage gewandt hatte, überreicht. Zürich. Das „Js. Wocvenviatr" beuchtet: Es dark wohl davon Notiz genommen werden, daß demnächst sämtliche russische militärpflichtige Juden, die sich in Frankreich und England aufhalten, infolge Vereinbarung der Wlierten gezwungen werden, nach R ii ß - land z nr ück z nkeh re n , um dort Militärdienst zu leisten. Trotz großer Bemühungen einflußreicher jüdischer Persönlichkeiten konnte dieser Beschluß nicht rückgängig gemacht werden. So Müssen also zahlreiche' Juden, die wegen der schlimmen Zustände z. B. aus Rußland emigrierten, uw in den liberalen Ländern Frankreich, und England ihr Brot und ihre Existenz zu finden, neuerdings dorthin zurück, wo sie sich nie wohl gefühlt haben. Wahrlich ein herbes Schicksal für diese jungen Leute, von denen gegen 30,000 bis 40,000 demnächst Frankreich verlassen werden, pur nach Rußland tranzportiert zu werden. Hier wäre wahrlich ein Protest von seiten der neutralen Länder sehr am Platze!" Budapest. Der 77javrige Jakob Kollmann irr Sereth, der sieben Söhne in der Frönt hat, erhielt vom König eine silberne Uhr mit der ungarischen Krone und seinem Ramenszng und 500 Kronen bares Geld. In M i s k o l c z verschied — 79 Jahre alt — Frau Dr. Joses Groß Witwe, Inhaberin des goldenen Ber-