Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 19 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 ftnmlfrelCT Mr«eWWa FaMüeMM. Nr. 19. Wer ist' schuld? Warum klagt ihr die Gottheit an. Als sei der Schöpfer schuld daran. Der ew'ge Schöpfer der Natur, Weil er so unbewegt stets bliebe? Der Gott des Frühlings predigt Liebe, Der Haft stammt von den Menschen nur. . . Tr o st. Wenn Leid und Sorge dich umstrickt, So kannst du sie ersticken, Ist noch so traurig dein Geschick, So lernst du dich drein schicken. Die Arbeit setzt dich in den Stand, Das Leid zu überstehen. Am besten ist's, wenn Hand in Hand Humor und Arbeit gehen. Vor Franks Bild. Dies ist sein Bild.Er selber scheint's zu sein. Doch ach! Das Bild nur lebt, und diese Züge ■ Sind tot, erloschen. — Dieses Bild ist Lüge! Es lügt nur Leben! Rief da jeinand „Nein!" Ein tausendfaches Nein! Es ist nicht wahr! Wie kleinlich ist dies Denken und wie kläglich! Es macht das ganze Leben unerträglich! Er lebt in unfern Herzen immerdar! Ist's sein Gedanke nicht, der uns erhebt, Und lebt er nicht in seinem Werk beständig? Sind die Ideen, die in uns lebendig, Nicht sein? Er lebt. Sein leuchtend Beispiel lebt! Auf Frank zum Jahrestage. Wenn solch ein Opfer nicht umsonst soll sein, Daun führt zum Sieg die Liebe in der'Welt Damit ein Mensch wie er, so hoch und rein Nie wieder um der Liebe willen fällt. .F r n h l i n g. Wie sich schon, alle Sträucher schmücken! Erwacht ist die Erde — schönheitsbewuftt. Erstes Grün genießt mit Entzücken Seines Daseins junge Lust. . . Und daneben — wie Lichtlein erglommen Gelbe Blüten an jenem Strauche .... Frühling, wann wird der, Frühling konnnc»/ Den alle ersehnen und ich auch? Die Vögel singen liebliche Lieder, Die lauen Lüfte schwingen leis Von dem Wohllaut. . . Frühling, da bist du ja wieder! Und alles eint sich, zu deinem Preis. . Einträchtig blühen im Erdenkreise Ist das Ziel, zu dem uns die Sehnsucht zieht. . Jeder soll singen — auf seine Weise —, Aber jeder ein Frühlingslied. .. , Gedichtet am 16. Llpril 1916. Rabbinerverband geführt werden. — Auf dieser Grundlage beauftragt die Generalversammlung den geschäftsführenden Vorstand,eine Verständigung mit dem Verband der deutschen Juden in den darauf bezüglichen Fragen alsbald herbe i z u f L h r e n." . Din weitere Debatte über die oben erwähnten Gegenstände brachte verschiedene Stiinmungen und Wünsche zum Vorschein. Fast allseitige Übereinstimmung herrschte darüber, daß die gegenwärtige rechtliche Lage des'preußischen Rabbinerständes eine auf die Dauer unhaltbare sei, und daß unabhängig von der Organisationsfrage eine Aendcrung angcstrebt werden müsse. Es wude hervorgehoben, daß der Rabbinerverband seinem Vorstande, dem er für seine treue Mühewaltung zu herzlichstem Danke verpflichtet sei, nicht gut zumuten Eönne, die sehr erhebliche Arbeitslast im Nebenamt zu erledigen, und daß. daher nachdem Borbilde anderer Organisationen ein besoldeter S y n - dikus angestellt werden müsse. Auch auf die Notwendigkeit einer Fachpresse wurde hingewieson, da dem Rabbiner zur Vertretung seiner idealen Stanoesinteressen bisher keine rechte Möglichkeit in der Presse gegeben sei. Die Versammlung übergab, indeur sic ihre grundsätzliche Zustimmung zu beiden Punkten zu erkennen gab, beide Anträge einem Ausschüß. Des ferneren wurde eine bereits vom Zentralausschuft gewählte Gesetzeskommission bestätigt, welche die gesamte Stellung des Rabbiners. — sowohl die gesetzliche, wie die imierhalb der Gemeinde — untersuchen und geeignete Wege zu der dringend erforderlichen Besserung dieser Stellung weisen soll. Als Material wurde ihr ein Antrag überwiesen, der auf eine Ablösung der Gebühren für Kasualien hinzielt. Die Nachmittag-Sitzung leitete Munk--Marburg, da der Vorsitzende wegen eines Trauerfalls in der Familic zur Abreise gezwungen p>ar. Rosenberg -Thorn hielt ein Referat Wer den jüdischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten. Er zeigte historisch, wie die bisherige schwierige Lage entstanden sei und legte sie in ihrem ganzen Umfange dar. Sodann schilderte er in allen Einzelheiten die Wünsche, welche zu erfüllen seien, und legte eine Anzahl von Thesen vor. Nach längerer Debatte wurden die Thesen — bis auf eine — in etwas veränderter Gestalt angenommen. Sie verlangen, daß. jüdischer Religionsunterricht überall eingerichtet werde, wo jüdische Kinder vorhanden seien, daß die Kosten von der Patronatsbehörde übernommen werden, daß der Unterricht in allen Klassen erteilt und davon nur befreit werden solle, wenn beim Vorliegcn religiöser. Bedenken ein vollgültiger Ersatzunterricht-nachgewiesen sei. Ferner wird verlangt, daß nur Rabbiner und solche Lehrer zur Verwendung gelangen, die ihre Befähigung Nachweisen (in den oberen Klassen akademisch gebildete), daß die Schüler im laufenden- und im Reifezeugnis eine Zensur erhalten und schließlich'^ baß der jüdische Religionslehrer zu allen Konferenzen hinzuzuziehen sei, in denen es sich um seine 'Schüler handelt. Ferner Ivurde dem Vorschlag des Referenten zugestimmt, daß das Hebräische als Lehrgegenstand beim Religionsunterricht dort zu erstreben sei, wo die Schüler ohne Kenntnis des Hebräischen aufzuwachsen drohen, und daß in den Ausnahmefällln, da an den höheren Lehranstalten' kein Religionsunterricht eingerichtet sei, der Besuch der Religionsschulc der Synagogengemeinde bis zum 14. Lebensjahre als obligatorischerachtet werden müsse. Heber den zugleich vorgelegten Entwurf eines Normallehrplans fand keine Diskussion statt. Die Debatte überdie Thesen, die sich, in der Vormittagssitzung des folgenden Tages sortsetzte, wurde abgebrochen, Um das Ergebnis der Neuwahlen zu verkünden. Zu Ehrenmitgliedern des Zentralausschusscs wurden gewählt: Bloch-Posen,-Frank--Köln, Maybaum«Berlin und Rosenthal--Breslau. . Mitglieder sind: Appel-Karlsruhe, Blumenthal - Berlin, Cohn- Jchenhausen, Cohn- Rawijsch, Esch elb ach er-Berlin, Freudenthal-Nürnberg, Grone mann-Hannover, Guttmann-Breslau, Horowitz - Frairkfurt a. M., Jacob-Dortmund, Kopfstein-Beuthen, Munk-Marburg, Nobel- Frankfurt a. M. Rosenthal-Köln, Salfeld-Mainz, Samuel-Essen, Seligmann -Frankfurt. a. M., Walter-Bromberg, Werner-München, Winter- Dresden und Wreschner-Samter. Stellvertretende Mitglieder sind: Baeck-Berlin, Goldmann-Oppeln, Löwenthal-Hamburg, Neumark- Duisburg und T h e o d o r - Bojanowo. Nach Ende der Debatte über den Religionsunterricht hielt am nächsten Vormittag Goldmann -Oppeln ein 'Referat über „Die Stellung des Rabbiners zur Ostjudensrage". Er betrachtete zunächst die Wirkungen, die das Auftauchen des Ostjudenproblems bisher auf den deutschen Juden äusgeübt hatte, sodann wandte er sich der politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und religiösen Seite der Frage zu. Ohne Vorschläge für die Zukunft zu machen, legte der Referent rein objektiv die historischen und psychologischen Grundlagen der Ostjudenftage dar und hob hervor, daß er keinen Beitrag zu ihrer Lösung, sondern nur zu ihrein Verständnis geben wolle. Nächster Punkt der Tagesordnung war die W i t w e n - und Watsenkasse, über die Freudenthal- Nürwberg beachtete. Bon ihrem Stande konnte er nicht allzugünstiges sagen, vor allem erscheint der Wunsch) sie zu einer Peusionskasse umzugestalten, in recht weite Ferne gerückt. §s wurde ein .Antrag angenommen, gemäß dem jedes Mitglied des Rabbinerverbändes der Pensionskasse als außerordentliches Mitglied angehören muß. Als Mindestbeitrag wurde, eins vom Tausend des festen Jahreseinkommens bestimmt. Nachdem hiermit die eigentliche Tagesordnung erledigt war, wurden verschiedene Anregungen vorgebracht. Zur Bewältigung der vielen neuen Aufgaben, die der Krieg jittt sich gebrccht hat, wurde ein Arbeitsausschuß eingesetzt, dem als erster Gegenstand die Maßnahmen fiir -ic Führung eines rituellen Haushalts während des Krieges beschäftigen sollen. Bon anderer Seite wurde auf die Schwierigkeiten hingewicsen, die dem Schächten daraus erwachsen könnten, daß während der Kriegszeit auch das Wut der geschachteten Tiere für die Volksnahrung ntwendoig sei. Als Aüshilfsmittel wurde auf eine neue Schlundzange empfehlend Lingewiesen, welche den Uebelstand beseitige. Eine Reihe anderer Fragen wurde dem gcschäftsführenden Vorstand zur Erledigung überwiese». Lotte Kuoller. Ein Gedenkblatt von Lehrer Adolf Rothschild-Achim- Bremen. Des Todes rührendes Bild steht nicht als Schrecken dem Weisen und nicht als Ende dem Frommen. Jenen drängt es ins Leben zurück und lehret ihn handeln, diesen stärkt es zu künftigen Hell in Trübsal die Hoffnung; beiden wird ' zum Leben der Tod. ... Goethe. Vielen ist der Name unbekannt; einem ansehnlichen Krieis ist sie lieb und traut geworden, und sie hat es wohl verdient, daß ihr ein Gedenkblatt auch an dieser Stelle gewidnrct wird. Lotte Knoller, Tochter des Seminardireltors Dr. Kuoller in Hannover, die neunzehnjährig nach nur zweitägiger tückischer Krankheit am 2. Prssachtage aus dem Leben' schied, war zweifellos eine im höchsten Grade dichterisch plevakillagtr- Natur; ihre bisher rcröffentlichiten Erzeugftiffie — weit über! 100 Gedichte*) und Prosa-Aufsätze — beweisen es rückhaltslos. Sie war eine glühende begeisterte Patriotin, die während der ganzen Dauer des Krieges in den verschiedensten Formen und bei jeglicher Gelegenheit ihre Begeisterung für unsere Ideale, ihren Freude über unsere Siege und Heldentaten, ihre Hoffnung auf dien endgültigen Sieg zum Ausdruck brächte. Sie kämpfte geistig mit den Soldaten in den Schützengräben, in tobenden Schlachten, war mit ihrer Seele bei ihnen bei wütenden Sturmangriffen» fühlte den Schinerz ßhrmz ,Wunden und mitempfand den Stolz ihrer Auszeichnungen. Lotte Knoller war eine Heldin. So sehr sie auch die Tagesereignisse mit sich sortgerissen haben, so vergaß sie dabei doch nicht das Hauptziel ihres Strebens. Ihr Denken galt dem Fortschritt, der Freiheit und der Gerechtigkeit. Für den, der Lotte Knoller kannte, ist der Gedanke geradezu unfaßbar, daß ihr gutes, (braves, edles, empsinidungsreiches Herz zu schlagen ausgehört hat, daß ihr geistvoll poetischer Mund plötzlich verstummt sein soll.. Ihre letzten Worte lauteten: „Ich such: für das Tiefste meiner Empfindungen nach einem Ausdruck und kann ihn nicht finden"; — und ihre letzten poetischen Gedanken überschrieb sie mit den Worten: „Cs kann nicht sein und doch. . .als wenn sie ihre Schcidestunde vorher geahnt hätte. . Wenn schon ein Mann wie per kürzlich verstorbene Sigmar Mehring, mit dem sie einen ' regen Gedankenaustausch pflegte, gelegentlich geäußert hat, daß die Anlagen Lotte Knollers zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, so dürste dieses Urteil allein schon zur Rechtsertigung des hier Gesagten genügen. Ein Redakteur schickte den letzten .Veröffentlichungen folgende Worte vorauf: _ Ihre in unserer Unterhaltungsbeilage seit August 1914 peröffenUichlen Verse und Prosaarbiiten zeugen ebenso lwn einer außerordentlichen Begabung wie ftow rastlosem Eifer, hohen Zielen nachgustreben, insbesondere der Veredelung der Beziehungen der Menschen zu einander zu dienen. Und wie fie schrieb und dichtete, so lebte sie auch Mit klarem Auge, offener Hand, und bchcheidcnem Sinne ging sie ihren (Wäg. . . . Um so schmerzlicher berührt es, daß eine so reiche Hoffnung, die auf dem sicheren Wege zur Erfüllung schien, so plötzlich vernichtet worden ist," Und nun wollen wir- Lotte Knoller selber sprechen lassen: Der neue Maß stab. Es gibt so vieles, was im Kriege man Nicht mehr mit altgewohntem Maßstab nutzt, Erst jetzt ermeß' ich, was mein Eigen ist. Seitdem ich weiß, was ich verlieren kann. Wenn alle Wünsche und Gebete... Wenn alle Wünsche und Gebete Jetzt in Erfüllung würden gehn. Wenn Weinen seine Wirkung täte, Erhörung säitdc alles Flehn, Dann würde kein Geschoß erreichen Das Ziel, dem man es zugesandt. Der Janimer flich'n, das Unglück weichen. Und bitteres Herzeleid verbannt. Wenn wilden Schmerzes, heiße Gluten, ~ Und jener edle Zorn, der flammt. Und frißt im Herzen aller Guten, Zur Ohnmacht wären nicht verdammt. Wenn all dies Feuer Prast besäße,. Und jeder Schrei, der hilflos gellt,' Ein Brand, der die Erzeuger fräße, tEntstünd' und reinigte die Welt. *) Es wird eine. Herausgabe in Buchform beabsichtigt. Blumen aus dem Felde werden präpariert und hergeriohtet Dehoratioiisblnmen, Perlkränze in grösster Auswahl Frankfurter Kunstblumen- und Kranzfabrik Holscbendopff 8 Meissner, Töngesgasse 38. Der Krieg und die Juden. Frankfurt a.M. Offizürstellv Fritz Rosenbaum, .Blumenstr. 9, erhielt das Eiserne Kreuz, ^Leutnant Batt.-Adj. Ernst Loebl den Hohenzollernschen Hausorden 3. 5kl; m. Schwertern. Mainz. Untcro'fizier Fritz Hirsch, Führer einer Lichtsignaltruppe, erhielt für hervorragende Leistungen vor dem Feinde die Hess. Tapferkeitsmedaille. Potsdam Geh. Regierungsrat Prot. Dr. Karl Schwarzschild, Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam, ordentl. Honorar-Professor der Friedrich Wilhelms-Universität, Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin usw., ist einem Leiden, das er sich im Felde zuzvg, erlegen. Sch. diente als Leutnant ltitb erwarb sich das Eiserne Kreuz. Er hat eiu Alten von 42 Jahren erreicht. Posen. H. Sch lesinger,Dr med. Schlesinger- Kempen, S a l o m o n s o h n - Hohensalza, Willy B e --- ch e r - Mescritz, Arthur Fraenkel- Krotoschiu, I s idor A l t m a n n - Mixstadt, Simon Alfred Abramow itsch-Ostrowo, Leo Nathau-Samter, Laus Wittkowski-Schneidemühl und- Vizefeldw. Felix Samuel-Posen erhielten das Eiserne Kreuz. Dttrowo. Stadtrat Kraus köpf stvtete anläßlich seines 60. Geburtstages 2000 Mk., bereit Zinsen alljährlich - armen Kriegern, deren Franc» und .Hinterbliebenen zu gute kommen. Personalien «. Kleine Mitteilungen. verlin. Siegfried Brünn. Seniorchef der Konjektionsfirnla Joelsohn & Brünn, ist im 78 Lebensjahre verschieden. Diese Nachricht wird lveite Kreise der deutschen Judenheit schmerzlich berühren, denn der Verstorbene.hatte sich durch sein jüdisches Interesse, seinen edlen Charakter und seine offene Hand allgemeine Beliebheit erworben. Er saß iin Ausschuß des Deutsch-Israel. Gemeindebundes, sin Kuratorium der Lehranstalt fiir die Wissenschaft des Juden-, tums usw. usw. Besondere Verdienste erwarb er sich, auch' um die Organisierung des Verbandes der jüd. Jugendvereine Deutschlands. - -