Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 18 (12.5.1916)
- Date
- 1916-05-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 18. WanWrt« MraEschdS LaMüaMSt. Budapek- R i fi o t § e 11 n i, brr bekannte Budapestee Fußballspieler, ein Neffe des verstorbenen Obcrbürgerincisters von Budapest Dr. Franz Heltai, wurde. an der Front siebenmal ausgezeichnet. Er erhielt die bronzene, Leine und große silberne sowie die goldene Tapferkeitsmedaille, wurde inzwischen zum Leutant, dann zum Oberleutnant befördert und erhielt nach dem sclbernen und bronzenen Signum laudis auch das Mlitärverdienstkreuz. tlTfiö m Af« Erlanger Machf. - Kalserhofslr.14 Waschen, Färben und Faponnleren aller Art Herren- und Dam enh ütom -Abholung und Lieferung frei Ins Haus. — Es würde zu weit führen, muh nur einen Bruchteil der eingegangenen Briefe und Karten der bedachten Mitglieder und Nichtmitglieder hier wiederzugeben. Zeilen, die uns immler wieder von neuem zeigen, wie -gerade der jüdische Krieger es dankbar empfindet, daß ihm von Freunden in der Heimat jüdische Lektüre und sinngemäße jüdische Liebesgaben zu den hohen Festen zugedacht werden. So hat der Verein die Freude gehabt, eine Feldpurimfeier aus eignen Mitteln durch Gaben an die zahlreichen Teilnehmer verschönern zu können und konnte tzu den letzten Pesachfeiertagen allein über 300 Päckchen versenden. Hoffen wir, daß auch dieses Arbeitsfeld des Montefiore durch einen baldigen Frieden seinen Abschluß erreicht. Bis dahin jedoch erfüllt jeder, der dazu in der Lage ist, eine doppelte patriotische und jüdische Pflicht, eine Tätigkeit zu unterstützen, die wie viele andere den Stempel großherzigen jüdischen Bruderempfindens aufweist. Personalien «. Kleine Mitteilungen. Berlin. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums hätte im Sommersemcster 1915 28 und im Wintersemester ,1915/16 25 ordentliche Hörer. Dr. Fritz Bernstein, Dr. Rudolf, Ferda, Dr. Eugen Gärtner, Philipp Katz, Dr. Siegfried Klein und Alex Lewin bestanden die Rabbinatsprüfung. Der Kaflenbericht schließt in Einnahmen und Ausgaben mit i04565 Mk. Das Vermögen der Anstalt ist auf 1300 603 Alk. .angewachsen. Berlin. Moritz .Manheimer hat sein gesamtes Vermögen für 42 Stiftungen und Legate ausgesetzt. Das Testament tritt erst nach dem Ableben der Witwe in Kraft- Schön zu seinen Lebzeiten hat Manheimer drei Millionen Mark wohltätigen Zwecken zugeführt; trotzdem bleibt jedoch iwch ein sehr beträchtliches Vermögen übrig, zu dem auch das wertvolle Grundstück in der Tiergartenstraßc 5a gehört. Die kürzlich in Baden-Baden im 79. Lebensjahre verstorbene Frau Julie G erso n-L iebermann, die Gattin des schon vor längeren Jahren verstorbenen Kommerzienrats Julius Gerson, früheren Mitbesitzers der Firma Herrmann Gerson hat ihr gesamtes Vermögen in Höhe von drei Millionen Mark für wohltätige Zwecke bestimmt. Ein größerer Teil fällt der jüdischen Gemeinde zu, in deren Ehrendienst die Verstorbene vier Jahrzehnte lang tätig war. . t* Breslau. Dem EmanuelFröblich'fchen Ehepaar wurde anläßlich seiner.goldenen Hochzeit die Ehejubiläumsmedaille mit Widmung verliehen. ■ Jeßnitz (Anyalti. Kommerziell at F r i tz P i a u t. der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, ist — 64 Jahre alt — verschieden. Wien. Sophie Schiff, die Gattin de§ bekannten Mitgliedes der hiesigen traditionellen Judcnheit Benzion Schiff, das Muster einer wahrhaft jüdischen Frau, ist plötzliche verschieden. Wie«. Professor Dr. Arthur Mahler, früher Privatdozent an dem Archaolog. Institut in Rom und an der Techn. Hochschule in Prag, ein Kunstgeschichtler von reichem Wissen, ist nach schwerem Leiden verschieden. M. wurde s. Z. als Zionist in den österr. Reichsrat gewählt. Budapest. Die Stadt L o c s e wählte den Advokaten Dr. Moritz Fried zum Bürgermeister. Er dürfte gegenwärtig der einzige jüdische Bürgermeister Ungarns sein. Budapest hat in Franz Dari einen Juden als Vizebürgermeister. - Mit welcher Dankbarkeit die Juden Ungarlis das Andenken des jüngst verstorbenen Karl Eötvös, des Verteidiger im Tisza-Eslarer Prozeß, ehrt, geht aus den Berichten der Trauerandachten hervor, die in zahlreichen jüdischen .Gemeinden veranstaltet wurden. Auch wird der Plan erwogen, zu seinem Andenken eine große jüdische Stiftung zu errichten. CigarrBii'MQlleF, gr. Eschenheimer8tr.31. iLiebtranenstr. 1/3. Xaniinwlr. 47. Ci - Partien erstklassigen Ursprungs. Frankfurter Berichte. Kleine Notizen. Der Talmud Thora-Verein veranstaltet während des Sommer-Halbjahres nad); Schluß des Sabbat- Vormittags-Gottesdienstes der Börneplatz-Synagoge Lehrvorträge. Aün dieswöchentlichen Sabbat spricht Rabbiner Dr. Nobel. < Feldpost des Montefiore Der .Verein „Montefiore" hat gleiche nach Ausbruchdes Krieges eine eigne Feldpoststelle eingerichtet. Es verlohnt sich, heute nach fast zweijähriger Tätigkeit einen kurzen Rückblick auf deren Wirken zu tun. Von einem Adressenmaterial von 70 auf über 300 steigend, vermehrten sich die Schwierigkeiten einer planmäßigen Durchführung immer mehr, und nur dem unermüdlichen Eifer des leitenden Vorstandsmitgliedes sowie durch das großherzige Entgegenkommen einer Reihe von Gönnern war es mögliche die regelmäßigen Zusendungen nicht zu unterbrechen. Besonderen Dank sei auch dem „Franks. Jsr. Familienbl.", der „Frankfurter Zeitung", .Kleine Presse", . sowie dem „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens" und dem „Verband der deutschen Juden" für die Ueberlassung chrer Zeitung gezollt. Tausende von Päckchen mit Eßwaren und Gebrauchsgegenständen sind seit Beginn des Feldzuges an die Front geschickt worden, und wöchentlich gehen neben diesen Paketen noch hunderte von Zeitungen, Zeitschriften und Bücher fort. „Montestore"-Vereiu. Die unvorhergesehene längere Dauer des Krieges verbunden mit den vielen Einberufungen hat als natürliche Nebenerscheinung die teilweise Aufgabe oder auch! die gänzlche Stockung vieler im Frieden segensreich! wirkender Vereine zur Folge. Zu den Vereinen, deren Weiterführung trotz der allgemeinen Lage eine unbedingte Notwendigkeit bedeutet, gehören die Jugendorganisationen. Ist es doch gerade in diesen Zeiten) da ein großer Teil der Väter und älterer Brüder eingerückt Ist, eine doppelte Notwendigkeit und Beruhigung, wenn man die heranreifenden jungen Leute in ihrer fteien Zeit in gutem gediegenen Kreise zu ernster und fröhlicher Geselligkeit vereint weiß. Es ist von Seiten der Behörden durch, das Recht des Bezuges von Ausweiskarten durchdie Mitglieder der Jugendvereine (für die Mendstunden) in weitgehendem Maße dafür gesorgt worden, daß der Besuch, der Vereinsveranstaltungen in jeder Weise erleichtert und gefördert wird. Und besonders in diesem Monate möchten wir an die Eltern, Geschäfts- und Pcnsionsinhäber bft dringende Aufforderung richten, die in die Lehre eintreteiidcn jungen Leute zum Eintritt in die Jugendorganisationen zu veranlassen. Der Montefiore sieht in seinem Sommerplan die Durchführung aller fremdsprachlichen Kurse, Schillrim, Bücherausleihe/ Turnspiele usw. vor. Eingerichtet sind bereits englische Sprachkurse, literarische Lesezirkel, Wanderungen, Bücherausleihe. Demnächst beginnen die so beliebten Samstagsnachmittagsznsammenkünfte. Es ist daher lwch Zeit, sich an diesen sowie an den Adrigen Einrichtungen, deren Beginn von der 'Teilnehmerzahl abhängt, zu beteiligen. Wir hoffen gerne, daß die vorangehenden Ausführungen die Teilnahme vieler Jugendlichen veranlassen an Veranstaltungen, die in erster Linie zur Vertiefung der Kenntnisse dienen, deren ein junger Mann heute bedarf. Lehrftelleuvermtttluug der Augudas JiSroel Jngeudgruppe. Diese seit etwa Jahresfrist ins Leben gerufene Unterabteilung der A-J.-Jugendgruppe erfreut sich- .sehr reger Beteiligung. Namentlich zu Ostern verschaffte sie manchem jungen Mann eine Lehrstelle. Gegenwärtig besitzt das Büro lwch einige Namenvon Stcllensuchenden; Interessenten können sW schriftlich an die Gruppe wenden oder die Sprech-stulwe am Donnerstag Abend 9—10 Uhr benutzen. Auch in der Abteilung „Zimmernachweis" liegen Adressen zwecks.Vermietung von Zimmern (ohne Pension) vor. Zu Auskünften ist der Vorstand jederzeit gerne bereit. Es erfolgt die Vermittlung auch, für Nichtmitgliedcr kostenlos. Haushaltsplan der ifr. Gemeinde. Voranschlag 1916. Einnahmen. Hauptshnagoge . 6900 Jt, Synagoge Börneplatz 23600 „ Synagoge Königsteinerstr. 23600 „ Synagoge Bockenheim 1500 „ Sonstige Gottesdienste 1200 „ Beerdigungswesen 57200 „ Schlachtwesen und sonstige rituelle Betriebe 25200 „ Ritualbad 2800 „ Unterhaltung der Gemeindegebäude 19055 „ Zinsen 40552 „ Steuern 784000 „ Unvorhergesehenes 23 „ Ausgaben. 985630 Ji. Allgemeine Verwaltung 44950 Jk Hauptsynagoge 48166 „ Synagoge Börneplatz 37180 „ Synagoge Königsteinerstr. 52020 „ Synagoge Bockenheim 15620 „ Sonstige Gottesdienste 5700 „ Pensionen 24704 „ Philanthropin 106000 „ Gemeindehospital 219500 „ Beerdigungswesen 24125 „ Schlachtwesen etc. 53690 „ Ritualbad 3340 „ Unterhaltung der Gemeindegebäude 16500 „ Unfalletc. Versicherung 3000 „ Verzinsung und Tilgung der Schulden 248165 „ Steuern 15000 „ Religionsunterricht 35070 „ Beiträge für allgemeine Zwecke 17900 „ Unvorhergesehenes 15000 „ 985630 Ji Außer hem vorstehenden Ordinarium enthält her HstuShaltsplan ein Extraordinarium, veranlaßt durch die Anlage eines neuen Friedhofes, und die Rubriken Fonds- und Nebenverwaltungen. Blumen aus dem Felde werden präpariert und her|)0richtet Dekorationsblnmen, Perlkränze in grösster Auswahl Frankfurter Kunstblumen- und Kranzfabrik Rolscbendoeff 8 fleissnep, Töngesgasse 28. Mendel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) Zu jenen Zeiten war unsere Stadt im Besitze eines polnischen Fürsten und noch nicht preußisch. Wie es nun vier Jahre sind gewesen nach Mayers Handschlag, ist der Fürst gestorben, und die Stadt ist gekommen auf seinen Bruder, einen Bösewicht und Säufer. Er hat sich fünf Kosaken gehalten, die mit ihren Kantschus mörderische Schläge ausgetcilt haben, Einmal am Freitag früh ist sein Kosak geritten in die Khille und hat den Rabbi, mein' Vater, geholt vor den Fürsten. Die Vorsteher haben mitgehen gewollt, aber der 'Kosak hat gesagt, er werde spießen jeden, der da mitkonmie. So ist der Rabbi allein gegangen, und man hat in der Khille für ihn gebetet. Als der Rabbi in das Zimmer des Böseivichts trat, saß dieser mit seinen gemeinen Kosaken beim Zechen und schrie: „Fünfzig Peitschenhiebe, damit die Juden sehen, daß ich bin ihr Herr und mir bringen Zins auf zehn Jahr' voraus!" Aber wie die Kosaken haben die Händ' angelegt an den Rabbi, ist plötzlich zur Tür hereingesprungen Meyer Bauer, hat geschrien mit seiner gewaltigen Stimme: „Mörder! Willst du trinken jüdisch' Blut! Komm' her, ich Hab' mehr ivie der!", und streckt zwei Kosaken zu Boden. Die sind sie alle hergefallen über Meyer, denn der Fürst hat geschrien: „Der Tausch ist gut! Gebt ihm hundert Peitschen!" Die anderen Diener haben müssen helfen, denn Meyer ist stärker gewesen als die fünf Kosaken. Sic haben ihn überwältigt, haben gebunden seine Händ', entblößt seinen Rücken und haben ihn geschlagen. Der Rabbi, mein Vater, ist auf sein Angesicht gefallen und hat gebetet. Doch Meyer hat ihm> zugerufen: „Rabbi, sagt mir vor den Bibelvcrs für Büßende!" und später: „Rabbi, hebt an, vorzusagen das Sündenbckenntnis!" Aber wie der Rabbi hat Meyers Blutgesehen, hat er nit mehr können reden und ist ohnmächtig geworden. Erst gegen Mittag hat Meyer wieder aufgeschlagen seine Augen und hat gesehen, daß die Bauern, die ihn gern mochten, ihn und den noch ohnmächtigen Rabbi gebracht hatten in die Scheun'. Meyer hat die Bauern gebeten, den Rabbi in die Khille zu tragen, — doch sie haben nicht gewollt aus Furcht vor dem Fürsten. Da hat denn Meyer genommen den Rabbi auf seinen blutigen Nacken. Und Gott, gelobt sei Er, hat sich erbarmt über beide. Wie sie im Wald sind gewesen und Meyer hat niedergelegt den'Rabbi, um zu ruhen, hat der Rabbi geöffnet die Augen und hat gesehen und hat verstanden, was Meyer hat getan; und er hat aufgehoben seine Hand, um zu reden! Aber Meyer hat gesagt: „Rabbi, gebt mir Euren Handschlag, daß Ihr nit werdet reden in der Khille von dem, was ich Hab' getan!" — Und der Rabbi, mein Vater, hat ihm müssen geben die Hand darauf, denn Meyer hat in ihn sehr gedrungen, bis er es hat getan. — Danach hat Meyer den Rabbi gebracht bis,vor die Khille, wo da sind andere Juden entgegengekommen, und ist weggcgangen." Malkoh hielt für längere Zeit inne und fuhr dann - nur in abgerissenen Sätzen pausenartig halb träumerisch fort: „Und Meyer ist noch zweimal gekommen in unser Haus, weil der Rabbi ihn hat lassen zu sich bitten und hat mit ihm gered't in der Bücher-Stub' im Stillen. -—Später ist er nicht mehr gekommen. — Er hat sich ein Weib genommen vom Lande. — Sie — sie soll mir's verzeihen auf jener Welt! — sie ist nit gewesen ivie das Weib soll sein von einem Gibbor! Er hat gelebt in Gram. Und ist nit alt geworden. Aber vor ihm .ist hingegangen mein Vater, der Rabbi, um zu stehe»