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Neue jüdische Presse · 1916-05-12 · Heft 18 (12.5.1916) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 18 (12.5.1916)
Date
1916-05-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr 18 &tte 5. vor dem Throne Gottes und zu sagen Zeugnis, daß er empfangen soll Lohn unter all' den Heiligen, die da haben hingegeben ihr Blut zur Verherrlichung des göttlichen Namens." Der Schauer, der durch Mendel's Seele ging, fesselte nicht minder seine Glieder wie seine Zunge; aber seine Brust hob sich hörbar im schweren Atmen, und in der tiefsten Stille, die jetzt auf Malkoh's Worten folgte, nahm sich dies Atmen wie ein gewaltsamer Kampf aus, in welchem die Atemzüge zu Seufzen werden, und die Schauer der Seele sich in einen -erlösenden Tränenstrom ergießen wollen. Malkoh hörte diesem Kampf eine kurze Weile zu. Sie fühlte das Zucken durch die Seele Händeles, die ihre Kniee umklammert hielt, und auch durch ihr starkes Herz ging ein Zug alten Schmerzes. Aber bald hob sie wieder das Haupt und sprach mit bewegter Stimme wie folgt: „Und jetzund, Mendel, hast Du gehört, ivic wir sind erniedrigt von unsrer Höh', und wie die schönste Krön' ist gekonimen auf Dein Blut. Nit hat Meyer gewollt nehmen einen Teil von seinem Lohn auf der Welt. Zu Dir, der Du allein bist übrig geblieben von seinem Geschlecht, muß ich jetzund sagen: „Alles, was Dein Aug' sieht, ist Dein!" — Sie machte eine kurze Pause und fügte "baitn mit weicherer Stimme hinzu: „Du willst gehen in die Welt hinaus! -Ich bitt' Dich in Demütigkeit, nimm's an von mir, daß ich kaini bezahlen einen Teil von meiner Schuld, bevor ich zurückgeb' die letzte Schuld in die Hand von Gott, gelobt sei Er!" Der arme Salme brach zusammen im Weinen; Genendel jedoch, die zu lauge mit ihren Gefühlen gekämpft, sprang auf von ihrem Sitz und rief unter Tränen: „Mendel, erheb' Deine Hand' zu dem obersten Gott, der da geschaffen hat Himmel und Erd', .daß er erhöht hat Dein Blut zum Opfer für das Blut aus der großen Familie, denn wissen sollst Du: sieben Perlen von Malkoh's Gebind' habe ich abgeschnittcn, um sie zu verwenden heimlich für Mcyer's Witwe und für seine Waise, Ehaskel Gibbor, Deinen Vater!" Mendel aber erhob sich vom Sitz und mit einer Stimme, die in jedem Laut das tiefste Beben einer gewaltig kämpfenden Seele kund tat, rief er aus, die starken Arme himmelwärts gerichtet: „Ich heb' auf meine Häud' zum obersten Gott, der da geschaffen hat Himmel und Erd'! Nit einen Faden und nit emen Schuhriemen wcrd' ich nehmen, bis ich Ivert bin, zu heißen ein Enkel von Meyer und ein Sohn von Chaskel Gibbor!" Die Stimme war so mächtig und trug ein so gewaltiges Gepräge der Unerschütterlichkeit der Seele, daß nur das tiefste Schweigen hierauf folgen konnte. Es sprach durch die Herzen aller, die es vernahmen, die unabwendbarste Zustimmung; in der Bewegung aber, mit welcher Händele die Großmutter fester umschlang, lag mehr als dies und mehr als Worte hätten verraten können. Nach langer Pause, in welcher alle wieder ihre Sitze eingenommen, und als tiefe Dämnierung bereits im Zimmer und frohe Laute der Heimkehrcnden auf der .Gasse genugsam andeuteten, daß her liebe Sabbat Nachmu seinen Abschied bald nchnien wolle, nahm Mendel in der tiefen Stille noch einmal das Wort: - „Malkoh", sprach er — und seine Stimme klang Ivieder bescheiden und schüchtern — „nit hat mich Gott, der Gelobte, begnadigt mit Red'; ich kann nit danken mit meinen Lippen! — Aber bitten will ich Euch, daß Ihr Liebe tut an mir im Verdienst von meinem Aeltcrvater. — Morgen früh am Tag will ich gehen auf das Grab der Väter nach Nowo. Dort will ich beten, daß Gott, der Barmherzige, mich soll führen den rechten Weg, uiü> wenn ich werd' zurückkommen, sollt Ihr mir — und alle, die da haben heut mit uns erlebt diesen heiligen Sabbat Nachmu — beistehcn mit gutem Rat, in alleni, was ich will unternehmen!" Malkoh erhob beide Hände und sprach nichts als die Worte: ,„So wahr soll der heilige Gott mit uns sein Heut und immer und ewig. Amen!" Dann ließ sie die Hände langsam sinken und nych einer Weile erst fragte sie: „Händele, mein Kind, ist nit jetzt Zeit, zu singen „Gott Abraham?" Händele erhob ihr Antlitz. So dunkel es auch im Zimmer lvar, so sehr leuchtete dennoch dieses Antlitz in aller Augen. „Es ist Zeit", sagte sie leise; nachdem sie zum Fenster hingeblickt; und bald verließen die Gäste still unter dem Wunsche einer „guten Woch'" Malkoh's Woh¬ Frankfurter Israelitisches FamilieMatt. nung, um mit frommen Liedern und Gebeten dem guten Sabbat Nachmu ein gebührendes Geleit zu geben. In der mondhellen Nacht, die dem lieben Sabbat folgte, erhob sich Händele von ihrem Lager und schlich sehr leise zu dem der Großmutter hin und horchte. „Ich tu nit schlafen, mein Kind!" sagte Malkoh, deren feinem Gehör es nicht entgangen war, wie Händele die halbe Nacht bereits schlaflos zugebracht hatte. „Willst Du nit schlafen, Großmutterle?" fragte Händele, die sich auf den Rand des Bettes setzte. „Mein Kind, wo das Licht kommt herein bei Tag, kommt der Schlaf herein bei der Nacht; wo aber das Licht von der Welt nit mehr kommt in das Aug' und das Licht von Gott schon ist nahe zum Verlöschen, da läßt der Schlaf sich nit mehr herab auf uns." „Großmutterle", sagte Händele bewegt. „Red', mein Kind!" Es verging eine Pause. Händele nahm die Hand der Großmutter und preßte sie an ihr glühendes Angesicht. „Red', mein Kind!" wiederholte Malkoh. „Großmutterle", fragte Händele leise, „Du bist siebzehn Jahr alt gewesen, wie Meyer Gibbor hat hingegeben für uns sein Blut?" „Ja, mein Kind." „Und bist noch nit gewesen eine Braut?" „Nein, mein 'Kind!" „Und Meyer", fuhr Händele mit bewegter Stimme fort, „ist alt gewesen zwanzig Jahr und hat erst später genommen sein Weib, das nit hat verstanden zu sein ein Weib für den Gibbor?" (Fortsetzung folgt.) wockerno Vorhang* und Möbelstoffe, Tischn. Divand-cken etc. Carl Bischoff 19 Neue Mainzeratrasse 19 am Schanspi«11ians. Kunst und Literatur. P r e i s a u s s ch r e i fl e n. Die Lehranstalt für hie Wissenschaft des Judentums hat filr das Jahr 1816/17 folgende Preisaufgaben gestellt: a) für die Moses Meiidelssohn-Prämieustiftnug: „Der Einzelzeuge im talmud. Recht." Ablieferungsfrist: 1. Oktober 1916. b) filr den Maybaumsouds: „Die in der Synagoge übliche Seelenfeier foll auf ihren Ursprung und ihre Wandlungen hin untersucht werden." Slbliefernngssrist: 1. Llpril 1917. Von der Kirschstein-Stistuug war für 1915 folgende 1914 bereits ausgeschriebene Aufgabe wiederum gestellt worden: „Die Organisation und Verwaltung der jüd. Gemeindeil foll auf der Grundlage des g riech.-rüm. Bereinswcseu untersucht und dargestellt werden." Da wiederum eine Bearbeitung nicht eingegangen ist, wurde die Preisaufgabe wiederholt. Ablieferungsfrist: 1. Oktober l916. Der Golem. Ein Roman von Gustav M e y r i n k. 502 Seiten. Mk. 4,50 geb. Leipzig, Kurt Wolfs Verlag. Meyrink besitzt sicherlich künstlerische Gestaltungskraft, und er hat in dem vorliegenden Roinan fein Können an einen Stofs gewagt, der dem freien Formen der Gedanken und Worte die weiteste Entfaltungsmöglichkeit gibt. Ein Traum, und in diesem Traum ziehen Menschen vorüber, in deren Wünschen und Wollen die Sagengestalt des Golems, des Prager Ghettogeistes, wirkt. Leider aber find diese Menschen Phantasicsigurcn wie der Golem. Meyrink, der Christ, hat keine Ahnung von der jüdischen Seele. Seine Menschen sind als jüdische Typen undenkbar. Doch als solche werden sie aufgefaßt Iverden, und so lvird fein mit einer sehr großen Reklame ins Publikum geworfenes Werk verächtliche Gefühle gegen uns Juden Hervorrufen. Offenbaeher Druckluft-Anlage Offianbacb a. M. Telefon 123. (Anachlnaa mit Frankfurt). Bewährteste TsppiSÜt'EiniqBBfi (100,000 qm jährlich) sowie unübertroffene Battena. Battfadarnretnlgung mittelst Druckluft: and Wasserdampf. Wochen-Salender. (Zeitangaben nach dem t>u»cb.) SamStag, den 13. Mai >— 10. Ijar.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 30 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 55 Min. in Berlin S Uhr 40 Min. Wochenabschnitt: Be har. — Das Brachjahr. Das Jubeljahr. Omertabelle: Freitag abend 25. Omer; Samstag 26. Omer; Sonntag 27. Omer; Montag 28. Omer; Dienstag 29. Omer; Mittwoch 30. Omer; Donnerstag 31. Omer. Wochengottesdienst in Frankfurt a.. M. Morgens 61/4 Uhr in den meisten Synagogen (BockenhÄm, - Nnterlindau 61-, Königsteinerstr. 7(4, Hauptsynagoge 7 Uhr). Abends 8 Uhr in den meisten Synagogen (Königsteinerstr 7 Uhr, Hmiptsynagoge 4 Uhr). Spende«. Infolge des Ausrufes der Franks. Zion. Vereinigung gingen bei der Nationalsondskommission (I. Heimann, Zeil 21) für die P a l ä st i n a - R 0 t st a n d s a k t i 0 n cm: L. Janzou, Griesheim a. M. David Hamburger Frmr Karoline Hamburger Ing. Nathan Grünstein Gust. I. Rapp Mfred Pick A. Lewifohn N. N. D. H. Emil Zöfler Feist-Strauß Fräulein Grete Krämer Isidor Schloß Frau Betty Loewensberg Louis Spier I. Gutmanu, Zeil 41 I. Goldschmidt, Eiserne Hand Hch. Bing, Bockenheimer Anlage A. Heimann Söhne, Müllheim 3 .— Jt. 10.— 10.— 10.— 2.50 5.— 1.— 20.— 5.— 20.— 5.— 30.— 20.— 25.— 10.— 3.— 5.— 20.— S. G. o — .. . Ludwig Beer 20.— „ Sal. Mohrer 3.— „ Rabbiner Dr. R. A. Nobel 10.— „ S. H. 5.05 „ Louis Siegel 5.— „ Lösermann Meyer, See heim 5.— „ Speude » buch. Wilh. Schumes und Frau anl. der Verlobung ihrer Töchter Lilly mit Herrn Dr. Max Michael Hamburg l5.— Büchsenlcer u u g. A. Berger 6.02 -M. Ing. N. Grünstem 3.— „ Rich. Sondheimer 1.02 „ L. Janzon, Griesheim 3.80 „ Beim Franks. Jsr. Familienbl. gingen ein: Zur Hochzeit N. Plotkiu mit Frl. 4k. Luki», hier, spendeten die Familien S. H. Goldmann, Ingenieur Griinsteiu, M. Iah» und Max Nebenzahl 1 Oclbaum 6.— JL Vereins-Kalender. Samstag. Talmud Thora, nach, Schluß des Morgengottesdienstes Börneplatz-Synagöge: Bortrag (Rabb. Dr. Nobel). — Me kor Chajim, 121', Uhr: Melochim (Prof. Weyl); 4he Uhr: Mikroh-Bortrag L. Lob). Sonntag. 'Agudas I is r 0e l-M äd chen g ruppe, 3 Uhr, Stadtbibliothck: Ausflug Grafenbruch. Montag. Zion. Jugend gruppe, 9 Uhr, Hauptwache: Uendele (Benno Cohn). Bunte Chronik. Wiener jüdische Zeitbildchen. Urania. „Polnischer Abend": Einleitender Vortrag: Dr. Elsa Bienen selb. Mitwirkend:...... Marianne Lederer, ...... Josef Zimbler und Dr. Karl Lilienthal. Ludwig Wittgenstein hat dem Israelitischen Waisenversorgungsvereine 12 800 Kronen zum Andenken an feine Großmutter Frau Amalia Figdor, dem.Evangelischen Waisenversorgungsvereine, dessen O.b - mann er ist, 200000 Kronen gespendet. „Fabrikant, allererste Familie, umfassende Bildung, freidenkend, weltgereist, 11 Sprachen, sehr repräsentabel, unprononziertes Aussehen. sucht streng modern erzogenes Mädchen, möglichst Israelitin . . . . mit hohem Vermögen . . . lluter „Gesund und untauglich" an . . . ." „Große Damenkomiteesitzung . . . Frau Hofrat Amelie Oser, Aurelie Glaser, Daisy Sztereny, Mor- Pürgo, Direktor von Kraßny, Raja Wolken, Mautner von Markhos, Risa Thalberg, von Redlich . . . Hierauf ergriff Frau Berta Frankl-Scheiber das Wort und teilte mit, daß Fran Elsa Bland-Bartelmus (Tochter des Kantors Rüben Blatt) sich bereit erklärte, bei dem ersten Kinoabend .... das „A v e Mari a" von Gounod mit Harfen- und Cellobegleitung zu singen." Eingesandt. In der Jerusalemer hebräisch-zionistischen Zeitschrift „Hacheruth" stand eine Notiz folgenden Inhalts, die auch in deutsche Blätter übergegangen ist: „Ein Lehrer des Lehrerseminars des Hilfsvereins in Jerusalem erlaubte sich während einer llnterrichtsstunde in der vorletzten Klasse, über Juden und über die jüdischen Kolonie» Palästinas beleidigende Bemerkungen zu machen. Die Schiller fühlten sich verletzt und verließen die Schule. Zwei Tage stand die S chule leer, bis die Leitung der Schule versprach den Lehrer am Ende des Sommersemesters zu entlassen." Wir können auf Griind von telegraphischen Mitteilungen feststellen, daß der ganze Bericht von Ausapg bis. zu Ende auf Erfindung beruht. Hilfsverein der deutschen Juden. Geehrte Redaktion! 'Der Bezug der für die. Küche so notwendigen Fette hat heute für den bürgerlichen Haushalt, der nicht die städtischen Verkaufsstellen in "Anspruch nehmen kann, mancherlei Schwierigkeiten. Man muß mildem Spezereiwarenhändler, von dem man Butter und Pslanzenbutter, und mit dem Metzger, von dem man Fett beziehen will, schon gut stehen, damit mau zu den bevorzugten der Kundschaft gehört, die für ihr gutes Geld Ware bekommen. Der rituelle jüdisch« Haushalt ist naturgemäß, am

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