Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 17 (5.5.1916)
- Date
- 1916-05-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17. -•TS» f; »- ■ EeSe 4 'Auffallend groß ist die Zahl der Opfer, die der Krieg aus der Reihe der jüdischen Acrzte bisher schon gefordert hat. Rein äußerlich! findet dieser hohe Prozentsatz eine Erklärung in der verhältnismäßig großen Zahl' Mn Juden, die freiwillig oder pflichtgemäß als Sanitätsoffizier Militärdienst leiste». Nachvielen verbürgten Berichten wäre mancher Todes- oder.schwere Erkrankungssall unter den jüdischen Militärärzten vermeidbar gewesen, wenn Liese nicht in heldenmütigster Weise, ohne Rücksicht auf eigenes Leben und Gesundheit in schwierigster Lage ausgeharrt, den Verwundeten und Kranken ihre Hilfe hätten angedeihcn lasten.. — In der Geschichte dieses ungeheuren Krieges wird der deutschen Aerzteschaft und den jüdischen Aerzten im besonderen ein-eigenes Ruhmesblatt cingcräumt werden müsten, — letzteres zum mindestens von jüdischen Chronisten. - Heute, sei an dieser Stelle jn Liebe und Verehrung eines jungen Kollegen gedacht, der aus Frankfurt stammte, mit seinem Wesen hier wurzelte, und her in den ersten. Tagen des März bei den Kämpfen im Westen den allerrühmlichsten Heldentod fand: Dr. Heinz Ellern. Er stand schon eineinhalb Jahre inr Felde, war wegxn seines vorbildlichen Verhaltens schon in den ersten Kriegsmonaten mit dem Eisernen Kreuze 2. Kl. und der Hessischen Verdienstmedaille ausgezeichnet worden und hatte viele f rfahrvolle Augenblicke glücklich überwunden. Bei den ämpfen um Verdun hätte er nach schriftlichen und mündlichen Berichten von Kameraden und Untergebenen eine ■ besondere Kaltblütigkeit und ungewöhnlichen Eifer an den Tag gelegt, sodaß sein Regimentskommandeur sogar geäußert habe, er werde den Oberarzt Ellern zum Eisernen Kreuz i. Kl. Vorschlägen. Einige Tage vor seinem Hcldentode hatte er-eine leichtere Kopfverletzung erlitten; doch ohne Rücksicht auf diese blieb er bei der Front, bis er durch eine Granate dahingemäht wurde. Mit ihm ist eine glänzende'Hoffnung nicht nur seiner, auf ihn mit Recht stolzen Mutter und Geschwister, sondern . auch des Aerztestandes ins Grab gesunken. Er hatte einen vorzüglichen Bildungsgang durchgcmacht, assistierte iwch sehr gutem Staatsexamen zuerst iin hiesigen hygienischen Institut, dann an der inneren Klinik des Städt. Krankenhauses, und als gute Frucht dieser Arbeitsperiode lieferte er einen beachtenswerten Beitrag zu dem in mancher . Hinsicht noch unklaren Krankheitsbilde der Harnruhr. Das war aber nur die gesunde Grundlage für das von ihm von vornherein gewählte Spezialfach' der Chirurgie. Um in diesem einst Vollkommenes zu leisten, schlug er wiederum den sichersten Weg ein, indem er zu einem der modernsten tüchtigsten Chirurgen ging, zu Prof. Saucrbruchi nach Zürich. Auch von diesem Meister der Chirurgie wurden seiner beruflichen Laufbahn die besten Voraussagen gestellt. .Er war aber auch durch sein ganzes Wesen zum Chirurgen wie geschaffen Ihm, der das Mld kräftigster und edler Männlichkeit bot, war ein rascher Blick und eine sichere, geschickte Hand zu eigen. Was aber den Arzt erst über das Haiwwerksmäßige erhebt, besaß er in besonders hohem Grade: einen heiligen Ernst und .Vornehmheit der Ge-, sinnung, wenn berufliche Dinge oder die ewigen Probleme der Menschheit zur Frage standen. Damit aber verband^.er eine seltene innere Fröhlichkeit und Frische, die ihm viele Herzen gewann. Ich weist aus persönlichen Wahrnehmungen, wie rasch er sich hie Liebe von Kindern zu erringen wußte; das gelingt nur innerlich freien, reinen Naturen. ■' Unvollkommen wäre das Bild dieses trefflichen Menschen, gedächte ich nicht noch der jüdischen Note seines Ich. Aus streng religiösem Hause stammend und mit reichem jüdischem Wissen ausgestattet, wahrte er stets dem kon- - scrvativen Judentum Licke und Hochachtung. Für . seinen . Stolz auf die geistigen Werte des Judentums spricht die Tatsache, daß er ailch im Felde den jeweiligen Wochenabschnitt äiisTwr Thora nachzulescn pflegte. M ■fM.iT ii Mt» —------ - — -' - —...Fl BPtlllT|HT|imi QfRKMRIQH QVIMKlinnt Unter einem Hügel fremder Erde, von seinem ihn verehrenden Bataillon durch rühmende Worte des Dankes geziert, liegt nun, was von Heinz Ellern sterblich war. Uns mühselig weiter Hastenden erscheint das plötzliche Erlöschen von so viel urwüchsiger Kraft, von so reichen Lebensmöglichkeiten immer wieder schier' unfaßbar (unb niederdrückend. Liber das ist nicht pur die Quintessenz solcher reichen, im jähen Anstieg plötzliche abbrechjenden Lebensmöglichkeiten, sondern auch, die Ähre an ihre Um-' Welt, die sie uns noch über das irdische Ende hinaus zurufen: Greift das Leben beim Schopfe, so lange es Ewch zu streben vergönnt ist, denn nur im Schaffen vonüVerten liegt wahres Leben'. Dr. G. Löffler-Frankfurt a. M. Aus dem türkischen Reiche. Daß der Krieg das wirtschaftliche Lcken der Türkei nicht vernichtet, sondern ihm durch Hebung des Selbstvertrauens und durch den erstarkten Geist nationaler Selbsterhaltnng neue Kraft eingeflößt hat) wird durchs eine Reihe von Reügründungen bewiesen, über die im folgenden nach türkischen Blättern kurz berichtet sei. Die erste und größte ist die Anadolu Milli Mabsulat Osmanli,Anonym Schirketi („Osmanischc Gesellschaft für anatolische Produkte, A.-G.") in Konstantinopel, die über das ansehnliche Kapital von 200 000 türk. Pfund verfügt. Die zweite Gesellschaft ist die Naklijat umumijje Osmanli Anonym Schirketi („Osmanischc Allgemeine Transport-Gesellschaft, A.-G."), ckenfalls mit Sitz in Konstantinopel. Ist ihr Kapital auch geringer als das der ersten — es beträgt 22 000 türk. Pfund —, so ist (die Gründung vielleicht um so bemerkenswerter, als zu ihren Gründern mehrere frühere Gouverneure gehören und die Gesellschaft in ihrem Gründungszirkular besonders betont, daß ihr Zweck in erster Linie ein nationaler sein solle. Ferner sind zu erwähnen: Industrie- und Handelsgesellschaft Beirut, Sitz: Beirut, Kapital: 50 000 türk. Pfund, Zweck: Garnfabrikation; Harsch-Aktiengesellschaft, Beirut; Sitz Beirut, Kapital: 1000Ö türk. Pfund, Zweck: Errichtung eines Kasinos und eines Rennplatzes im Walde Harsch hei Beirut. Türkische Handelsgesellschaft „Konia", A.-G-, Sitz Konia, Kapital: 50 000 türk. Pfund, in Verbindung mit der Banquc Nationale et Economique in Konia, Zweck: Import und Export von Kolonialwaren und Unterstützung industrieller und ackerbaulicher Unternehmungen; Türkische Handels- und Textilgesellschaft, Sitz: Angora, Kapital: 20 000 türk. Pfund, Zweck: Textilfabrikation und -Handel. Nationale Handelsgesellschäst Jozgad, A.-G., Sitz: Jozgad, Kapital: 15 000 türk. Pfund, Zweck: Handel mit Agrar- und Jndustrieprodukten. Mineralwasser-Gesellschaft, A.-G., Sitz: Konstantiuopel, Kapital: 3000 türk. Pfund, Zweck: Vertrieb von Mineralwasser aus Orcellen in der Umgegend von Konstantinopel. Im Wilajet Snchrna bemühen sich die Behörden eifrig um die Förderung des bisher wenig bekannten Kartoffelanbaues, i Die jetzt erweiterte Universität in- Konstantinopel hat vier Fakultäten: je eine literarische, technische, philologische und juristische. Die literarische Fakultät mit ihren 31 Lehrstühlen gliedert.sich in literarische, philosophische, geschichtliche und geographische Mteilung. Vom Jüdischen Nationalfouds. Die Speiü>eneiuuahmen des Nationalfonds im ersten Vierteljahr 1916 belief sich auf Mk. 100,105. MW EM Arbeitersamilienhaus des jüdischen Nationalsonds in einer palästinesischen Kolonie. MM SsV. fes -ig-r. Dieser Betrag genügt nicht für hie Bedürfnisse in Palästina, ' Vor kurzem hat die Verwaltung des N. F. einen Jahresetat genehmigt, der für die Wirffamkeit des Fonds in Palästina — wie für Aufrechterhaltung feiner Farmen und genossenschaftlichen Betriebe, Fortführung der Pflanzungen, Bau von Arbeiterhäuscrn, Notstands-, arbeiten usw. — für das laufende Jahr Aufwendungen in Höhe -von mindestens Frs. {500,000 unumgänglich bedingt. Hoffentlich werden alle, die den jüdischen Kolonisationsbestrebungen in Erez-Jsrael Wohlwollen entgegcnbringen, in der nächsten Zeit bemüht sein, denr N. F. größere Einnahmen zuzuführen, so daß nicht nur die laufenden Erfordernisse des jüdischen Siedlungswerks daraus gedeckt werden, sondern aucheine Rücklage für die Zeit nach dem Kriege, wo sicherlich bedeutende Aufgaben an den N. F. herantreten, geschaffen werden kann. In jüngster Zeit sind eine Reihe von Lebensversicherungen zu Gunsten des Nationalfonds abgeschlossen worden, ebenso wie der Verwaltung von verschiedenen den N. F. betreffenden Vermächtuissun berichtet worden ist: So hat u. a. der vor einigen Monaten in Kanada.verstorbene Abraham Falick diesem auf Grund einer Lckensvcrsicherungspolize einen ansehnlichen Betrag hinterlassen. Aus aller Wett. Rußland. Petersburg. In jüngster Zeit haben sich in Rußland drei Kongresse zugunsten der jüdischen Gleichberechtigung ausgesprochen, nämlich der Kongreß des kriegsindustriellen Komitees, der des Städtverbändes und der des Scmstwv- Berbandcs. Der Krieg und die Jude«. Frankfurt a. M. Lassar Lewisohn erhielt aus Kiel folgendes Schreiben: Im Auftrags meiner Kameraden, 12 an Zahl, kann ick) Ihnen mitteilen, daß wir bei Herrn Lehrer Katz und Frau Gemahlin während' der acht Pessachtage vorzüglich verpflegt worden sind. Solch' schöne Tage in dieser schweren Zeit siird uns während der ganzen Mlitärzeit noch nicht vergönnt gewesen. Der von Ihnen 'gestiftete Wein hat uns herrlich gemundet, und nachdem uns Herr K. erzählt hat, daß Sic. auch erheblich zu unserer Pessachbeköstigung beigetragen haben, haben wir Sie und Ihre werte Familie hochleben lassen. Jedenfalls zeigt Ihre Anteilnahme für uns, daß es im Inland doch noch Juden gibt, dieunser gedenken. - - - Obermaschinistenmaat M. H. BreSlau. Bataillonsarzt Dr JsidorFriedeberg, Josef Hofmanil, Fritz Rosenstock, Max Schlamm, Arthur An sorge, Leutnant Herbert Rei»-Breslän, Dr. Kurt Böhm-Beuthen und Viktor Herzberg -Myslvwitz erhielten das Eiserne Kreuz. Vizefcldwcbel Alfred Roth und Wehrmaun Ger-, son Schini kowitz-Breslau starben den Heldentod. Posen. W. Kozminski, Paul Reich, Gefieiter A z a v s k i - Posen, Kurt Zimmt - Schrinm erhielten das Eiserne Kreuz- Wien BlochS „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in ihrer'letzte» Nummer folgende Auszeichnungen an Juden: 2 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 3 Mili-- tärverdienstkreuze 3. Klasse, 2 silberne, 26 bronzene Signum laudis, 1 goldenes Bcrdicnstkreuz, 25 silberne Vcrdienstkreuze mit der Krone- 9 /silberne Verdienstkrcnze, 5 silberne Tapferkeitstnedaillen 1. Kl., 32 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Kl., 55 bronzene Tapferkeitsniedailleu, zusammen .160 Auszeichnungen; hievon 39 an Offiziere ins. Soldatenstandes, 11 an Militärärzte und Militärbemnte, 110 an Personen des Mannschaftsstandes. Budapest. Die jüdische Gemeinde in Großwardein hat beschlossen, ein K n a b e n w a i s e n h a u s zu errichten, in dem besonders Kriegswaisen Aufnahme finden sollen. Die Witlve des Reichßtagsabg. Dr. Julius Rosenb e r g, geborene Karolina Texcira de Mattos, chät zu Gunsten der Kriegsinvaliden, -Witwen und -Waisen des Eisenburger Komitates eine Stiftung von 200000 Kr. gemacht. Die Zinsen des Kapitals sollen zur Schaffung von Existenzen dienen. Personalie» «. ftleHte VNtteilrmge». I Berlin. Geh. Kommerzienrat Jacob Dannenbaum. 1. Direktor der Preuß, Pfandbriefbank, ist — 68 Jahre alt — verschieden. : Geh. Medizinalrat Dr. Adolf Baginsky, Direktor des Kaiser Friedrich Kinderkraukenhauscs, feiert am 7. Mai sein 50jährigcs Doktorjubiläninj Rülzheim (Pfalz). Samuel Landauer, der langjährige Vorsteher der israelit. Geineinde, feierte seine silberne Hochzeit. .. BreSlau. In Beuthen ist für den verstorbenen Rabh. Nischkowski Dr. Hugo Krakauer znm 2. R a b - biner gewählt worden. Mit der Vertretung des erkrankten Rabbiners Dr. Münz-Gleiwitz ist Dr. , Samuel-Ochs beaustragt worden. ' Wien. Großkaulmann A b rabam I A l b al o, Vizepräsident des Verbandes türkisch-sephardischcr Israeliten, ist — 56 Jahre alt — verschieden.